Diese Seminararbeit bietet einen klaren, theoriegeleiteten und praxisnahen Überblick darüber, wie Positive Psychologie zur Steigerung von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit in Organisationen eingesetzt werden kann. Ausgehend von der Spannung zwischen steigenden Krankenständen und dem nachgewiesenen Nutzen psychischer Ressourcen, entfaltet die Arbeit die Theorie des Wohlbefindens (PERMA) und das Konzept des Flourishing als Mess- und Gestaltungsrahmen. Darauf aufbauend verknüpft sie Positive Organizational Scholarship (POS) mit konkreten Positive-Psychology-Interventions (PPIs) im Arbeitskontext.
Die Arbeit zeigt, wie diese Interventionen Engagement, Beziehungsqualität und Sinn systematisch erhöhen und wo die Grenzen liegen.
Warum kaufenswert?
Wissenschaftlich fundiert: Saubere Herleitung (Seligman, PERMA, POS) und kritische Einordnung aktueller Evidenz.
Ganzheitlicher Blick: Verknüpft individuelle Ressourcen (PsyCap) mit organisationalen Hebeln (Kultur, Führung, Struktur).
Nutzen für die Praxis: Orientiert an realen Zielgrößen – weniger Ausfalltage, höheres Engagement, bessere Zusammenarbeit.
c_1
2. Definitionen, Grundlagen und Ziele der Positiven Psychologie
3. Die Theorie des Wohlbefindens
4. Positiv Organizational Scholarship
5. Anwendung am Arbeitsplatz
6. Fazit
VI. Literaturverzeichnis
V. Verzeichnis der Anhänge
VI. Anhänge
I. Gender Erklärung
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Seminararbeit auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Formulierungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
II. Abkürzungsverzeichnis
APA American Psychology Association
PERMA Positive Emotions, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment
POB Positive Organizational Behaviour
POS Positive Organizational Scholarship
PPIs Positive Psychology Interventions
PsyCap Psychologisches Kapital
SWB subjective well-being (subjektives Wohlbefinden)
TGT Three Good Things Intervention
u.a. unter anderem
z.B. zum Beispiel
1. Einleitung
In Organisationen und Unternehmen ist der Mensch die entscheidende Ressource, da die Wettbewerbsfähigkeit von der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter abhängt. Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass der psychische Zustand eines Mitarbeiters einen erheblichen Einfluss auf seine Gesundheit, Motivation und Arbeitsleistung ausübt. Je glücklicher die Menschen in einer Gesellschaft sind, desto besser funktioniert ihr individuelles und gemeinschaftliches Leben und das wiederrum beeinflusst positiv die Arbeitsergebnisse, Motivation und Arbeitsatmosphäre (Rehwaldt, 2017, S. 1). Wohlbefinden ist daher ein entscheidender Faktor für den organisationalen Erfolg (Lobbe & Reinke, 2022, S. 67). In Organisationen und Wirtschaftsunternehmen besteht jedoch eine deutliche Kluft zwischen Theorie und Praxis. Statt Gesundheit und Wohlbefinden verzeichnete man im Jahr 2023 einen Anstieg des Krankenstandes bei den gesetzlich Krankenversicherten auf 5,8% (s. Anhang 1). Der Krankenstand informiert darüber, wie viele Erwerbstätige an einem Kalendertag durchschnittlich arbeitsunfähig erkrankt waren (bmg.bund.de, 2023). Psychische Erkrankungen nehmen dabei eine besondere Stellung ein: Seit 2012 haben die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen um 53,2 % zugenommen. Die durchschnittliche Falldauer psychischer Erkrankungen war im Jahr 2021 mit 29,7 Tagen je Fall mehr als doppelt so lang, wie die durchschnittliche Falldauer nicht-psychischer Erkrankungen mit 13,2 Tagen je Fall (Meyer et al., 2022, S. 289). Die Ursachen für den Anstieg der Krankenstände und psychischen Erkrankungen sind vielfältig und können im Rahmen dieser Seminararbeit nicht behandelt werden. Es ist jedoch anzumerken, dass viele dieser Erkrankungen vor allem auf Unzufriedenheit und Überlastung zurückzuführen sind, die durch die bestehende Unvereinbarkeit von Familie und Beruf hervorgerufen werden. Dies wird auch durch den gestiegenen Medikamentenkonsum zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz verdeutlicht (Rehwaldt, 2017, S. 1). An dieser Stelle setzt die Positive Psychologie mit ihren Interventionen an. Sie zielt darauf ab, wesentliche Aspekte am Arbeitsplatz zu verbessern. Ebenso strebt sie eine Steigerung des Arbeitsengagements, des Wohlbefindens der Mitarbeiter und der Arbeitsleistung an, und versucht gleichzeitig den beruflichen Stress zu reduzieren. Zahlreiche empirische Studien haben in den letzten Jahren die Auswirkungen der Positiven Psychologie am Arbeitsplatz untersucht (Donaldson et al., 2019, S. 113). Da der Rahmen dieser Hausarbeit begrenzt ist, kann nicht detailliert auf die einzelnen Interventionen eingegangen werden. Vielmehr liegt der Fokus auf die allgemeinere Frage, wie die Positive Psychologie im Arbeitskontext genutzt werden kann, um das Wohlbefinden der Beschäftigten zu fördern und arbeitsorganisatorische Kriterien zu optimieren.
1.1 Aufbau der Seminararbeit
Um die Frage zu beantworten, wie die Positive Psychologie im Arbeitskontext genutzt werden kann, um das Wohlbefinden der Beschäftigten zu fördern, sollte zunächst verstanden werden, was die Positive Psychologie ist, wie sie definiert wird und welche Ziele sie verfolgt. Im folgenden Kapitel wird daher ein Überblick über die Grundlagen und Ziele der Positiven Psychologie gegeben. Da der Begriff „Wohlbefinden“ eine zentrale Rolle in der Fragestellung dieser Seminararbeit und in der Positiven Psychologie insgesamt spielt, werden im dritten Kapitel das Konzept von „Wohlbefinden“ sowie die fünf Elemente der „Theorie des Wohlbefindens“ beleuchtet. Das vierte Kapitel widmet sich der Positive Organizational Scholarship (POS) und deren Ansatz, die Prinzipien der Positiven Psychologie in der Arbeitswelt zu integrieren und geeignete Interventionen in Organisationen durchzuführen. Abschließend, im fünften Kapitel, werden die Interventionen der Positiven Psychologie (PPIs) behandelt, bevor die Hausarbeit mit einem Fazit abgeschlossen wird.
2. Definitionen, Grundlagen und Ziele der Positiven Psychologie
Die Positive Psychologie erfuhr maßgeblichen Einfluss durch Martin Seligman, einen renommierten US-amerikanischen Psychologen, der im Jahr 1998 zum Präsidenten der Amerikanischen Psychologischen Vereinigung (APA) gewählt wurde. In seiner Antrittsrede betonte er die Bedeutung der Erforschung positiver Emotionen, Eigenschaften und Gemeinschaften und forderte, sich nicht nur auf Defizite und Krankheiten zu fokussieren. Psychologen sollten nach dem suchen, was das Leben lebenswert macht. Positive Psychologie als empirische Wissenschaft begann also offiziell mit der Ansprache von Seligman, obwohl ihre Wurzeln bis hin zu Aristoteles‘ philosophischen Schriften über Glück, Sinn und Tugend zurückverfolgt werden können (Blickhan, 2018, S. 22).
2.1 Definition der Positiven Psychologie
In der wissenschaftlichen Literatur finden sich diverse Definitionen der Positiven Psychologie. So beschreibt Rose (2019) sie als das Forschungsfeld, das sich mit den „positiven Phänomenen des menschlichen, organisationalen und sozialen Erlebens“ (Rose, 2019b, S. 46) befasst. Lermer (2019) präzisiert diese Definition weiter, indem sie die Positive Psychologie definiert als „die wissenschaftliche Untersuchung des Erlebens und Verhaltens in Bezug auf positive Aspekte des menschlichen Lebens. In diesem Ansatz werden Faktoren untersucht, die zu einem gelingenden und erfüllten Leben beitragen, die die Persönlichkeitsentwicklung und das subjektive Wohlbefinden positiv beeinflussen“. (Lermer, 2019, S. 23). Eine weitere Definition stammt von Mihaly Csikszentmihalyi, der zusammen mit seinem Kollegen Seligman die Positive Psychologie als „die Lehre der Elemente, die den Menschen trotz Widrigkeiten stärkt und sein Leben lebenswert sein lässt“ (M. E. Seligman & Csikszentmihalyi, 2000, S. 6) beschreibt.
Diese und auch andere Definitionen kommen darin überein, dass die Positive Psychologie die Wissenschaft der Bedingungen und Prozesse ist, die zur optimalen Entwicklung und zum Funktionieren von Menschen, Gruppen und Institutionen beitragen (Lermer, 2019, S. 23).Verkürzt ausgedrückt geht es um das glückliche Leben und um das Aufblühen von Menschen (Braun et al., 2023, S. 6).
2.2 Grundlagen und Ziel der Positiven Psychologie
Die Positive Psychologie gilt als die erste wissenschaftliche Disziplin, die sich damit befasst, wie das psychische Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung aller Menschen unterstützt und aufrechterhalten werden können. Als eines der jüngsten Forschungsfelder in der akademischen Psychologie (Blickhan, 2018, S. 15) betont sie die positiven Aspekte des menschlichen Lebens. Im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stehen Fragen nach den Grundlagen für ein gutes Leben oder unter welchen Umständen Menschen Emotionen wie Glück und Zufriedenheit empfinden. Ebenso wird erforscht, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Menschen ihr Leben, oder auch Teilbereiche des Lebens, wie z.B. ihre Arbeit, als sinnvoll empfinden. Zielgruppe sind also nicht Menschen in Krisen oder mit psychischen Beeinträchtigungen, sondern Menschen, die ihr Wohlbefinden aktiv verbessern möchten. (Ruch & Proyer, 2011, S. 61).
Die Positive Psychologie beruht auf drei Säulen:
a. Die Erforschung positiver Emotionen: Hierbei geht es um das positive Erleben wie z.B. Wohlergehen, Zufriedenheit, Optimismus oder Flow-Erleben in der Gegenwart (Rose, 2019, S.46).
b. Die Erforschung der positiven Charaktereigenschaften (Traits): Dies beinhaltet die Analyse der Tugenden, Stärken und Fähigkeiten eines Individuums. Aber auch Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Vergebung oder Spiritualität spielen eine wichtige Rolle (Ruch & Proyer, 2011, S.62).
c. Die Erforschung der positiven Institutionen: Dieser Bereich widmet sich positiven sozialen Einrichtungen wie Familien, Wohnumfelder, Schulen oder Firmen (Blickhan, 2018, S. 24). Sie beschreiben die Rahmenbedingungen, die ein Wachstum erlauben (Ruch & Proyer, 2011, S.62).
Vor allem das Erleben positiver Emotionen, wie z.B. Freude, Vergnügungen oder das Ausüben eigener Stärken, spielt eine zentrale Rolle im Streben nach einem erfüllten Leben (Ruch & Proyer, 2011, S. 62). Die Positive Psychologie untersucht die Auswirkungen dieser Elemente sowohl auf das eigene Leben als auch auf das Leben anderer Menschen. Sie geht davon aus, dass Individuen danach streben, ihrem eigenen Leben einen Sinn zu verleihen und sie auch daran interessiert sind, sich selbst, aber auch die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen (Blickhan, 2018, S. 24). Darüber hinaus ist die Positive Psychologie auch die wissenschaftliche Forschung zu optimaler menschlicher Leistungsfähigkeit mit dem Ziel, die Faktoren zu identifizieren und zu fördern, die Einzelpersonen und Gemeinschaften dabei helfen, aufzublühen („to thrive“) (Blickhan, 2018, S. 27). Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Erforschung der Faktoren, die langfristig zu einem empfundenen Wohlbefinden bei Individuen führen (Braun & Mihailović, 2023, S. 115). Seligman (2021) unterstreicht, dass das zentrale Thema der Positiven Psychologie das Wohlbefinden ist und dass der beste Weg zur Messung des Wohlbefindens das Aufblühen des Individuums darstellt. Das Ziel der Positiven Psychologie besteht also darin, das Aufblühen (Flourishing), zu fördern (M. E. P. Seligman, 2021, S. 29–30).
- Quote paper
- Anonym (Author), 2023, Zwischen Krankenstand und Flourishing. Positive Psychologie in Organisationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1665787