Sudesha Devi und ihre Schilderung des Chipkomovement


Essay, 2007

16 Seiten, Note: "keine"


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie und Vorstellung von Sudesha Devi

3. Selbstzeugnis- Interview 1993

4. Bezug ihrer Äußerungen auf das Chipkomovement mit Schwerpunkt der Rolle der Frauen

5. Fazit

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meinem Essay zu der Thematik „Sudesha Devi und ihre Schilderung des Chipkomovement“ werde ich zunächst Sudesha Devi aus Rampur vorstellen - eine außergewöhnliche Frau, die sich in der Chipkobewegung hervorgetan hat. Nach einem Einblick in ihr Leben und Wirken werde ich näher auf ein Selbstzeugnis von ihr eingehen, welches in Form eines Interviews mit ihr auf der Internetseite www.mountainvoices.org dokumentiert ist. Den Schwerpunkt werde ich auf ihre Tätigkeit innerhalb der Chipkobewegung sowie auf ihre Einstellung zur Natur beziehungsweise zu deren Schutze setzen. Abschließend werde ich ihre Dokumentation in den Kontext der Chipkobewegung stellen und auf diese noch intensiver eingehen. Dazu zählen ein kurzer historischer Abriss der Bewegung und eine anschließende Beschäftigung mit der Rolle der Frauen in ihr – denn die Anzahl der hier aktiven Frauen ist für eine soziale Bewegung in Indien erstaunlich hoch. Abschließen werde ich in meinem Fazit Thesen aufwerfen, wieso die Beteiligung von Frauen im Chipkomovement stärker war als in anderen Bewegungen in Indien.

Für das Thema meiner Arbeit habe ich mich entschieden, nachdem ich ein Zitat von Chakraborty gelesen hatte, was wie ich finde auch hier sehr gut als Einstieg dient. Der Autor berichtet über das Chipkomovement, dass „there was feminist romance in mountain women hugging trees to save them from the plainsman’s axe, daring him, ‘chop me before you chop my tree’ (1999: 27).

2. Kurzbiographie und Vorstellung von Sudesha Devi

Geboren wurde Sudesha Devi (siehe Abb. 1) im Jahr 1943 und ihre Familie stammt ursprünglich aus Rajastan. Sie kann weder lesen noch schreiben und bereut besonders, dass sie kein Englisch sprechen kann und so immer ein Dolmetscher nötig ist, wenn Fremde kommen. Bildung ist für sie sehr wichtig, was sie immer wieder betont. Zur Schule konnte sie nur bis zur vierten oder fünften Klasse gehen, da sie dann ihrem Vater helfen musste, der sich in Flüchtlingslagern sowohl um indische als auch pakistanische Mädchen kümmerte und sie sagt selbst, dass sie dort „too learnt a lot“ (Sudesha 1993: 4), jedoch nicht in Form von Schulbildung sondern in Form von handwerklichen Tätigkeiten wie „tailoring, knitting, everything, spinning on the charkha“.

Geheiratet hat Sudesha mit fünfzehn Jahren - ihr Mann ist jedoch nach ihrer Aussage dem Alkohol zugetan; er behandelt sie nicht sehr gut und ist zur Zeit auch nicht bei ihr ist (es ist angedeutet, dass er im Gefängnis sitzt). Aus dieser Ehe sind drei Kinder hervorgegangen; ein Sohn und zwei Töchter. Der Sohn ist ebenfalls verheiratet, jedoch lebt die Frau mit dem gemeinsamen Kind bei ihrer Familie, da er „mentally a little unbalanced“ (Sudesha 1993: 1) ist. Eine ihrer Töchter ist 1992 (ein Jahr bevor das Selbstzeugnis dokumentiert wurde) an einer starken Erkältung gestorben nach einer Behandlung durch einen Khadi (privater Arzt), da das nächste Krankenhaus zu weit entfernt lag. Ihre beiden Töchter leben nun bei Sudesha. Die andere Tochter studiert gerade und nach ihrem Abschluss hat sie von ihrer Mutter die freie Wahl, was sie tun will – nach Sudesha sogar sehr gerne arbeiten.

Ihr Heimatdorf Gampur liegt etwas abgeschieden von einer Strasse und einige Kilometer von der nächstgrößeren Stadt entfernt, wo es alles notwendige wie Schulen und Ärzte gibt. In Gampur nun gibt es einen Tempel, der für die Kastenlosen nicht zugänglich ist aber von den restlichen Gruppen- den Rautelas, Mians und Dadwals genutzt wird. Die Bewohner trinken sehr viel, stellen den Alkohol aber nicht selbst her, da auch hier Sudesha sehr aktiv war und immer wieder Dorftreffen eingerufen hat um die Leute zum Umdenken zu bringen, ohne die Hilfe der Polizei, was auch sehr gut funktioniert hat wie sie betont.

Ebenso war sie seit siebzehn Jahren sehr aktiv an dem Chipkomovement beteiligt trotz Protest von Seiten ihres Mannes und der Dorfbevölkerung; sie wurde sogar bei einer Aktion verhaftet und verbrachte vierzehn Tage im Gefängnis.

Sich selbst beschreibt Sudesha als Farmerin und Aktivistin; sie pflanzt Obstbäume im Garten an, deren Früchte sie als Nahrung für die Familie verwendet und ihre Felder bestellt sie auch. Dünger, der von der Regierung gestellt wurde, hat sie zunächst verwendet, ihn dann jedoch wieder abgelehnt, da er nicht nachhaltig ist und dem Boden mehr schadet als das er die Ernte vermehrt. Durch ihre Tätigkeit als Aktivistin ist sie sehr viel umhergereist und war unter anderem auch in Bombay, wo sie allerdings sofort wieder zurück aufs Land wollte. Doch sagt sie, dass sie und ihre Familie durch das viele Wegseien und durch das Bewirten von Gästen nie genug Geld haben.

Sie setzt sich nicht nur für die Natur ein sondern auch für die Rechte der Frauen. Sie will die Vorstellung der älteren Generation verändern, dass eine Frau „should only cook“ und „if she steps out of the house she loses her honour“ (Sudesha 1993: 11). Für sie muss das Umdenken erst in den Köpfen der Menschen geschehen bevor man sagen kann, dass in Indien wirklich alle Menschen gleich seien. Frauen sind für sie auch die „earliest school“ (Sudesha 1993: 16) und sollten gerade deshalb auch eine Bildung erhalten, da sie ihre Kinder die ersten fünf Jahre erziehen bis diese dann die Schule besuchen.

Ein großes Problem in ihren Augen ist der Fortgang der jungen Menschen aus den Dörfern in die Städte. Sie ist der Ansicht, dass diese gebildeten Leute notwendig sind, da es auf dem Land soviel zu tun gibt und es schon jetzt nicht genug Arbeitskräfte gibt. Auch ist dieses Gefühl von „our forests“ (Sudesha 1993: 19) in den Menschen verloren gegangen; sie identifizieren sich immer weniger mit ihrem Land und das bekümmert Sudesha sehr.

Allgemein sagt Sudesha Devi aus, dass sowohl Jungen als auch Mädchen zur Schule gehen und sich so gut wie nur möglich bilden sollen; doch ist dies kein Grund, danach nicht zu arbeiten. Sie sollen sich nicht als etwas besseres fühlen und arrogant werden sondern sich alle als gleichwertig betrachten und ihre Arbeit auf dem Land mit Stolz vollbringen.

3.Selbstzeugnis- Interview 1993

Das von mir hier verwendete Interview fand im Dezember 1993 in dem Dorf Rampur im Henwal Tal in Tehri Garhwal statt. In diesem Dorf lebte die zu diesem Zeitpunkt fünfzigjährige Sudesha Devi. Durchgeführt wurde es von dem Oral Testemony Project des Panos Instituts in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und ist als komplettes Transkript im Internet unter www.mountainvoices.org/Testemony.asp?id=32 zu finden.

Zu Beginn des Interviews erzählt Sudesha von ihrer Familie, woher sie stammt und über das Leben im Dorf. Hierauf bin ich schon im vorangehenden Kapitel eingegangen und werde nun den Schwerpunkt auf das Chipkomovement legen, wo sie sehr aktiv war.

„My whole life [...] has been spent with the [Chipko] movement” (Sudesha 1993: 3) antwortet Sudesha wenn man sie auf die Chipkobewegung anspricht. Wann genau sie aktiv wurde, weiß sie nicht, aber sie schätzt, dass sie schon siebzehn Jahre mit dem Schutz der Natur verbringt. Begonnen hat alles als die PAC (Provincial Armed Constabulary) in die Wälder rund um ihre Dorf kam. Es wurde als Zeichen, dass sie sich nähern, von den Dorfbewohnern auf Trommeln geschlagen und die Frauen verließen gemeinsam mir Männern und Kindern ihre Häuser und gingen in die Wälder - womit zunächst niemand rechnete, da Frauen gewöhnlich im Haus blieben, da dies ihr traditioneller Bereich ist. Im Wald nun umarmten je fünf Frauen einen Baum und die „PAC got frightended“ (Sudesha 1993: 4), da sie plötzlich so vielen Menschen gegenüberstanden.

Sowohl ihr Ehemann als auch die Dorfbewohner waren gegen ihr Engagement – doch abgehalten hat Sudesha Devi das nie. Einmal wurde sie sogar inhaftiert für vierzehn Tage, doch berichtet sie nicht negativ über diesen Aufenthalt sondern eher gegenteilig: „I like it very much in jail“ (Sudesha 1993: 3). Diese Inhaftierung geschah in Narendra Nagar, wo sie und neun weitere Frauen mit ihren Chipkobrüdern in Konflikt mit der Polizei gerieten, da sie sich auf den Stühlen der Konservatoren niederließen und so ein Treffen dieser (insgesamt 500 Menschen) verhinderten. Ziel war es den Raum drei Tage besetzt zu halten. „Then, in the night, when each time our brothers who hab joined us went out, they were prevented from coming in again, so we were very few left inside, only nin women were left- a total of 15 people, one or two children, and some men“ (Sudesha 1993: 5). Dadurch, dass nur noch so wenige Menschen übrig waren, kam die Polizei zurück und verhaftete sie- Sudesha berichtet, wie sie Angst um ihre Ehre hatte, dass sie doch nie etwas getan habe und das einer ihrer Brüder rief: “Everybody Chipko (stick together)” (Sudesha 1993: 5) und dass sich daraufhin “all clung to each other, but we couldn’t cling to the men, so we all stood together“. Sudesha hatte auch Angst bezüglich Vergewaltigungen von Seiten der Polizei und appellierte an die Vernunft der Männer - mit Erfolg. Beim Transport zum Gefängnis verloren die Frauen all ihre Ängste und begannen, Slogans zu rufen und zu singen - es waren insgesamt noch „nine women, four from Pipleth village and four from Rampur, and one woman teacher, Janaki Behn“ (Sudesha 1993: 6), welche den Frauen das Ramayana vorlas. Die Zeit im Gefängnis beschreibt sie sehr positiv, da sie komplett anders war als ihr alltägliches Leben. Anstatt die ganze Zeit arbeiten zu müssen, konnte sie herumsitzen und sich ausruhen. Sie wurden mit Respekt behandelt und bekamen sehr gutes Essen und sie hielt gemeinsam mit ihren Chipkoschwestern ein tägliches Treffen ab. Sudesha hatt,e wie sie bestätigt, zu keiner Zeit Angst oder Sorge um ihre Familie, da sie weder Kleinkinder noch Tiere zu versorgen hatte im Gegenteil zu anderen Frauen. Auch um ihren Mann machte sie sich keine Gedanken- dieser hatte sie am Tage ihrer Verhaftung gewarnt „that I would be imprisoned. I answered „So what? Many big (important) people have gone to jail” (Sudesha 1993: 6) Dies stieß bei ihm auf Widerstand, er konnte nicht verstehen, wieso seine Frau das tat genauso wenig wie der Rest der Dorfbewohner und so kam es, dass am Tage als Sudesha aus dem Gefängnis zurück nach Hause kam, „no one did namaste (salutation) to [her]“ (1993: 7).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Sudesha Devi und ihre Schilderung des Chipkomovement
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde)
Veranstaltung
Vorlesung
Note
"keine"
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V166542
ISBN (eBook)
9783640828258
ISBN (Buch)
9783640827985
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vorlesung: Lebenswelten indischer Frauen in Selbstzeugnissen, man schrieb ein Essay sowie eine Klausur-insgesamt erhielt ich eine 1. Essay sollte somit auch mit 1 benotet sein.
Schlagworte
Sudesha Devi, Indien, Chipko, Chipkomovement, Naturschutz, Umwelt, Umweltaktivisten, Frauen, Lebenswelten, Selbstzeugnis
Arbeit zitieren
Leona Dotterweich (Autor), 2007, Sudesha Devi und ihre Schilderung des Chipkomovement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166542

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