Diese Projektarbeit verbindet sozialpsychologische Fundierung mit praktischer Innovationsarbeit: Am Beispiel einer kleinen Kirchengemeinde im Rhein-Main-Gebiet wird gezeigt, wie Design Thinking gezielt eingesetzt werden kann, um der wachsenden gesellschaftlichen Herausforderung Einsamkeit wirksam zu begegnen. Ausgehend von einer präzisen Problemanalyse formuliert das Projekt klare, nutzendenzentrierte Ziele und setzt einen iterativen Prozess nach dem Hasso-Plattner-Modell um.
Empirische Elemente wie Shadowing, Selbsttests, User-Interviews und Personas sorgen für Validität und Anschlussfähigkeit. Der Transfer in die Praxis erfolgt über konkrete Prototypen die hinsichtlich Erwünschtheit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet und erprobt werden. Der Bericht liefert belastbare Erkenntnisse und zeigt, wie kirchliche Ressourcen als Begegnungsinfrastruktur wirken können.
Warum kaufenswert?
Wissenschaftlich fundiert & praxisnah: Methodisch saubere Umsetzung von Design Thinking im Non-Profit-Kontext.
Konkrete Tools & Vorlagen: Projekt-/Kommunikationspläne, Templates, Feedback- und Testprotokolle – direkt übertragbar.
Relevanz für Führung & HR: Übertragbare Prinzipien für Community-Building, Gesundheitsprävention und Employer-Branding
Klarer Mehrwert: Blaupause für Kommunen, Kirchen und Vereine, die Begegnungsräume schaffen und Einsamkeit systematisch reduzieren wollen.
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2. Projekt „Zukunftswerkstatt“
3. Fazit
III. Literaturverzeichnis
IV. Verzeichnis der Anhänge
V. Anhänge
I. Gender Erklärung
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Projektbericht auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Formulierungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
II. Abkürzungsverzeichnis
u.a. unter anderem
z.B. zum Beispiel
s. siehe
etc. et cetera
ca. circa
bzw. Beziehungsweise
1. Einleitung
1.1 Situations- und Problembeschreibung
Einsamkeit wird für immer mehr Menschen eine schmerzliche Erfahrung und traurige Realität. Daher hat das Thema in den vergangenen Jahren im wissenschaftlichen und politischen Diskurs größeren Raum gewonnen (Thomas, 2022, S. 97). So gibt es z.B. in Berlin einen „Einsamkeitsnotruf, das „Silbernetz“ und für Wien kündigte die Caritas auch eine solche Notrufnummer an. Durch die Corona-Pandemie wurde diese soziale Problemlage weiter verschärft (Gross, 2021, S. 14). Soziale Interaktionen mussten eingeschränkt werden und viele Formen des zwischenmenschlichen Kontaktes waren nicht mehr möglich. Dadurch nahm das Problem der Einsamkeit in der Bevölkerung weiter zu. Diese Entwicklung muss ernst genommen werden, da es das Risiko erhöht, an einer Depression zu erkranken oder eine Angstsymptomatik zu entwickeln und die allgemeine Lebensqualität einschränkt (Lippke et al., 2022, S. 84). In vielen Studien wird der Begriff „Einsamkeit“ definiert als „keinen Menschen zu haben, an den man sich in Notsituationen wenden kann“ (Gross, 2021, S. 12). So ist Einsamkeit der Ausdruck einer Lebenslage, die sich durch einen unzureichenden Zugang zu sozialen Ressourcen und zu gesellschaftlichen Infrastrukturen zeigt (Thomas, 2022, S. 99). Die Politik versucht diesem Problem zu begegnen, indem sie Projekte wie Mehrgenerationenhäuser fördert. Aber auch Kirchen können gemeinschaftsstiftende Projekte unterstützen oder selbst anbieten. Zum Kern des christlichen Glaubens gehört neben der Nächstenliebe auch die Gemeinschaft. Kirche ist von Grund auf ein Ort des Austausches und der Begegnung im sozialen Nahraum (Barth et al., 2022, S. 150). Damit die lokale Kirchengemeinde diese Relevanz für ihr soziales Umfeld entwickeln kann, muss sie Möglichkeiten der sozialen Vernetzung schaffen. Die gesellschaftlichen Veränderungen und die kirchenspezifischen Entwicklungen, fordern somit zu einem Um- und Weiterdenken heraus, um dem sozialen Problem der Einsamkeit begegnen zu können.
1.2 Projektziele
In einer Kurstadt im Rhein-Main Gebiet findet regelmäßig ein ökumenischer Stadtkonvent statt, an dem alle Vertreter der Religionsgemeinschaften teilnehmen. Der Oberbürgermeister berichtete über die Verschärfung des sozialen Problems der Einsamkeit. Er rief alle Religionsgemeinschaften dazu auf, nach Wegen und Ideen zu suchen, um Begegnungsräume zu schaffen. Eine kleine Kirchengemeinde, bestehend aus ca. 250 Mitgliedern, begann daraufhin einen Design Thinking - Prozess mit dem Ziel, Strukturen und Angebote für soziale Begegnungsräume zu entwickeln. Diese Angebote sollen unabhängig von der individuellen Religionszugehörigkeit, Herkunft, Alter oder sonstigen persönlichen Ausprägungen in Anspruch genommen werden können. Es wurde deutlich betont, dass dieser Prozess nicht ein Mittel zum Zweck ist, um neue Kirchenmitglieder zu gewinnen, sondern um der Bevölkerung Möglichkeiten der sozialen Vernetzung anzubieten.
1.3 Projektvorbereitung
Ein Design Thinking Team sollte interdisziplinär zusammengestellt werden, um von den unterschiedlichen Ausbildungen und Fachwissen der Teammitglieder zu profitieren (Brenner, 2017, S. 19). Aus diesem Grund werden 6 Mitglieder der Kirchengemeinde mit unterschiedlichen Kompetenzen für eine Mitarbeit angefragt. Das Team setzt sich aus folgenden Personen zusammen:
- Vermögensberater, männlich, 63 Jahre, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, 2 Enkel
- BWL-Studentin, weiblich, 22 Jahre, Single, keine Kinder
- Pastor, männlich, 43 Jahre, verheiratet, 3 Schulkinder
- Modedesignerin, weiblich, 52 Jahre, Single, keine Kinder
- Koch, 34 Jahre, männlich, verheiratet, 1 Kindergartenkind
- Rentner, Doktortitel im Ingenieurwesen, männlich, 69 Jahre, verwitwet, keine Kinder
Im ersten Teamtreffen wird die organisatorische Arbeitsweise besprochen. Das Team erstellt eine WhatsApp Gruppe, um Termine zügig absprechen zu können. Ebenso wird ein Cloudspeicher eingerichtet. Hier können Dokumente, Pläne oder Ideen gesammelt, ergänzt, bearbeitet oder neu anlegt werden. Auch ein Projekt- und ein Kommunikationsplan (siehe Anhang 1 und 2) werden erstellt. Der Kommunikationsplan hat eine externe Funktion und dient dazu, die Mitglieder der Kirchengemeinde zu informieren, um sie später für bestimmte Projekte gewinnen zu können. Der Projektplan ist intern ausgerichtet und hilft den Teammitgliedern bei der Strukturierung des Design Thinking-Prozesses. Anschließend werden geeignete Räumlichkeiten für die Meetings gesucht. Da das Gebäude der Kirchengemeinde über viele kleine und große Gruppenräume verfügt, stellt die Raumsuche kein großes Problem dar. Eine Kaffeemaschine und eine kleine Snackbar sorgen für eine gute Atmosphäre. Zwei Sofas, Steh- und Arbeitstische und die Materialien werden bereit gestellt. Ebenso stehen Flipcharts, Haftzettel, Stifte und Notizblöcke zur Verfügung. Jedes Teammitglied bringt seinen eigenen Laptop mit und zwei große Zimmerpflanzen sorgen für eine angenehme Umgebung.
1.4 Design Thinking in einer Kirche?
Kann Design Thinking auch für eine Kirche angewandt werden oder ist es nur für Wirtschaftsunternehmen geeignet? Sowohl kirchliche als auch wirtschaftliche Unternehmen sind menschliche Organisationen und innerhalb des Design Thinkings ist der Mensch die Inspirationsquelle für neue Ideen. Der Mensch und seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund (Schallmo, 2017, S. 20). Auf Basis eines iterativen Prozesses werden nutzerorientierte Ergebnisse zur Lösung von komplexen Problemen geliefert (Brenner, 2017, S. 16). Die Voraussetzungen sind also für kirchliche und für wirtschaftliche Organisationen identisch. Daher können kirchliche Organisationen aus den zahlreichen Erfahrungen verantwortungsvoller Unternehmen lernen, und umgekehrt (Drumm & Oeben, 2022, S. V).
1.5 Projektaufbau
In diesem Kapitel wurden bisher die Ausgangssituation beschrieben und die Projektziele umrissen. Die Projektvorbereitung wurde skizziert und die Frage beantwortet, ob im kirchlichen Kontext ein Design Thinking Prozess sinnvoll ist. Im zweiten Kapitel werden die einzelnen Projektschritte beschrieben. Aus den verschiedenen Ansätzen des Design Thinkings, wurde für die Erarbeitung des vorliegenden Projektes der Design Thinking Ansatz des Hasso-Plattner-Institutes gewählt. Der Aufbau dieses Projektberichtes folgt den Phasen des Hasso-Plattner-Institutes: Verstehen, Beobachten, Standpunkt definieren, Ideen finden, Prototyp entwickeln und testen (Schallmo, 2017, 39–41). Es ist wichtig zu erwähnen, dass es sich bei diesen Schritten nicht um eine starre Reihenfolge handelt. Durch iterative Schleifen ist es möglich, zu vorherigen Schritten zurückzukehren, wenn neue Erkenntnisse zu einer veränderten Perspektive führen. In Kapitel drei wird ausgewertet, ob die Projektergebnisse zur Zielerreichung beigetragen haben und nachhaltig sind. Bevor dieser Projektbericht mit einem persönlichen Fazit abgeschlossen wird, sollen noch die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst werden.
2. Projekt „Zukunftswerkstatt“
Damit sich das Projektteam und die Kirchenmitglieder mit dem Design Thinking Projekt besser identifizieren können, hält es das Team für sinnvoll, dem Projekt einen Namen zu geben. Dadurch wird es leichter, die Mitglieder der Kirchengemeinde für eine spätere Mitarbeit zu gewinnen. Die Wahl fiel auf den Titel „Zukunftswerkstatt“. Mit diesem Titel soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Zukunft aktiv gestaltet und geformt werden kann. So können Strukturen geschaffen werden die dabei helfen, Menschen zu vernetzen und dem sozialen Problem der Einsamkeit zu begegnen.
2.1 Erste Phase: Verstehen
Die erste Phase ist die Ausgangsbasis für das Design Thinking Projekt (Schallmo, 2017, S. 69). Sie dient dazu, mehr über den potenziellen Nutzer, seine Wünsche und Aufgaben, zu erfahren (Lewrick, 2018, S. 51). Dabei spielt die Recherche und die Entwicklung eines gemeinsamen Problemverständnisses aller Teammitglieder eine wichtige Rolle.
2.1.1 Definition der Design Challenge
Die Design Challenge definiert die Problemstellung und den kreativen Rahmen, in dem die Lösungen gefunden werden sollen (Lewrick, 2018, S. 46). Ein gemeinsames Problemverständnis im Team ist wichtig, damit gute Lösungen entwickeln werden können. In dem vorausgehenden ökumenischen Stadtkonvent wurde die Problemstellung bereits vorgegeben: Es sollen Möglichkeiten gefunden werden, einsame Menschen miteinander zu vernetzen und Orte der Begegnung zu schaffen. Es werden keine digitalen Angebote sondern Präsenzveranstaltungen benötigt. Trotz der bereits bestehenden städtischen Angebote, sucht das Land Hessen nach großen oder kleinen Projekten, die generationsübergreifend gegen Einsamkeit und Isolation wirken (Kreative Konzepte gegen Einsamkeit gesucht, 2022). Um sich der Definition nähern zu können, hat das Team Wünsche an die nicht vorhandenen Lösungen formuliert. Die Wünsche lassen sich in vier Themenblöcke einteilen: Relevanz, Identifikation, Begeisterung und Andockstation (s. Anhang 3). Aus diesen Vorgaben formuliert das Projektteam folgende Design Challenge:
· Wie schaffen wir es, dass einsame Bürger unserer Stadt miteinander generationsübergreifend vernetzt werden können? (Relevanz und Andockstation)
· Wie kann das ungenutzte Potential der Kirchengemeinde eingesetzt werden, um Orte der Begegnung zu schaffen? (Begeisterung und Identifikation)
· Wie schaffen wir es, die Bürger der Stadt auf unsere Angebote aufmerksam zu machen?
2.1.2 Projektplanung
Nach der Definition der Design Challenge wird der Projektplan weiterentwickelt, der im Anhang dargestellt ist (s. Anhang 1). Dieser soll dabei helfen, die Abläufe und Strukturen sicherzustellen (Schallmo, 2017, S. 53). Ebenso ist es auch wichtig, die Aufgaben aufzuteilen und verschiedenen Teammitgliedern zuzuordnen. So entsteht ein Überblick über den Arbeits- und Zeitaufwand. Um den Projektplan aufstellen zu können, bekommt jedes Teammitglied den Arbeitsbogen „Recherche planen“ (s. Anhang 4). Damit erhält das Team eine Übersicht, wo und zu welcher Fragestellung die einzelnen Teammitglieder recherchieren möchten und welche Themenfelder noch nicht abgedeckt sind. Ebenso wird der Kirchenvorstand gebeten eine Bestandsaufnahme über die Ressourcen der Kirchengemeinde auszufüllen (s. Anhang 5).
2.1.3 Sofort-Experte werden
Die vorher festgelegten Rechercheaufgaben werden jetzt umgesetzt. In der Literatur wird nach aktuellen Informationen zur Thematik „Einsamkeit“ gesucht. Bei den umliegenden kirchlichen und städtischen Organisationen wird nachgefragt, welche Angebote sie für sozial isolierte Menschen haben. Ein Teammitglied führt ein Interview mit Herrn M., dem leitenden Sozialarbeiter des Stadtteil- und Familienzentrums (s. Anhang 6). Die Recherche zeigt, dass es in der Stadt keine gezielten Angebote für einsame Bürger gibt. Zwar existieren viele kleinere Netzwerke, aber diese sind meist auf eine bestimmte Generation ausgelegt, wie z.B. das Senioren Café der katholischen Kirche. Ebenso wurde ein überraschender Fakt deutlich. Herr M. betonte, dass die Gruppe, die am stärksten unter Einsamkeit leidet, Personen zwischen 18 und 35 Jahren sind.
2.2 Zweite Phase: Beobachten
In der zweiten Phase des Design Thinking Projektes werden typische User in relevanten Situationen analysiert. Diese Analyse erfolgt mittels Befragung und / oder Beobachtung. (Schallmo, 2017, S. 50). Um möglichst viele Eindrücke sammeln zu können, lädt das Projektteam alle Kirchenmitglieder zu einem Aktionstag ein. Im Vorfeld wurde ein Projektplan entworfen (s. Anhang 7). In zweier oder dreier Teams laufen die Teilnehmer durch die Stadt und notieren dabei ihre Eindrücke. Dazu bekommen sie drei Templates ausgehändigt. Das erste Template ist das „Shadowing“ (s. Anhang 8), also die Beobachtung von Situationen und Personen. Der „Selbsttest“ (s. Anhang 9) ist das zweite Template. Die Teilnehmer sollen selbst testen, wie sich eine einsame Person fühlt. Dazu begeben sie sich in Situationen, die einsame Menschen erleben und notieren ihre Gedanken, Gefühle und Eindrücke. Ein Teilnehmer besucht z.B. ein Café und setzt sich allein an einen Tisch. Ein anderer Teilnehmer ging in eine Veranstaltung, ohne einen anderen Veranstaltungsteilnehmer zu kennen. Das dritte Template ist das „User-Interview“ (s. Anhang 10). Die Teilnehmer befragen Passanten in der Fußgängerzone über das Thema Einsamkeit. Ein User-Interview ist im Anhang nachzulesen (s. Anhang 11). 54 Mitglieder der Kirchengemeinde nehmen an diesen Aktionstag teil. Die gesammelten Eindrücke werden auf Post-Its geschrieben, mit kurzen Sätzen vorgestellt und aufgehängt. Abschließend werden die Haftzettel nach Kategorien geordnet und dokumentiert.
2.3 Dritte Phase: Sichtweise definieren
Die gesammelten Erkenntnisse aus den vorhergehenden Phasen müssen nun ausgewertet, interpretiert und gewichtet werden und in die Synthese einfließen (Lewrick, 2018, S. 59). Dazu werden die Erkenntnisse in typischen Nutzerprofilen, sogenannte Personas, dargestellt. Anhand diesen Personas werden die Bedürfnisse abgeleitet und konkretisiert (Schallmo, 2017, S. 57). Als Ergebnis entsteht eine Empathy Map, die die wichtigsten Charakteristika eines Users aufzeigt. Das Projektteam erstellt die Empathy Maps von 4 fiktiven Usern:
· Günther Mayer, 73 Jahre, verwitwet und kinderlos (s. Anhang 12).
· Der reiche Julius, 45 Jahre, verheiratet und 2 Kinder (s. Anhang 13).
· Maria, Rentnerin, 65 Jahre, geschieden, keine Enkel (s. Anhang 14).
· Peer, 35 Jahre, Single, keine Kinder (s. Anhang 15) .
Es wird auch überlegt, was, wo und wie diese Personen versuchen würden ihre Einsamkeit zu überwinden. Durch die Methode des Storytellings werden die Ergebnisse vorgestellt (Schallmo, 2017, S. 91). Dieser Prozess wird nachfolgend anhand der fiktiven Person „Maria, Rentnerin“ dargestellt.
2.3.1 Persona Maria
Maria ist 65 Jahre alt, geschieden und ihre erwachsenen Kinder sind schon lange aus dem Haus. Sie hat keine Enkel und wohnt in einer kleinen 3 Zimmer Wohnung im 3. Stock eines Hochhauses. Maria verbringt ihre Zeit mit Fernsehen, lesen oder nimmt per Youtube an einem Yoga-Kurs teil. Ein paar Mal war sie schon bei Probetrainings in Sportvereinen, aber sie fühlte sich dort nie wohl. Sie ist eine stetige Person, mag keine Veränderungen und es fällt ihr schwer, sich auf neue Dinge einzulassen. Maria ist auf der Suche nach einer beständigen Gemeinschaft, in der sich wohlfühlt und einbringen kann. Sie wünscht sich soziale Kontakte und hat Angst, dass sie im hohen Alter ganz allein sein wird.
2.3.2 Storytelling
Ich, Maria, bin 65 Jahre alt. Ich wohne schon lange allein. Ich bin geschieden und meine Kinder sind seit vielen Jahren aus dem Haus. Sie kommen mich zwei oder dreimal im Jahr besuchen und darauf freue ich mich immer sehr. Meine Zeit verbringe ich gern in meinen gewohnten vier Wänden. Dann schau ich TV oder mache einen Yogakurs, an dem ich über Youtube teilnehme. Ein paar Mal habe ich auch bei Probetrainings in anderen Vereinen mitgemacht, aber das war nicht so meins. Ich habe mich unwohl gefühlt unter all diesen fremden Menschen und es hat auch niemand den Kontakt mit mir gesucht. Wenn ich an die Zukunft denke, dann mache ich mir Sorgen. Ich habe Angst davor, ganz allein alt zu werden und würde mir eine Gemeinschaft wünschen, in der ich willkommen bin. Ich wünsche mir jemanden zum Reden oder jemanden, der mir bei Behördengängen helfen kann. Hin und wieder suche ich in der Tageszeitung oder in den Flyern nach solchen Angeboten.
2.4 Vierte Phase: Ideen finden
Mithilfe der Personas und den Empathy Maps werden Lösungsideen für das Problem entwickelt. Unterschiedliche Arten des Brainstormings oder spezifische Kreativitätstechniken sollen die Kreativität fördern (Lewrick, 2018, S. 63–64). Ideen, die bereits in den vorherigen Phasen entstanden, werden in einem Ideenspeicher gesammelt.
2.4.1 Das Brainstorming
Dem Projektteam ist schnell klar, dass es zur Lösung des Problems nicht einen sondern mehrere Ansätze braucht. Es werden drei Brainstorming-Runden mit unterschiedlichen kreativen Methoden durchgeführt. In der ersten Runde schreiben alle Teammitglieder ihre Ideen auf Haftzettel und kleben diese an die Wand. In der zweiten Runde macht das Projektteam einen einstündigen Stadtrundgang. Jeder soll fünf Orte identifizieren, an denen Menschen sich begegnen. Dabei wird die Frage beantwortet, warum sich Menschen an diesen Orten treffen. Der dritte Durchgang findet wieder im gemeinsamen Teamraum statt. Dabei steht die Frage im Fokus: „Welche Idee würde ich entwickeln, wenn ich alle Ressourcen unbegrenzt zur Verfügung hätte.“ Aus diesem Brainstorming entstand eine „Post-It – Wand der Ideenfindung“ (s. Anhang 16). In einem weiteren Schritt werden die Ideen geordnet und in Clustern zusammen gefasst.
2.4.2 Auswahl der Ideen
Da das soziale Problem der Einsamkeit viele Menschen mit individuellen Bedürfnissen betrifft, sollten auch die Lösungsideen von vielen unterschiedlichen Menschen ausgewählt werden. Daher wird eine Rundmail mit den Ideen und einer Einladung für einen Infoabend an alle Kirchenmitglieder versendet. 73 Kirchenmitglieder nehmen an der Informationsveranstaltung teil. Nachdem über den bisherigen Verlauf des Prozesses informiert wurde, werden die Ideen vorgestellt. Anschließend darf jeder Teilnehmer zwei von den genannten Ideen auswählen. Die Ideen mit den meisten Stimmen sollen priorisiert und weiter verfolgt werden. Folgende Ideen erhalten die meisten Stimmen:
· Entwicklung einer Gemeindeapp, um die Angebote sichtbar zu machen.
· Planung eines Spielplatzes im Gemeindegarten, als Ort der Begegnung
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- Anonym (Author), 2022, Community by Design. Wie eine Kirchengemeinde mittels Design Thinking soziale Teilhabe fördert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1665518