Bildung ist ein Begriff, von dem es kein eindeutige wissenschaftliche Definition gibt. Unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Bildung. So hat Bildung beispielsweise mit dem Selbstverständnis des Menschen zu tun, ist also eine philosophische Frage und hat mit der Erziehung junger Menschen zu tun, ist also auch eine pädagogische Frage. Bildung kann man sich aber auch aus ökonomischer Sichtweise nähern.
Dies wird häufig von pädagogischer Seite kritisiert. Eine Form dieser Kritik liegt in Form des aktuellen Buches „Ware Bildung“ von Jochen Krautz vor. Diese Arbeit soll sich mit dieser Kritik auseinandersetzen und anhand der kritisierten Aspekte die Grundzüge der ökono-mischen Sichtweise auf Bildung darlegen. Dazu wird in einem ersten Teil die Position von Krautz dargelegt, bevor in einem zweiten Teil der Kritik die Argumente der Ökonomik entgegengehalten werden. Unter der Vielzahl an bildungsökonomischen Ansätzen werde ich mich dabei besonders auf die Position von Ludger Wössmann stützen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Kritik der Ökonomisierung
2.1 Personale Bildung
2.2 Die Aufgabe der Schule
2.3 Das Bildungswesen der Republik
2.4 Der Prozess der Ökonomisierung
2.5 Der Prozess der Privatisierung
2.6 Fazit Krautz
3.Ökonomische Sicht auf Bildung
3.1 Ware Bildung
3.2 Messbarkeit und Bewertbarkeit von Bildung
3.3 Die PISA Studie als Beispiel für die Messbarkeit
3.4 Institutionelle Reformvorschläge nach Wössmann
4.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung des Bildungswesens, insbesondere basierend auf der Position von Jochen Krautz, und stellt dieser die bildungsökonomischen Ansätze von Ludger Wössmann gegenüber, um das Spannungsfeld zwischen pädagogischer Bildungsidee und ökonomischen Steuerungskonzepten zu analysieren.
- Kritik an der Ökonomisierung und Privatisierung von Bildungsprozessen
- Das pädagogische Bildungsverständnis vs. Humankapitaltheorie
- Messbarkeit von Bildung anhand der PISA-Studie
- Institutionelle Reformansätze zur Steigerung der Bildungseffizienz
- Rolle von Anreizen und Wettbewerb im Schulsystem
Auszug aus dem Buch
2.1 Personale Bildung
Krautz vertritt einen umfassenden Bildungsbegriff. Bildung ist demnach nicht gleichzusetzen mit Wissen oder Information, sondern Bildung „ist personalisiertes Wissen“.(Krautz S.17) Unter personalisiertem Wissen versteht er dabei Wissen, das für die gebildete Person wichtig geworden ist, weil es sie geprägt und beeinflusst hat. Dabei hat das Wissen seinen Charakter verändert und ist zu etwas der Person Eigenem geworden. Der Prozess der Bildung ist daher auch ein innerer Vorgang im Menschen. Dieser Prozess kann von außen daher auch nur angestoßen, nicht aber verordnet oder aufgezwungen werden.
Dies bedeutet hingegen nicht, dass man Jugendliche oder Kinder einfach alleine wachsen lassen soll. Krautz betont ausdrücklich die Notwendigkeit der Führung durch einen Lehrer, eine schon gebildete Person. Der Bildungsprozess findet in der Beziehung zum anderen Menschen statt. Krautz ist dieser Aspekt so wichtig, dass er von „personaler Bildung“ spricht. Bildung ohne eine Bezugsperson kann demnach nicht gelingen. Dies begründet Krautz mit der Natur des Menschen: „Der Mensch ist grundsätzlich auf den Menschen ausgerichtet.“ (Krautz S.15)
Bildung und Erziehung sind für Krautz nur unterschiedliche Sichtweisen auf die selbe Sache. Der Begriff Bildung beschreibt die innere Entwicklung, während der Begriff der Erziehung die notwendige Führung durch den Lehrer beschreibt. Beides ist aber untrennbar miteinander verbunden. Die Selbstbildung braucht Anleitung. Nur durch die persönliche Beziehung kann auch die Möglichkeit zur Unabhängigkeit entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung stellt die unterschiedlichen disziplinären Perspektiven auf den Bildungsbegriff dar und führt in die kritische Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung des Bildungssystems ein.
2.Kritik der Ökonomisierung: Dieses Kapitel erläutert das umfassende Bildungsverständnis von Jochen Krautz und analysiert seine scharfe Kritik an der marktwirtschaftlichen Ausrichtung und Privatisierung von Schulen.
3.Ökonomische Sicht auf Bildung: Hier wird Bildung aus ökonomischer Perspektive als Investitions- und Konsumgut betrachtet und diskutiert, wie durch Wettbewerb und institutionelle Reformen die Qualitätssicherung und Leistung gesteigert werden können.
4.Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit einer Operationalisierung von Bildung für ökonomische Zwecke und hinterfragt, ob die kritische Sichtweise konstruktive Lösungen für die bestehenden Bildungsprobleme bietet.
Schlüsselwörter
Bildung, Ökonomisierung, Privatisierung, Humankapitaltheorie, PISA-Studie, Basiskompetenzen, Institutionelle Reformen, Wettbewerb, Schulentwicklung, Leistungssteuerung, Pädagogik, Bildungsökonomie, Autonomie, Lehrerausbildung, Wissensgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen einer kritischen, pädagogisch orientierten Sicht auf Bildung und einer ökonomischen Betrachtungsweise, die auf Effizienz und messbare Ergebnisse setzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Bildungsbegriff, die Rolle der Schule in der Gesellschaft, Kritik an Ökonomisierung und Privatisierung sowie bildungsökonomische Reformansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Position von Jochen Krautz zur Bildungskritik darzulegen und dieser die Argumente der Ökonomik, insbesondere nach Ludger Wössmann, gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene bildungsökonomische und pädagogische Fachpositionen gegenüberstellt und miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Konzept der personalen Bildung bei Krautz, die Kritik an Messbarkeitsstudien wie PISA sowie die von Wössmann vorgeschlagenen institutionellen Reformen zur Steigerung der Bildungseffizienz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildung, Ökonomisierung, Bildungsökonomie, PISA-Studie und Institutionelle Reformen charakterisiert.
Warum lehnt Krautz die Messung von Bildung durch PISA ab?
Krautz argumentiert, dass wahre Bildung nicht messbar ist und PISA lediglich ein "Bildungssurrogat" bzw. Basiskompetenzen erfasst, was zu einer funktionalistischen Verkürzung des Bildungsbegriffs führt.
Welche Rolle spielt die Autonomie laut Wössmann?
Wössmann sieht in der Autonomie der Schulen ein wichtiges Mittel, um Eigenverantwortung zu stärken, Wissensvorsprünge dezentral zu nutzen und die Auswahl von Lehrpersonal effizienter zu gestalten.
- Quote paper
- Jan Wessel (Author), 2008, Eine ökonomische Betrachtung von Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166630