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Sucht im Familiensystem – Wege aus der Co-Abhängigkeit

Title: Sucht im Familiensystem – Wege aus der Co-Abhängigkeit

Term Paper , 2010 , 19 Pages , Grade: 2

Autor:in: Bachelor of Arts Antje Dyck (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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[Aus Einleitung]
Allgemeines Unverständnis vermag nicht selten die Situation, wie sie sich in einer Familie mit suchtmittelabhängigem Mitglied präsentiert, hervorzurufen. So steht hier oft die Frage im Vordergrund, warum die betroffene Familie denn nicht aktiv etwas an ihrer Situation zu ändern versucht, sei es durch die Inanspruchnahme therapeutischer Maßnahmen oder auch, gewissermaßen als letzte Konsequenz, durch eine Trennung vom suchtmittelabhängigen Partner. Diese Abhängigkeitsproblematik betreffend ist der Fokus oft ausschließlich auf den Suchtkranken und dessen offensichtliches Verschulden, durch seinen Suchtmittelkonsum die gesamte Familie in Mitleidenschaft zu ziehen, gerichtet. Diese tut dabei ihr Möglichstes, um das innerfamiliär bestehende Suchtproblem nach außen hin so gut wie eben möglich zu vertuschen, indem sie z.B. vermehrt Verantwortung für das betroffene Mitglied übernimmt und auf diese Weise ein möglichst ´normales` Funktionieren der Familie weiterhin zu gewährleisten versucht. Umso unverständlicher mag es angesichts der daraus resultierenden Belastung für jedes einzelne Familienmitglied erscheinen, dass dieser Zustand trotzdem nicht selten über einen langen Zeitraum, oft mehrere Jahre, so aufrechterhalten wird.
Da der Mensch ein Wesen ist, das mit seiner (sozialen) Umwelt interagiert und hier eine wechselseitige Beeinflussung stattfindet, erfolgt die Herausbildung bestimmter Verhaltensweisen auch immer in und durch die Interaktion mit dem jeweiligen (sozialen) Umfeld. Auch in Hinblick auf die Entwicklung einer Suchtmittelabhängigkeit muss der Faktor des sozialen Kontextes dementsprechend eine elementare Rolle spielen und somit auch unbedingt bei Überlegungen über mögliche Ursachen und Lösungen einbezogen werden. Vor diesem Hintergrund mag nun vielleicht auch die Situation, wie sie sich oftmals in einer Suchtfamilie darstellt, etwas verständlicher erscheinen. Wird der Fokus einmal weg vom Symptomträger in Richtung des ihn umgebenden familiären Umfelds gelenkt, werfen sich aus einer solchen Perspektive neue Fragen, wie z.B. die nach dem Einfluss der Familienmitglieder auf das suchtmittelabhängige Mitglied auf. Worin könnte von einem solchen interaktionellen Standpunkt aus auch eventuell der Beitrag der Familie für das (Fort)Bestehen der Suchtmittelproblematik liegen, zieht sie vielleicht sogar einen Nutzen aus dieser Situation?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserläuterungen und inhaltliche Verortung

2.1 Sucht

2.1.1 Co-Abhängigkeit

2.2 Systemtheoretische Grundannahmen

3 Suchtmittelmissbrauch in der Familie – systemisch betrachtet

3.1 Die Familie als ein System von (Sub-)Systemen

3.2 Suchtmittelabhängigkeit im Familiensystem

3.2.1 Bedeutung und Funktion des Symptoms ´Abhängigkeit` im familiären Kontext

3.2.2 Auswirkungen auf nicht-konsumierende Familienmitglieder

3.2.2.1 Die Rolle des (Ehe-)Partners

3.2.2.2 Die Rollen der Kinder

4 Wege aus der (Co-)Abhängigkeit

4.1 Schwierigkeiten einer Veränderung

4.1.1 Der Faktor ´soziale Vererbung`

4.1.2 Der Nutzen des Symptoms

4.2 Durchbrechung die Sucht aufrechterhaltender dysfunktionaler Beziehungsmuster und –strukturen

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Dynamik von Sucht und Co-Abhängigkeit im Familiensystem aus einer systemischen Perspektive zu analysieren und Wege für einen nachhaltigen Ausweg aus dysfunktionalen Beziehungsmustern aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere untersucht, welche Funktion das Suchtmittel sowie das abhängige Familienmitglied für die Aufrechterhaltung des familiären Systems einnehmen und wie sich diese Strukturen verändern lassen.

  • Systemische Betrachtung des Suchtmittelmissbrauchs
  • Die Rolle der Familie als (Sub-)System
  • Mechanismen der Co-Abhängigkeit und Rollenverteilung
  • Einfluss von Mehrgenerationalität und "sozialer Vererbung"
  • Möglichkeiten zur Durchbrechung dysfunktionaler Beziehungsmuster

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Bedeutung und Funktion des Symptoms ´Abhängigkeit` im familiären Kontext

„Mit Symptomen oder mit Krankheit bezahlt ein Familienmitglied den Preis für das Funktionieren seiner Familie. Daraus ergibt sich, dass ein Familiensystem auf verschiedene Art und Weise auch Interesse am Erhalt des Symptoms, am Bestehenbleiben von Abhängigkeiten hat […].“

Symptome wie z.B. die Entwicklung einer Suchtmittelabhängigkeit können im Sinne des eingangs formulierten Zitates als „adäquate Verhaltensweisen“ aufgefasst werden, die „[…] in einem dysfunktionalen ´Kontext angemessen und möglich sind`. Symptomatisches Verhalten erweist sich folglich als Eigenschaft des Familiensystems und weniger als Eigenschaft des Individuums. Der Patient ist lediglich Indikator für die Dysfunktionalität des Familiensystems, der durch sein Verhalten die Pathologie am Leben erhält.“

Vor diesem Hintergrund entpuppt sich symptomatisches Verhalten also nicht nur als „[…] ´Handicap`, sondern gleichzeitig als hochwirksame Strategie (die natürlich den einzelnen Familienmitgliedern und der Familie in ihrer Gesamtheit nicht bewusst ist) ´um mit einer kognitiv nicht zu lösenden Problemsituation fertig zu werden`“. So handelt es sich bei Sucht und Abhängigkeit aus systemischer Perspektive um „[…] ´soziale Phänomene und Verhaltensweisen`[…], die ´in einem sozialen Kontext oder Netzwerk entstehen, aufrechterhalten werden und sich damit wieder auflösen können`“. Die Entwicklung einer Suchtmittelabhängigkeit ist dabei eine mögliche Verhaltensweise zur Problemlösung, wobei diese Problemlösungsstrategie „[…] innerhalb eines Sozialsystems, im Regelfall der Familie, ´die beste der im Moment möglichen Reaktionsweisen der beteiligten Menschen`“ darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft unverständliche Situation in Suchtfamilien und führt in die Fragestellung ein, inwiefern die Familie selbst zum Bestehen der Sucht beiträgt.

2 Begriffserläuterungen und inhaltliche Verortung: Dieses Kapitel definiert Sucht und Co-Abhängigkeit und führt in systemtheoretische Grundannahmen ein, die den Menschen als soziales Wesen im Wechselwirkungsgeflecht betrachten.

3 Suchtmittelmissbrauch in der Familie – systemisch betrachtet: Hier wird die Familie als soziales System analysiert, in dem Sucht eine spezifische stabilisierende Funktion für das Gesamtsystem einnimmt und Familienmitglieder in bestimmte Rollen drängt.

4 Wege aus der (Co-)Abhängigkeit: Das Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten bei Veränderungsprozessen, wie die "soziale Vererbung", und zeigt Möglichkeiten zur Durchbrechung dysfunktionaler Beziehungsmuster auf.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Sucht im Familiensystem nur durch eine systemische Reorganisation und das Aufbrechen wechselseitiger Abhängigkeiten nachhaltig überwunden werden kann.

Schlüsselwörter

Sucht, Familiensystem, Co-Abhängigkeit, Systemtheorie, Dysfunktionalität, Suchtmittelabhängigkeit, Familienstruktur, Rollenverteilung, Zuhelfer, Enabler, soziale Vererbung, Symptomträger, Interaktionsmuster, Beziehungsdynamik, systemische Beratung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen Sucht nicht als isoliertes Problem des Individuums, sondern als Symptom innerhalb des Familiensystems.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind systemtheoretische Grundlagen, die Dynamik von Co-Abhängigkeit, Rollenverteilungen in der Familie sowie die stabilisierende Funktion, die Sucht für dysfunktionale Systeme haben kann.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, den Beitrag der Familie für das Fortbestehen der Suchtproblematik aufzuzeigen und Wege aus dieser (Co-)Abhängigkeit zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer systemtheoretischen Perspektive, die das Verhalten von Familienmitgliedern als wechselseitige Beeinflussung innerhalb eines sozialen Netzwerks analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Begriffe Sucht und Co-Abhängigkeit geklärt, die Familie als System definiert und detailliert analysiert, wie Sucht als Beziehungsregler innerhalb der Familie fungiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind systemische Betrachtung, Co-Abhängigkeit, Symptomträger, soziale Vererbung und dysfunktionale Beziehungsmuster.

Welche Funktion hat das Suchtmittel laut der Arbeit?

Das Suchtmittel dient als "Ersatzregler", der das Familiensystem stabilisiert, indem es von tiefer liegenden Beziehungsstörungen ablenkt.

Warum fällt es Betroffenen oft schwer, die Co-Abhängigkeit zu beenden?

Durch die "soziale Vererbung" und tief eingespielte Rollen, wie die des "Zuhelfers", empfinden Betroffene das Helfen als selbstverständlich, wodurch die Abhängigkeit ungewollt stabilisiert wird.

Wann ist eine Chance auf echte Veränderung gegeben?

Eine Veränderung ist erst dann möglich, wenn der Leidensdruck für die Beteiligten so groß wird, dass sie ihre bisherigen Rollen und das "Mitspielen" im dysfunktionalen System aufgeben.

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Details

Title
Sucht im Familiensystem – Wege aus der Co-Abhängigkeit
College
University of Marburg  (Erziehungswissenschaft )
Course
Seminar: Sucht - vom binge-drinking bis zum Medikamentenmissbrauch im Alter
Grade
2
Author
Bachelor of Arts Antje Dyck (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V166126
ISBN (eBook)
9783640818488
ISBN (Book)
9783640821730
Language
German
Tags
sucht familiensystem wege co-abhängigkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Antje Dyck (Author), 2010, Sucht im Familiensystem – Wege aus der Co-Abhängigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166126
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