Dieses Fachbuch bietet einen detaillierten Einblick in die lerntherapeutische Praxis, die sich auf die Durchbrechung des Teufelskreislaufs aus Lernschwierigkeiten und emotionaler Belastung konzentriert. Es stellt zentrale, beziehungsfördernde Interventionen vor – insbesondere Entlastung, Wertschätzung, Spiegeln von Gefühlen und positive Zuschreibung – die darauf abzielen, die Selbstwirksamkeit zu stärken und die erlernte Hilflosigkeit zu bekämpfen. Die Anwendung dieser Strategien wird anhand eines detaillierten Fallbeispiels demonstriert, das klare, aufeinander aufbauende Schritte zur Affektregulation und Ressourcenaktivierung in akuten Misserfolgssituationen aufzeigt. Ergänzt wird der Inhalt durch eine Erörterung der diagnostischen Verfahren zur individuellen Förderplanung (Lernbeobachtung) sowie der rechtlichen Pflichten zum Kinderschutz (§72a und §8a SGB VIII), wodurch ein umfassendes Fundament für eine professionelle und sichere lerntherapeutische Arbeit geschaffen wird.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Aufgabe 1: Begriffe in der Lerntherapie
- 2 Aufgabe 2: Fallstudie
- 2.1 Ausdrucksformen psychosozialer Belastung
- 2.2 Haltungen und Interventionen inkl. konstruktiver Umgang
- 2.3 Hypothesen inkl. Empfehlung für die Reaktion eines Lerntherapeuten
- 3 Aufgabe 3: Pflichten §72a SGB VIII
- 4 Aufgabe 4: Diagnose „Lernbeobachtung“
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich umfassend mit den Grundlagen der Lerntherapie und ihren fachübergreifenden Aspekten. Das Hauptziel ist es, ein tiefgehendes Verständnis für die Diagnose, psychosoziale Auswirkungen und therapeutische Interventionen bei Lernschwierigkeiten zu entwickeln, wobei auch rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
- Definition und Differenzierung von Begriffen im Kontext der Lerntherapie (z.B. Lese-Rechtschreibstörung, Entwicklungsdyslexie).
- Analyse der psychosozialen Belastungen, die mit extremen Lernschwierigkeiten einhergehen.
- Erörterung geeigneter lerntherapeutischer Haltungen und Interventionen für einen konstruktiven Umgang mit Lernproblemen.
- Formulierung von Hypothesen zu spezifischen Verhaltensweisen von Lernenden und Reaktionen von Lerntherapeuten.
- Darstellung der rechtlichen Pflichten von Lerntherapeuten im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes (§72a SGB VIII).
- Erläuterung der Diagnosemethode "Lernbeobachtung" zur Erfassung des individuellen Lernstands.
Auszug aus dem Buch
2.2 Haltungen und Interventionen inkl. konstruktiver Umgang
Ein konstruktiver Umgang mit psychosozialen Belastungen erfordert eine gezielte lerntherapeutische Haltung und spezifische Interventionen. Ziel ist es, dem Individuum einen sicheren Raum zu bieten, in dem es sich wieder als kompetent und handlungsfähig erleben kann. Die Bereitstellung einer individuell angepassten Unterstützung erfolgt durch die Integration interdisziplinärer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus den Bereichen Psychologie, Medizin, Fachdidaktik, Linguistik und Mathematik (Bender et al., 2017, S. 65–73; Bövers & Schulz, 2005, S. 191–200).
Um ein Individuum in diesem Fallbeispiel die neunjährige Aleyna in ihrer Lerntherapie zu unterstützen, können Lerntherapeuten eine Haltung einnehmen und Interventionen nutzen, welche sich an den Prinzipen von Helga Breuninger orientieren. Dieser Ansatz betont, dass die Lerntherapie über die reine Kompensation fachlicher Defizite hinausgeht und vorrangig das angeschlagene Selbstvertrauen und die Motivation des Individuums wiederherstellen sollte (Bender et al., 2017, S. 65–73; Breuninger, 2014, S. 6–14; Maurer et al., 2023, S. 3–16).
Die lerntherapeutische Haltung bildet das Fundament für eine erfolgreiche integrative Lerntherapie. Weshalb die Prinzipien Akzeptanz, Empathie und Wertschätzung, Ressourcenorientierung, Fehlerfreundlichkeit und Geduld und Transparenz unverzichtbare Bausteine darstellen. Diese sollen im Weiteren näher erläutert werden (Breuninger, 2014, S. 15-16).
Die ersten essenziellen Bausteine stellen die Akzeptanz, Empathie und die Wertschätzung dar, da durch diese Vertrauen entstehen kann. Vertrauen lässt sich als ein multidimensionales Konstrukt definieren, das kognitive, affektive und behaviorale Komponenten umfasst. Aufgrund dessen, dass das Themengebiet Vertrauen für sich selbst genommen schon sehr umfangreich ist, soll in dieser Arbeit nicht näher darauf eingegangen werden und es soll bei dieser einfachen Darstellung bleiben, dass Empathie und Wertschätzung wichtige Bausteine darstellen können um Vertrauen entstehen zu lassen (Frey, 2016, S. 256; Künkel, 2025, S. 6–14). Eine therapeutische Beziehung, die auf Vertrauen und bedingungsloser Akzeptanz basiert, ist essenziell für den Erfolg der lerntherapeutischen Intervention. Die Validierung von Aleynas Emotionen, insbesondere ihrer Enttäuschung, ist von zentraler Bedeutung, um ihr das Gefühl zu vermitteln, mit ihren Herausforderungen nicht allein zu sein. Diese empathische Haltung kann Aleyna vermitteln, dass ihre Gefühle verstanden und als legitimer Teil ihres emotionalen Erlebens anerkannt werden (Breuninger, 2014, 7-10 +15; Breuninger & Schley, 2014, S. 292–301; Lammers & Schneider, 2009, S. 469–485).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aufgabe 1: Begriffe in der Lerntherapie: Dieses Kapitel beleuchtet die vielfältige Terminologie für Schriftsprachschwierigkeiten und deren disziplinäre Ursachen, darunter Lese-Rechtschreibstörung, Entwicklungsdyslexie und phonologische Verarbeitungsstörung.
2 Aufgabe 2: Fallstudie: Hier wird anhand eines Fallbeispiels die Zusammenhänge zwischen Lernschwierigkeiten und psychosozialer Belastung analysiert sowie geeignete therapeutische Haltungen und Interventionen erörtert.
3 Aufgabe 3: Pflichten §72a SGB VIII: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Schutz- und Sorgfaltspflichten von Lerntherapeuten gemäß SGB VIII, insbesondere bezüglich erweiterter Führungszeugnisse und dem Umgang mit Kindeswohlgefährdung.
4 Aufgabe 4: Diagnose „Lernbeobachtung“: Das Kapitel beschreibt die lern- und leistungsbezogene Diagnostik im Deutschunterricht, einschließlich formaler und informeller Verfahren wie Textanalyse und Beobachtung des Leseprozesses.
Schlüsselwörter
Lerntherapie, Lernschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibstörung, psychosoziale Belastung, Fallstudie, therapeutische Haltung, Interventionen, SGB VIII, Lernbeobachtung, Selbstwertgefühl, Motivation, Fehlerfreundlichkeit, Akzeptanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit behandelt die Grundlagen der Lerntherapie, analysiert Fallstudien zu Lernschwierigkeiten und psychosozialen Belastungen, beleuchtet rechtliche Pflichten von Lerntherapeuten und stellt Diagnosemethoden wie die Lernbeobachtung vor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition von Lerntherapiebegriffen, die Auswirkungen psychosozialer Belastung, Interventionsstrategien, das Kinderschutzrecht gemäß SGB VIII und verschiedene Diagnostikmethoden im Kontext von Lernschwierigkeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Grundlagen und Methoden der Lerntherapie zu analysieren und anzuwenden, um Lernschwierigkeiten und psychosozialen Belastungen konstruktiv zu begegnen, unter Berücksichtigung relevanter rechtlicher und diagnostischer Aspekte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse und Synthese theoretischer Konzepte, ergänzt durch eine fallstudienbasierte Anwendung und die Unterstützung durch KI-Tools zur Textaufbereitung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die vielfältigen Definitionen von Lerntherapiebegriffen, die Auswirkungen psychosozialer Belastung auf Lernprozesse, konkrete therapeutische Haltungen und Interventionsstrategien, die gesetzlichen Pflichten nach §72a SGB VIII sowie detaillierte Methoden der Lernbeobachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Lerntherapie, Lernschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibstörung, psychosoziale Belastung, Fallstudie, therapeutische Haltung, Interventionen, SGB VIII, Lernbeobachtung, Selbstwertgefühl, Motivation, Fehlerfreundlichkeit und Akzeptanz.
Wie werden unterschiedliche Bezeichnungen für Schriftsprachschwierigkeiten in der Arbeit beleuchtet?
Die Arbeit beleuchtet die Vielfalt der Begriffe wie Lese-Rechtschreibstörung, Entwicklungsdyslexie und Legasthenie, erklärt deren Ursprünge in verschiedenen Disziplinen (Pädagogik, Neuropsychologie, Linguistik) und betont die Notwendigkeit eines multidisziplinären Ansatzes.
Was sind die Kernprinzipien einer konstruktiven lerntherapeutischen Haltung?
Die Kernprinzipien einer konstruktiven lerntherapeutischen Haltung umfassen Akzeptanz, Empathie und Wertschätzung, Ressourcenorientierung, Fehlerfreundlichkeit sowie Geduld und Transparenz, um ein sicheres und förderliches Lernumfeld zu schaffen und das Selbstvertrauen zu stärken.
Welche Rolle spielt der Paragraph §72a SGB VIII für Lerntherapeuten?
Dieser Paragraph dient dem präventiven Schutz von Kindern und Jugendlichen, indem er die Überprüfung von erweiterten Führungszeugnissen für Personen im direkten Kontakt mit Lernenden vorschreibt, um den Ausschluss ungeeigneter Personen sicherzustellen und die Qualitätssicherung in lerntherapeutischen Einrichtungen zu gewährleisten.
Wie trägt die "Lernbeobachtung" zur Diagnose bei Lernschwierigkeiten bei?
Die Lernbeobachtung ist eine prozessorientierte Diagnostik, die den individuellen Lernstand und die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler umfassend erfasst. Sie analysiert Schreib- und Leseverhalten sowie spezifische Fehlermuster, um zugrundeliegende Lernschwierigkeiten zu identifizieren und gezielte Fördermaßnahmen abzuleiten.
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- Ramona Künkel (Author), 2025, Grundlagen der Lerntherapie und fachübergreifende Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1667092