Wilhelm von Humboldt – Bildungsphilosophie und Menschenbild


Referat (Ausarbeitung), 2010
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Wilhelm von Humboldt

3. Zeitgeschichtliche Strömungen

4. Zum Bildungsbegriff Humboldts

5. Literatur

1. Einleitung

Wilhelm von Humboldt ist in jüngster Zeit wieder in aller Munde. Gerade im universitären Lehrbereich wird im Rahmen der Verwirklichung des Bologna-Prozesses Wilhelm von Humboldt gern bemüht, um mit großem Pathos den Untergang der freien Bildung zu beklagen. Es steht sein Name für Freiheit und Einheit von Lehre und Forschung. Ob das Bachelor und Master-System nun einen Rückschritt bedeutet, kann und soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Während die eine Seite den „Atemberaubenden Untergang der deutschen Universität“ beklagt, spricht die andere Seite vom verklärten Bildungsbegriff Humboldts und erklärt die Vorgänge zu den normalen Globalisierungseffekten im Bereich der universitären Bildung (vgl. Wagner 2008, Der verklärte Humboldt; Seibt 2007, Ende einer Lebensform). Dokumentiert wird mit dieser Debatte allerdings recht eindrucksvoll, wie aktuell eine Persönlichkeit ist, die vor ziemlich genau 200 Jahren gerade einmal 1 ½ Jahre im Staatsdienst reformerisch tätig war. Humboldt ist damit allerdings zum Mythos geworden, zum Begründer des Weltweit in dieser Form einzigartigen Begriffes der Bildung. In der Kürze dieser Ausarbeitung wird Wilhelm von Humboldt aus diesem Grunde nun Gegenstand der genaueren Untersuchung.

Neben einer kürzeren Betrachtung des Bildungsbegriffes am Ende wird in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf die Betrachtung der Lernerfahrungen und Lebensführung Humboldts gelegt. Sie sind letztlich als Begründung für seine Zielsetzungen zu verstehen und leiten implizit auf den inhaltlichen Rahmen des Bildungsbegriffes hin; das was Wilhelm und seinem Bruder Alexander von Humboldt zuteilwurde lässt sich als idealtypische Voraussetzung zur Kultivierung dessen betrachten, was Humboldt später selbst als Bildung charakterisiert.

Der Aufbau dieser Arbeit gliedert sich dementsprechend in der Kürze in eine Betrachtung des Lebens Wilhelm von Humboldts, in eine Auseinandersetzung mit den zeitgeschichtlichen Strömungen der Zeit sowie der Darlegung des Bildungsbegriffes.

2. Zur Person Wilhelm von Humboldt

Geboren wurde Wilhelm von Humboldt in der zeitgeschichtlich bedeutenden zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, am 22. Juni 1767 in Potsdam (vgl. Geier 2009, S.20). Der Vater, Major Alexander Georg von Humboldt, war zu diesem Zeitpunkt als Kammerherr[1] am preußischen Hofe angestellt, die Mutter, Marie Elisabeth von Holwede, 1765 verwitwet und mit dem Major gerade im ersten Ehejahr verheiratet (vgl. Geier 2009, S.20). Neben einem Halbruder aus der ersten Ehe der Mutter hatte Wilhelm einen später ebenfalls zur Berühmtheit gelangenden Bruder, den am 14. September 1769 geborenen Alexander von Humboldt, der fortan mit ihm zusammen die von den Eltern bestimmte Ausbildung durchlebte.

Wilhelm und Alexander von Humboldt verbrachten ihre Kindheit und frühe Jugend in Tegel, in unmittelbarer Nähe von Berlin, in erster Linie mit der Schulung des Geistes. Obwohl es für preußischen Adel, zu dem sie zählten, an sich zur Tradition geworden war, der Aneignung von Bildung wenig Bedeutung beizumessen und die Aufwendungen dafür gering zu halten, waren in der Familie Humboldt die Traditionen des aufstrebenden Bürgertums lebendig geworden (vgl. Paterna 1967, S.12). Die Vorfahren waren Handwerker und Beamte gewesen und hatten sich durch Fleiß und Bildung ausgezeichnet. Erst dem Großvater war der Adelstitel verliehen worden, welcher so aber letztlich einer gediegeneren Bildung nicht im Weg stand.

Die Eltern der Brüder Humboldt galten selbst als gebildet und mit den Ideen der Aufklärung, insbesondere mit den pädagogischen Grundsätzen Rousseaus vertraut. Dementsprechend verwandten sie große Sorgfalt darauf, ihren Söhnen eine Erziehung angedeihen zu lassen, die diesen Ideen entsprach (vgl. Paterna 1967, S.13). Schon von frühester Jugend an erfuhren die Brüder ihre Ausbildung durch private Erzieher und Hofmeister von Rang und Namen denen die Eltern die Unterrichtung der Kinder übertrugen. Zunächst wurden die jungen Brüder von Joachim Heinrich Campe betreut, einem Vertreter und Entwickler der Gedanken Rousseaus sowie des deutschen Philanthropismus, später dann von Gottlob Johann Christian Kunth. Gerade Kunth erwähnen beide Brüder in späteren Aufzeichnungen immer wieder lobend wegen seiner verständnis- und hingebungsvollen Erziehungstätigkeit (vgl. Paterna 1967, S.13). Kunth erkannte die außergewöhnliche Begabung seiner Zöglinge und war sich vor allem der Grenzen seiner eigenen Wirkungsmöglichkeiten bewusst. So war er stets bemüht die Brüder mit bedeutenden Persönlichkeiten im nahen Berlin zusammen zu führen, die sie mit wichtigen Gebieten der Wissenschaft und Philosophie vertraut machen sollten (Paterna 1967, S.13).

Wilhelm von Humboldt erhielt neben Unterricht aus den unterschiedlichsten Gebieten der Wissenschaften Vorlesungen zu Naturrecht und Philosophie sowie Staatsrecht. Mit 20 Jahren, am 1. Oktober 1787, begann er schließlich mit seinem Bruder an der Universität in Frankfurt (Oder) ein Studium für Rechtswissenschaften (vgl. Paterna 1967, S.14). Dem äußerst günstigen Verlauf seiner Ausbildung bis zur Aufnahme des Jura-Studiums ist es wohl anzulasten, dass sich in wachsendem Maße sein Blick für die Schwächen und Einseitigkeiten der Aufklärung und der ihr eigenen Erziehungssystematik schärfte. Eine trockene und ermüdende Auseinandersetzung mit lebensfremder Dogmatik sowie juristischen Begriffsspielereien einer von der Erfahrung losgelösten Metaphysik erregten so auch schnell seine Kritik und seinen Widerwillen. Dies führte im folgenden Jahr, 1788, zum Wechsel an die Universität zu Göttingen an der er, obwohl er sich als studiosus juris immatrikulieren lies, philosophische, philologische und auch archäologische Studien aufnimmt. Unter der Anleitung von Christian Gottlieb Heyne werden die mit Eifer betriebenen Studien zu einem bedeutenden Wendepunkt in Wilhelms Leben (vgl. Menze 1966, S.10ff).

Humboldt befasst sich fortan intensiver mit Themen wie der Metaphysik von Leibniz und der ersten Kritik Kants. Er entwickelt einen neuen Elan welcher sich unter anderem in einem „jugendlich frisch aussprechenden Gefühlsüberschwang in den Briefen an Caroline von Dacheröden[2] “ äußert (vgl. Menze 1966, S.10). Verstärkt beginnt er am gesellschaftlich-politischen Geschehen seiner Zeit zu partizipieren und entwickelt die Freundschaften und Kontakte die seine sich entwickelnden Grundlinien mit begründen.

Zu den Größen die in den 1780er und 1790er Jahren prägend auf Wilhelm von Humboldt wirken gehören neben dem deutschen Naturforscher Georg Forster und dem Jugendfreund Goethes und Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi auch Friedrich Schiller, mit dem ihn später eine innige Freundschaft verband, sowie Johann Wolfgang von Goethe selbst (vgl. Menze 1966, S.10ff; Paterna 1967, S.16ff). 1789 erlebt Humboldt zusammen mit seinem alten Lehrmeister Campe, den er am 18. Juli 1789 in Holzminden trifft, den Ausbruch der Französischen Revolution. Getragen von dem Wunsch die Ereignisse, als große Weltbegebenheit verstanden, zu erleben, reisen sie zusammen nach Paris, welches sie am 3. August 1789 erreichen (vgl. Geier 2009, S.108f). Der dortige Anblick der vielen unterschiedlichen, charismatischen Persönlichkeiten, wie sie die Revolution hervorgebracht hatte, bestärkte Humboldt in seiner Hochschätzung einer Bildung, die auf die Entfaltung aller individuellen Anlagen gerichtet ist (vgl. Paterna 1967, S.17).

[...]


[1] Inhaber eines Hofamtes

[2] Seine spätere Braut und Gattin (vgl. Paterna 1967, S.15).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wilhelm von Humboldt – Bildungsphilosophie und Menschenbild
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V166620
ISBN (eBook)
9783640828357
ISBN (Buch)
9783640828906
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wilhelm, humboldt, bildungsphilosophie, menschenbild
Arbeit zitieren
B.A. Maximilian Stangier (Autor), 2010, Wilhelm von Humboldt – Bildungsphilosophie und Menschenbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166620

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wilhelm von Humboldt – Bildungsphilosophie und Menschenbild


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden