Die vorliegende Arbeit stellt folgende Fragen an Schwabs erste und bekannteste Dramen: Kann angenommen werden, dass Werner Schwab Austriazismen bewusst in seinen Text eingearbeitet hat und welche Faktoren sprechen dafür? Welche konkreten Austriazismen treten in Werner Schwabs Fäkaliendramen auf, wie häufig und welche Unterschiede zwischen den Stücken sind auffällig? Welche Funktion haben die Austriazismen in der stilistischen Gestaltung und inwiefern beeinflusst die sprachliche Verwendung den literarischen Charakter der Fäkaliendramen?
Inhaltsverzeichnis
- 1. EINLEITUNG
- 2. Einblicke in Austriazismen: Schwabs einzigartige Sprache
- 2.1 Sprache aus Schwab - Grundthese
- 2.2 Austriazismen
- 3. ANALYSE
- 3.1 Identifikation der Austriazismen
- 3.2 Auswertung
- 4. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
- 4.1 Volksstück
- 4.2 Essen
- 4.3 Zitatensammlung
- 4.4 Shooting Star
- 4.5 Sprachkritik?
- 5. FAZIT
- 6. LITERATURVERZEICHNIS
- 6. ANHANG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Frequenz und stilistische Verwendung von Austriazismen in Werner Schwabs Fäkaliendramen. Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob Schwab Austriazismen bewusst in seine Texte integriert hat, welche spezifischen Begriffe auftreten und welche Funktion sie in der stilistischen Gestaltung seiner Werke erfüllen.
- Analyse der bewussten Verwendung von Austriazismen durch Werner Schwab.
- Identifikation und Frequenzanalyse spezifischer Austriazismen in den Fäkaliendramen.
- Untersuchung der stilistischen Funktion von Austriazismen und deren Einfluss auf den literarischen Charakter.
- Einordnung von Schwabs Sprachstil in die österreichische Theatertradition und Sprachkritik.
- Die Rolle kulinarischer Begriffe als Träger österreichischer Identität.
- Die Entwicklung der Austriazismen-Frequenz über Schwabs Werk hinweg und ihre Relevanz für seine internationale Positionierung.
Auszug aus dem Buch
Würstel als Metapher für eine kulturelle Solidarität
Zum „Würstel als Metapher für eine kulturelle Solidarität [...]“ (Schwab 2013: 65) ist anzumerken, dass ganze 31,25% der als Austriazismen identifizierten Begriffe kulinarische sind. Wenn die Begriffe aus dem Bairischen Sprachraum hinzugenommen werden, ergäben sie insgesamt sogar 37,56%. Die eigene sprachliche Identität Österreichs manifestiert sich besonders in Bereichen, die das Alltagsleben betreffen – wie das Essen. Die österreichische Küche hat eine lange Tradition und ist stark von den unterschiedlichen Regionen und den historischen Einflüssen der Habsburgermonarchie geprägt, weshalb sie eine besonders enge Verbindung zur regionalen bzw. nationalen Identität aufweist. Auch diese offensichtliche Erkenntnis einer Tradition stellt Schwab in den groteskesten Verbindungen aus, egal ob Wortspiele (siehe S.12), Metaphern oder Komposita (Gottesbeuschlsuppe (Schwab 2013: 29), Würstelgeschichte (Schwab 2013: 66), Beuschlkönig (Schwab 2013: 231) etc.).
1994, im selben Jahr von Schwabs Tod, unterzeichnete Österreich den EU-Beitrittsvertrag, in dem im Protokoll Nr.10 (auch als das Austriazismen-Protokoll bekannt) 23 Austriazismen festgehalten wurden, die auch weiterhin nach dem Beitritt in der EU-Normensprache Bestand haben sollten und offiziell verwendet werden dürfen. Es gilt:
1. Die in der österreichischen Rechtsordnung enthaltenen und im Anhang zu diesem Protokoll aufgelisteten spezifisch österreichischen Ausdrücke der deutschen Sprache haben den gleichen Status und dürfen mit der gleichen Rechtswirkung verwendet werden wie die in Deutschland verwendeten entsprechenden Ausdrücke, die im Anhang aufgeführt sind.
2. In der deutschen Sprachfassung neuer Rechtsakte werden die im Anhang genannten spezifisch österreichischen Ausdrücke den in Deutschland verwendeten entsprechenden Ausdrücken in geeigneter Form hinzugefügt.
Von den im Anhang aufgelisteten Austriazismen sind alle 23 kulinarische Begriffe. Es ist also nicht nur Schwabs Feststellung und Einschreibung, dass Kultur durch den Magen geht, sondern wird auch von offizieller Seite bestätigt.
Neben den kulinarischen Begriffen geht es Schwab auch um den Akt selbst. Der Vorgang ist zentral positioniert, sowohl auf physischer, als auch auf symbolischer Ebene. Einverleibung und die daran anschließende Verdauung werden bei Schwab nicht nur als bloße biologische Prozesse dargestellt, sondern als metaphorische Sinnbilder menschlicher Existenz und Schicksalserfüllung. Dabei bedient er sich einer grundlegenden Dualität: Der Kreislauf von Nahrungsaufnahme und exkrementeller Ausscheidung entspricht dem existentiellen Bogen von der Zeugung bis zum Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Führt in Werner Schwabs "Fäkaliendramen" ein und beleuchtet seine einzigartige Sprachverwendung, insbesondere die wenig erforschten Austriazismen, und stellt die Forschungsfragen der Arbeit vor.
2. Einblicke in Austriazismen: Schwabs einzigartige Sprache: Definiert den Begriff "Austriazismus" im Kontext der plurizentrischen deutschen Sprache und erläutert Schwabs charakteristischen Sprachstil, der von Unpassendheiten und Grammatikverstößen geprägt ist.
3. Analyse: Beschreibt die manuelle Identifikation und Klassifizierung von Austriazismen in Schwabs Werken basierend auf Wörterbuchanalysen und zeigt auffällige Frequenzen und stilistische Besonderheiten in den einzelnen Dramen auf.
4. Interpretation der Ergebnisse: Diskutiert die Verwendung von Austriazismen im Kontext des Volksstücks, der Symbolik kulinarischer Begriffe und Schwabs sprachkritischen Ansatz, und beleuchtet seine Entwicklung als Dramatiker.
5. Fazit: Fasst die Erkenntnisse über Schwabs bewussten Einsatz von Austriazismen als stilistisches Instrument zusammen, das seine Dramen prägt und Spannungen erzeugt, und reflektiert seine Haltung zur Sprache als Kunstkonstrukt.
Schlüsselwörter
Austriazismen, Werner Schwab, Fäkaliendramen, Sprachanalyse, Dialekt, Österreichisches Deutsch, Volksstück, Sprachanarchismus, Sprachebenen, Kultur, Kulinarik, Sprachkritik, Plurizentrismus, Diminutive, Neologismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung von Austriazismen in Werner Schwabs "Fäkaliendramen" und analysiert deren Häufigkeit, stilistische Funktion und Einfluss auf den literarischen Charakter seiner Werke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die sprachlichen Besonderheiten von Werner Schwabs Werken, die Definition und Klassifizierung von Austriazismen, die Rolle von Mundart und Umgangssprache im literarischen Kontext sowie die kulturelle und identitätsstiftende Funktion spezifisch österreichischer Begriffe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob Werner Schwab Austriazismen bewusst einsetzte, welche konkreten Austriazismen auftreten und welche Funktion sie in der stilistischen und literarischen Gestaltung seiner "Fäkaliendramen" erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine manuelle Wörterbuchanalyse, basierend auf verschiedenen Ausgaben des Österreichischen Wörterbuchs (1990, 2022), um Austriazismen zu identifizieren, zu klassifizieren und deren Frequenz zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf das Volksstück, die Symbolik von Essen und kulinarischen Begriffen, Schwabs sprachkritischen Ansatz sowie seine Entwicklung als "Shooting Star" der österreichischen Dramatik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Austriazismen, Werner Schwab, Fäkaliendramen, Sprachanalyse, Dialekt, Österreichisches Deutsch, Sprachkritik, Volksstück.
Welche besondere Rolle spielen kulinarische Begriffe in dieser Untersuchung?
Kulinarische Begriffe machen einen signifikanten Anteil der identifizierten Austriazismen aus und werden als Metaphern für menschliche Existenz, Machtausübung und kulturelle Identität Österreichs interpretiert, was auch durch das EU-Austriazismen-Protokoll bestätigt wird.
Inwiefern distanziert sich Schwab vom traditionellen Volksstück, obwohl er dessen Elemente nutzt?
Schwab bedient sich zwar Elementen des Volksstücks, lehnt dessen soziale Dimension jedoch ab und nutzt die Gattung, um sie zu sprengen und eine radikale Erneuerung des Theaters durch Sprache zu fordern, anstatt eine Tradition fortzusetzen.
- Citar trabajo
- Merle Proll (Autor), 2024, Frequenz und stilistische Verwendung von Austriazismen in Werner Schwabs "Fäkaliendramen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1661754