Die Forschung auf dem Gebiet des internen und externen Rechnungswesens steht nicht
still. Die Vielzahl an wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zeigt, wie aktuell
das Thema ist. Die Harmonisierungs- bzw. Integrationsmodelle des internen und
externen Rechnungswesens erzeugen bei einigen Vorständen und Geschäftsführern
große Phantasien. Welche Erwartungen damit verbunden sind und ob Sie erfüllt werden
können, soll in dieser Arbeit näher untersucht werden. Voraussetzung für den Erfolg
eines neuen Rechnungswesens ist, dass es den herkömmlichen Anforderungen aus
internem und externem Rechnungswesen gerecht werden muss. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die historisch gewachsene Trennung des internen
vom externen Rechnungswesen. Mehrere Argumente lassen eine Trennung sinnvoll
erscheinen. Erste Unterschiede zeigen sich in der Motivation der Rechungslegung und
im Adressatenkreis der Rechenwerke. Während das interne Rechnungswesen aus
eigenem Interesse für die zukünftigen Planungsaufgaben der Geschäftsführung und des
höheren Managements eingerichtet wird, dient das vergangenheitsorientierte externe
Rechnungswesen der handelsrechtlich verpflichtenden Erfüllung von Informationsbedürfnissen
der Eigenkapitalgeber, Gläubiger und Finanzbehörden. Dabei ist zu
beachten, dass die Ergebnisse beider Rechenwerke nicht identisch sein müssen.
Mögliche Differenzen ergeben sich durch die Ausnutzung alternativer handelsrechtlicher
Bewertungsregeln, um das durch das Maßgeblichkeitsprinzip bestimmte
steuerliche Ergebnis zu beeinflussen. Ferner werden im internen Rechnungswesen
Wertansätze zugrunde gelegt, die den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen und so
eine präzise Unternehmenssteuerung ermöglichen. Dagegen wird im externen
Rechnungswesen die Bewertung von Aktiva und Passiva nach dem Prinzip der Vorsicht
und Substanzerhaltung des Vermögens vorgenommen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Die Aufgaben des internen und externen Rechnungswesens
3 Die Ziele eines einheitlichen Rechnungswesens
4 Die Harmonisierungs- und Integrationsalternativen des internen und externen Rechnungswesens
5 Verwendung der externen Rechnungslegung für die interne Unternehmenssteuerung
5.1 Die nicht wertorientierte Unternehmensführung
5.1.1 Einführung
5.1.2 Der Gewinn
5.1.3 Der Return on Investment (RoI)
5.2 Die wertorientierte Unternehmensführung
5.2.1 Einführung
5.2.2 Shareholder Value auf Basis des Discounted Cash Flow (DCF)
5.2.3 Shareholder Value auf Basis des Economic Value Added (EVA)
5.3 Die integrierte Unternehmensführung
5.3.1 Einführung
5.3.2 Die Balanced Scorecard
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung der externen Rechnungslegung als Instrument zur internen Unternehmenssteuerung. Dabei wird analysiert, inwieweit unterschiedliche Modellansätze zur Harmonisierung oder Integration von internem und externem Rechnungswesen dazu beitragen können, eine ganzheitliche Steuerung zu ermöglichen und die Informationslücke zwischen den beiden Bereichen zu schließen.
- Historische Trennung von internem und externem Rechnungswesen
- Methoden der nicht wertorientierten Unternehmensführung (Gewinn, RoI)
- Konzepte der wertorientierten Unternehmensführung (DCF, EVA)
- Integrierte Ansätze durch die Balanced Scorecard
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Shareholder Value auf Basis des Discounted Cash Flow (DCF)
Der Shareholder Value ist eine Bewertungsgröße für Unternehmen. Er wird durch die Diskontierung aller zukünftig erwarteten Cash-flows und den Abzug des Marktwertes des Fremdkapitals, näherungsweise als Wert des Eigenkapitals, bestimmt. Die Begründung für die Cash-flow Orientierung liefert Black, Wright und Bachmann im Jahr 1998: „ Der Gewinn ist Ansichtssache, der Cash-flow ist eine Tatsache“. Unter Bezugnahme auf die bereits erwähnten Bewertungsprobleme bei der Gewinnermittlung, kann diese Aussage befürwortet werden. Neben dem Cash-flow ist der zugrundegelegte Diskontierungszinssatz ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Shareholder Value. Er spiegelt, die von den Investoren geforderte minimale Rendite, des investierten Kapitals wieder. Die Bestimmung erfolgt durch die Bildung eines gewichteten Durchschnittszinssatzes (WACC) aus dem investierten Fremd- und Eigenkapital. Der Fremdkapitalzins ist durch die vertraglichen Regelungen mit dem Kapitalgeber vereinbart und für die Berechnung leicht zu ermitteln.
Zu prüfen ist, ob mit dieser einen Zahl die Steuerung eines ganzen Unternehmens möglich ist. Denn aus diesem Ergebnis lässt sich unmittelbar für die Geschäftsführung nur die Maximierung des Unternehmenswertes, als Zielfunktion des Handelns, ableiten. Reicht das aus? Klarheit wird durch die Erkenntnis erzielt, dass verschiedene Investitionsalternativen anhand der abgezinsten Cash-flows direkt miteinander verglichen werden können. Damit sind z.B. Aussagen über verschiedene Investitionsalternativen möglich. Voraussetzung dafür ist aber eine genaue Prognose der zukünftigen Cash-flows.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Harmonisierungs- und Integrationsmodelle des Rechnungswesens und formuliert das Ziel der Arbeit, deren Eignung für die Unternehmenssteuerung zu prüfen.
2 Die Aufgaben des internen und externen Rechnungswesens: Dieses Kapitel erörtert die historisch gewachsene Trennung der beiden Bereiche und die Unterschiede in ihrer Motivation sowie in der Informationsverwendung.
3 Die Ziele eines einheitlichen Rechnungswesens: Es werden die angestrebten Vorteile einer Vereinheitlichung, wie die Verbesserung der Informationsqualität und die Verringerung von Informationsasymmetrien, dargestellt.
4 Die Harmonisierungs- und Integrationsalternativen des internen und externen Rechnungswesens: Hier werden theoretische Ansätze zur Verknüpfung beider Bereiche analysiert, wobei die Vor- und Nachteile der verschiedenen Integrationsmodelle abgewogen werden.
5 Verwendung der externen Rechnungslegung für die interne Unternehmenssteuerung: Dieser Hauptteil befasst sich detailliert mit verschiedenen Steuerungsinstrumenten, unterteilt in nicht wertorientierte, wertorientierte und integrierte Ansätze.
6 Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass kein einzelnes Modell die gesamte Unternehmensumwelt vollständig abbilden kann, verweist jedoch auf die Bedeutung einheitlicher Standards wie US-GAAP für die Zukunft.
Schlüsselwörter
externe Rechnungslegung, interne Unternehmenssteuerung, Rechnungswesen, Harmonisierung, Shareholder Value, Discounted Cash Flow, Economic Value Added, Balanced Scorecard, Return on Investment, Unternehmensführung, wertorientierte Unternehmensführung, Controlling, Jahresabschluss, Kennzahlensysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, ob und inwieweit Zahlen aus der externen Rechnungslegung für die Zwecke der internen Unternehmenssteuerung genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen, verschiedene Kennzahlensysteme sowie wertorientierte und integrierte Managementansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob die externe Rechnungslegung ein geeigneter Datenlieferant für die interne Unternehmenssteuerung ist und wie durch Harmonisierung eine ganzheitliche Steuerung realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich verschiedener theoretischer Integrationsmodelle und Steuerungsinstrumente der Betriebswirtschaftslehre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die nicht wertorientierten Modelle (Gewinn, RoI), die wertorientierten Modelle (DCF, EVA) sowie die integrierten Ansätze der Unternehmensführung, insbesondere die Balanced Scorecard.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie externe Rechnungslegung, Shareholder Value, Economic Value Added (EVA), Balanced Scorecard und Unternehmenssteuerung charakterisiert.
Warum wird der herkömmliche Gewinnbegriff im Kontext der Steuerung kritisiert?
Der herkömmliche Gewinn wird kritisiert, da er durch zahlreiche Wahlrechte bei der Bilanzierung manipulierbar ist und keine verlässlichen Aussagen über zukünftige Ertragskraft und Risiken zulässt.
Welche Einschränkung sieht die Arbeit bei der Anwendung der Balanced Scorecard?
Die Arbeit stellt fest, dass die Balanced Scorecard zwar ein handlungsorientiertes Instrument ist, jedoch eine subjektive Herleitung der Ziele erfordert und aufgrund des hohen Datenbedarfs nicht allein auf den Zahlen der externen Rechnungslegung basieren kann.
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- Michael Jahn (Author), 2002, Die Eignung der externen Rechnungslegung zur internen Unternehmenssteuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16600