Die dramaturgische Funktion des Konflikts


Seminararbeit, 2004

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG S

II. DIE DRAMATURGISCHE FUNKTION DES KONFLIKTS
1. Einordnung des Konflikts in die dramaturgische Struktur
a.) Entstehung und Entwicklung des Konflikts
b.) Auflösung
c.) Der zentrale Konflikt
2. Die unterschiedlichen Konfliktkategorien
a.) Der zwischenmenschliche Konflikt
b.) Der soziale Konflikt
c.) Der situative Konflikt
d.) Der innere Konflikt
e.) Der kosmische Konflikt
3. Die Wirkung des Konflikts

III. RESÜMEE

IV. BIBLIOGRAPHIE

I. EINLEITUNG

Jeder Mensch hat eine Vorstellung vom Begriff Konflikt und sicherlich auch eigene Erfahrungen mit Konflikten und deren Lösung gesammelt. Meist assoziiert man mit Konflikt einen Streit bzw. einen Zwiespalt. Ein Konflikt ist somit etwas nahezu alltägliches. Auch im Film ist er unverzichtbar, denn dort kommt dem Konflikt eine besondere Bedeutung zu, die in der Forschungsliteratur wie folgt beurteilt wird:

David Howard und Edward Marbley sehen im Konflikt den „Motor, der eine Geschichte vorwärtstreibt“1. Syd Field sagt mehrfach in seinem Buch: „Drama ist Konflikt“2. Für ihn ist der Konflikt „die Basis jeder dramatischen Handlung“3. Bei Oliver Schütte bildet der Konflikt „das zentrale Element des Drehbuchs“4 und auch Linda Seger sieht im Konflikt „das Fundament von Drama“5. Eugene Vales’ Bedeutungszuordnung unterscheidet sich auch nicht sehr von der seiner Kollegen. Denn auch er sagt, dass der Konflikt der „Kern einer jeden dramatischen Erzählung“6 ist.

Alle sagen im Prinzip mit unterschiedlichen Worten das Gleiche, und zwar: Eine dramatische Handlung im Film braucht den Konflikt!

Dies soll in meiner Arbeit dargelegt werden. Ich möchte zeigen, was ein Konflikt im Film überhaupt ist, warum es des Konflikts im Film bedarf, wie er entsteht, was es zu seiner Entstehung und Entwicklung braucht und wie er aufgelöst werden kann. Des Weiteren werde ich eine grobe und eine feine Einteilung des Konflikts in verschiedenen Kategorien vornehmen, wobei zur Diskussion stehen soll, ob eine derartige Kategorisierung zweckmäßig, nötig und überhaupt möglich ist.

II. DIE DRAMATURGISCHE FUNKTION DES KONFLIKTS

1. Einordnung des Konflikts in die dramaturgische Struktur

Vor der Einordnung in einen Zusammenhang muss zuerst grundsätzlich geklärt werden, was ein Konflikt ist. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einem einfachen Ärgernis und einem wirklichen Konflikt.7 Sowohl ein Ärgernis wie auch ein Konflikt sind das Resultat aus einem Unglück/einem Missgeschick. Der Unterschied liegt bei der Person, der das Unglück zustößt. Wenn diese Person kein Ziel hat, dessen Erreichen durch das Missgeschick gefährdet ist, und für diese Person infolge dieses Missgeschicks nichts auf dem Spiel steht, so handelt es sich um ein bloßes Ärgernis. Wenn aber diese Unannehmlichkeit ein ernsthaftes Hindernis auf dem Weg zum Ziel dieser Person darstellt, so resultiert daraus ein Konflikt.

Als Beispiel kann man sich vorstellen, dass eine Person durch einen unglücklichen Zufall eine Tasse Kaffee auf seiner weißen Hose verschüttet. An und für sich ist dies ein Ärgernis. Wenn aber diese Person gleich darauf einen wichtigen Termin hat, bei dem das äußere Erscheinungsbild eine enorme Rolle spielt, wie z.B. ein Vorstellungsgespräch, so könnte diese verschüttete Tasse Kaffee der Anstoß für weitere Probleme sein. Die Person gerät dadurch in einen Konflikt. Denn jetzt könnte diese Person sich überlegen, ob es besser wäre, nach Hause zu fahren und sich umzuziehen, wobei sie dadurch zu spät käme, oder ob es besser wäre, pünktlich zu sein und verschmutzt zu erscheinen?

An diesem Beispiel erkennt man bereits, was einen Konflikt ausmacht, nämlich: eine Person stößt auf Schwierigkeiten, die meist eine bestimmte Entscheidung fordern. Im Film wäre diese Person gleichzusetzen mit dem Protagonisten, wobei aber auch alle anderen Figuren in Konflikte geraten können. Aber der Protagonist eines Films ist letztlich derjenige, der die Hauptabsicht verfolgt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Damit er dieses Ziel nicht problemlos erreicht, bedarf es Schwierigkeiten, die den Protagonisten daran hindern. Der Konflikt verhindert also, dass die Handlung allzu gradlinig auf das Ziel verläuft, und sorgt dadurch dafür, dass der Film seine 120 Minuten dauern kann, ohne langweilig zu werden. Meist findet der Konflikt zwischen dem Protagonisten und einer antagonistischen Kraft statt. Das Ziel dieser antagonistischen Kraft ist, den Protagonisten am Erreichen seines Ziels zu hindern.

Der Konflikt kann im Film dazu verwendet werden, um Machtspiele, Uneinigkeiten, unterschiedliche Haltungen und Weltbilder genauso wie verschiedene Ziele auszudrücken. In dieser Beziehung unterscheidet sich der filmische Konflikt eigentlich noch nicht besonders vom alltäglichen Konflikt der Realität. Einer der bedeutendsten Unterschiede ist allerdings, dass sich ein Konflikt im richtigen Leben über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte ziehen kann. Im Film bleiben dem Konflikt jedoch nur 2 Stunden. Demnach muss ein Konflikt für einen Film sehr bedacht gewählt und komprimiert dargestellt werden.

Nichtsdestoweniger muss ein Konflikt folgende drei aufeinander aufbauende Phasen durchlaufen: (1.) die Entstehung des Konflikts, (2.) seine Entwicklung innerhalb des Films sowie (3.) seine Auflösung.

a.) Entstehung und Entwicklung des Konflikts

Ein Konflikt wird meist durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst. Wie am Anfang dargestellt kann das ein Unglück oder Missgeschick sein, das eine Reihe von Problemen nach sich zieht. Im Film ist dieses auslösende Ereignis oft identisch mit dem ersten Plot Point. Denn an dieser Stelle bekommt die Handlung eine bestimmte, neue Richtung. Der Protagonist setzt sich ein Ziel, welches die Grundvoraussetzung für den Konflikt ist. Denn wenn kein Ziel existiert, kann es auch keine Hindernisse geben, die das Erreichen des Ziels verhindern sollen, und ohne Hindernisse und Schwierigkeiten gibt es keinen Konflikt. Konflikt kann also nur entstehen, wenn ein Ziel existiert.8 Doch dies allein reicht für einen Konflikt nicht aus. Dem festgelegten Ziel des Protagonisten muss ein anderes Ziel entgegenstehen, das mit seinem nicht zu vereinbaren ist. Nur da, wo es eine Kraft gibt, die den Zielen des Protagonisten entgegenwirkt, gibt es einen Konflikt. Das heißt die Ziele von Protagonist und der ihm gegenüberstehenden, antagonistischen Kraft schließen sich gegenseitig aus und lassen auch keinen Kompromiss zu. Erst dann tritt Konflikt ein.

Wenn man diese Grundlagen nun auf die Dramatischen Elemente nach Eugene Vale überträgt, so stellt sich die Entstehung des Konflikts wie folgt dar: Vale geht von folgendem Handlungsablauf aus: Ein Motiv führt zu einer Absicht, die wiederum ein bestimmtes Ziel erreichen möchte. Auf diesem Weg von der Absicht zum Ziel können Hindernisse auftreten, die das Vorhaben vereiteln könnten. Wenn also eine Absicht auf Schwierigkeiten trifft, wird ein Konflikt ausgelöst. Denn jede Absicht birgt Probleme in sich, die man überwinden muss, um zum Ziel zu gelangen. Der Konflikt ergibt sich also aus der Absicht und den auftauchenden Schwierigkeiten9.

[...]


1 Drehbuchhandwerk, 1996, S. 68

2 Field, 1987, S. 20ff

3 Field, 1987, S. 13

4 Schütte, 1999, S. 41

5 Seger, 1987, S. 197

6 Vale, 1987, S. 138

7 vgl. Drehbuchhandwerk, 1996, S. 71

8 In diesem Punkt stimmen alle angeführten Texte/Bücher überein.

9 vgl. Vale, 1987, S. 126

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die dramaturgische Funktion des Konflikts
Hochschule
Universität Wien  (Pädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Ästhetik und Dramaturgie für Didaktik der audiovisuellen Medien Teil 1
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V166112
ISBN (eBook)
9783640823796
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienpädagogik, Film, Dramaturgie, Konflikt
Arbeit zitieren
Mag. Sandra Jenko (Autor:in), 2004, Die dramaturgische Funktion des Konflikts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166112

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