Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über die Hilflosigkeitsforschung geben. Sie geht dabei speziell der Frage nach, wodurch Hilflosigkeit entsteht und was ihre Auswirkungen sind. Unterschiedliche Ansätze werden vorgestellt, die versuchen, die Ursache der Gelernten Hilflosigkeit aufzudecken. Es wird gezeigt, wie Persönlichkeitsunterschiede wirken, woher sie eventuell kommen und welche tatsächlichen Folgen sie für die Person haben. Die auf die unterschiedlichen Ansätze folgenden Hilfs – und Änderungsmöglichkeiten werden erwähnt, sowie ein neuer Denkanstoß gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Entdeckung der Hilflosigkeit und erste Ansätze zur Ursachenforschung
1.1 Hilflosigkeit beim Menschen
1.2 Unkontrollierbarkeit als Ursache
1.3 Widerlegung Seligmans
1.4 Abhängigkeit des Hilflosigkeitlernens von dem Ausmaß der Mißerfolge
1.5 Reaktanztheorie von Brehm (1972)
1.6 Anreiz und Entsagung
2. Kurzer Überblick in andere Motivationsforschungsbereiche
2.1 Persönlichkeitsunterschiede und ihre Folgen
2.2 Attributionstheoretischer Ansatz
2.3 Unterschiedliche Erklärungen für Erfolg und Mißerfolg
2.4 Handlungskontrolle nach Kuhl (1981)
3. Versuche der Annäherung an die Ursachen
3.1 Generalisierung der Gelernten Hilflosigkeit
3.2 Kontrolle und Vorhersagung
4. Auswirkungen eines heimtückischen Attributionsstils
4.1 Attributionsstil und Depressionen
4.2 Gegenteilige Befunde
4.3 Spektakuläre Befunde bei Rattenstudien
5. Entstehung des „funktionalen Defizits“
5.1 Beleg für ein funktionales Defizit
5.2 Funktionales Defizit versus stabil – globaler Attributionsstil
5.3 Prozeß des Hilfloswerdens
6. Möglichkeiten der Einflußnahme
6.1 Genese der Attributionsstile
6.2 Genetische versus umweltbedingte Entstehung der Handlungskontrolle
6.3 Auswirkung der Änderung des Attributionsstils
6.4 Beeinflussung der Handlungskontrolle
7. Neuerer Ansatz
7.1 Anagenesis – Modell
8. Schlußfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Auswirkungen der erlernten Hilflosigkeit, wobei sie der Frage nachgeht, ob dieses Phänomen auf motivationalen Faktoren oder einem funktionalen Defizit beruht und welche Rolle dabei individuelle Persönlichkeitsmerkmale spielen.
- Erforschung der psychologischen Mechanismen der erlernten Hilflosigkeit.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Attributionsstilen und depressiven Zuständen.
- Untersuchung der Handlungskontrolle nach Kuhl als entscheidende Komponente.
- Diskussion von Interventionsmöglichkeiten zur Überwindung von Hilflosigkeitserfahrungen.
- Kritische Würdigung klassischer Modelle im Vergleich zu neueren Ansätzen wie dem Anagenesis-Modell.
Auszug aus dem Buch
1.1 Hilflosigkeit beim Menschen
Hiroto (1974) lehnte sein Experiment stark an dem ursprünglichen Tierversuch an. Die unangenehmen Ereignisse bestanden jetzt nicht aus Stromschlägen, sondern in einem hohen lauten Ton. Die Versuchspersonen waren in 3 Gruppen geteilt ( triadischer Versuchsplan). Die erste Gruppe konnte anhand eines Knopfes den Ton manipulieren und somit nach dem unvermeidlichen Ertönen wieder Ruhe herstellen. Diese Gruppe hatte somit Kontrolle über den Klang. Die zweite Gruppe war dem Ton ausgesetzt. Sie hatte keine Kontrolle, da der unvermeidbare Ton unabhängig von der Manipulation am Knopf ertönte und wieder verschwand. Die dritte war die Kontrollgruppe und wurde von der oben genannten Vorerfahrung ausgeschlossen. In der nun folgenden Testphase wurden alle drei Gruppen in die gleiche Situation gebracht: Jede Versuchsperson konnte nun den unangenehmen Ton von 5 sec. Dauer, der durch ein Lichtsignal angekündigt wurde, abstellen, indem der Knopf abwechselnd nach links oder rechts gedreht wurde.
Das Ergebnis lieferte die gleiche Befunden wie beim Hundeversuch. Die zweite Gruppe, die zuvor die Erfahrung machte, nichts gegen den Ton ausrichten zu können, erwies sich jetzt als hilfloser im Vergleich zu den anderen beiden. Diese Versuchspersonen lernten nur verzögert, den Ton durch Manipulation des Knopfes auszuschalten und kam nicht so weit, schon beim Erscheinen des Lichtsignals zu reagieren, um den Ton ganz zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entdeckung der Hilflosigkeit und erste Ansätze zur Ursachenforschung: Einführung in das Phänomen anhand von Tierversuchen und Übertragung auf den Menschen, wobei die Rolle der Unkontrollierbarkeit im Fokus steht.
2. Kurzer Überblick in andere Motivationsforschungsbereiche: Darstellung relevanter Konzepte wie Leistungsmotivation, Attributionsmodelle und Handlungskontrolle.
3. Versuche der Annäherung an die Ursachen: Diskussion der Generalisierung von Hilflosigkeit und der Bedeutung von Vorhersagbarkeit.
4. Auswirkungen eines heimtückischen Attributionsstils: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Attributionsstilen, Depressionen und körperlichen Gesundheitsfolgen.
5. Entstehung des „funktionalen Defizits“: Analyse des funktionalen Defizits gegenüber der reinen Attributionshypothese und Darstellung des Prozesses des Hilfloswerdens.
6. Möglichkeiten der Einflußnahme: Erörterung von Ansätzen zur Modifikation von Attributionsstilen und zur Verbesserung der Handlungskontrolle.
7. Neuerer Ansatz: Vorstellung des Anagenesis-Modells als alternative theoretische Perspektive.
8. Schlußfolgerung: Zusammenfassende Bewertung des Forschungsstandes und Betonung der Bedeutung individueller Gedankengänge für die Überwindung von Hilflosigkeit.
Schlüsselwörter
Gelernte Hilflosigkeit, Attribution, Depression, Handlungskontrolle, Motivation, Unkontrollierbarkeit, funktionales Defizit, Persönlichkeitsunterschiede, Anagenesis-Modell, Leistungsverhalten, Kausalerklärung, Stress, Versuchsplanung, Hilflosigkeitstherapie, Attributionsstil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, den Ursachen und den psychologischen Folgen von gelernter Hilflosigkeit sowie den Möglichkeiten, diesen Zustand zu beeinflussen.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Motivationsforschung, Attributionsmodelle, das Konzept der Handlungskontrolle und die klinische Relevanz bei depressiven Zuständen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Hilflosigkeit primär durch motivationale Ursachen oder durch ein funktionales Defizit entsteht und inwiefern individuelle Persönlichkeitsmerkmale dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Argumentation herangezogen?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse verschiedener empirischer Studien, insbesondere aus dem Bereich der experimentellen Psychologie und der Motivationspsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Erklärungsmodelle für Hilflosigkeit gegenübergestellt, die Rolle der Handlungskontrolle nach Kuhl analysiert und Möglichkeiten zur psychologischen Intervention diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe sind Gelernte Hilflosigkeit, Attribution, Handlungskontrolle, Depression und das Anagenesis-Modell.
Welche Rolle spielt die Zwillingsstudie in diesem Kontext?
Die erwähnte Zwillingsstudie dient dazu, zu untersuchen, ob die individuelle Ausprägung der Handlungskontrolle genetisch bedingt oder durch frühkindliche Umwelteinflüsse erworben ist.
Was besagt das Anagenesis-Modell nach Overmier?
Das Modell schlägt einen Perspektivwechsel vor, indem Hilflosigkeit nicht als erlernte Schwächung, sondern als ursprüngliche, biologisch verankerte Reaktion auf unbekannte und aversive Situationen betrachtet wird.
- Citation du texte
- Elvira Kröhnert (Auteur), 1999, Entstehung Gelernter Hilflosigkeit und ihre Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166282