In dieser Proseminararbeit erfolgt die Exegese des Textes Mt 12, 22-32 nach der historisch-kritischen Methode. In der Lutherbibel erfolgt eine Einteilung des Textes in zwei verschiedene Sinneinheiten: V 22-30 mit der Überschrift "Jesu Macht über die bösen Geister" und V 31-32 mit der Überschrift "Die Sünde gegen den heiligen Geist". Auf diese Unterscheidung, welche nicht bindend ist, wird zu Beginn verzichtet. Eine eventuelle Auftrennung des vorgegebenen Textes wäre ein Teilergebnis aufgrund verschiedener Methodenschritte, welche erst noch folgen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der Text
- 2.1. Übersetzung
- 3. Literaturkritik
- 3.1. Stellung im Kontext
- 3.2. Abgrenzung
- 3.3. Gliederung
- 3.4. Einheitlichkeit
- 3.5. Quellenanalyse
- 3.5.1. Betrachtung von Mt 9,32-34 par Mt 12,22-24 par Lk 11,14-15
- 3.5.2. Synoptischer Vergleich
- 4. Textanalyse
- 4.1. Syntaktische Betrachtung
- 4.2. Semantische Analyse
- 4.2.1. Erstellung eines semantischen Inventars
- 4.2.2. Semantische Oppositionen
- 5. Formgeschichte
- 5.1. Feststellung der Gattung
- 5.2. Erhebung des Sitzes im Leben
- 5.3. Rekonstruktion der Überlieferungsgeschichte
- 6. Traditionsgeschichte
- 6.1. Davidssohn
- 6.2. Das Bildwort vom Starken
- 6.3. Beelzebul
- 7. Redaktionsgeschichte/ Einzelauslegung
- 8. Biblisch-theologische Reflexion
- 9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Proseminararbeit verfolgt das Hauptziel, eine tiefgehende Exegese des biblischen Textes Mt 12,22-32 durchzuführen, wobei die historisch-kritische Methode als primärer Forschungsansatz dient. Die Arbeit zielt darauf ab, den Text in seinem literarischen, historischen und theologischen Kontext zu verstehen und seine Bedeutung herauszuarbeiten.
- Historisch-kritische Exegese des Matthäusevangeliums
- Analyse von Mt 12,22-32 (Heilung, Beelzebul-Vorwurf, Sünde gegen den Heiligen Geist)
- Vergleichende Literaturkritik und Quellenanalyse der synoptischen Evangelien
- Untersuchung von Form-, Traditions- und Redaktionsgeschichte der Perikope
- Semantische und syntaktische Analyse des griechischen Originaltextes
- Biblisch-theologische Reflexion der christologischen Aussagen und deren Relevanz
Auszug aus dem Buch
Literaturkritik: Stellung im Kontext und Abgrenzung der Perikope Mt 12,22-32
3. Literaturkritik
Die Literaturkritik stellt die Frage "nach der Einordnung von Einzeltexten...in einen übergreifenden schriftlich-literarischen Zusammenhang."³ Dazu gehört die Klärung folgender Teilfragen: Bezieht sich der Text auf einen Prae-Text? Wurde er bearbeitet? In welcher Beziehung bestehen die Schriften zueinander?⁴
3.1.Stellung im Kontext
Das Mt-Evangelium möchte gemäß einiger Indizien "...primär ein erzählendes Buch sein..."⁵. Daraufhin deutet beispielsweise die Verwendung von Schlüsselwörtern über mehrere Textabschnitte hinweg, so dass diese den Sinn über längere Abschnitte erschließen. Das zusammenhängende Lesen wird so gegenüber dem perikopenweisen Lesen begünstigt.⁶ Es ist erkennbar, dass Mt das Mk-Evangelium zur Grundlage seines Aufrisses gemacht hat. Mt 12-28 kann als eine veränderte und erweiterte Neufassung von Mk 2,23-4,34; 6,1-16,8 verstanden werden. In Mt 1-11 ist redaktionell stärker gestaltet, wobei die Reihenfolge von Mk 1,4-2,22 und von Q in Mt 3-11 größtenteils erhalten bleibt. Mt 11 zeigt einen Übergangscharakter, indem er in V 5f auf die Wundertaten Jesu in Kap. 8-9 zurückweist und die V 25-30 auf 28,16-20 vorausweisen. Der Abschnitt 11,2-12,50 berichtet von unterschiedlichen Reaktionen auf das Wirken Jesu in seiner Umwelt.⁷ Der Übergang in 12,1 schließt mit Ἐν ἐκείνῳ τῷ καιρῷ an die Ereignisse in Kap.11 narrativ an. Kap. 12 beschreibt besonders die Auseinandersetzung mit den Feinden. Kap.13 stellt ein Gleichniskapitel dar und enthält neben der Gleichniserzählung eine Belehrung der Jünger.
3.2.Abgrenzung
Zu Beginn signalisiert das Adverb τότε in V 22 eine neue Erzähleinheit. Inhaltlich knüpft die Perikope durch die "therapeutische Tätigkeit Jesu"⁸ an der Vorhergehenden an. In der Perikope Mt 12,15-21 heilt Jesus in V 15 eine große Menge von Menschen und in Mt 12,22 heilt Jesus einen Besessenen. Ein weiteres Indiz zur Eigenständigkeit gegenüber Mt 12,15-21 sind die neuen auftretenden Personen in Mt 12,23. Hier ist es "alles Volk" (πάντες οἱ ὄχλοι) im Gegensatz zur bereits genannten "großen Menge" ([ὄχλοι] πολλοί) in Mt 12,15.⁹
Eine Abgrenzung zu V 33-37 erscheint mir schwierig. Diese könnten mit Mt 12,22-32 eine Erzähleinheit bilden. Beispielsweise verweist wohl die Bezeichnung der Gegner als "Schlangenbrut" (γεννήματα ἐχιδνῶν) in V34 auf die Pharisäer als Urheber der Anschuldigung in V 24. Dies stimmt auch mit der sonst bei Matthäus üblichen Polemik gegen die Pharisäer überein. ¹⁰ ¹¹ ¹²
V 38 unterstreicht durch das Adverb τότε und der Auftritt einer zusätzlichen Personengruppe in Form der Schriftgelehrten die Betrachtung von Mt 12,22-37 als eine zusammengehörige Erzähleinheit. Als eine plausible Abgrenzung wäre daher V 38 zu sehen. Bultmann behandelt den Text ebenfalls als zusammengehörig.¹³ Die zusätzliche Berücksichtigung von V 33-37 würde aber den Umfang der Aufgabenstellung übersteigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Proseminararbeit ein und umreißt die Anwendung der historisch-kritischen Methode zur Exegese des Textes Mt 12,22-32, wobei eine vorläufige Textabgrenzung vorgenommen wird.
Kapitel 2. Der Text: Es präsentiert die deutsche Übersetzung des relevanten biblischen Abschnitts Mt 12,22-32 aus der Lutherbibel von 1984 und verzichtet auf eine detaillierte Textkritik aufgrund der sprachlichen Voraussetzungen des Studiengangs.
Kapitel 3. Literaturkritik: Hier wird der Text Mt 12,22-32 in seinen größeren schriftlich-literarischen Kontext im Matthäusevangelium eingeordnet, seine Abgrenzung zu anderen Perikopen diskutiert und seine Quellen (Mk-Bestand, Q-Tradition) durch synoptische Vergleiche analysiert.
Kapitel 4. Textanalyse: Dieses Kapitel untersucht den Text syntaktisch und semantisch, indem es wiederkehrende Sprachmuster, Wortfelder und Bedeutungsbeziehungen sowie antithetische Strukturen identifiziert.
Kapitel 5. Formgeschichte: Die Gattung der Wundergeschichte und des Streitgesprächs in Mt 12,22-32 wird festgestellt, der mutmaßliche "Sitz im Leben" der Überlieferung erhoben und die Überlieferungsgeschichte rekonstruiert.
Kapitel 6. Traditionsgeschichte: Es werden die traditionsgeschichtlichen Hintergründe wichtiger Begriffe wie "Davidssohn", "Bildwort vom Starken" und "Beelzebul" beleuchtet und ihre Entwicklung im Kontext des Frühchristentums verfolgt.
Kapitel 7. Redaktionsgeschichte/ Einzelauslegung: Dieses Kapitel analysiert die spezifische redaktionelle Arbeit des Evangelisten Matthäus an Mt 12,22-32, beleuchtet seine Anpassungen im Vergleich zu Paralleltexten und die dahinterstehenden theologischen Intentionen.
Kapitel 8. Biblisch-theologische Reflexion: Abschließend wird die theologische Bedeutung von Mt 12,22-32 reflektiert, insbesondere seine christologische Aussage, die Darbietung Jesu als messianische Gestalt und seine Relevanz für die Gemeindesituation zur Zeit des Matthäusevangeliums.
Schlüsselwörter
Historisch-kritische Exegese, Matthäusevangelium, Mt 12,22-32, Beelzebul, Davidssohn, Literaturkritik, Textanalyse, Formgeschichte, Traditionsgeschichte, Redaktionsgeschichte, Synoptischer Vergleich, Q-Tradition, Sünde gegen den Heiligen Geist, Reich Gottes, Dämonenaustreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit führt eine historisch-kritische Exegese des biblischen Textes Matthäus 12,22-32 durch, um dessen literarische, historische und theologische Dimensionen zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder umfassen die Heilung eines Besessenen, den Beelzebul-Vorwurf gegen Jesus, die Diskussion um die Sünde gegen den Heiligen Geist, die Frage nach Jesu Messianität als Davidssohn und die verschiedenen Methoden der biblischen Exegese.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die umfassende exegetische Untersuchung von Mt 12,22-32 unter Anwendung der historisch-kritischen Methode, um die Bedeutung des Textes im Kontext des Matthäusevangeliums zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der historisch-kritischen Methode, die Literaturkritik, Textanalyse (syntaktisch, semantisch), Formgeschichte, Traditionsgeschichte und Redaktionsgeschichte umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt eine detaillierte Literaturkritik inklusive Quellenanalyse (synoptischer Vergleich), Textanalyse auf syntaktischer und semantischer Ebene, die Form- und Traditionsgeschichte der Perikope sowie deren redaktionsgeschichtliche Einzelauslegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Historisch-kritische Exegese, Matthäusevangelium, Beelzebul, Davidssohn, Synoptischer Vergleich, Q-Tradition, und Sünde gegen den Heiligen Geist.
Warum wird die Sünde gegen den Heiligen Geist als unvergebbar dargestellt?
Im Kontext von Mt 12,31-32 wird die Lästerung gegen den Heiligen Geist als unvergebbar dargestellt, weil sie eine bewusste und endgültige Ablehnung der göttlichen Wirkmacht und des Reiches Gottes darstellt, die durch Jesu Taten sichtbar wird.
Welche Rolle spielt der Davidssohn-Titel im Matthäusevangelium?
Der Davidssohn-Titel ist für Matthäus von großer Bedeutung, da er Jesus als den messianischen Nachkommen Davids legitimiert und mit Wundertaten, insbesondere Blindenheilungen, verknüpft, wodurch Jesu königliche und heilende Autorität unterstrichen wird.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Beelzebulkontroverse bei den Synoptikern?
Die Darstellung der Beelzebulkontroverse bei den Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas) weist Ähnlichkeiten und spezifische Unterschiede auf, insbesondere in der Reaktion des Umfeldes, der Formulierung des Vorwurfs und der Art und Weise, wie Jesus darauf reagiert, was auf unterschiedliche Quellen und redaktionelle Bearbeitungen hindeutet.
Was versteht man unter dem "Sitz im Leben" im Kontext dieser Arbeit?
Der "Sitz im Leben" (Situationskontext) bezieht sich in dieser Arbeit auf die soziologische Situation der Gemeinde des Evangelisten Matthäus, für die die Überlieferung geformt wurde, insbesondere ihre Verteidigungsposition gegenüber dem Judentum und ihre Identitätsstiftung durch die messianische Deutung Jesu.
- Citar trabajo
- Alexander Herkner (Autor), 2014, Historisch-kritische Exegese zu Mt 12,22–32. Jesu Macht und die Sünde gegen den Heiligen Geist, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659464