Nachdem am 2. Mai 1933 durch die Nationalsozialisten in Deutschland die freien Gewerkschaften als Interessenvertreter der deutschen Arbeiterklasse aufgelöst und ihre Vermögensteile von dem neuen nationalsozialistischen Staat eingezogen waren, entbehrte die überwiegend sozialistisch gesinnte deutsche Arbeiterschaft einer Massenorganisation zur Repräsentation und Wahrung ihrer Rechte.
Die generell kritische Haltung der Arbeiter gegenüber dem neuen System und das Interesse des Staates, die weiterhin als Klasse bestehende Arbeiterschaft für sich zu gewinnen, verlangten nach einer Organisation, die den Verlust der Gewerkschaften für die Arbeiter kompensieren und der Sicherung des sozialen Friedens dienen sollten.
Die Organisation "Deutsche Arbeitsfront" (DAF) wurde am 6. Mai als Einheitsgewerkschaft mit Mitgliedschaftszwang für alle deutschen Arbeiter, von Reichsorganisationsleiter Robert Ley gegründet. Ihre Gründung markiert den Beginn der nationalsozialistischen Sozialpolitik mit dem Ziel der Konsolidierung der deutschen Arbeiterschaft. Neben gewerkschaftsähnlichen Aufgaben und dem Ziel der Verbesserung der sozialen Situation, führte sie ebenso politisch-erzieherische Maßnahmen im nationalsozialistischen Sinne innerhalb des Betriebes durch, die zur Auflösung der Klassengesellschaft führen und die Eingliederung der Arbeiter in die sogenannte Volksgemeinschaft verwirklichen sollten.
Zu der Aufgabe der Integration der Arbeiter sollte die der DAF angeschlossene Unterorganisation Kraft durch Freude (KdF) außerhalb der Betriebsgemeinschaft einen Beitrag im Bereich der Freizeitorganisation leisten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ziele der NS-Gemeinschaft KdF
2. Der Begriff der Volksgemeinschaft
3. KdF-Fahrten
4. KdF-Seereisen
Schluß
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) als Instrument zur Integration der Arbeiterklasse in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft. Dabei wird analysiert, inwieweit die angebotenen Freizeitprogramme wie Landfahrten und Seereisen tatsächlich zur angestrebten sozialen Aufwertung und politischen Gleichschaltung der Arbeiterschaft beigetragen haben oder ob sie lediglich der Instrumentalisierung zur Leistungssteigerung und Kriegsvorbereitung dienten.
- Die Ziele der nationalsozialistischen Sozialpolitik und die Funktion der KdF
- Die theoretische Konstruktion der „Volksgemeinschaft“ im NS-Staat
- Die Durchführung und Aufnahme von KdF-Landfahrten durch die Arbeiter
- Die propagandistische und politische Bedeutung der KdF-Seereisen
- Kritische Reflexion über den Erfolg der Maßnahmen zur Klassenaufhebung
Auszug aus dem Buch
KdF-Seereisen
Das in der breiten Öffentlichkeit populärste Reiseangebot waren die für die Gemeinschaft KdF äußerst prestigeträchtigen Seefahrten. Diese müssen von den KdF-Landfahrten aufgrund ihrer besonderen politischen Bedeutung gesondert betrachtet werden.
Seit 1934 unternahm die Gemeinschaft KdF Seefahrten zu deren Zweck die DAF ein eigene Flotte von 45 Schiffen unterhielt und diese im In- und Ausland als "Flotte des Friedens" präsentierte. Der propagandistische Effekt in Deutschland war enorm, da die fünf bis zwanzigtägigen Seereisen massenwirksam inszeniert wurden und eine Form des Reisens darstellte, die für Arbeiter bis dato nicht erschwinglich war. Auf den Seereisen war es besonders leicht, die Kontrolle über die Teilnehmer zu wahren, was die Reisenden nicht davon abhielt, Trinkgelage zu veranstalten, Schlägereien auszutragen und sich der zwangsweisen Mikro-Gemeinschaft an Bord zu entziehen indem sich auch hier Landsmannschaften zusammenfanden. Dennoch war die politische Beeinflussung auf diesem beschränkten Raum einfacher, genauso wie die Stärkung des Wir-Gefühls. Der straffe Zeitplan tat sein übriges, um keine Langeweile, wie es von der Gemeinschaft KdF ausdrücklich verpönt war, aufkommen zu lassen. Die Reiseziele waren vielfältig, auffällig war jedoch die Auswahl von Staaten mit überwiegend faschistischen Regierungen, wie Portugal, Griechenland, Spanien und Italien.
Die KdF-Flotte verfolgte das Ziel, dem Ausland ein bestimmtes Bild von Deutschland als friedlich zu suggerieren, während der KdF-Flotte ebenso ein durchaus gewünschter "kolonialistische(r) Unterton" anhaftete.
Das Erleben fremder Länder sollte in den Teilnehmern ein stärkeres Gefühl der Heimatliebe hervorrufen und sich ihres höheren sozialen Standards bewußt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Auflösung der freien Gewerkschaften und die Gründung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) sowie der Unterorganisation „Kraft durch Freude“ als Instrumente der NS-Sozialpolitik.
1. Ziele der NS-Gemeinschaft KdF: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Ziele der KdF, insbesondere die Bildung einer Volksgemeinschaft durch physische Regeneration der Arbeiter und die damit erhoffte Leistungssteigerung.
2. Der Begriff der Volksgemeinschaft: Hier wird der abstrakte Begriff der Volksgemeinschaft als Mittel zur Kontrolle der Arbeiter und zur Legitimation des Führerstaates analysiert.
3. KdF-Fahrten: Dieses Kapitel behandelt die Durchführung der Land- und Wochenendfahrten, die allgemeine Resonanz der Arbeiter und die Diskrepanz zwischen ideologischem Anspruch und der Realität vor Ort.
4. KdF-Seereisen: Es wird die besondere Rolle der „Flotte des Friedens“ als prestigeträchtiges Propagandainstrument und deren tatsächliche Reichweite innerhalb der Arbeiterschicht untersucht.
Schluß: Die abschließenden Überlegungen bewerten den Gesamterfolg der KdF kritisch und kommen zu dem Ergebnis, dass trotz sozialer Verbesserungen eine echte Aufhebung der Klassengesellschaft nicht stattfand.
Schlüsselwörter
Kraft durch Freude, KdF, Deutsche Arbeitsfront, DAF, Volksgemeinschaft, Nationalsozialismus, Arbeiterklasse, Sozialpolitik, Reiseangebote, Propaganda, Leistungssteigerung, Freizeitgestaltung, NS-Staat, Klassengesellschaft, Kriegsvorbereitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkung der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ als Instrument der nationalsozialistischen Sozialpolitik gegenüber der deutschen Arbeiterklasse.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Ziele der DAF, das ideologische Konzept der Volksgemeinschaft sowie die Umsetzung von KdF-Landfahrten und Seereisen als Mittel zur sozialen Kontrolle und politischen Beeinflussung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob die KdF-Maßnahmen tatsächlich zu einer gesellschaftlichen Aufwertung der Arbeiter führten oder primär der Instrumentalisierung für politische Zwecke und Kriegsvorbereitung dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die existierende Forschungsliteratur (wie von Timothy Mason und Günther Morsch) aufgreift und diese im Kontext der spezifischen Wirkungsweise der KdF neu bewertet.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ideologischen Ziele (Volksgemeinschaft) und die konkrete Ausführung der Freizeitprogramme (Landfahrten und Seereisen) unter Berücksichtigung der Arbeiterreaktionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: Kraft durch Freude, Volksgemeinschaft, Deutsche Arbeitsfront, NS-Sozialpolitik und Arbeiterklasse.
Warum spielt der Begriff der „Volksgemeinschaft“ eine so zentrale Rolle für die NS-Führung?
Er diente dazu, das Klassenbewusstsein der Arbeiter aufzubrechen und durch eine fiktive, ideologisch überhöhte Gemeinschaft zu ersetzen, die den Einzelnen enger an den Staat und den Führer binden sollte.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des Erfolgs der KdF-Reisen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die KdF zwar soziale Anreize bot, eine echte „Volksgemeinschaft“ jedoch fiktiv blieb und die tiefgreifenden sozialen Strukturen der Klassengesellschaft nicht aufgehoben wurden.
- Citation du texte
- Marcel Nagel (Auteur), 2009, Die NS-Gemeinschaft 'Kraft durch Freude', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166278