Das literarische Umfeld des portugiesischen Neorealismus

Avantgardebewegungen von 1928-1968


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen in Portugal von 1928-1968

3. Die Opposition im Estado Novo

4. Das literarische Umfeld des Neorealismus- die Zeitschrift Presença

5. Das literarische Umfeld des Neorealismus- der Surrealismus

6. Neorealismus, Die Presença Bewegung und der Surrealismus

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll eine Aufstellung der verschiedenen literarischen Strömungen, die im Umfeld des Neorealismus aufgetreten sind, gegeben werden. Nach einer allgemeinen Einführung in die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation dieser Zeit, wird auf die Stilrichtungen Surrealismus und die Bewegung um die Zeitschrift Presença in Portugal näher eingegangen. Dabei werden verschiedene Werke zur Analyse herangezogen.

2. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen in Portugal von 1928-1968

Die betrachtete Periode, wurde nicht auf Grundlage der Zeitspanne des Einflusses des Neorealismus ausgewählt, sondern begründet sich auf die Staatsführung durch António de Oliveira Salazar. Salazar war ab 1928 als Finanzminister der portugiesischen Regierung und ab 1932 bis 1968 Premierminister.

Diese Zeit bot dem Aufkommen des Neorealismus durch ihre politische Ausrichtung einen Boden, oder begründete diese und andere literarische Strömungen sogar, deswegen scheint ihre Dauer ein geeigneter Rahmen zu sein, um die politischen Entwicklungen und Ereignisse zu betrachten.

Gewählt wurde eine Auswahl der Geschehnisse, die insbesondere Einfluss auf die Lebensumstände der Portugiesen hatten.

Nach dem Militärputsch 1926 stieg Salazar 1928 zum Finanzminister auf, da er sich zuvor als Professor für Sozialökonomie an der Universität von Coimbra besonders hervorgetan hatte. Als Bedingung für das Antreten dieses Amtes stellte er jedoch, dass er die alleinige Kontrolle über den Staatshaushalt haben sollte, was ihm auch gewährt wurde (vgl. von Sternberger et al. 1969: 1022). Aufgrund mangelnder Kompetenz musste die Regierung ihm diese Freiheit zugestehen, so dass schon ab diesem Jahr von einer Alleinkontrolle Salazars gesprochen werden kann. Durch die Form der Militärregierung hatten die anderen politischen Parteien sowie die Gewerkschaften keinerlei Einfluss auf die getroffenen Entscheidungen.

„Zwischen 1910 und 1926 regierten acht verschiedene Präsidenten mit 34 unterschiedlichen Regierungen. Neben einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Belastung durch die Beteiligung Portugals am Ersten Weltkrieg verhinderten zahlreiche Staatsstreiche, Aufstände, Streiks und Bombenanschläge eine politische und gesellschaftliche Beruhigung des Landes“ (Schell 2007: 3). So wurde durch Salazars striktes Haushalten mit den Staatsfinanzen, zum ersten Mal seit 1910, die Schuldenfreiheit Portugals und der Ausgleich des Staatshaushaltes erreicht.

Mit dem Durchsetzen dieser Ziele gewann Salazar beim Volk zunächst viele Befürworter, insbesondere, da seine Regierung die erste war, die Stabilität versprach. Von Sternberger et al. beschreibt die Findung des Regierungsideals Salazars, als ein Prozess, der aus der Gruppe des katholischen Kreises entstanden sei. Bereits vor seinem Amtsantritt entwickelte er dort die “Idee und [das] Programm eines korporativen Staates: sozial und korporativ, unter autoritärer Führung, bzw.: anti-demokratisch, anti- parlamentarisch und anti-sozial” (1969: 1022).

Entsprechend der Verfassung wurde das Wahlrecht nun geändert, so dass zunächst ausschließlich die Familienoberhäupter wahlberechtigt waren, was noch im gleichen Jahr aber auf alle Männer über 21 Jahren ausgedehnt wurde. Nicht wahlberechtigt waren Analphabeten, Frauen ohne Schul- oder Fachausbildung und alle, die weniger als hundert Escudos Steuern zahlten. Ebenso ausgeschlossen waren alle Staatsbürger mit Migrationshintergrund, oder die in den letzten fünf Jahren im Ausland gelebt hatten. Somit waren nur ca. 15 Prozent aller Bürger wahlberechtigt (vgl. von Sternberger et al. 1969:1023). Zu all diesen Einschränkungen kam noch ein Gesetz im Wahlrecht, nach dem „Personen, die Meinungen vertreten, die gegen die gesellschaftliche Disziplin und die Unabhängigkeit des Staates gerichtet sind” von der Regierung von der Wählerliste gestrichen werden können (von Sternberger et al.1969: 1024). Die katholische Kirche unterstützte Salazars Staatskonzept und obwohl die Trennung zwischen Staat und Religion immer noch bestand, „galt das römisch-katholische Verständnis als die traditionelle Konfession der portugiesischen Nation“ (Besier 2005: 90).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das gesamte System war also auf eine alleinige Bevollmächtigung Salazars ausgelegt und alle anderen Staatsorgane wurden durch die neue Verfassung lediglich zu einer ihm untergeordneten Instanz. Anstatt eines Parlamentes sollte die zur korporativen Nation zusammengeschlossene Gesamtheit der Bürger treten (vgl. Bernecker/ Pietschmann 2001: 107), die auf den Verbindungen des Volkes untereinander aufgebaut sein sollte. Familien, Berufsgruppen, Kirche, Universitäten bildeten diese Gruppen, die unter dem Vertretungsorgan der Korporativkammer standen. Arbeitgeber mussten sich in sogenannten Gremien zusammenfinden, Arbeitnehmer in Syndikaten, auf regionaler Ebene und nach Berufsfeldern getrennt. Auch diese scheinbare Unterstützung der Arbeiter verkam zu einer Farce, da die Einrichtungen zumeist von den Besitzern der Latifundien beherrscht wurden. So mangelte es der arbeitenden Bevölkerung an jeder Art der Vertretung ihrer Interessen (Bernecker/ Pietschmann 2001: 108). Die Arbeitgeber behielten, trotz ihrer Eingliederung in die Korporativen ohne politisch wirksame Kompetenzen, noch ein gewisses Mitspracherecht an wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen, während die traditionellen Mittel des Unmutsausdruckes der Arbeiter- Streik und Vereinigung zu Gruppen- unter Strafe gestellt wurden. Diese Machtverteilung ist schematisch nochmals in Grafik 1 dargestellt.

Die wirtschaftlichen Erfolge, die Salazar in seiner Zeit als Finanzminister erzielte, konnte er ab dem Beginn seiner Präsidentenzeit jedoch nicht aufrecht erhalten. 1935 wurde das „Gesetz über die Ökonomische Rekonstituierung” erlassen, welches die Wirtschaft auf lange Sicht beeinflussen sollte. Ab dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde die Ökonomie immer stärker zu einem von der Regierung gesteuerten Wirtschaftsfaktor. Sie „kontrollierte und regulierte den Außenhandel, rationierte Produkte wie Brennstoffe und Nahrungsmitte und beschleunigte die industrielle Entwicklung”. Die Industrie entwickelte sich allerdings nicht wie erhofft und stagnierte, so dass 1940 lediglich 20 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in der Industrie arbeitete (vgl. Bernecker/ Pietschmann 2001: 109).

Als kontrollierendes Organ über die erlassenen Gesetze und nach dem Vorbild des Scotland-Yard in Großbritannien und der Gestapo im Dritten Reich in Nazideutschland, wurde 1945 die PIDE (Polícia Internacional e de Defesa do Estado) ins Leben gerufen, die allerdings schon seit 1933 mit beschränkten Befugnissen und unter anderem Namen existierte. Sie bestand aus bis zu 10.000 Mitgliedern, die „ein umfangreiches Netz von Spitzeln und Informanten” umfasste. Durch ihr unterstehende Gerichte und Gefängnisse wurde bald eine „polizeistaatliche Überwachung des öffentlichen und privaten Lebens” erreicht (vgl. Bernecker/ Pietschmann 2001: 115 Wippermann et al. 2003: 33).

Im Zweiten Weltkrieg hielt Portugal sich neutral, hauptsächlich auf seiner Isolation innerhalb Europas begründet. Trotz der Verbindungen zu England behielt Portugal seine Neutralität bei, sich wohl auch der Übermacht der potentiellen Gegner bewusst. Erst 1943 wurde es den Engländern, und im Jahr darauf den USA, erlaubt Marine- und Luftfahrtstützpunkte zu errichten, dennoch wurden weder das portugiesische Festland, noch die Azoren oder Madeira, Schauplatz von aktiven Kriegshandlungen (Bedürftig 2004: 91; 236; 505).

Während der sechs Kriegsjahre kamen ca. 80 000 Immigranten nach Portugal, von denen viele aber weiter in die USA flüchteten. Flüchtlinge wurden während der gesamten Diktatur nur selten ab- oder ausgewiesen, da sie zumindest einen kleinen Gegenpol zur massiven Auswanderung der Portugiesen setzten und in vielen Fällen sogar finanzkräftiger waren als diese (vgl. Gieler 2004: 147 ff).

Aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage gehörte Portugal 1949 zu den Gründungsmitgliedern der NATO und trat 1955 der UNO bei. Während sich viele europäische Regierungen im Umbruch befanden, behielt Salazar seinen Kurs bei, was auch die Wirtschaft, gegenüber dem Durchschnitt in Europa, zu einem Entwicklungsrückstand führte. Die Landwirtschaft blieb weiterhin der stärkste Wirtschaftssektor, doch die Arbeitsbedingungen verbesserten sich nur sehr langsam. Die fehlende Mechanisierung auf den Latifundien, im Anbau von Weizen, Oliven, Kork und Wein führte zu einer derart niedrigen Arbeitsproduktivität, „dass die Nahrungsmittelversorgung nicht gewährleistet wurde und Agrarimporte erforderlich waren“ (Bernecker/ Pietschmann 2001: 116-117).

In den 50er Jahren setzte eine Industrialisierung in den Bereichen der Textilindustrie und in den verarbeitenden Industrien für Rohstoffe wie Holz und Kork ein, die von Bernecker als “spät und unzureichend” beschrieben wird. Die Gründe dafür lägen in der Finanzschwäche der Portugiesen, sowie dem Bevölkerungsrückgang. Von 1961 bis zur Revolution 1974 verließen ca. 1,4 Millionen Menschen Portugal (vgl. Bernecker/ Pietschmann 2001: 117-118).

Als letzten Aspekt der Charakteristika des Estado Novo, soll nun noch die Zensur genannt werden, die das Leben der Portugiesen stark beeinflusste und die Abwendung von Europa verstärkte. Die Presse stand unter der permanenten Beobachtung der PIDE und zahlreiche Publikationen wurden verboten. Systemkritische Schriftsteller wurden zum Teil des Landes verwiesen und ihre Bücher auf Verbotslisten gesetzt. Im staatlichen Fernsehen RTP wurde keine Sendung ohne vorhergehende Kontrolle des Inhaltes ausgestrahlt, insbesondere, wenn es sich um Berichterstattungen aus dem Ausland handelte. Nachdem 1964 ein Sänger in einer Liveübertragung eine Beschwerde äußerte, wurde nichts mehr ohne Zeitverzögerung gesendet (vgl. Azevedo 1999: 240).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das literarische Umfeld des portugiesischen Neorealismus
Untertitel
Avantgardebewegungen von 1928-1968
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Theorie und Praxis des portugiesischen Neorealismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V166280
ISBN (eBook)
9783640820078
ISBN (Buch)
9783640823048
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Avantgarde, Portugal, Salazar, Estado Novo, Neorealismus, Surrealismus, Presença
Arbeit zitieren
Sara Anna Burmeister (Autor), 2011, Das literarische Umfeld des portugiesischen Neorealismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166280

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