Bildung und Management – Zeitgemäße Verbindung oder Widerspruch


Referat (Ausarbeitung), 2010

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bildungsbegriff nach Humboldt

3. Management
3.1 Management von Wissen
3.2 Lean Management

4. Resümee

5. Quellen

6. Literatur

„Ein Blick in den Alltag von Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen macht deutlich, dass auf beiden Managementebenen ein Professionalisierungsbedarf besteht. Trotz grundlegend veränderter Anforderungen und einem zunehmend betriebswirtschaftlich geprägten Bildungs- und Wissenschaftssystem sind Managementpositionen häufig semi-professionell besetzt“ (Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2004, Der Masterstudiengang Bildungsmanagement).

1. Einleitung

Das Eingangszitat stammt aus dem Internet-Auftritt der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und bewirbt den dort angebotenen Masterstudiengang „Bildungsmanagement - MBA“. Das Ziel des Studiengangs ist die praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Ausbildung, welche zu professionellem Managementhandeln in Bildungs-, Weiterbildungs- bzw. Hochschul- und Wissenschaftsinstitutionen befähigen soll (vgl. Carl v. Ossietzky Universität 2004, Der Masterstudiengang Bildungsmanagement). Es wird festgestellt, dass Managementpositionen in den angesprochenen Institutionen oft „semi-professionell“ besetzt sind. Hierauf soll, in Ermangelung empirischer Erkenntnisse, nicht weiter eingegangen werden, subjektiv erscheint aber zumindest die Auffassung nicht verkehrt, dass es, um eine Institution zu leiten, diverser Managementfähigkeiten bedarf. Dass aus einem Managementstudiengang speziell für Bildungsinstitutionen dann das beschriebene „Bildungsmanagement“ wird scheint zunächst logisch. Im „Wörterbuch der Berufs- und Wirtschaftspädagogik“ wird Bildungsmanagement in ähnlicher Weise gefasst, als Organisationssystem einer pädagogischen Einrichtung, bspw. einer Schulverwaltung (vgl. Geißler 2006, S.188f). Lässt sich die Verquickung von „Bildung“ und „Management“ in ihrer reinen Funktionalität aber wirklich so leicht auflösen? Gerade im betrieblichen Kontext findet Aus- und Weiterbildung mehr und mehr auch unter dem Passus des „Bildungsmanagements“ statt, dessen Kritiker einwerfen, dass die innerbetriebliche Ausbildung letztlich nur der Produktivitätssteigerung diene und Aspekte einer echten Menschenbildung vernachlässigt werden (vgl. Dubs 2008, S.29).

Es gehen die Meinungen über die Statthaftigkeit der Verbindung des historisch besetzten Begriffes der Bildung und eines modernen, betriebswirtschaftlichen Paradigmen folgenden Begriffes wie „Management“ auseinander. Diese Problematik soll Gegenstand der folgenden Ausarbeitung werden.

Fakt ist nun, dass sich die Gesellschaft in den letzten Jahren in einem grundlegenden Wandlungsprozess befindet. Nach dem Wandel der Agrargesellschaft hin zur Industriegesellschaft in den vorigen Jahrhunderten erleben wir heute die Umformung zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft (vgl. Diesner 2008, S.1). Die Wettbewerbssituation für Unternehmen ändert sich massiv indem durch Globalisierung und Internationalisierung bestimmte Güter-, Arbeits- und Informationsmärkte eine zunehmende Beschleunigung der Produktions- und Innovationsprozesse erleben. Zeit, Flexibilität und der zielgerichtete Einsatz von Know-how sind zu den entscheidenden Kriterien im Wettbewerb geworden. Zu einem entscheidenden Faktor wird dabei Wissen, dessen Vermittlung spätestens seit der Aufklärung nicht mehr allein im Auftrage der Erfüllung sozialbedingter Rollen steht. In einem Atemzug mit Wissen wird nun nicht selten auch von Bildung als entscheidendem Wettbewerbsfaktor gesprochen. Weiter noch wird sie in wiederkehrender Agitation, zu Recht, zum Dreh- und Angelpunkt für das Wohl einer gesamten Gesellschaft:

„Meine Damen und Herren, Wohlstand für alle heißt heute und morgen: Bildung für alle [Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Festveranstaltung „60 Jahre Soziale Marktwirtschaft“ am 12. Juni 2008 in Berlin - Anm.d.V.]“ (Merkel 2008, S.26).

Das scheinbar entgegengesetzt stehende Paradigma, streng an den Gesetzen der Ökonomie ausgerichtet, ist jenes der Wirtschaft. Aus diesem Bereich nun kommt der begriffliche Konterpart, Management, dessen Kombinationsfähigkeit mit Bildung in dieser Arbeit hinterfragt werden soll.

Das ökonomische Prinzip beinhaltet, nach Schierenbeck und Wöhle (2008), das Stre­ben nach Ertrags- bzw. Leistungs-Maximierung, Aufwands- bzw. Kosten-Minimie­rung sowie dem Versuch beides gleichzeitig zu erreichen (vgl. Schierenbeck, Wöhle 2008, S.6). Die klassische Definition von Bildung nach Humboldt hingegen stellt, wie später zu zeigen ist, weder Effektivität noch Effizienz sondern den Menschen in den Vordergrund und sieht eine, auf die im Kern des Individuums angelegten Fähigkeiten aufbauende, Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit vor (Koselleck nach Groppe 2006, S.47). Augenmerk ist hier auf den semantischen Unterschied von Erziehung hin zu Bildung zu legen, welcher den zentralen Unterschied zur Interpretation der frühen Aufklärung dokumentiert. Das Individuum als solches wird neubewertet und nicht mehr primär als Gemeinschaftswesen betrachtet, sondern hat als freies Einzelwesen einen Eigenwert.

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit leitet sich aus dem zu vermutenden Widerspruch ab: Verträgt sich eine ökonomische Zielsetzung mit den Zielen einer, nach Humboldt, nicht zweckgebundenen, ganzheitlichen Bildung? Und lässt sich Bildung in das Korsett wirtschaftlicher Erfordernisse zwängen ohne sich selbst im Grundsatz zu widersprechen? Eine ausführliche Betrachtung dieser Problematik erfordert eine integrierende Betrachtung des Begriffes der Bildung, der ihr zu Grunde liegenden Philosophie und Paradigmen in der Gegenüberstellung zum wirtschaftlich geprägten Konstrukt Management. Dies kann in der Kürze dieser Arbeit kaum geleistet werden. Beide Themenfixpunkte können in ihrer Beschreibung und Erfassung nur eingeschränkt betrachtet werden und eine vollständige Herleitung sowohl des Bildungsbegriffes, ausgehend von Aufklärung über die preußischen Reformen hin zur Gestaltung durch Humboldt bis zu modernen Interpretationen, als auch der ökonomischen Bedingungen von Management müssen außen vor bleiben.

Da eine Auswahl getroffen werden muss, wird im ersten Abschnitt zunächst der Begriff der Bildung nach Humboldt vertieft. Dem folgt eine Betrachtung des Begriffsspektrums „Management“ in Bezug zu zwei ausgewählten Theorien des Managements. Anhand der Überprüfung von inhaltlicher Zielkomplementarität der Ideen soll eine Bewertung der Konsistenz der Kombination Bildung und Management ermöglicht werden. Sie wird in einem abschließenden Resümee dargelegt.

2. Der Bildungsbegriff nach Humboldt

Ausgangspunkt aller Überlegungen war Mitte des 18.Jhd. die Zielsetzung, und diese war keineswegs von Humboldt entwickelt sondern entsprach dem propagierten humanistischen Ideal der Zeit, der Mensch solle in der Welt glücklich sein (vgl. Müller 1977, S.96). Humboldts Lehre wird demzufolge auch oft unter dem Passus der „Humanitätsidee“ gefasst (vgl. Kawohl 1969, S.13). Als die Perspektiven unter denen der Humanismus zu fassen ist, werden Psychologie, Ethik und Ästhetik genannt. Für Humboldt und seine Humanitätsidee ist, in starker Abhängigkeit zu den Lehren Kants, der Topos der Ethik bestimmend (vgl. Kawohl 1969, S.13). Im Unterschied zu den frühen Aufklärungspädagogen, welche in erster Linie den Erziehungsbegriff bemühen, prägt Humboldts Verständnis einer ethischen Pädagogik den Begriff der Bildung.

Sein Bildungsbegriff sah eine, auf die im Kern des Individuums angelegten Fähigkeiten aufbauende, Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit vor (Koselleck nach Groppe 2006, S.47). Augenmerk ist auf den Begriffswechsel von Erziehung hin zu Bildung zu legen, welcher den zentralen Unterschied zur Interpretation von Bildung durch die Aufklärung dokumentiert. Das Individuum als solches wird neubewertet und nicht mehr primär als Gemeinschaftswesen betrachtet sondern hat als freies Einzelwesen einen Eigenwert sowie eine Motivation sich zu entwickeln.

„Im Mittelpunkt aller besonderen Arten der Thätigkeit nemlich steht der Mensch, der ohne alle, auf irgend etwas Einzelnes gerichtete Absicht, nur die Kräfte seiner Natur stärken und erhöhen, seinem Wesen Werth und Dauer verschaffen will“ (Humboldt ca.1793 - Theorie der Bildung des Menschen, hrsg. von Flitner, Giel 1960, S.235).

Im Gegensatz zu althergebrachten Interpretationen der Aufgabe des Menschen auf der Erde (der Aufklärungspädagoge Johann Bernhard Basedow erklärte zum Hauptzweck der Erziehung noch 1770 die Hinleitung und Vorbereitung zu einem gemeinnützigen, patriotischen und glückseligen Leben) stand nun zunächst die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, des „Selbst“ im Vordergrund (Groppe 2006, S.47).

„Der Wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste, und unerlassliche Bedingung“ (Humboldt 1792 - Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen, hrsg. von Flitner, Giel 1960, S.64).

Nicht mehr die gesellschaftlich, herkunftsorientierte Doktrin der Geburt sollte also über den Verlauf des Lebens entscheiden, sondern nur die in Freiheit getroffene, eigene Entscheidung auf der Grundlage der den eigenen, spezifischen Anlagen am besten entsprechende Ausbildung. Ziel war die beste Entwicklung der Gottgegebenen Kräfte.

Dabei sollte diese Besinnung auf das Individuum nicht unter Abkehr von der Gesellschaft geschehen. Vielmehr fasste Humboldt die individuell-autonome Entfaltung im Dialog mit der Welt als beste Grundlage für den alle Kräfte des Menschen umfassenden Bildungsprozess. Letztlich sei es die Aufgabe des Daseins sich nicht von der Welt abzukapseln, sondern sich so in der Welt zu platzieren, das möglichst beide Seiten, Welt und Individuum, das höchste Maß an Gewinn aus der Wechselwirkung erzielen:

„Die letzte Aufgabe unsres Daseyns: dem Begriff der Menschheit in unserer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so grossen Inhalt, als möglich, zu verschaffen, diese Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung“ (Humboldt ca.1793, Theorie der Bildung des Menschen, hrsg. von Flitner, Giel 1960, S.235).

Zusammenfassend ließe sich der Bildungsbegriff Humboldts also als die Maxime begreifen, nach der eigenen Vollendung des abstrakten „Selbst“ unter Beachtung der individuellen Anlagen und Fähigkeiten zu streben, wobei dies insgesamt der Gesellschaft zuträglich sein soll. Führt dies zur Glückseligkeit, entspricht es dem Bildungsbegriff (vgl. Vallentin 1999, S.198). Die Darstellung ist verkürzt und ließe sich unter Herleitung der philosophischen Wurzeln Humboldts (Kant, Fichte, Rousseau u.a.) präziser darstellen. Im Kern wird aber deutlich, dass im Mittelpunkt der Betrachtung nicht zuerst die Erfordernisse einer Gesellschaft oder einer Organisation bestimmend sind, sondern das Individuum Maß der Dinge ist. Mit der zielgerichteten Steuerung von Individuen befasst u.a. sich das Management.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bildung und Management – Zeitgemäße Verbindung oder Widerspruch
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V166605
ISBN (eBook)
9783640828302
ISBN (Buch)
9783640828029
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, management, zeitgemäße, verbindung, widerspruch
Arbeit zitieren
B.A. Maximilian Stangier (Autor), 2010, Bildung und Management – Zeitgemäße Verbindung oder Widerspruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166605

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