Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Sufismus und der mystischen Dichtung und ihren Symbolen mit Beispielen von Gedichten aus dem Diwan des islamischen Mystikers Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī. Im ersten Teil der Arbeit werden die Begriffe Mystik und Sufismus erläutert und ihre Charakteristika sowie Methoden und die Lehre des Sufismus beschrieben. Im zweiten Teil wird die mystische Dichtung mit Hinblick auf den persischen Dichter Rūmī behandelt. Außerdem werden einige Symbole der islamisch-mystischen Dichtung mithilfe von Beispielen aus Rūmīs Werken veranschaulicht. Der dritte Teil der Arbeit konzentriert sich auf das Innere des Menschen und auf die Bedeutung des Herzens in der islamischen Mystik. Abschließend erfolgt ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis des E-Books
- 1 Einleitung
- 1.1 Begriffserklärung „Mystik“
- 1.2 Begriffserklärung „Sufismus“
- 1.2.1 Spirituelle Methoden des Sufismus
- 1.2.2 Die Lehre des Sufismus
- 2 Die mystische Dichtung
- 2.1 Der mystische Dichter Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī
- 2.2 Die Symbole in der mystischen Dichtung
- 2.2.1 Mundschenk und Weinschenke
- 2.2.2 Wein und Berauschtheit
- 2.2.3 Schleier
- 2.3 Das Herz in der mystischen Dichtung
- 2.3.1 Mond und Sonne
- 2.3.2 Der innere Spiegel
- 2.3.3 König, Fürst und Herrscher
- 2.3.4 Leuchter, Laterne oder Lampe
- 3 Das Innere des Menschen und die Bedeutung des Herzens in der islamischen Mystik
- 3.1 At-Tirmidīs Stufen des Herzens und der Seele
- 3.1.1 Die Brust
- 3.1.2 Das eigentliche Herz
- 3.1.3 Das innere Herz
- 3.1.4 Der Kern des Herzens
- 3.1.5 Die inspirierte Seele
- 3.2 Die Bestimmungen des Herzens
- 3.2.1 Schatzkammer des Himmelreiches
- 3.2.2 Spirituelle Tiefenschicht
- 3.2.3 Ort der mystischen Vereinigung
- 3.2.4 Göttliche Laterne
- 3.1 At-Tirmidīs Stufen des Herzens und der Seele
- 4 Fazit
- 5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die vielfältigen Bedeutungen des Herzens im Kontext der islamischen Mystik und analysiert die mystische Dichtung und ihre Symbole, insbesondere am Beispiel des persischen Dichters Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie das Herz in der islamischen Mystik konzeptualisiert wird und welche Rolle die symbolische Dichtung in der Vermittlung mystischer Erfahrungen spielt.
- Die Definition und Charakteristika von Mystik und Sufismus.
- Die Darstellung des persischen Dichters Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī und sein Einfluss auf die mystische Dichtung.
- Die Analyse zentraler Symbole wie Mundschenk, Wein und Schleier in der islamisch-mystischen Poesie.
- Die verschiedenen metaphorischen Bedeutungen des Herzens (Mond, Sonne, Spiegel, König, Laterne).
- Die Stufen des Herzens und der Seele nach At-Tirmidī.
- Die Bestimmungen des Herzens als Schatzkammer, spirituelle Tiefenschicht, Ort der mystischen Vereinigung und göttliche Laterne.
Auszug aus dem Buch
Die Symbole in der mystischen Dichtung
Die von den Sufis verwendeten metaphorischen Bilder sind nicht nur Betonungen von Ähnlichkeiten, sondern gelten auch als Symbole, die die Gefühle des Dichters vermitteln sollen. Beispielsweise werden Symbole wie Wein, Mundschenk, Weinschenke verwendeten. Außerdem ist auch vom Zustand der Berauschtheit die Rede. Interessant ist dabei, dass diese Symbole zu den Verboten im Koran gehören, jedoch tragen diese Begriffe eine neue metaphysische und psychologische Bedeutung. Im Folgenden werden einige Symbole, die in der islamischen und mystischen Dichtung verwendet werden, anhand von Beispielen aus Rūmīs Werken erläutert.
Der Mundschenk, der für die Versorgung von Wein zuständig ist, ist der Bringer des Weins der Liebe und Zuneigung, durch den der Mensch zur Erkenntnis geführt wird.
Die Weinschenke ist ein Synonym für das Herz der Sufis, es steht für den Ort der Liebe. Außerdem ist die Schenke ein Heiligtum und wird als das Nest des Seelenvogels bezeichnet. Der Weinhändler oder die Weinschenke gelten als Schüler, die Erkenntnis über die Eigenschaften Gottes und Muḥammad erlangt haben. In den nächsten ausgewählten Zeilen aus den Gedichten des Diwans verwendet Rūmī die Symbole Mundschenk und Weinschenk auf folgende Art und Weise:
„Wir haben kein Geschäft als nur den Dienst am Schenken ganz allein.
O Schenke, schenk uns wieder ein, von Gut und Bös uns befreien!“
Hier ist das Verb Schenken nicht auf das Einschenken von Wein bezogen, sondern das Schenken von Wissen und Erkenntnis, das den Menschen von „Gut und Bös" befreien soll.
Als Symbol der Ekstase wird der Begriff „Wein“ verwendet. Dabei bezieht sich der Rausch des Weines auf die intensiven Gefühle, der Liebe des Sufis für den Geliebten, also Gott. Die Liebe zu Gott ist der Antrieb zur Suche nach ihm. Für die Liebhaber Gottes wird der Begriff „die Berauschten“ verwendet. Sie kennen die Wahrheit und kennen die Geheimnisse der Welt und Gott. Auch sind sie versunken und berauscht von der Liebe zu Gott. Im nächsten Abschnitt des oben zitierten Gedichts verwendet Rūmī die Symbole Wein und Berauschtheit auf folgende Art und Weise, um die Eigenschaften und Sinne eines berauschten Mystikers zu verdeutlichen:
„Ist denn der Trunkene gescheut? Er tut, was ihm der Wein gebeut;
Und wandelt bis in Ewigkeit, wohin ihn locke Gottes Wein.
Die Trunkenheit des Erdenweins vergeht, wenn eine Nacht du schläfst.
Die Trunkenheit des „Gott ist Eins“ geht mit dir durch des Grabs Gestein. “
Der Schleier symbolisiert die Schuldgefühle eines Menschen. Der Verschleierte schämt sich für seine Fehler und Sünden. Durch das Abnehmen des Schleiers fallen Barrieren und der Mensch nähert sich Gott. Dieses Symbol wird von Rūmī wie folgt beschrieben:
„Denn erst wenn der irdische Schleier verbannt ist, wird inneres Wissen, wird Chiser erkannt;
Und tief in der Seele, im Herzen entdeckst du die uralte Liebe in jungem Gewand. "
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die islamische Mystik (Sufismus) ein, erläutert die Begriffe „Mystik“ und „Sufismus“ anhand ihrer Herkunft und Merkmale und beschreibt die spirituellen Methoden und die Lehre des Sufismus.
2 Die mystische Dichtung: Der zweite Teil beleuchtet die Rolle der mystischen Dichtung als Ausdruck der Religiosität, stellt den Dichter Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī vor und analysiert zentrale Symbole wie Mundschenk, Wein und Schleier sowie die vielseitige Bedeutung des Herzens in der mystischen Poesie.
3 Das Innere des Menschen und die Bedeutung des Herzens in der islamischen Mystik: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Analyse des Herzens in der islamischen Mystik, einschließlich At-Tirmidīs vier Stufen des Herzens und der Seele sowie weiterer Bestimmungen des Herzens wie Schatzkammer des Himmelreiches und göttliche Laterne.
Schlüsselwörter
Islamische Mystik, Sufismus, Herz, Dichtung, Ğalāl ad-Dīn Muḥammad Rūmī, Symbole, Wein, Mundschenk, Schleier, Gotteserkenntnis, Einheit des Seins, At-Tirmidī, Seele, Erkenntnis, Metaphern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der islamischen Mystik, dem Sufismus, und analysiert die Rolle der Dichtung sowie die vielfältigen Bedeutungen und Konzepte des Herzens in diesem Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Begriffserklärungen von Mystik und Sufismus, die mystische Dichtung mit Fokus auf Rūmī, die Symbolik in dieser Dichtung und die tiefgehende Bedeutung sowie die Stufen des Herzens in der islamischen Mystik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Konzepte des Herzens in der islamischen Mystik zu ergründen und die Funktion symbolischer Dichtung, insbesondere durch Rūmī, bei der Vermittlung mystischer Erfahrungen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Analyse von Primär- und Sekundärliteratur, um Begriffe, Theorien und dichterische Werke der islamischen Mystik zu interpretieren und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die mystische Dichtung, mit einem Schwerpunkt auf Rūmī und spezifischen Symbolen (Mundschenk, Wein, Schleier), sowie das Innere des Menschen und die vielschichtigen Bedeutungen und Stufen des Herzens nach verschiedenen islamischen Denkern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie islamische Mystik, Sufismus, Herz, Dichtung, Rūmī, Symbole, Gotteserkenntnis und Seelenstufen charakterisiert.
Wie werden im Sufismus Symbole wie Wein und Mundschenk interpretiert, obwohl sie im Koran verboten sind?
Im Sufismus erhalten diese Symbole eine neue metaphysische und psychologische Bedeutung; Wein steht für Ekstase und intensive Liebe zu Gott, während der Mundschenk der Bringer von Wissen und Erkenntnis ist, der zur Liebe führt.
Welche Bedeutung hat das Herz im Vergleich zu anderen menschlichen Organen oder Fähigkeiten in der islamischen Mystik?
Das Herz nimmt eine zentrale Stellung ein und wird als innerer Kosmos, Schatzkammer des Himmelreiches, Ort der mystischen Vereinigung und göttliche Laterne betrachtet, das die Fähigkeit besitzt, göttliche Wahrheit widerzuspiegeln und Erkenntnis zu erlangen, im Gegensatz zu rein materiellen oder intellektuellen Funktionen.
Wie unterscheiden sich die Wissensformen, die in der Brust und im Herzen verankert sind, laut At-Tirmidī?
At-Tirmidī unterscheidet zwischen dem erlernten Wissen in der Brust (ilm al-huṣūlī), das vergessen werden kann, und dem inneren Wissen im Herzen (ilm al-huzūrī), das aus dem Inneren kommt, nicht erworben wird und fortdauernd ist.
- Quote paper
- Ceyda Celebi (Author), 2019, Die Dichtung und die verschiedenen Bedeutungen des Herzens in der islamischen Mystik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1662002