1783 wurde im Friedensvertrag von Paris die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika festgeschrieben, die „den Herzinfarkt für die britische Politik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (M. Fröhlich) bedeutete.
Nur zwanzig Jahre zuvor kämpften Großbritannien und seine Kolonien in Nordamerika im Siebenjährigen Krieg noch um einen gemeinsamen Erfolg.
Doch hatte dieser Erfolg seinen Preis. Der kostenintensive Krieg trieb die britische Staatsverschuldung (National Debt) in eine nie dagewesene Höhe. Am Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen schlug sie mit 132 Millionen Pfund Sterling zu Buche. Die britische Regierung war gezwungen, nach Möglichkeiten zur Tilgung dieser Schulden zu suchen. Die prosperierenden Kolonien an der amerikanischen Ostküste sahen sich nun einer verstärkten Aufmerksamkeit durch ihr Mutterland ausgesetzt. Fortan wurden fast im Jahresrhythmus Gesetze in London verabschiedet, die eine stärkere finanzielle Einbindung der Kolonien vorsahen. Daneben intensivierte Westminster auch seinen administrativen Einfluss vor Ort. Schnell riefen diese Eingriffe Widerständler auf den Plan, die um ihre Freiheitsrechte fürchteten – eine amerikanische Unabhängigkeitsbewegung formierte sich.
Wie wurden diese Unabhängigkeitsbestrebungen im Mutterland Großbritannien wahrgenommen? Wie positionierte sich der britische Machtapparat um Krone, Regierung und Parlament hierzu? Gab es oppositionelle Stimmen zum Regierungshandeln inner- und außerhalb des britischen Parlaments? Welche Motive waren ausschlaggebend für Befürwortung und Ablehnung? Und schließlich: Gab es außerhalb des britischen Parlaments Sympathisanten für die amerikanische Unabhängigkeitsidee und wenn ja, welche Handlungsspielräume hatten diese und wie weit reichte ihr Einfluss? Die Arbeit wird Antworten auf diese Fragen geben und die zeitgenössische Resonanz auf die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung in Großbritannien darstellen. Sie gibt einen Überblick über die aktuellen, vornehmlich angloamerikanischen Forschungsergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Erster Teil: Großbritanniens Kolonialpolitik und die Verselbständigung der amerikanischen Kolonien
I. Die Entstehung des First British Empire
II. Das Verhältnis Großbritanniens zu seinen amerikanischen Kolonien bis 1763
III. Das Ende des Siebenjährigen Krieges 1763: Eine Zäsur?
IV. Die amerikanischen Kolonien auf dem Weg in die Unabhängigkeit
1. Der versperrte Weg nach Westen
2. Wirtschaftliche Beschränkungen
3. Wachsendes Selbstbewusstsein in den Kolonien
4. Großbritanniens Steuerpolitik
Zweiter Teil: Die Resonanz in Großbritannien: Zwischen Sympathie, Opportunismus und Ablehnung
I. Schaltstellen der Macht: Krone, Premierminister und Parlament
1. Georg III.: Der patriotische König
2. Die Premierminister zwischen 1763 und 1776
a) George Grenville (1763–1765)
b) Charles Watson-Wentworth (1765–1766)
c) William Pitt (1766–1768)
d) Augustus Fitzroy (1768–1770)
e) Frederick North (1770–1782)
3. Die Perzeption der britisch-amerikanischen Krise in Westminster
a) Das britische Parlament in den 1770er Jahren
b) Die Opposition in der Regierungszeit von Lord North
c) Bemühungen um eine Aussöhnung
II. Strömungen außerhalb des britischen Parlaments
1. Die englische Bevölkerung
2. John Wilkes und die Radicals
3. Die Rational Dissenters und die Publishing Industry
4. Die Colonial Agents
5. Merchants, Tradesmen und Manufacturers
III. Das Militär
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zeitgenössische Resonanz auf die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung innerhalb Großbritanniens zwischen 1763 und 1776. Dabei wird analysiert, wie sich politische Entscheidungsträger, gesellschaftliche Gruppierungen und das Militär gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen positionierten und welche Motive für die jeweilige Befürwortung oder Ablehnung ausschlaggebend waren.
- Die Wahrnehmung der amerikanischen Krise durch die britische politische Elite (Krone, Regierung, Parlament)
- Die Rolle der öffentlichen Meinung und politischer Strömungen außerhalb des Parlaments
- Einfluss von Wirtschaftsinteressen und Handelsbeziehungen auf die politische Haltung
- Die Positionierung des Militärs und die Problematik der Kriegsdienstverweigerung
Auszug aus dem Buch
Die Perzeption der britisch-amerikanischen Krise in Westminster
Im britischen Parlament gab es in den 1770er Jahren keine organisierten politischen Parteien. Gleichwohl standen sich im House of Commons zwei politische Gruppierungen gegenüber: Die königstreuen Tories und die liberalen Whigs. Als allgemeine Grundtendenzen lassen sich festhalten, dass die Whigs eine Politik des politischen und wirtschaftlichen Liberalismus verfolgten, während sich die Tories für konservative Ideen einsetzten und Reformen kritisch gegenüberstanden. Seit dem Regierungsantritt Georgs I. im Jahr 1714 spielten die Tories eine eher untergeordnete Rolle im Parlament. Die Whigs, die maßgeblich an der Einleitung der Glorious Revolution beteiligt waren, dominierten das Parlament und stellten seit der Thronbesteigung Georgs I. über 50 Jahre den Premierminister. Erst mit Georg III. erstarkten die Tories wieder, und einer ihrer Vertreter – Lord North – wurde 1770 Regierungschef.
Die Mehrheit der Whigs verfolgte eine eher moderate Amerika-Politik. So gab es nicht wenige Mitglieder des Parlaments, die Sympathien für die Amerikanische Idee zeigten. In ihrer Dissertation untersuchte die Historikerin Mary Kinnear Wahlergebnisse und Parlamentsreden zwischen 1775 und 1778 und kommt zu dem Schluss, dass es in diesem Zeitraum etwa 207 pro-amerikanische Abgeordnete im Parlament gab.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema, Darlegung der Fragestellung und Überblick über die aktuelle Forschungslage sowie die Quellenbasis.
Erster Teil: Großbritanniens Kolonialpolitik und die Verselbständigung der amerikanischen Kolonien: Analyse der Entstehung des First British Empire und der Triebkräfte für die Entfremdung der Kolonien vom Mutterland.
Zweiter Teil: Die Resonanz in Großbritannien: Zwischen Sympathie, Opportunismus und Ablehnung: Detaillierte Untersuchung der Reaktionen von politischen Entscheidungsträgern, Bevölkerungsgruppen und Akteuren außerhalb des Parlaments auf den Unabhängigkeitskonflikt.
Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse und Einordnung der historischen Ereignisse in die weitere Entwicklung des imperialen Umgangs mit Kolonien.
Schlüsselwörter
Großbritannien, amerikanische Unabhängigkeitsbewegung, 18. Jahrhundert, First British Empire, britisches Parlament, König Georg III., Lord North, koloniale Steuerpolitik, koloniale Selbstverwaltung, öffentliche Meinung, Dissenters, Handelsinteressen, militärische Mobilisierung, Unabhängigkeitskrieg, koloniale Krise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Reaktionen der britischen Gesellschaft und des politischen Apparats auf die amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen im 18. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wahrnehmung des Konflikts durch die britische Regierung, die Opposition im Parlament, gesellschaftliche Strömungen wie die Dissenters sowie den Einfluss ökonomischer Interessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, wie die Krise im Mutterland wahrgenommen wurde, ob es oppositionelle Stimmen zum Regierungshandeln gab und welche Rolle Sympathisanten für die amerikanische Sache spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikgeschichtliche Analyse, basierend auf der Auswertung von zeitgenössischen Pamphleten, Korrespondenzen, Parlamentsprotokollen und einer breiten sekundärwissenschaftlichen Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der politischen Entscheidungsprozesse durch Krone und Regierung sowie eine Analyse oppositioneller Bewegungen und wirtschaftlicher Akteure außerhalb des Parlaments.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen gehören britisches Empire, parlamentarische Souveränität, Steuerkonflikt, öffentliche Meinung und koloniale Selbstverwaltung.
Welche Rolle spielte König Georg III. bei der Eskalation des Konflikts?
Obwohl er zu Beginn für moderate Ansätze offen war, verfestigte seine unbeugsame Haltung im weiteren Verlauf und die Ablehnung jeglicher Kapitulation das Bild eines Despoten, was die Position der Kolonisten radikalisierte.
Warum wird der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg im Fazit auch als Bürgerkrieg bezeichnet?
Da die Bevölkerung sowohl in den Kolonien als auch im Mutterland gespalten war und viele Akteure sich als Teil eines gemeinsamen britischen Kulturerbes sahen, das durch die Konflikte zerrissen wurde, wird die Zäsur als ein tiefgreifender binnengesellschaftlicher Zerfall interpretiert.
- Citation du texte
- Christoph Köhn (Auteur), 2009, Die Resonanz auf die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung in Großbritannien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166096