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Der Amoklauf von Erfurt

Widersprüche eines öffentlichen Diskurses

Título: Der Amoklauf von Erfurt

Tesis , 2004 , 171 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Florian Bödecker (Autor)

Pedagogía - Sociología pedagógica
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In meiner Diplomarbeit untersuche ich den Amoklauf von Erfurt als "diskursives Ereignis", d.h. als ein Stück gesellschaftlicher Rede, das beschreibt, wie über das Ereignis gedacht wird, was über es gesagt und vor allem nicht gesagt wird. Dazu wurden über einen Zeitraum von zwei Wochen die Artikel von drei renommmierten Tageszeitungen, einer Wochenzeitung und eines Magazins ausgewertet. Dabei stellt sich heraus, das drei Themen im Vordergrund stehen: Die Diskussion über die Wirkung von Gewaltdarstellungen in den Medien, die Täterpersönlichkeit und die Schule als gesellschaftliche Institution und Ort des Amoklaufs. Meine Analyse zeigt, daß sowohl bei der Diskussion der Medienwirkung als auch der Täterpersönlichkeit reale Handlungsgründe gar nicht erst vorkommen: So wird in der Debatte um Gewalt in Computerspielen, die gesellschaftiche Realität zugunsten der virtuellen ausgeblendet und der Amoklauf mit der Jugendlichkeit des Täters in Verbindung gebracht, die mit dem Alltag der Erwachsenen nichts zu tun hat. Die Diskussion um die Täterpersönlichkeit vereigenschaftet der Tat und ignoriert ihre Begründetheit in den Verhältnissen wie sie für den Täter bedeutungsvoll waren, womit sie zu einem singulären Ereignis wird, das mit anderen Bewältigungsweisen von Schule nichts zu tun. Die Schule gerät ebenfalls in den Fokus der Aufmerksamkeit, wird aber nicht in ihrer gesellschaftlichen Funktion begriffen (Auslese für die kapitalistische Berufshierarchie), sondern konstruktiv kritisiert: So gilt das Thüringische Schulsystem als besonders hart, und der Umgang mit den Schulverlieren könnte etwas sensibler erfolgen. Insgesamt ist der Diskurs um den Amoklauf von Erfurt dadurch gekennzeichnet, daß eine Kritik an der Lebensbedingungen entweder abgewehrt wird oder nur als konstruktive zugelassen wird.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Methode

A. Allgemeine Überlegungen: Diskursanalyse und/oder Ideologiekritik?

B. Konkrete Durchführung

III. Der Diskurs

A. Das Thema „mediale Gewalt“ im Diskurs

1. Vom Medienkonsum zur Medienwirkung

2. Ausdifferenzierung des Wirkungsgedankens durch Annahme eines multifaktoriellen Wirkungszusammenhangs

3. Kritik am Gedanken einer Medienwirkung

4. Wirken Medien oder wirken sie nicht? Versuch einer Antwort auf eine falsch gestellte Frage

a) Exkurs: die Subjektivitätskonzeption der Kritischen Psychologie und ihre methodologischen Konsequenzen

b) Die Widersprüchlichkeit der Medienwirkungsforschung und ihre begründungstheoretische Aufhebung

5. Zusammenfassung: Der Medien-Diskurs als doppelte Enteigentlichung realer Begründungsprämissen

B. Das Thema „Täterpersönlichkeit“ im Diskurs

1. Die Pathologie des Täters als moralistischer Fehlschluss oder: was nicht sein kann, weil es nicht sein darf

2. Der Amokläufer als „narzisstische Persönlichkeit“

3. Biografische Entwicklungskonstruktionen als Tataufschluss?

4. Implikationen des Persönlichkeitsbegriffs

5. Zusammenfassung: Die „Täterpersönlichkeit“ als Suspendierung von Welt

C. Das Thema „Schule“ im Diskurs

1. Programmatische Überlegungen zur Schulreformdiskussion nach dem Amoklauf von Erfurt

a) Die Lehrerseite: Kritik an der zu fachwissenschaftlichen Lehrerausbildung, die zu wenig Pädagogik/Psychologie beinhalte

b) Die Schülerseite: „Erziehung zu Selbstbewusstsein“, „soziales Lernen“ und „schülerorientierter Unterricht“ unter der Prämisse schulischer Bewertungsuniversalität?

c) Die Schulseite allgemein: Verbesserung des Schulklimas durch die unmittelbar Beteiligten unter der Prämisse neoliberaler Hegemonie?

2. Die Schule als Gegenstand der Kritik

a) Kritik am thüringenschen Schulsystem: Kein Abitur = Kein Abschluss?

b) Allgemeine Kritik am bundesdeutschen Schulsystem

3. Zusammenfassung: Die Schule als Gewaltpräventionsinstitution unter der Prämisse universeller Bewertung und allgemeinem Selektionsauftrag

IV. Zusammenfassung: Der Amoklauf von Erfurt als diskursives Ereignis im Spannungsfeld zwischen Kritikabwehr und konstruktiver Kritik

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht den öffentlichen Diskurs nach dem Amoklauf von Erfurt am 26. April 2002. Ziel ist es, die in den Medien verbreiteten Deutungs- und Erklärungsmuster kritisch zu analysieren, um aufzudecken, welche gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen und Machtverhältnisse durch diese Diskurse gestützt werden und welche kritischen Potenziale dabei verkürzt oder verhindert werden.

  • Diskursanalyse und Ideologiekritik als methodischer Rahmen.
  • Untersuchung der medialen Debatte über die Rolle „medialer Gewalt“.
  • Analyse der Konstruktion einer „Täterpersönlichkeit“ im Diskurs.
  • Kritische Beleuchtung des Themas „Schule“ und schulpolitischer Reformansätze.
  • Erörterung des Zusammenhangs zwischen individueller Subjektivität und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Auszug aus dem Buch

1. Vom Medienkonsum zur Medienwirkung

Der Anlass, der zur Spekulation über den Einfluss medialer Gewaltdarstellungen auf die Tat von Robert Steinhäuser führt, ist die Entdeckung von Computerspielen und Videokassetten von polizeilichen Ermittlern im Zimmer des Täters. Laut Polizeiinformationen habe der Täter auf seinem PC 35 Spiele gespeichert, in denen es meist um den Besitz von Waffen und deren Einsatz gegangen sei. Dabei gehe es, in diesen Spielen hauptsächlich darum, Menschen zu erschießen, um sich mit Gewalt den Weg zu ebnen. Von den Dutzend Videokassetten, die man fand, waren zwei Kassetten mit Musiksendungen oder Fernsehbeiträgen wie der Lindenstrasse bespielt. Auf den anderen fand die Polizei „dunkle, bluttriefende gewaltverherrlichende Filme“ (vgl. FAZ, Art.29). Seine Musiksammlung enthielt CDs von „Gute-Laune-Gruppen“ wie „Ace of Base“, sowie „Werke der Metal- und Teufelsanbeter-Fraktion“ (vgl. Spiegel, Art.5). Die nachfolgende Argumentationslogik basiert daher schlicht auf der Tatsache, dass bei Robert Steinhäuser die oben genannten Medien gefunden wurden. Allerdings lässt sich aus dem bloßen Besitz von Computerspielen, Musik etc. nicht darauf schließen ob und wie intensiv sie konsumiert wurden. Dementsprechend wird auf die Einschätzung Dritter rekurriert, die als Zeugen für den Medienkonsum angeführt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Vorstellung des Ereignisses des Amoklaufs von Erfurt und Einführung in die Fragestellung nach den Deutungsmustern im öffentlichen Diskurs.

II. Zur Methode: Begründung des diskursanalytischen und ideologiekritischen Vorgehens sowie Erläuterung der konkreten Auswahl und Analyse des Datenmaterials.

III. Der Diskurs: Detaillierte Untersuchung der Hauptthemen „mediale Gewalt“, „Täterpersönlichkeit“ und „Schule“ und deren gesellschaftliche Funktionalität.

IV. Zusammenfassung: Der Amoklauf von Erfurt als diskursives Ereignis im Spannungsfeld zwischen Kritikabwehr und konstruktiver Kritik: Synthese der Analyseergebnisse und kritische Gesamtbewertung der gesellschaftlichen Reaktion auf das Ereignis.

Schlüsselwörter

Amoklauf von Erfurt, Diskursanalyse, Kritische Psychologie, Medienwirkung, Ideologiekritik, Täterpersönlichkeit, Schulsystem, Leistungsdruck, Gewaltprävention, Subjektivität, Gesellschaftskritik, mediale Gewalt, schulische Selektion, Diskursstrang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den öffentlichen Diskurs nach dem Amoklauf von Erfurt 2002, um zu verstehen, welche Deutungsmuster über die Ursachen der Tat in den Medien dominierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Rolle medialer Gewaltdarstellungen, die Zuschreibung einer pathologischen „Täterpersönlichkeit“ und die Kritik am deutschen Schulwesen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die strategische Funktion dieser Deutungsmuster aufzudecken: Dienen sie der echten Ursachenforschung oder dazu, gesellschaftliche Verantwortung zu verschleiern?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Kritische Diskursanalyse angewandt, die durch ideologiekritische Ansätze, insbesondere aus der Kritischen Psychologie (Holzkamp), ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Diskurse um „mediale Gewalt“, „Täterpersönlichkeit“ und „Schule“ systematisch zerlegt und auf ihre kategorialen Verkürzungen hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Amoklauf, Diskursanalyse, Ideologiekritik, Medienwirkung, Schulsystem, Subjektivität und gesellschaftliche Reproduktion.

Warum ist der Begriff „Täterpersönlichkeit“ kritisch zu sehen?

Die Arbeit zeigt, dass die Diagnose einer „narzisstischen Persönlichkeit“ oft ein zirkulärer Fehlschluss ist, der davon ablenkt, die Tat als begründete Antwort auf gesellschaftliche Verhältnisse zu untersuchen.

Welche Rolle spielt die „Schule“ in der öffentlichen Debatte?

Die Schule wird einerseits als Ort der Prävention diskutiert, wobei strukturelle Selektionsmechanismen und der Leistungsdruck oft ausgeklammert und durch oberflächliche pädagogische Appelle ersetzt werden.

Final del extracto de 171 páginas  - subir

Detalles

Título
Der Amoklauf von Erfurt
Subtítulo
Widersprüche eines öffentlichen Diskurses
Universidad
Free University of Berlin
Calificación
1,0
Autor
Florian Bödecker (Autor)
Año de publicación
2004
Páginas
171
No. de catálogo
V166383
ISBN (Ebook)
9783640825301
ISBN (Libro)
9783640825783
Idioma
Alemán
Etiqueta
Amoklauf Kritische Psychologie Schulkritik Medienwirkungsforschung Diskursanalyse Persönlichkeitskonzepte Psychologiekritik
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Florian Bödecker (Autor), 2004, Der Amoklauf von Erfurt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166383
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