Zu Beginn seines Aufsatzes beschreibt Hartenstein zwei maßgebliche Tendenzen in der Forschung am Ende des 20. Jahrunderts zu "Opfer" und "Kult" des alten Israel bezüglich der Verwendung von Tierblut als Bestandteil ritueller Vollzüge.
Die erste Tendenz sei die "Rezeption kulturanthropologischer und -philosophischer Theorien", besonders diejenigen des Althistorikers W. Burkert und des Religionsphilosophen R. Girard, welche "...dem "Opfer" einen wesentlichen Stellenwert für das Verständnis des Humanums zuweisen". Beide sehen "...im Akt der Tötung von tierischem und menschlichem Leben eine kulturelle Grunderfahrung..., zu deren Kompensation und Eindämmung die Rituale des blutigen Opfers wesentlich beitragen."
Inhaltsverzeichnis
- 1. Hinführung zum Thema
- 2. Methodische und sachliche Präzisierungen
- 3. Betrachtung von Lev 16
- 4. Kategorien der Blutverwendung
- 5. Bedeutung des Blutes anhand Lev 17, 10-16
- 6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Ausarbeitung befasst sich mit der symbolischen Bedeutung des Blutes im Alten Testament, basierend auf Friedhelm Hartensteins Aufsatz zum Thema. Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die "Eigenbegrifflichkeit" der kultisch zu verortenden Texte exemplarisch zu erfragen, indem eine historische Hermeneutik angewendet und umfassende Theorien zum altisraelitischen Kult aus der Distanz betrachtet werden.
- Alttestamentliche Kultforschung und Opferkonzepte
- Symbolische Bedeutung von Tierblut in rituellen Vollzügen
- Kulturanthropologische und philosophische Theorien zu "Opfer"
- Biblische Theologie und die kultische "Sühne"
- Analyse spezifischer Texte, insbesondere Levitikus 16 und 17
- Die verschiedenen Kategorien und Wirkungen von Blutverwendungen
Auszug aus dem Buch
1. Hinführung zum Thema
Zu Beginn seines Aufsatzes beschreibt Hartenstein zwei maßgebliche Tendenzen in der Forschung am Ende des 20. Jahrunderts zu "Opfer" und "Kult" des alten Israel bezüglich der Verwendung von Tierblut als Bestandteil ritueller Vollzüge.¹ Die erste Tendenz sei die "Rezeption kulturanthropologischer und -philosophischer Theorien"², besonders diejenigen des Althistorikers W. Burkert und des Religionsphilosophen R. Girard, welche "...dem "Opfer" einen wesentlichen Stellenwert für das Verständnis des Humanums zuweisen".3 Beide sehen "...im Akt der Tötung von tierischem und menschlichem Leben eine kulturelle Grunderfahrung..., zu deren Kompensation und Eindämmung die Rituale des blutigen Opfers wesentlich beitragen."4
Die zweite Tendenz entspränge aus dem Bemühen um eine Biblische Theologie. So sei die kultische "Sühne" in der Zeit des Zweiten Tempels ein wichtiger Bezugspunkt für die neutestamentliche Christologie, beispielsweise bei Paulus und im Hebräerbrief. Die dort aufgeworfenen Fragen beträfen unter anderem die Rekonstruktion des altisraelischen Sühnerituals, die Bedeutung des Tötungsaktes und des rituell verwendeten Blutes oder den Zusammenhang des Blutes Christi und seine Heilsbedeutung mit den Kategorien "Opfer", "Sühne" und "Stellvertretung".5
Bei der Betrachtung der biblischen Texte zur Beantwortung dieser Fragen entsteht für Hartenstein bereits das Hauptproblem des hermeneutischen Umgangs. Die in der Forschung verwendeten Deutekategorien hätten eine unklare Reichweite, die er mit dem Begriff "des Heiligen" veranschaulicht. Im Zentrum seiner Überlegungen steht bei ihm daher "...der Versuch..., exemplarisch nach der "Eigenbegrifflichkeit" der kultisch zu verortenden Texte zu fragen."7 Er möchte dies unter Verwendung einer historischen Hermeneutik tun, in dem er sich aus der Distanz "dem von umfassenden Theorien geprägten Forschungsgebiet des altisraelitischen Kultes..." nähert. Dies ist die Grundlage seiner weiteren Vorgehensweise, die er in insgesamt fünf Kapitel gegliedert hat: Methodische und sachliche Präzisierungen (2. Kapitel), Betrachtung des Textes von Lev 16 und weiteren Blutapplikationen (3. und 4. Kapitel) sowie der Gegenüberstellung zweier Forschungspositionen und seiner Gedanken zum Thema anhand der Betrachtung von Lev 17, 10-16 (5. Kapitel).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel stellt die aktuellen Forschungstendenzen zu "Opfer" und "Kult" im alten Israel vor und beschreibt Hartensteins methodischen Ansatz zur Untersuchung der symbolischen Bedeutung von Tierblut in rituellen Vollzügen.
2. Methodische und sachliche Präzisierungen: Hier werden Hartensteins Verständnis der Bedeutung des Blutes im altisraelitischen Kult im Kontext übergreifender religiös-kultureller Bedeutungszusammenhänge und seine Bezugnahme auf strukturalistische Prinzipien erläutert.
3. Betrachtung von Lev 16: Das Kapitel hebt die theologische Bedeutung von Levitikus 16 als Summe des Sühnekultes der Zweiten Tempelzeit hervor und analysiert dessen symbolisches System sowie die räumlichen und zeitlichen Aspekte des Rituals.
4. Kategorien der Blutverwendung: Dieses Kapitel fasst die verschiedenen Blutmanipulationen im Alten Testament zusammen und unterteilt sie in Kategorien wie reinigende/sühnende, beziehungsstiftende und apotropäische Wirkungen.
5. Bedeutung des Blutes anhand Lev 17, 10-16: Es werden die Aussagen zum Blutgenussverbot in Levitikus 17, 10-16 herangezogen, um die symbolische Bedeutung von Blutriten zu beleuchten, und verschiedene Forschungspositionen diskutiert.
Schlüsselwörter
Blut, Altes Testament, Opfer, Sühne, Kult, Levitikus, Rituale, Theologie, Symbolik, Reinheit, Stellvertretung, Leben, Hartenstein, Kulturanthropologie, Biblische Hermeneutik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der symbolischen Bedeutung des Blutes im Alten Testament, basierend auf dem Aufsatz von Friedhelm Hartenstein, und untersucht dessen Rolle in altisraelitischen Kulten und Ritualen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die alttestamentliche Kultforschung, die Analyse von Blutritualen, die Konzepte von Sühne und Opfer, sowie die Auseinandersetzung mit theologischen und kulturanthropologischen Deutungsansätzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, exemplarisch nach der "Eigenbegrifflichkeit" der kultisch zu verortenden Texte zum Thema Blut zu fragen, um die Reichweite der in der Forschung verwendeten Deutekategorien zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historische Hermeneutik angewendet, die sich umfassenden Theorien des altisraelitischen Kultes aus einer gewissen Distanz nähert, um die Texte in ihrer eigenen Logik zu verstehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische biblische Texte wie Levitikus 16 und 17 detailliert betrachtet, verschiedene Kategorien der Blutverwendung im Alten Testament zusammengefasst und unterschiedliche Forschungspositionen zur Bedeutung des Blutes diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Blut, Altes Testament, Opfer, Sühne, Kult, Levitikus, Rituale und Theologie.
Wie versteht Hartenstein die Bedeutung von Blut im altisraelitischen Kult?
Hartenstein begreift die Bedeutung des Blutes im altisraelitischen Kult im Kontext übergreifender religiös-kultureller Bedeutungszusammenhänge, wobei er strukturalistische Prinzipien und altorientalische Kulturzusammenhänge zur Erklärung heranzieht.
Welche Funktion hat das Sündopferritual laut Hartenstein?
Das Sündopferritual dient nach Hartenstein der symbolischen Reinigung des Heiligtums durch spezifische Handlungselemente wie die Blutbesprengung im Heiligtumsinneren und die Blutapplikation an die Altarhörner.
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- Alexander Herkner (Author), 2014, Zum Aufsatz "Zur symbolischen Bedeutung des Blutes im Alten Testament" von Friedhelm Hartenstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659484