Sokrates - Vertreter des logischen Schließens?

Eine kritische Analyse am Beispiel Platon - Gorgias


Hausarbeit, 2005

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Vorüberlegungen

3. Widerlegung des Gorgias
3.1 Die Prämissen des Gorgias
3.2 Die Widersprüche des Gorgias
3.3 Kritik an Sokrates' Argumentation I

4. Widerlegung des Polos
4.1 Die Widersprüche des Polos
4.2 Kritik an Sokrates' Argumentation II

Literaturangabe

Anlagen:

Schlussbeispiel

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich vordergründig die Thematik des logischen Schließens behandeln und mich dabei auf die Widerlegung der Gesprächspartner des Sokrates konzentrieren. Da ich als Zweitfach, neben der Philosophie, Mathematik studiere und eine Grundlage für mathematisches Denken das Logische Denken ist, fand ich dieses Thema als passend.

Mir soll es in meiner Hausarbeit nicht um die Fragen „Was ist Rhetorik?“ und „Welche Macht haben die Rhetoriker im Staate?“ an sich gehen, sondern eher um die Art und Weise, wie sich Gorgias und Polos im Verlaufe ihrer Dialoge in Widersprüche verwickeln und wie diese durch Sokrates aufgedeckt werden.

Auch hoffe ich beurteilen zu können, ob Sokrates einen Anteil daran hat, dass sich die besagten Personen in diese Ungereimtheiten ihrer Argumentationen verstricken. Außerdem werde ich versuchen eine Aussage darüber zu treffen, ob die Beweisführung des Sokrates noch Erfolg haben könnte, wenn die von Gorgias und Polos angesprochenen Fehler nicht begangen worden wären.

Da ich keine griechische Version des Buches besitze und außerdem die altgriechische Sprache und Schrift nicht beherrsche bin ich der Übersetzung und somit auch der Interpretation von Rudolf Rufener erlegen. Ich bitte dies zu berücksichtigen, da mir im Seminar schon einige Abweichungen in Wortwahl und Satzbau insbesondere in wichtigen Passagen aufgefallen sind.

2. Theoretische Vorüberlegungen

Als Aussagen gelten im Allgemeinen Sätze, die als wahr oder falsch bezeichnet werden können. Die Aussagenlogik befasst sich mit dem richtigen Schlussfolgern von Aussagen (Prämissen) auf eine Schlussfolgerung (Konklusion). Dabei wird der Konklusion versucht ein Wahrheitswert zuzuordnen. Nach dem Zweiwertigkeitsprinzip der Aussagenlogik müssen Aussagen wie Konklusion oder Prämisse entweder wahr oder falsch sein. Es existiert also keine Aussage die sowohl wahr als auch falsch ist.

Aussagen die immer wahr sind bezeichnet man als Tautologien und Aussagen die immer den Wahrheitswert falsch haben, werden Kontradiktionen genannt.

Allgemein ist anzumerken, dass ein Schluss formell wahr ist, wenn alle Prämissen wahr sind. Möchte man also zeigen, dass ein Schluss falsch ist, sollte man zum Beispiel versuchen zu belegen, dass eine der aufgestellten Prämissen falsch ist.

Es lässt sich also folgendes für das richtige Schließen zusammenfassen.

Akzeptiert der Gesprächspartner alle Prämissen als wahr, so muss er auch die Konklusion als wahr akzeptieren. Wenn ich also als Gesprächsführer den Gesprächspartner dazu bringen möchte die Konklusion zu akzeptieren, so muss ich meine Argumentation dahingehend richten, dass er alle Prämissen als wahr anerkennt. Wenn er jedoch die Konklusion nicht als wahr akzeptieren möchte, so muss er eine der gestellten Prämissen widerlegen.

Abschließend ist zu bemerken, dass für die Richtigkeit eines Schlusses nur die formelle Richtigkeit zählt und nicht die inhaltliche (Extensionalitätsprinzip).

Diese Strukturen lassen sich auch in den Schlüssen des Sokrates wieder erkennen. Es wird sich zeigen, dass Sokrates nach diesem Verfahren versucht seine eigenen Konklusionen zu beweisen und somit die der Gesprächspartner zu widerlegen. Das Widerlegen bezieht sich meist auf eine der von den Gesprächspartnern aufgestellten Prämissen. Entweder wird gezeigt, dass eine Prämisse vollkommen falsch ist, oder dass eine Wortbedeutung einer falschen Meinung unterliegt. Durch Aufklärung bzw. Berichtigung dieser Widersprüche bzw. falschen Aussagen vollzieht sich das argumentative Schließen des Sokrates

3. Widerlegung des Gorgias

In Diesem Abschnitt werde ich erst die von Gorgias geäußerten Prämissen aufführen, da diese vor dem Schluss des Sokrates zu Stande kamen. Aufbauend darauf werde ich die Widerlegung durch Sokrates versuchen in eigenen Worten wiederzugeben.

3.1. Die Prämissen des Gorgias

Soweit ich das Gespräch zwischen Sokrates und Gorgias überblicken kann, wird von Gorgias’ Seite kein richtiger Schluss geäußert. Das Einzige worauf sich Sokrates in seinem Widerspruch bezieht, sind die von Gorgias geäußerten Prämissen. Um also die Darlegungen Sokrates richtig verstehen zu können, führe ich nun die von Gorgias geäußerten Prämissen auf.

Die erste Aussage, welche von Gorgias getroffen wird und welche für den Verlauf des Gespräches wichtig ist, ist die, dass sich Gorgias selbst als Rhetoriker betrachtet (449a). Wenn er also im Folgenden die Rhetorik definiert, so definiert er sein Tun und Wirken. Gleich in der Folge darauf, behauptet Gorgias ebenso andere zum Redner machen zu können (449a). Er beansprucht also für sich, andere in dem Bereich belehren zu können, welchen er selbst beherrscht.

Nach einigen unkonkreten und nicht expliziten Aussagen darüber was die Rhetorik nun ist, also worauf sie sich bezieht, wie sie durchgeführt wird und welche ihre Wirkung ist, expliziert Gorgias die Rhetorik als Glauben machende Kunst der Überredung betreffend der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit (455a). Dieser Explikation stimmt Sokrates weitest gehend zu. Erst als Gorgias im weiteren Verlauf des Gespräches zwei weitere Aussagen trifft, droht das Gespräch zu scheitern. Erst behauptet er, ohne sichtlich in Bedrängnis zu geraten, dass die Rhetorik auch auf ungerechte Weise angewandt werden kann (457a) und später behauptet er wie schon ähnlich zu Beginn der Unterhaltung andere lehren zu können was Gerechtigkeit ist (459e). Somit kommt es nun im weiteren Verlauf des Gespräches zwischen Gorgias und Sokrates zur Widerlegung Ersterem.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sokrates - Vertreter des logischen Schließens?
Untertitel
Eine kritische Analyse am Beispiel Platon - Gorgias
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V166257
ISBN (eBook)
9783640819171
ISBN (Buch)
9783640822324
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Platon, Gorgias, Sokrates
Arbeit zitieren
Andreas Sommer (Autor), 2005, Sokrates - Vertreter des logischen Schließens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166257

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