Die Rolle der Lieder im ersten Dienst in Ulrich von Liechtensteins "Frauendienst"


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Inhaltliche und strukturelle Einbettung der Lieder
2.1 Themen und Motive
2.2 Lyrisch-epische Struktur und erzählerische Funktion

3 Nähere Betrachtung der Lieder 1, 20, 21 und 22
3.1 Lied 1
3.2 Liederkomplex 20, 21, 22

4 Fazit

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sein Streben in den Dienst einer angesehenen Dame hohen Ranges zu stellen, ist für ihn Lebensinhalt und ideelles Mittel zum Zweck. Ulrich von Liechtenstein (U.v.L.), der literarische Held des Autors U.v.L., hat das Ziel, in unterwürfiger Ehrerbietung und unerschütterlichem Eifer um die Achtung seiner Herzensdame zu werben. Das Ideal der geschilderten Taten verbindet den Autor Ulrich mit dem Helden Ulrich. Die Hohe Minne als sinnstiftendes und vorbildhaftes Lebensideal wird der höfischen Gesellschaft als Spiegel vorgehalten. Der Held Ulrich reflektiert im „Frauendienst“ über Minne im Speziellen und die damalige Gesellschaft im Allgemeinen. An den aristokratischen Höfen des 13. Jahrhunderts wurde das Werk laut zur Unterhaltung vorgetragen. Die darin vorkommenden Lieder jedoch wurden gesungen und boten sich für den Autor U.v.L. schon allein wegen der melodiösen Ausmalung während des Vortragens und der Außenwirkung, um welche er sicher wusste, an, um eine Vielzahl an Sinneseindrücken in die Lieder zu integrieren. Sie wirken innerhalb des Werkes und besonders im Ersten Dienst oft als ein Moment des Innehaltens bzw. Resümierens des im Maere Erzählten. Meiner Meinung nach, stellen die Lieder nicht zuletzt deshalb den emotionalen Kern im „Frauendienst“ dar.

In meiner Arbeit möchte ich mich daher mit der Rolle und Funktion der Lieder im Ersten Dienst befassen. Dabei soll es weniger um eine exakte Strukturanalyse und die lückenlose Aufzählung stilistischer Merkmale gehen, sondern vielmehr um die Einordnung der lyrischen Elemente in den epischen Kontext und die Untersuchung der dabei hervortretenden Wechselwirkungen. In diese Untersuchung möchte ich zunächst mit einem allgemein gehaltenen Überblick einführen, um gewonnene Erkenntnisse im weiteren Verlauf an konkreten Beispielen, wie dem Komplex der Lieder 20, 21 und 22 zu bestätigen und zu vertiefen. Meines Erachtens bilden die Lieder im Ersten Dienst eindeutig den emotionalen Mittelpunkt des gesamten Handlungsverlaufes. Ziel dieser Arbeit soll es daher außerdem sein, diese Hypothese zu bekräftigen oder gegebenenfalls zu relativieren.

2 Inhaltliche und strukturelle Einbettung der Lieder

31 der insgesamt 58 im „Frauendienst“ vorkommenden Lieder sind in den Ersten Dienst integriert. Kennzeichnend ist, dass diese, im Gegensatz zu den Liedern des Zweiten Minneverhältnisses nach der Artusfahrt, durch eine durchlaufende Erzählhandlung miteinander verbunden sind.1 Das Maere, welches in diesem Teil des Werkes in narrativer Form den Handlungsverlauf konstituiert, gibt den strukturellen Rahmen sowie die thematischen Grundlagen für die einzelnen Lieder vor. Außerdem „bietet [es] diese Lieder in historisch-chronologischer Reihenfolge von Ulrichs ‚Minnedienstleben’ dar“.2 So lässt der Autor U.v.L. seinen Helden Ulrich beispielsweise nach erfolgreichen Ritterturnieren, vor bevorstehenden Treffen mit seiner Umworbenen oder nach missglückten Werbeversuchen Lieder erdichten, die er seiner Dame entweder durch einen Boten zukommen lässt oder ihr im öffentlichen Vortrag widmet. Sei es in Form einer Singweise, einer Tanzweise, wie in Lied 2, einem Loblied auf die Frauen, wie in Lied 7, oder einem Scheltlied, z.B. Lied 22 - Autor und Adressat dieser kunstvollen, in Strophen abgefassten lyrischen Einschübe bleiben fast ausschließlich Ulrich und seine Dame.3 An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Lieder des ersten Minneverhältnisses, hebe man sie einmal aus dem Kontext des Maere heraus, inhaltlich fast austauschbar erscheinen. Dies weist darauf hin, dass die Angaben des Maere weit über die Liedaussagen bezüglich des Handlungsverlaufes hinausgehen.4

Die vielfältige Kombination aus nicht-narrativen, lyrischen Elementen in Form von Liedern und epischen Passagen in Form des Maere durchzieht das gesamte Werk. Meiner Meinung nach unterstützt diese Struktur in Verbindung mit dem mündlichen Vortrag die Möglichkeit eines höfischen Minnediskurses. Im Maere wird das geschönte Bild einer Alltagswelt höfischen Frauendienstes entworfen. Die Lieder wiederum werden zum Sprachrohr dieser Fiktion, welche so in die höfische Realität eindringen kann.5

2.1 Themen und Motive

In diesem Kapitel möchte ich an ausgewählten Stellen die Hauptthemen und Motive der Lieder des Ersten Dienstes näher erläutern. Wie bereits angedeutet, erdichtet der Held Ulrich die meisten Lieder, um sie aufschreiben zu lassen und in einer geeigneten Form seiner Dame zukommen zu lassen. Dies impliziert, dass ein Großteil der Lieder als Loblied auf die „vrouwe“, d.h. die höfische Dame, dienen. Dies wird besonders in den ersten Liedern des Werkes deutlich, welche, entsprechend der Beschreibungen im Maere, Ulrichs Jugendzeit zuzuordnen sind. Auch Walther Brecht befindet, dass „die ersten lieder [...] Ulrich in pagenhafter verehrung seiner dame [zeigen], wie es bei seiner jugend, 22 jahren, nicht anders zu erwarten ist [...]“.6 Auch im Folgenden stimmen meine Überlegungen mit den Ausführungen Brechts überein. An den Beginn der vierten Strophe des ersten Liedes, also der ersten Tanzweise, stellte der Autor U.v.L. einen Vers, der einerseits für die Lyrik bzw. alle folgenden Lieder im „Frauendienst“ maßgeblich eine ideelle Richtlinie vorgibt sowie andererseits für das Verständnis von Minne im restlichen Werk als Prämisse gelten kann: „Hôhen muot ich von dir hân“.7 Meiner Meinung nach besitzt dieser Vers eine doppelte Gültigkeit. Zum Einen ist er an die angebetete höfische Dame gerichtet, welcher er versichern will, dass sie, bei allem was zukünftig geschehen mag, in seinem Herzen für eine Art Hochgefühl sorgen wird. Zum Anderen lässt der Autor seinen Helden an dieser Stelle den enorm hohen Stellenwert der Minne in seinem Leben deutlich machen. Durch sie, die Minne, wird er seine Kraft und seine Lebensfreude beziehen. Dies zu beteuern und den hohen (gesellschaftlichen) Wert der Minne zu preisen, wird er im gesamten „Frauendienst“ nicht müde.8

Bereits im dritten Lied, einer langen Weise, unterstützt der Held Ulrich diese Art der Interpretation:

„Ob ich immer würde ein man, sô solte ich ir ze dienste sîn.

Nû ist mir komen diu zît, daz ich ir dienen sol: Nû helf mir got, daz ich ir tuo den dienest schîn, dâ von ich leides mich erhol.“9

Diese Verse vermitteln eine sehr naive, fast kindliche Verehrung von Dame und Minne. Das Kindliche kommt verstärkt zum Ausdruck, indem er sich selbst zunächst noch nicht als Mann bezeichnet. Wenn er jemals ein Mann werde, so verpflichte er sich zu Diensten zu sein. Daraufhin erkennt er jedoch, dass die Zeit seines Dienstes unabhängig davon schon begonnen hat. Er erbittet Gottes Hilfe, um ihr gut zu dienen und sich zunächst von seinem Leid, der Abweisung nach dem ersten Treffen, zu erholen. Der Autor U.v.L. erzeugt hier meines Erachtens vollends die Vorstellung, zweierlei Dienste seien durch den Helden zu erfüllen - der direkte Dienst an der Dame und der indirekte Dienst an der Gesellschaft durch das Streben nach dem Ideal der Minne. An dieser Stelle lässt sich auch zwischen den Begriffen Thema und Motiv unterscheiden. Das Thema eines bestimmten Liedes bezieht sich meist auf den persönlichen Dienst, den Dienst an der Dame. Beispielsweise indem er auf seine Treue schwört, obwohl er Abweisungen durch seine Dame erfährt. Motive kehren zwar innerhalb des Werkes häufig wieder - was in diesem speziellen Fall auch auf die Themen innerhalb der Lieder zutrifft - dennoch verweisen sie, wie ich finde, immer auch auf die Ebene des indirekten, öffentlichen Dienstes an der Gesellschaft und sind in diesem Werk meist lyrischer Natur. Diese Eigenschaft können die Themen der einzelnen Lieder nicht für sich beanspruchen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es vorrangig die Lieder sind, in denen das Ideal der Minne und Ulrichs unerschütterliche Entschlossenheit danach zu streben, zum Vorschein kommt.

[...]


1 Vgl. Peters, Ursula: Frauendienst. Inaugural-Diss. Masch.schr. Berlin 1970, S. 125.

2 Ebd.

3 Mit dem Begriff „Strophen“ beziehe ich mich auf die Einrückungen innerhalb der Lieder, welche Reinhold Bechstein in seiner 1888 erschienen Edition vorgenommen hat. (siehe Literaturverzeichnis)

4 Vgl. Peters, S. 127.

5 Vgl. Müller, Jan-Dirk: Die Fiktion höfischer Liebe und die Fiktionalität des Minnesangs. In: Text und Handeln. Hg. v. Hausmann. Heidelberg 2004. S. 55.

6 Brecht, Walther: Ulrich von Liechtenstein als Lyriker. In: ZfdA 49 (1908), S. 2.

7 Ulrich von Liechtenstein: Frauendienst. Hg. v. Reinhold Bechstein. Bd. 1. Leipzig: FA Brockhaus 1888. S. 24, Vers 18, 26.

8 Vgl. Brecht, S. 3.

9 Bechstein, S. 66, Verse 58,14 - 58,18.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Lieder im ersten Dienst in Ulrich von Liechtensteins "Frauendienst"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V166417
ISBN (eBook)
9783640824779
ISBN (Buch)
9783640824984
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, lieder, dienst, ulrich, liechtenstein`s, frauendienst
Arbeit zitieren
Peter Heilek (Autor), 2005, Die Rolle der Lieder im ersten Dienst in Ulrich von Liechtensteins "Frauendienst", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166417

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