Die Bachelorarbeit untersucht, wie Schüler/innen den Onlineunterricht während der Corona-Zeit erlebt haben. Anhand von Interviews zeigt sie Chancen und Probleme des digitalen Lernens – von technischer Ausstattung bis Motivation – und liefert Impulse, wie Schule in Krisenzeiten besser funktionieren kann.
Das Ziel der Arbeit ist es, einen Einblick in den Schulalltag der Schüler/innen zu gewährleisten, um so die Vorteile und Defizite des Distanzlernens zu erfassen. Diese können für die Weiterarbeit und für weitere Studien verwendet werden, um das System Schule krisensicher zu machen und zukünftige Krisen präventiv zu begegnen. Denn nur dann, wenn man weiß, was Schüler/innen brauchen, können Schulen bzw. Lehrer/innen diese Einblicke nutzen, ihren Unterricht bei Möglichkeit modifizieren und Inhalte und Methoden entsprechend des Ist-Stands der Schüler*innen auswählen. Gerade für Lehramtsstudierende oder Lehrer*innen könnte diese Arbeit somit wichtige Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Schüler*innen bieten und sie bei ihrer Unterrichtsplanung unterstützen.
Hierbei liegt der vorliegenden Bachelorarbeit eine qualitative Forschung zugrunde. Exemplarisch sollen die Erfahrungen von sechs Schüler*innen analysiert und erforscht werden. Die genaue Herangehensweise und die Ergebnisse der Forschung sollen im zweiten Teil der Arbeit dargestellt werden. Im ersten Teil sollen relevante Theorien, wie Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte und der aktuelle Forschungsstand skizziert werden. Die genannten Theorien wurden aufgrund der Signifikanz der familiären/sozio-ökonomischen Herkunft auf den schulischen Bildungserfolg als zentral für die Betrachtung der Forschungsfrage bewertet.
Im letzten Teil der Arbeit sollen die Ergebnisse der Theorien und der eigenen Forschung diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Aufbau und Ziel
- 3 Theoretischer Teil
- 3.1 Bildung und Elternhaus
- 3.2 Bourdieus-Kapitaltheorie
- 3.2.1 ökonomisches Kapital
- 3.2.2 kulturelles Kapital
- 3.2.3 soziales Kapital
- 3.2.4 symbolisches Kapital
- 3.3 Boudon - Primäre und Sekundäre Effekte
- 3.3.1 Primäre Herkunftseffekte
- 3.3.2 Sekundäre Herkunftseffekte
- 3.4 Institutionelle Diskriminierung
- 3.5 Corona und Schule
- 3.6 Forschungsstand
- 4 Methodischer Teil
- 4.1 Forschungsvorhaben/ Forschungsmethode
- 4.1.1 Leitfadeninterview
- 4.1.2 Grounded Theory
- 4.2 Beschreibung und Begründung der Stichprobe
- 4.3 Interviewsetting
- 4.4 Fallbeschreibung
- 4.4.1 Julia
- 4.4.2 Ayse
- 4.4.3 Melissa
- 4.4.4 Fariha
- 4.4.5 Didem
- 4.4.6 Oguz
- 4.1 Forschungsvorhaben/ Forschungsmethode
- 5 Fallübergreifende Ergebnisdarstellung
- 5.1 Technische und räumliche Ressourcen
- 5.2 Die Rolle der Familien
- 5.3 Die Rolle der Schule und Lehrer*innen
- 5.4 Persönliche Faktoren
- 5.5 Soziale Kontakte und Freizeit
- 5.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
- 5.7 Ergebnisbegründung
- 6 Fazit
- 7 Anhang
- 7.1 Literaturverzeichnis
- 7.2 Transkripte
- 7.2.1 Didem
- 7.2.2 Oguz
- 7.2.3 Fariha
- 7.2.4 Julia
- 7.2.4 Ayse
- 7.2.6 Melissa
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Hauptziel, einen tiefgehenden Einblick in den Schulalltag von Schüler*innen während der globalen Corona-Pandemie zu gewähren und dabei die spezifischen Vorteile und Defizite des Distanzlernens zu erfassen. Die gesammelten Erkenntnisse sollen dazu beitragen, das System Schule krisensicherer zu gestalten und zukünftigen Krisen präventiv begegnen zu können, indem Lehrkräfte ihren Unterricht an die Bedürfnisse der Lernenden anpassen.
Die zentrale Forschungsfrage, der in dieser Arbeit nachgegangen wird, lautet: "Welche Chancen und Herausforderungen ergaben sich für Schüler*innen durch die pandemiebedingte Schulschließung im Rahmen des digitalen Unterrichts?"
- Analyse der Chancen und Herausforderungen des digitalen Fernunterrichts aus Schüler*innenperspektive.
- Erfassung der Vor- und Nachteile des Distanzlernens infolge der Schulschließungen.
- Untersuchung des Einflusses von familiärem und sozio-ökonomischem Hintergrund auf den Bildungserfolg.
- Anwendung von Bourdieus Kapitaltheorie und Boudons Herkunftseffekten zur theoretischen Fundierung.
- Qualitative Erforschung der Lebenswelten von Schüler*innen durch Leitfadeninterviews.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für ein krisenfestes Schulsystem und die Förderung von Medienkompetenz.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bourdieus-Kapitaltheorie
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu ist gegen Ende der fünfziger Jahre in Erscheinung getreten. Er betrachtete in seiner Arbeit die „algerische Gesellschaft“, welche sich unter dem Einfluss der Kolonialisierung wandelte. Bourdieu erweiterte seine Forschungen mit der französischen Gesellschaft aus (vgl. Schwingel 1995, S. 7).
Bourdieus Kapitaltheorie ist ein sehr differenziertes Modell zur Erfassung der Position in der gesellschaftlichen Hierarchie (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 57). Um zu verstehen, was der Beitrag der Familien zur Reproduktion sozialer Positionen in der Gesellschaft ist, muss man nach Bourdieu das Konzept des sozialen Raumes verstehen (vgl. ebd.). „Das Modell des sozialen Raumes veranschaulicht, in welchem Zusammenhang die Mitglieder einer Gesellschaft zueinander stehen“ (Van Essen 2012, S. 18).
Der soziale Raum konstruiert sich über die Kapitalformen. Unter Kapitalformen versteht Bourdieu Ressourcen. Je mehr Ressourcen ein Akteur besitzt, desto weiter oben wird er im sozialen Raum positioniert. Hierbei teilt Bourdieu die Vorstellung mit Marx, dass es sich um akkumulierte Arbeit handelt. Bourdieu erweitert den Kapitalbegriff und spricht nicht nur vom ökonomischen Kapital (vgl. Brake, Büchner 2012, S. 57) und spricht von folgenden Kapitalformen: ökonomisches Kapital, soziales Kapital, kulturelles Kapital, symbolisches Kapital usw. (vgl. ebd., S. 80). Der wirtschaftswissenschaftliche Begriff von Marx reduziert sich nur auf den Warenaustausch. Alle anderen Formen, wie z. B. sozialer Austausch werden ausgeschlossen (vgl. Schwingel 1995, S. 82).
Um zurück zu der Rolle im sozialen Raum zu kommen: Die Unterschiede, die z. B. durch das Einkommen (ökonomisches Kapital) oder durch die Bildungsabschlüsse (institutionelles kulturelles Kapital) entstehen, bestimmen an welcher Position sich eine Person im sozialen Raum befindet (vgl. Van Essen 2012, S. 18). Um die Relevanz der Kapitalformen zu verdeutlichen, sollen diese im Folgenden kurz vorgestellt werden:
3.2.1 ökonomisches Kapital
Das ökonomische Kapital definiert Bourdieu als verschiedene Formen von materiellem Reichtum. Weiterhin kann man ökonomisches Kapital direkt in Geld umwandeln (vgl. Schwingel 1995, S. 83). Dieser eignet sich zur Institutionalisierung von Eigentumsrechten und trägt somit eine große Bedeutung für „arbeitsteilig ausdifferenzierte Gesellschaften“ bei (vgl. Van Essen 2012, S. 19).
3.2.2 kulturelles Kapital
Kulturelles Kapital wird unterteilt in drei weitere Kapitalformen: kulturelles Kapital in objektiviertem Zustand (Produkte des kulturellen Feldes wie Bücher, Gemälde), kulturelles Kapital in inkorporiertem Zustand (personen- oder körpergebundene Eigenschaften wie Verhaltensweisen oder Sprecharten, erworben durch Bildung) und Institutionalisierung (Bildungstitel, die legitimes kulturelles Kapital darstellen).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel beschreibt die globale Ausbreitung des Covid-19-Virus und die daraus resultierende Ausnahmesituation für Schulen in Deutschland, wobei der Fokus auf die Notwendigkeit der Erfassung von Schüler*innenperspektiven im Fernunterricht liegt.
2 Aufbau und Ziel: Hier werden das Hauptziel der Arbeit, die Vor- und Nachteile des Distanzlernens aus Schülersicht zu erfassen, sowie die qualitative Forschungsmethodik und die zugrunde liegenden Theorien von Bourdieu und Boudon skizziert.
3 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel stellt relevante sozialwissenschaftliche Theorien vor, darunter Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte und Konzepte institutioneller Diskriminierung, um den Einfluss des familiären Hintergrunds auf den Bildungserfolg zu beleuchten.
4 Methodischer Teil: Es beschreibt das qualitative Forschungsvorhaben, die Durchführung von Leitfadeninterviews mit sechs Schüler*innen und die Datenanalyse mittels der Grounded Theory, inklusive der detaillierten Vorstellung der einzelnen Fallbeschreibungen.
5 Fallübergreifende Ergebnisdarstellung: In diesem Kapitel werden die zusammenfassenden Ergebnisse der Interviews präsentiert und diskutiert, wobei Chancen und Herausforderungen der Schulschließung in Bezug auf technische/räumliche Ressourcen, die Rolle der Familien, Schule/Lehrer*innen, persönliche Faktoren sowie soziale Kontakte und Freizeit analysiert werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Haupterkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung von Medienkompetenz und Selbstorganisation der Schüler*innen und unterstreicht die Notwendigkeit präventiver Konzepte für ein krisenfestes Schulsystem.
Schlüsselwörter
Corona-Pandemie, Schulschließung, Fernunterricht, Schülerperspektive, Bildungsgerechtigkeit, Soziales Kapital, Kulturelles Kapital, Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte, Qualitative Forschung, Leitfadeninterview, Grounded Theory, Medienkompetenz, Selbstorganisation, Soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erfahrungen von Schüler*innen während der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schulschließungen, um Chancen und Herausforderungen des digitalen Fernunterrichts zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Schülersein, die Rolle von Familie und Schule, soziale Ungleichheit im Bildungssystem sowie die Entwicklung von Medienkompetenzen und Selbstorganisation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, einen Einblick in den Schulalltag der Schüler*innen zu gewähren, um die Vor- und Nachteile des Distanzlernens zu erfassen. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Chancen und Herausforderungen ergaben sich für Schüler*innen durch die pandemiebedingte Schulschließung im Rahmen des digitalen Unterrichts?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Bachelorarbeit basiert auf einer qualitativen empirischen Forschung, die Leitfadeninterviews mit Schüler*innen durchführte und die Daten mittels der Grounded Theory nach Strauss und Corbin analysierte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt (Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte, institutionelle Diskriminierung), einen methodischen Teil mit Fallbeschreibungen und eine fallübergreifende Ergebnisdarstellung zu den Erfahrungen der Schüler*innen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Corona-Pandemie, Schulschließung, Fernunterricht, Schülerperspektive, Bildungsgerechtigkeit, Soziales Kapital, Kulturelles Kapital, Medienkompetenz und Selbstorganisation.
Wie beeinflussten die familiären Ressourcen den Lernerfolg während der Schulschließung?
Familiäre Ressourcen, insbesondere die Unterstützung durch ältere Geschwister bei fachlichen und technischen Problemen sowie die Entlastung durch die Eltern im Haushalt, spielten eine wichtige Rolle bei der Kompensation fehlender schulischer Unterstützung und der Förderung des Lernerfolgs.
Welche Rolle spielten digitale Medien und technische Ausstattung für die Schüler*innen?
Digitale Medien und eine angemessene technische Ausstattung waren entscheidend für die Teilnahme am Online-Unterricht. Während technische Probleme anfangs eine Herausforderung darstellten, förderte die Notwendigkeit der Nutzung die Medienkompetenz der Schüler*innen.
Welche Hauptbelastung empfanden die Schüler*innen während des Fernunterrichts?
Die größte Belastung für die Schüler*innen waren die fehlenden sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen und Lehrer*innen, die mangelnde Schulatmosphäre und die Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation sowie die daraus resultierende Demotivation und psychische Belastung.
Inwiefern konnte die Schulschließung auch positive Effekte haben?
Trotz vieler Herausforderungen förderte die Schulschließung die Selbstorganisation der Schüler*innen, verbesserte ihre Medienkompetenz durch die Nutzung digitaler Plattformen und zeigte die Bedeutung eines krisenfesten und zukunftssicheren Schulsystems auf.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Belastung oder Entlastung? Schülersein während einer globalen Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1666162