Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde religiöse Lyrik lediglich auf Latein verfasst und war somit unzugänglich für das einfache spanische Volk. Ab dem Jahr 1480 kommt es dann zur Veröffentlichung von religiösen Gedichten in altspanischer Sprache. Etwa 100 Jahre später, als José de Valdivielso sein „Romancero espiritual“ veröffentlicht, erfährt die christliche Poesie einen Aufschwung.
Ziel der Arbeit ist es, die Besonderheiten der geistlichen Lyrik von José de Valdivielso herauszuarbeiten. Zuerst soll kurz auf die Biographie des Autors eingegangen werden. Obwohl nur wenige Informationen über das Leben Valdivielsos vorliegen und es sich teilweise lediglich um Annahmen handelt, ist es wichtig, einen Überblick voranzustellen, da seine Arbeit als Priester fundamental für die Entstehung seiner Werke ist. Die Kenntnis des biographischen Hintergrundes erleichtert das Verständnis und die Analyse seiner Gedichte.
Anschließend sollen Informationen zur geistlichen Dichtung im Siglo de Oro gegeben werden. In diesem Zusammenhang soll die Beziehung zwischen der höfischen und der religiösen Dichtung thematisiert und besonders auf die Technik der Umwandlung profaner Lyrik in geistliche eingegangen werden. Darüber hinaus wird der Einfluss der mittelalterlichen Formen und Themen erläutert, die in der religiösen Lyrik des 16. und 17. Jahrhunderts präsent sind.
Im letzten Teil der Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf Valdivielsos „Romancero espiritual” gelegt. Es soll ein kurzer Überblick über das Werk und seine Thematik gegeben werden. Besondere Beachtung finden in diesem Zusammenhang seine Kontrafakta. Auch der Einfluss der Bibel auf sein Werk soll kurz aufgegriffen werden. Abschließend werden zwei Gedichte Valdivielsos –„Diálogo al Santíssimo Sacramento” und „Ensaladilla vuelta al Santísimo Sacramento”- analysiert. Anhand der beiden Gedichte sollen die zuvor herausgearbeiteten Ergebnisse exemplarisch verdeutlicht und differenziert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biographische Daten zum Autor
3 „Poesía a lo divino”
3.1 Das Kontrafaktum
3.2 Mittelalterliche Formen und Themen
4 „Romancero espiritual“
4.1 Die Kontrafakta Valdivielsos
4.2 Der biblische Einfluss
4.3 Diálogo al Santíssimo Sacramento
4.4 Ensaladilla vuelta al Santisimo Sacramento
5 Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten der geistlichen Lyrik von José de Valdivielso, insbesondere seines Werkes „Romancero espiritual“. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, wie Valdivielso durch die Technik der Kontrafaktur und den Rückgriff auf traditionelle mittelalterliche Formen und Volkslieder christliche Inhalte für das einfache Volk zugänglich und verständlich machte.
- Die biographischen Hintergründe von José de Valdivielso und deren Einfluss auf sein Werk.
- Die Entwicklung und Bedeutung der „Poesía a lo divino“ im Kontext des spanischen Siglo de Oro.
- Die methodische Analyse der Technik der Kontrafaktur zur Umwandlung profaner in geistliche Lyrik.
- Die Bedeutung des biblischen Einflusses und der didaktischen Intention in Valdivielsos Dichtung.
- Exemplarische Werkanalysen der Gedichte „Diálogo al Santíssimo Sacramento“ und „Ensaladilla vuelta al Santisimo Sacramento“.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Kontrafaktum
Die Umformung eines profanen Gedichtes in ein geistliches ist eine poetische Technik, die Sánchez Martínez wie folgt definiert:
„Es un proceso transformacional que opera sobre un determinado objeto literario trocando su sentido de un orden de referencias profano a un sistema de valores sacros y transcendentes.“
Aguirre spricht von zwei verschiedenen Möglichkeiten der Umwandlung: Die erste der beiden wird als formale Methode bezeichnet, da lediglich die Worte verändert werden und kein Bezug mehr zu der Kernthese des profanen Gedichtes zu erkennen ist. Die zweite Methode, die konzeptuelle Methode, beinhaltet ebenfalls eine neue Wortwahl, jedoch spielt die zentrale Idee des originalen profanen Gedichtes auch im geistlichen eine wichtige Rolle. Das Verständnis des profanen Gedichtes wird vorausgesetzt, um das neue geistliche Konzept in all seinen Zügen zu begreifen. Es wird als Teil des neuen geistlichen Gedichtes angesehen, welches durch diese Technik eine erweiterte Bedeutung erhält. Obwohl der Dichter nur einzelne Worte verändert, übernimmt er die Idee des profanen Gedichtes und führt sie durch die Umwandlung in ein geistliches Gedicht weiter aus. Nach E. M. Wilson handelt es sich bei den Kontrafakta um eine Art religiöse Analogie. Doch Aguirre nach zu urteilen, kann man nicht nur von einer Analogie, sondern in manchen Fällen auch von einer Allegorie bzw. einem Symbol sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der religiösen Lyrik ein und legt die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Untersuchung dar.
2 Biographische Daten zum Autor: Das Kapitel beleuchtet den Lebensweg von José de Valdivielso, wobei besonders sein Wirken als Priester und sein Einfluss auf seine literarische Tätigkeit hervorgehoben werden.
3 „Poesía a lo divino”: Hier wird die Tradition der geistlichen Dichtung im Kontext des Siglo de Oro analysiert, insbesondere deren enge Verbindung zur höfischen Minnedichtung und zu traditionellen Volksliedern.
3.1 Das Kontrafaktum: Dieses Unterkapitel definiert die poetische Technik der Umformung profaner Lyrik in religiöse Gedichte und unterscheidet dabei zwischen verschiedenen methodischen Ansätzen.
3.2 Mittelalterliche Formen und Themen: Der Fokus liegt auf der Bedeutung traditioneller mittelalterlicher Dichtungsformen, Sprichwörter und Allegorien innerhalb der religiösen Lyrik des 17. Jahrhunderts.
4 „Romancero espiritual“: Es erfolgt eine inhaltliche und stilistische Einführung in das bedeutende Werk Valdivielsos unter Berücksichtigung seiner didaktischen Intention.
4.1 Die Kontrafakta Valdivielsos: Dieses Kapitel untersucht, wie Valdivielso Volkslieder durch die Technik der Sakralisierung gezielt für religiöse Zwecke umformte.
4.2 Der biblische Einfluss: Hier wird der hohe Stellenwert biblischer Themen in Valdivielsos Werk als Mittel zur Vermittlung christlicher Werte an das ungebildete Volk erläutert.
4.3 Diálogo al Santíssimo Sacramento: Eine detaillierte Analyse dieses Werkes zeigt auf, wie durch den Dialog zweier Hirten theologische Mysterien veranschaulicht werden.
4.4 Ensaladilla vuelta al Santisimo Sacramento: Dieses Kapitel demonstriert anhand einer spezifischen Werkanalyse die praktischen Methoden der Umwandlung, Analogiebildung und Symbolik in der Kontrafaktur.
5 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale These, dass Valdivielsos religiöse Lyrik durch Sakralisierung den Zugang zur christlichen Religion für das Volk erleichterte.
Schlüsselwörter
José de Valdivielso, Romancero espiritual, Kontrafaktur, geistliche Lyrik, Siglo de Oro, Sakralisierung, Volkslied, Minnelyrik, Didaktik, Eucharistie, Biblischer Einfluss, Allegorie, Analogie, spanische Literatur, religiöse Dichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der geistlichen Lyrik des spanischen Autors José de Valdivielso im 17. Jahrhundert, mit einem speziellen Fokus auf seinem Werk „Romancero espiritual“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Technik der Kontrafaktur (Umwandlung weltlicher Lyrik in geistliche), die Einflüsse der mittelalterlichen Poetik und die didaktische Vermittlung christlicher Dogmen an das einfache Volk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Methoden und Besonderheiten der religiösen Lyrik Valdivielsos aufzuzeigen, die es ihm ermöglichten, komplexe religiöse Themen verständlich aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Werke Valdivielsos untersucht und im Vergleich zu den Ursprungstexten hinsichtlich ihrer strukturellen und inhaltlichen Transformation ausgewertet werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung zur „Poesía a lo divino“ und die praktische Analyse der spezifischen Kontrafakta und Gedichte Valdivielsos.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kontrafaktur, didaktische Intention, Sakralisierung und die Tradition des Siglo de Oro bestimmt.
Welche Rolle spielen die beiden Hirtenfiguren im „Diálogo al Santíssimo Sacramento“?
Die Hirten dienen als Identifikationsfiguren für das einfache Volk; ihre Unwissenheit und ihr anschließendes Vertrauen in die religiöse Wahrheit spiegeln den didaktischen Zweck des Werkes wider.
Warum wird der Begriff „Ensaladilla“ für eines der analysierten Werke verwendet?
Es handelt sich dabei um eine spezielle Gedichtform, die durch die Mischung verschiedener Metren und Stile gekennzeichnet ist, ähnlich einer Salatmischung, was Valdivielso zur strukturellen Umformung nutzte.
Welche Bedeutung hat das „sayagués“ für Valdivielsos Werk?
Das „sayagués“ fungiert als literarischer Dialekt, der die ländliche Herkunft der Figuren (Hirten) unterstreicht und die Dichtung volksnäher wirken lässt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der künstlerischen Qualität von Valdivielsos Werk?
Trotz der didaktischen Einfachheit der Werke erkennt die Autorin Valdivielsos geschickte Technik an, die hohe biblische Themen mit der natürlichen Anmut der populären Tradition verbindet.
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- Sarah Nadjafi (Author), 2009, „Romancero espiritual” - Die religiöse Lyrik José de Valdivielsos , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166030