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Wie wahrscheinlich ist es, dass J. S. Bach in seinen musikalischen Kompositionen Zahlenmystik verwendet hat?

Eine Suche nach Indizien im aussermusikalischen Kontext

Titre: Wie wahrscheinlich ist es, dass J. S. Bach in seinen musikalischen Kompositionen Zahlenmystik verwendet hat?

Texte Universitaire , 2025 , 29 Pages , Note: 6.0 (sehr gut Schweiz)

Autor:in: Heinz Tschan (Auteur)

Musicologie
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Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, inwieweit eine Affinität Bachs zur Zahlenmystik tatsächlich nachweisbar ist. Diese grundlegende Fragestellung, die methodisch am Beginn aller zahlensymbolischen Bach-Analysen stehen sollte, findet in der bisherigen Forschung bislang nur wenig Beachtung. Es geht darum, welche Hinweise sich im aussermusikalischen Kontext identifizieren und bewerten lassen, die nahelegen, dass Bach Zahlenmystik als bewusste und zielgerichtete Kommunikationsebene in seinen Kompositionen einsetzte. Damit soll eine Relevanz dafür geschaffen werden, ob es überhaupt sinnvoll ist, wissenschaftliche Ressourcen darauf zu verwenden, in Bachs Musik nach Zahlenmystik zu suchen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • 1 EINLEITUNG
  • 2 BEGRIFFLICHE UND THEORETISCHE GRUNDLAGEN
    • 2.1 ÜBERSICHT
    • 2.2 ZAHLENSYMBOLIK UND ZAHLENMYSTIK
    • 2.3 PROPORTION UND ALLEGORIE
    • 2.4 NUMEROLOGIE
    • 2.5 MUSIKALISCH-RHETORISCHE FIGUREN UND SATZTECHNIKEN
    • 2.6 PRÄZISIERENDE BEMERKUNGEN ZUR FORSCHUNGSFRAGE
  • 3 BEISPIELE ZAHLENTHEORETISCHER ANALYSEN VON WERKEN BACHS
    • 3.1 MITTAGESSEN IM HAUSE BACHS AM SONNTAG ZU OCULI
    • 3.2 BACH KANNTE SEIN TODESDATUM
    • 3.3 TEXT UND ZAHL IN DER MATTHÄUS-PASSION
    • 3.4 SONATA A-MOLL (BWV 1003)
  • 4 DIE SUCHE NACH INDIZIEN
    • 4.1 ENDOGENE MERKMALE DES MENSCHEN BACH
      • 4.1.1 Die Frage nach dem Charakter Bachs
      • 4.1.2 Die Frage nach der Religiosität und nach dem Glauben Bachs
      • 4.1.3 Die Frage nach der missionarischen Disposition Bachs
      • 4.1.4 Die Frage nach der Affinität Bachs zu Mathematik und Zahlen
      • 4.1.5 Die Frage nach der Arbeitsweise und Kompositionstechnik Bachs
    • 4.2 EXOGENE FAKTOREN IN DER BIOGRAPHIE BACHS
      • 4.2.1 Erziehung und Ausbildung
      • 4.2.2 Familiäres und berufliches Umfeld
      • 4.2.3 Epochale Prägung
      • 4.2.4 Praxisorientierte Aspekte
    • 4.3 MATHEMATISCHE THEORIEN
      • 4.3.1 Das Gesetz der grossen Zahlen
      • 4.3.2 Das Gesetz der kleinen Zahlen
      • 4.3.3 Ramsey-Theorie
      • 4.3.4 Fazit
  • 5 KONKLUSION
    • 5.1 ZUSAMMENFASSUNG UND BEANTWORTUNG DER FORSCHUNGSFRAGE
    • 5.2 ABGRENZUNG
    • 5.3 AUSBLICK
  • 6 BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrscheinlichkeit, dass Johann Sebastian Bach bewusst Zahlenmystik in seinen Kompositionen verwendet hat. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche aussermusikalischen Indizien identifiziert und bewertet werden können, die darauf hindeuten, dass Bach Zahlenmystik als zielgerichtete Kommunikationsebene nutzte, um die Relevanz einer weiteren wissenschaftlichen Untersuchung in diesem Bereich zu beurteilen.

  • Charakterliche Merkmale und Dispositionen Bachs
  • Religiosität und Glauben des Komponisten
  • Bachs Affinität zu Mathematik und Zahlen
  • Arbeitsweise und Kompositionstechnik Bachs
  • Exogene Faktoren wie Erziehung, Ausbildung und Umfeld
  • Epochale Prägung durch das musikalische Barockzeitalter

Auszug aus dem Buch

4.1 Endogene Merkmale des Menschen Bach

Die erste Frage, die zu Beginn einer Indiziensuche aufgeworfen werden muss, betrifft jene nach Persönlichkeitsmerkmalen oder charakterlichen Dispositionen, über die ein Komponist mit hoher Wahrscheinlichkeit verfügen muss, sofern er seine Werke systematisch mit einer zahlenmystischen Metaebene versehen will. Die Merkmale, die nachfolgend untersucht werden, sind Charakter, Religiosität, missionarische Disposition, Affinität zu Mathematik und Zahlen und Arbeitsweise und Kompositionstechnik.

4.1.1 Die Frage nach dem Charakter Bachs

Martin Geck beschreibt Bach als „treusorgendes Haupt einer großen [protestantischen] Familie“. (Geck 2000a: 13) Die Familie habe „im Sinne Martin Luthers“ (ebd.) gelebt, was wiederum bedeutet, dass neben Singen und Beten vor allem auch das Anordnen und Gehorchen dazugehörte (ebd.). Diese strikte Lebensführung erscheint plausibel, wenn Bachs ausserordentlich zeitaufwändige und vielschichtige berufliche Verpflichtungen (Solist, Dirigent, Komponist, Lehrer, Orgelexperte, Kantor u. a. m.) berücksichtigt werden, aber auch der Umstand nicht vernachlässigt wird, dass Bach Vater von 20 Kindern war, auch wenn zehn Kinder das Kindesalter nicht überlebten (ebd.).

Aus behördlichen Akten könne man jedoch auch schliessen, so Geck weiter, dass Bach ein „recht eigengeprägter Charakter“ (ebd.) gewesen sei: „selbstbewußt, willensstark, [...] trotzig auf sein Recht pochend“ (ebd.), unnachgiebig und auch jähzornig (ebd.). Exemplarisch seien Bachs Verhandlungen für das Organistenamt der Liebfrauenkirche in Halle zu nennen, die er einzig und alleine aufnahm, um seine damals aktuelle Stellung in Weimar aufzubessern (Eggebrecht 1994: 74). Nicht unerwähnt soll auch seine Inhaftierung in Weimar „wegen seiner halsstarrigen Bezeugung“ bleiben (ebd.). Diese Einschätzungen seines Charakters, die aus dem geschäftlichen und privaten Verhalten Bachs nicht zu Unrecht abgeleitet sind, zeichnen ein Bild Bachs in Bezug auf seinen Alltag. Aus den vermuteten charakterlichen Eigenschaften Bachs lässt sich keine zahlenmystische Affinität ableiten.

4.1.2 Die Frage nach der Religiosität und nach dem Glauben Bachs

Diese Thematik wird genauso kontrovers diskutiert wie diejenige der vorliegenden Arbeit. Ebenso wie keine persönlichen Äusserungen Bachs zur bewussten Anwendung von Zahlensymbolik überliefert sind, fehlen auch direkte schriftliche Zeugnisse des Komponisten zu seinem persönlichen Glauben. Meier schreibt dazu: Es existieren keine Indizien für eine «Frömmigkeit Bachs im engeren Sinn» – er war einfach Teil einer religiös sozialisierten Gesellschaft, in deren kirchlichen [sic] aber auch weltlichen musikalischen Auftrag er sich stellte. Tendenziell haben ihm eher die Theologen unter den Bachforschern den Mantel des frommen Gottesdieners umzuhängen versucht. (2021: 15) Wie Bach den damals vorherrschenden drei religiösen Strömungen gegenüberstand - Pietismus, Protestantismus und Katholizismus – beantwortet Geck wie folgt: „Es gibt vor allem Zeugnisse für sein Luthertum! Doch ein geistig beweglicher und gefühlsstarker Lutheraner konnte damals gar nicht anders, als Vorstellungen und Erlebnisweisen des Pietismus in sich aufzunehmen.“ (Geck 2000b: 107–108) Dem Katholizismus stand Bach sicherlich nicht feindselig gegenüber. Als Belege dafür dürften die H-Moll-Messe (BWV 232) gelten und die enge Verbindung zum katholischen Dresdner Hof (Wolff 2014: 397–400).

Aus dem Unwissen und den Vermutungen über Bachs Glaube und Religiosität lässt sich keine zahlenmystische Affinität ableiten.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Forschungsfrage ein, ob J. S. Bach Zahlenmystik in seinen Kompositionen verwendete, und stellt die geringe Evidenz aus Bachs Selbstzeugnissen fest, die Raum für kontroverse Theorien lässt.

Kapitel 2 Begriffliche und theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Termini wie Zahlensymbolik, Zahlenmystik, Proportion, Allegorie und Numerologie definiert und ihre konzeptionellen Abhängigkeiten schematisch veranschaulicht, um eine präzise Basis für die weitere Untersuchung zu schaffen.

Kapitel 3 Beispiele zahlentheoretischer Analysen von Werken Bachs: Das Kapitel präsentiert vier exemplarische Analysen, die die Anwendung mathematischer Verfahren auf Bachs Werke illustrieren, um die Grenzen und oft obskuren Ergebnisse solcher Ansätze aufzuzeigen.

Kapitel 4 Die Suche nach Indizien: Dieser Hauptteil untersucht endogene Merkmale des Menschen Bach (wie Charakter, Religiosität, Affinität zu Mathematik und Arbeitsweise), exogene Faktoren aus seiner Biographie (Erziehung, Umfeld, epochale Prägung) sowie mathematische Theorien, um Indizien für oder gegen eine bewusste Zahlenmystik zu finden.

Kapitel 5 Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage mit der Feststellung, dass keine relevanten Indizien für eine bewusste Anwendung von Zahlenmystik durch Bach gefunden wurden, und gibt einen Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.

Schlüsselwörter

Johann Sebastian Bach, Zahlenmystik, Zahlensymbolik, Kompositionstechnik, Musica poetica, Barockmusik, Biographische Indizien, Exogene Faktoren, Endogene Merkmale, Musikwissenschaft, Numerologie, Proportion, Allegorie, Religiosität, Mathematik, Kontrapunkt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit untersucht die Wahrscheinlichkeit, dass Johann Sebastian Bach in seinen musikalischen Kompositionen bewusst Zahlenmystik verwendet hat, basierend auf der Analyse von aussermusikalischen Indizien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind Bachs Persönlichkeit und Lebensumstände, die begrifflichen Grundlagen von Zahlensymbolik und Zahlenmystik sowie die Analyse mathematischer Theorien im Kontext von Bachs Kompositionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aussermusikalische Hinweise zu identifizieren und zu bewerten, die nahelegen, dass Bach Zahlenmystik als bewusste Kommunikationsebene einsetzte, um die Sinnhaftigkeit weiterer Forschungen in diesem Bereich zu klären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt eine methodische Indiziensuche, indem sie endogene Merkmale Bachs, exogene biographische Faktoren und mathematische Theorien analysiert, um Belege für oder gegen eine Zahlenmystik-Affinität zu finden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil der Arbeit, "Die Suche nach Indizien" (Kapitel 4), behandelt die endogenen Merkmale Bachs (Charakter, Religiosität, Affinität zu Zahlen, Arbeitsweise), exogene Faktoren seiner Biographie (Erziehung, Umfeld, epochale Prägung) und mathematische Theorien, die auf zahlentheoretische Analysen angewendet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Johann Sebastian Bach, Zahlenmystik, Zahlensymbolik, Kompositionstechnik, Barockmusik, Biographische Indizien und Hermeneutik.

Was ist mit "Musica poetica" im Kontext von Bachs Kompositionen gemeint?

Die "Musica poetica" bezieht sich auf den barocken kompositorischen Werkzeugkasten und die akribische Exegese des Bibeltextes, die Bach nutzte, um sprachliche Inhalte in seinen Werken musikalisch zu transzendieren und Glaubensaussagen sinnlich erfahrbar zu machen.

Warum sind direkte Selbstzeugnisse Bachs zur Zahlenmystik so spärlich?

Es existieren nur sehr wenige persönliche Selbstzeugnisse Bachs. Dies führt dazu, dass nicht direkt überliefert ist, wie er zu Zahlensymbolik und Zahlenmystik stand oder ob er diese bewusst in seinen Werken umgesetzt hat, was Raum für unterschiedliche Theorien lässt.

Welche Beispiele für zahlentheoretische Analysen von Bachs Werken werden in der Arbeit genannt?

Die Arbeit nennt Beispiele wie die Analyse des Mittagessens im Hause Bachs am Sonntag zu Oculi (Marti), Bachs Kenntnis seines Todesdatums (Van Houten & Kasbergen), Text und Zahl in der Matthäus-Passion (Helms) und die Sonata A-Moll (Thoene).

Was ist die Hauptkonklusion der Arbeit bezüglich Bachs Anwendung von Zahlenmystik?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine entsprechenden Indizien dafür vorliegen, dass Bach Zahlenmystik als bewusste, zielgerichtete Kommunikationsebene in seinen Kompositionen eingesetzt hat, und hält dies für unwahrscheinlich.

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Résumé des informations

Titre
Wie wahrscheinlich ist es, dass J. S. Bach in seinen musikalischen Kompositionen Zahlenmystik verwendet hat?
Sous-titre
Eine Suche nach Indizien im aussermusikalischen Kontext
Université
University of Bern  (Musikwissenschaft)
Cours
Abschlussarbeit
Note
6.0 (sehr gut Schweiz)
Auteur
Heinz Tschan (Auteur)
Année de publication
2025
Pages
29
N° de catalogue
V1666852
ISBN (PDF)
9783389165263
ISBN (Livre)
9783389165270
Langue
allemand
mots-clé
Bach Zahlenmystik Zahlensymbolik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Heinz Tschan (Auteur), 2025, Wie wahrscheinlich ist es, dass J. S. Bach in seinen musikalischen Kompositionen Zahlenmystik verwendet hat?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1666852
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Extrait de  29  pages
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