Geomorphologisch-bodenkundliche Gliederung Skandinaviens

Geomorphologie und Pedologie


Studienarbeit, 2010
21 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geologie und Geomorphologie Skandinaviens
2.1 Geologische Gliederung
2.2 Geomorphologische Gliederung
2.2.1 Die Glazialablagerungen
2.2.2 Das Relief - Absolute und relative Hohen
2.2.3 Morphologische Typenlandschaften
2.2.4 Diskussion der Morphogenese
2.2.5 Der glaziale Formenschatz in Skandinavien
2.3 Geomorphologie ausgewahlter Raumbeispiele
2.3.1 Frostmusterboden im Norden (Norwegen, Schweden, Finnland)
2.3.2 Meteoritenkrater in Fennoskandien
2.3.3 Strandwalle auf der Varanger-Halbinsel in Nord-Norwegen

3 Pedologische Gliederung
3.1 Die Boden Skandinaviens
3.2 Pedologie ausgewahlter Raumbeispiele

4 Fazit

5 Eidesstattliche Erklarung

Abbildungsverzeichnis

1 Geologie Skandinaviens (aus: Glasser et al., 2003: 52)[8])

2 Vereisung Nordeuropas im Weichselglazial (aus: Glaser et al., 2003: 58)[8]) .

3 Relative Hohen Skandinaviens (aus: Somme, 21974: 370)[14])

4 Typenlandschaften im Detail (aus: Rudberg, 21974: 48-49)[11])

5 Morphologische Typenlandschaften Skandinaviens (aus: Rudberg, 21974: 46)[11])

6 Glazialmorphologische Formen Nordeuropas (aus: GlAsser et al., 2003: 59)[8])

7 Glazialgeomorphologie Danemarks (aus: Schou/Antonsen, 21974: 98)[5])

8 Frostmusterboden im Norden Skandinaviens (aus: Schultz, 32002: 119)[12])

9 Meteoritenkrater Skandinaviens (aus: Henkel/Pesonen, 1992)[9])

10 Die Boden Skandinaviens (aus: Eitel, 2006: XI)[2])

11 Bodenkarte Schwedens (1) (Quelle: Troedsson/Wiberg, o1986[15])

12 Bodenkarte Schwedens (2)(Quelle: Troedsson/Wiberg, 1986[15])

13 Bodenkarte Norwegens (Quelle: Norges Geografiske Oppmaling, 1983)[10]

14 Bodentypen (sub-)polar Skandinaviens (aus: Wuthrich/Thannh., 2002)[1])

1 Einleitung

Norwegische Natur (Ausschnitt)

Schau’ felsigen Kustenhang
Mit Mowen, Walen, Platz zum Fang,
Fahrzeugen im Inselschutze,

Doch Boten im Wogentrutze
Und Garn im Fjord, Schleppnetz im Sund -
Von Rogen weifi den ganzen Grund.

Im wilden Lofotenschwarm
Umschlingt den Fels der Meeresarm;
Die Hohen halt Nebel umzogen,
Doch am Fufie keuchen die Wogen,
Und alles dunkelt, schreckt und droht;
Jedoch im Strudel Boot an Boot.
(BjOrnstjerne Bjornson, 1869)

B. Bjornson beschreibt in seinem Gedicht ’Norwegische Natur’ eingangig die Fjordkusten im norwegischen Teil Skandinaviens, indem er in schwarmerisch lyrischer Art und Weise auf die felsigen Kusten, die vorgelagerten Inseln Norwegens, die Fjorde und die Hohen, sprich das Skan- dinavische Gebirge, die Skanden, eingeht. Sein Gedicht bringt uns eine einzigartige europaische Landschaft naher. Skandinaviens Naturraum ist jedoch nicht nur hinsichtlich seiner Kusten ein- zigartig, sondern in vielerlei Hinsicht. So stellt z.B. der circa 2,8 Milliarden Jahre alte Baltische Schild (ein sogenannter urberg) eines der altesten Relikte des Urkontinents Laurasia dar. Er besteht zum grofiten Teil aus Gneisen, Graniten, Schiefern (vgl. Glasser et al., 2003: 52)[8].

Durch tektonische Prozesse und Gesteinsbildungen, die von geologischen Urzeiten der Erde an bis in die Gegenwart hinein nachvollzogen werden konnen, sind ebensolche Strukturen des geo- logischen Untergrundes entstanden, auf denen sich uber die letzten 2 Millionen Jahre hinweg im Quartar durch tiefgreifende glazialmorphologische Prozesse das heutige Erscheinungsbild der nordischen Landschaften, wie beispielsweise von Bjornstjerne Bjornson in seinem Gedicht beschrieben, herauskristallisieren konnte (vgl. Glaser et al., 2003: 54)[].

Die heutige Landschaft ist also zum uberwiegenden Teil vom Eis gepragt und gemacht: ,,All- gemeine Folgen der Vereisungen in Fennoskandien waren Akzentuierung und Verjungung der Landformen [...] Uber die Wirkung der Vereisung selbst hinaus verdient vor allem ein postgla- zialer Vorgang Beachtung: Seit dem Ende der Eiszeit wolbt sich [in Skandinavien] die Erdkruste kuppelformig auf (Isachsen, 21974: 18)[4].“Dies ist entscheidend im Verstandnis der heutigen Landformen, denn ohne die Hebung wurden weite Teile Skandinaviens unterhalb des Meeress- piegels liegen und die zu beobachtenden geomorphologischen Strukturen und Buden h&tten sich nie entwickeln konnen. Dafi sich Skandinavien immer noch hebt, bezeugen nicht zuletzt junge marine Sedimente, welche nur wenige tausend Jahre alt, jedoch in weiter Entfernung der heuti- gen Strandlinie abgelagert sind (vgl. Isachsen, 1974: 18-19)[4].

Sowohl in den jungeren Sedimenten als auch in den archaischen Gesteinsplateaus bildeten sich demnach SuBerst faszinierende morphologische Formen und pedologische Besonderheiten aus, die durch unterschiedlichste Prozesse entstanden. Es sind gerade diese, die die Landschaft so interessant machen. Ziel dieser Hausarbeit ist es daher dem Leser die Geomorphologie und Pedologie Skandinaviens n&her zu bringen, indem typische nordische Landformen und Boden anschaulich dargestellt und ausfuhrlich erl&utert werden.

2 Geologie und Geomorphologie Skandinaviens

2.1 Geologische Gliederung

Skandinaviens Geologie des Anstehenden wird in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geologie Skandinaviens (aus: Glasser et al., 2003: 52)[8])

Die Gesteine des Archaikums (Granite, Gneise, Schiefer) nehmen iiber 95 % der Flache Finn- lands ein, sie haben einen Anteil von rund 80 % an der Flache Schwedens und bilden 30 % der Flache Norwegens. In Danemark dagegen sind sie kaum vertreten. „Die [archaischen] Gesteins- komplexe erscheinen [...] als die Wurzeln einstiger Gebirgszuge von derselben Art wie jungere und besser erhalten gebliebene, etwa die Alpen. Lange Abtragungsperioden haben diese archai­schen Gebirge tief aufgeschlossen, wobei zu beachten ist, dafi infolge der komplizierten, spateren Tektonik die heute sichtbaren Gesteine ursprunglich in ganz verschiedenen Tiefen gelegen haben konnen (Rudberg, 21974: 36)[11].“

Das Proterozoikum war gepragt von Abtragung und Einebnung, es entstanden keine neuen Falten- gebirge, stattdessen spielen tektonische und vulkanische Prozesse eine erhohte Rolle. So entstehen in dieser Zeit z.B. die Porphyre entlang der schwedisch-norwegischen Grenze. Auch die Bildung der rotfarbenen jotnischen Sandsteine, welche uberwiegend in Finnland aufgeschlossen sind, fallt in dieses Erdzeitalter. Im proterozoischen Eokambrium kommt es zudem zu langen Vereisungs- phasen in den Kaledoniden, wovon heute noch Tillite Zeugnis ablegen. Es handelt sich hierbei um fossile Moranen und Warvenschiefer, welche zum typischen eiszeitlichen Formenschatz gehoren.

Nach langen Einebnungsphasen wahrend des Palaozoikums, aus denen sogenannte Peneplains (Fastebenen) hervorgingen, faltete sich im unteren Palaozoikum schlieBlich in mehreren Faltungs- phasen das Kaledonische Gebirge auf, wobei die wichtigsten und starksten Schube am Ende des Silurs bzw. am Ubergang zum Devon stattfanden: Die Faltung fuhrte zu groBen Uberschiebungen und zur Metamorphose in den Tiefen. Lang anhaltende Abtragung legte in der Folgezeit diese tieferen Sektionen frei. Hieraus resultieren die Metamorphgesteine des in Abbildung 1 benannten Kaledoniums.

Seit dem Ende der Kaledonischen Gebirgsbildung herrscht bis heute Abtragung vor. Es entstan- den als Folge viele devonische Schiefer und Sandsteine wie auch mesozoische Sedimente. Im Tertiar nehmen die vulkanischen Tatigkeiten zu, es entstehen viele intrusive Basalte und es beginnt der Aufbau Islands durch Plateaubasalte, der bis heute anhalt. Im Quartar dann werden die Nordischen Lander vom Eis bedeckt, durch glazialmorphologische Prozesse bildet sich eben- jene Landschaft mit ihren geomorphologischen Formen heraus, die man heute vorfindet (vgl. Rudberg, 21974: 35-40)[11].

2.2 Geomorphologische Gliederung

Wie im letzten Absatz des voranstehenden Kapitels bereits angeklungen, ist das Erscheinungs- bild der heutigen Landschaften Nordeuropas zum uberwiegenden Teil auf die letzten Eiszeiten des Quartars zuruckzufuhren. Das (Inland- und Gletscher-) Eis war somit der formgebende, ge- staltende Faktor. In diesem Kapitel sollen nun die geomorphologischen Formen Skandinaviens naher betrachtet werden. Dabei stellt man schnell fest, daB die glazialmorphologischen Formen im geomorphologischen Formenschatz Skandinaviens auBerst dominant vertreten sind, weshalb hierauf im Folgenden ausfuhrlicher eingegangen werden soll.

2.2.1 Die Glazialablagerungen

In Abbildung 2 wird die Vereisung Nordeuropas wahrend des Weichselglazials dargestellt, wo­bei zusatzlich die Herkunftsorte und Streufacher wichtiger Leitgeschiebe aufgefuhrt sind, welche jedoch wahrend allen quartaren Eiszeiten verbreitet wurden. Mithilfe der Leitgeschiebe ist es moaglich den Weg der Eismassen der Inlandeisgletscher nachzuvollziehen und zu rekonstruieren. Es zeigt sich, daB das Inlandeis tiberwiegend nach Stiden/Osten vorgedrungen ist. Dies ist auch ein Grund, warum aostlich der Skanden die meisten geomorphologischen Formen zu finden sind. Das nachfolgende Kapitel soll nun den Ablauf der Vereisungen, den Eisruackgang und die dadurch bedingte Verbreitung quartaarer Lockermassen/ Ablagerungen naaher bringen.

Eine sinkende Schneegrenze ftihrte zu Beginn der Weichseleiszeit in den hohen Bergen der Skan- den zur Bildung von Gletschern. Es entstanden Kargletscher, Talgletscher, Plateaugletscher, Vorlandgletscher sowie Eisstrome usw. Wie in Abbildung 2 bereits angeklungen, verschob sich mit zunehmendem Schneefall, d.h. mit zunehmender Schneedrift hber die Kammlinien der Ge- birgszhge hinweg, der Eisscheitel nach Osten. Zur Zeit seiner groBten Ausdehnung reichte die Eisscheide des Inlandeises bis in weite Teile Norddeutschlands, Jhtlands, Mittelpolens und RuB- lands (vgl. Rudberg, 21974: 41-42)[11]. Das Eis floB jedoch nicht immer gleichmaBig in eine Richtung. So belegen an vielen Orten sich kreuzende Gletscherschrammen auf bloBliegenden Felsbloocken unterschiedliche FlieBrichtungen des Inlandeises zu verschiedenen Zeiten der Eiszeit (vgl. Glasser et al., 2003: 58)[8]. Wahrend diese Annahme als gesichert gilt, ist bis heute fraglich, ob die hochsten Berge der Skanden wahrend der Eiszeit als Nunataker durch die Glet­scher hindurchragten, d.h. eisfrei waren (vgl. Rudberg, 21974: 42)[11].

Der Rhckgang des Eises am Ende des Pleistozans bzw. am Anfang des Holozans lief phasenweise ab. So ist u.a. durch markante Gelandeformen (z.B. Endmomnen) belegt, daB es mindestens eine langere Stillstandsperiode von ca. 800 Jahren Dauer gegeben haben muB (Jungere Dryas); vor- her und nachher zogen sich die Gletscher des Inlandeises wesentlich rascher zuruck. Der Ruckzug der Gletscher war zudem davon abhangig, wo die Gletscherzunge endete: Im Wasser (Binnensee, Meer) oder auf dem (trockenen) Land. In Wasser erfolgte der Ruckgang nach Bildung sogenann- ter Eiskliffs uberwiegend durch Kalbung, auf dem Land taute das Eis zuerst oberflachlich ab, um dann erste Hugel und Kamme freizugeben, welche sich durch Sonnen-Einstrahlung erwarmt haben mtissen und den Schmelzvorgang beschleunigten. Ferner sonderten sich bald Eisblocke von der Gletscherzunge ab und bildeten Toteisblocke, welche nach ihrer Schmelze sogenannte Toteislocher bzw. Solle hinterlieBen. Diese sind heutzutage oft als kleine Seen oder Moore noch in der Landschaft zu erkennen (vgl. Rudberg, 21974: 42 [11] und Glaser et al., 2003: 58-59 [8]). Der Riickgang des Eises hat bis heute zudem eine isostatische Hebung Skandinaviens zur Folge, welche maBgeblichen EinfluB auf viele - auch aus geomorphologischer Sicht interessante - See- und Ktistenlinien nahm und nimmt (vgl. Glaser et al., 2003: 60 [8]). Hierauf soll im Folgenden jedoch nicht weiter eingegangen werden, da dies den Rahmen der Hausarbeit spren- gen wiirde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Geomorphologisch-bodenkundliche Gliederung Skandinaviens
Untertitel
Geomorphologie und Pedologie
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionalseminar "Norden"
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V165970
ISBN (eBook)
9783640817405
Dateigröße
38144 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geomorphologisch-bodenkundliche, gliederung, skandinaviens, geomorphologie, pedologie
Arbeit zitieren
Christian Benner (Autor), 2010, Geomorphologisch-bodenkundliche Gliederung Skandinaviens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165970

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