In einem ersten Teil skizziert der Verfasser Funktion und Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts - hier besonders des Französischen - primär in der gymnasialen Oberstufe. In einem erheblich längeren zweiten Teil geht er anhand zahlreicher, konkreter Beispiele der Frage nach, wie sich Privat- bzw. Ersatzschulen ("Schulen in freier Trägerschaft"), denen das Grundgesetz und - um nur ein Beispiel zu geben - die nordrheinwestfälische Landesverfassung einen Bestandsschutz und einen hohen rechtlichen Stellenwert einräumen, nicht nur formal, sondern auch über Unterrichtsinhalte (und ggfs. -formen und -methoden) legitimieren, d.h. sich mehr oder weniger intensiv von öffentlichen Schulen unterscheiden können (ohne dass darin auch nur irgendein Werturteil liegen soll!). Noch lange vor der Idee und Realisierung so genannter Schulprogramme stellt der Autor zuerst eine Reihe genereller Überlegungen an, ehe er detailliert eine Unterrichtsreihe zum Motiv der Heimkehr des verlorenen Sohnes präsentiert, bei der literarische Werke u.a. von Maupassant, Prévert, Gide, Cesbron und Camus eine herausragende Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Prolegomena zum Selbstverständnis der katholischen Schule
Die Fragestellung
Zur Legitimation der katholischen Schule
Die Rolle der Unterrichtsinhalte
Die Mittlerfunktion des Lehrers
Zu den Kriterien für die Auswahl literarischer Texte
Exkurs: Das Bedürfnis nach religiöser Fragestellung
2. Die Frage nach dem „Christlichen“ in der französischen Literatur und im Oberstufenunterricht
Was ist „christliche“ Literatur?
„Christliche“ Autoren aus Frankreich
Das „christliche“ Jahrhundert
„Christliche“ Literaturgattungen
„Christliche“ Themen, Stoffe, Motive und Symbole
„Christliche“ Strömungen in der Literatur
Ideengeschichte und Christentum
Zur Frage nach der „Christlichkeit“ literarischer Texte
Zur didaktischen Funktion „christlicher“ Literatur und zum Erkenntnisinteresse des Lehrers
3. Eine literarische Reihe zum Motiv der Heimkehr des verlorenen Sohnes
Maupassant, Mon oncle Jules
Prévert, Le retour au pays
Die Heimkehr des verlorenen Sohnes (Evangelium nach Lukas)
Gide, Le retour de l’enfant prodigue
Cesbron, L’enfant prodigue revient toujours trop tôt
Camus, Le Malentendu
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und die Sinnhaftigkeit einer spezifisch religiös-christlichen Ausrichtung des Französischunterrichts an katholischen Privatschulen, wobei insbesondere die Rolle literarischer Texte für die ethische und existentielle Orientierung der Schüler im Vordergrund steht.
- Legitimation und Selbstverständnis katholischer Schulen in einer säkularisierten Gesellschaft
- Die Funktion des Lehrers als Vermittler zwischen Kultur, Glauben und Lebenswelt
- Kriterien für die Auswahl literarischer Texte unter christlichen Gesichtspunkten
- Exemplarische Analyse des Motivs der „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ in verschiedenen Epochen und Gattungen
- Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen (Sinn des Lebens, Schuld, Freiheit) im literarischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Camus, Le Malentendu
Albert Camus’ Drama Le Malentendu (Das Missverständnis) ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Thematik der Heimkehr des verlorenen Sohnes. Camus’ lebenslange Auseinandersetzung mit dem Christentum erfährt hier einen interpretatorisch anspruchsvollen Höhepunkt. Neben den „klassischen“ Romanen L’Etranger und La Peste ist für die religiöse Thematik in besonderer Weise Le Malentendu zu empfehlen, wie ich aufgrund mehrerer Durchnahmen in Leistungskursen der 12. bzw. 13. Jahrgangsstufe meine versichern zu können.
Le Malentendu ist die Geschichte des Sohnes, der nach langer Abwesenheit unerkannt in sein Elternhaus zurückkehrt, in dem Mutter und Schwester eine bescheidene Herberge unterhalten. Beide pflegen ihren jeweiligen (einzigen!) Gast zu töten und auszurauben, um mit dem so angesammelten Geld ein neues Leben unter der Sonne am Meer zu beginnen. Religiöse Themen und biblische Anspielungen durchziehen in einer großen Fülle den Text. Nicht auf sie einzugehen käme nach meiner Überzeugung einer Fehlinterpretation des Dramas gleich. Religiöse Gefühle der Mutter werden schon in den einleitenden Sätzen erwähnt (S.10); und die Tochter ist es leid „de porter toujours mon âme“ (S.12). Die Anspielung auf die biblische Parabel (S.14) zeigt dem heimkehrenden Jan deutlich die extreme Unterschiedlichkeit der Situation beider „enfants prodigues“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolegomena zum Selbstverständnis der katholischen Schule: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit einer christlichen Prägung des Französischunterrichts an katholischen Schulen und definiert die Rolle der Literatur sowie des Lehrers bei der Vermittlung christlicher Werte.
2. Die Frage nach dem „Christlichen“ in der französischen Literatur und im Oberstufenunterricht: Hier wird der Begriff der christlichen Literatur theoretisch fundiert und aufgezeigt, wie religiöse Themen, Motive und Strömungen in der französischen Literatur didaktisch gewinnbringend eingesetzt werden können.
3. Eine literarische Reihe zum Motiv der Heimkehr des verlorenen Sohnes: Das Kapitel liefert ein konkretes, fächerübergreifendes Unterrichtsbeispiel, das anhand verschiedener literarischer Werke (Maupassant, Prévert, Gide, Cesbron, Camus) das biblische Motiv der Heimkehr des verlorenen Sohnes als Basis für existenzielle Reflexionen nutzt.
Schlüsselwörter
Französischunterricht, katholische Schule, Literaturdidaktik, christliche Werte, Existentialismus, Motiv der Heimkehr, verlorener Sohn, Albert Camus, christliche Literatur, Interpretation, Oberstufe, religiöse Fragestellung, ethische Reflexion, Sinn des Lebens, Schuld und Sühne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung des Französischunterrichts an katholischen Privatschulen und der Frage, wie literarische Texte dazu beitragen können, Schülern ein christlich begründetes Orientierungssystem in einer säkularisierten Gesellschaft zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Legitimation katholischer Schulen, die Rolle der Literatur als Beitrag zur Menschenkunde, die Auseinandersetzung mit existentiellen und religiösen Motiven sowie die didaktische Praxis in der gymnasialen Oberstufe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Kriterien für eine Auswahl literarischer Texte zu finden, die den Schüler zur Reflexion über christliche Werte und den Sinn des Lebens anregen, ohne dabei in Ideologie oder Indoktrination zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verbindet fachdidaktische Überlegungen mit literaturwissenschaftlichen Analysen (insbesondere zu Motiven und Gattungen) und bezieht ideengeschichtliche Kontexte ein, um die Relevanz der Literatur für den Religionsunterricht und die moralische Bildung zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zur christlichen Literatur sowie in einen sehr praxisorientierten Teil, der eine konkrete Unterrichtsreihe zum Motiv des „verlorenen Sohnes“ detailliert ausarbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Französischunterricht, christliche Werte, Literaturdidaktik, Existentialismus und die religiöse Thematik in Werken namhafter französischer Autoren wie Camus oder Gide.
Warum ist das Motiv des „verlorenen Sohnes“ für den Unterricht so bedeutend?
Es dient als exemplarischer Ankerpunkt, um sowohl die biblische Parabel zu erschließen als auch moderne, teils säkularisierte Varianten dieses Motivs in verschiedenen literarischen Gattungen vergleichend zu analysieren und deren Bedeutung für heutige Jugendliche zu erarbeiten.
Welche besondere Rolle spielt Albert Camus in dieser Arbeit?
Camus wird als Autor hervorgehoben, der trotz seiner atheistischen Grundhaltung eine lebenslange, intensive Auseinandersetzung mit christlichen Themen (wie Schuld, Sünde, das Schweigen Gottes) führt und somit eine ideale Brücke für den Dialog zwischen christlichem Glauben und moderner Philosophie schlägt.
- Quote paper
- Klaus Bahners (Author), 1987, Aspekte des Fremdsprachenunterrichts am Beispiel des Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166107