Fast kein anderer Text der christlichen Literatur wurde öfter zitiert und ausgelegt, so dass es sich in Anbetracht der niederschmetternden Quantität an Literatur über die Bergpredigt etwas schwieriger gestalten lässt neue Forschungsimpulse liefern zu wollen. Überdies habe ich den Fokus dieser Arbeit deshalb enger fassen müssen, weil es nicht gelingen kann sämtliche Aspekte der Bergpredigt in einer Hauptseminararbeit abzuhandeln.
Herausheben möchte ich deshalb vier Schwerpunkte: Während die hermeneutischen Einleitungsfragen der historisch-kritischen Betrachtung Rechnung tragen und versuchen wollen die Ebene des historischen Jesus und des Verfassers zum umreißen, wird der zusammenfassende Abriss über die zwei besonders herausstechenden Elemente der Bergpredigt, die Seligpreisungen und die Antithesen, eine zusammengefasste Programmatik verdichten. Schließlich bildet die Verdichtung ein geeignete Basis den ethischen Deutungskanon der Bergpredigt auszubreiten.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Einleitungsfragen zum Matthäusevangelium und der Bergpredigt
2.1.Autor, Abfassungszeit, -ort und Adressaten
2.2.Quellen
2.3.Aufbau
3.Theologische Betrachtung der Bergpredigt
3.1.Die Seligpreisungen (Mt 5,3-12) als Auftakt der Bergpredigt
3.2.Die Torakritik Jesu in den Antithesen
3.2.1.Die Legitimationsfrage
3.2.2.Zur Form der Antithesen
3.2.3.Der Inhalt der Antithesen
3.2.4.Ergebnis der inhaltlichen Prüfung auf Antithetik der Thesen
4.Auslegungstypen, Praxis und Realität
4.1.Die Bergpredigt als erfüllbare Forderung (schwärmerisch)
4.2.Die Bergpredigt als Gesetz und Evangelium (lutherisch)
4.3.Der religionsgeschichtliche Horizont der Bergpredigt (historisch-kritisch)
4.4.Die Bergpredigt unter dem Einfluss dialektischer Theologie
5.Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische Bedeutung und ethische Programmatik der Bergpredigt im Matthäusevangelium, wobei sie insbesondere das Spannungsfeld zwischen den radikalen Forderungen Jesu und der menschlichen Praxis beleuchtet.
- Hermeneutische Einleitungsfragen zum Matthäusevangelium
- Strukturelle und inhaltliche Analyse der Seligpreisungen und Antithesen
- Kritische Überprüfung des Begriffes der Antithetik in Bezug auf die Tora
- Vergleichende Darstellung verschiedener historischer und theologischer Auslegungstypen
- Reflexion über das Verhältnis von göttlichem Anspruch und realer Lebenswirklichkeit
Auszug aus dem Buch
3.2.2.Zur Form der Antithesen
Bei dem Begriff Antithesen, einer Begriffsschöpfung der christlichen Exegese frühestens aus dem 19.Jhd., da man der Besonderheit Rechnung tragen wollte, dass Jesu Rede formelhaft sechs Mal den Satz „Ich aber sage euch“ wiederholt. Danach hat man zunächst nicht den Eindruck, als ob das Gesetz Bestätigung finden würde, weil „aber“ gewöhnlich eine Gegenbehauptung einleitet. Reduziert auf das Wort „aber“ kann man den Begriff Antithese im Sinne eines rein sprachtechnisch förmlichen Ausdrucks, stehen lassen. Das Wort „aber“ drückt im deutschen Sprachgerbrauch - wie auch unter Berücksichtigung von „δε“ im griechischen Sprachgebrauch - überwiegend Widersprüche und Gegensätze aus, gilt somit als Marker der Antithese, jedoch ist „aber“ in selteneren Fällen die Einleitung zu einer Wiederholung oder Einschärfung.
Zur Klärung ob es sich bei den sog. Antithesen nicht nur um förmliche, sondern auch um inhaltliche Widersprüche handelt oder eben nicht, muss der Inhalt der Aussagen Jesu überprüft werden. Aus Gründen der Didaktik wird im Folgenden auf die tatsächliche Reihenfolge der Antithesen verzichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung steckt den Fokus der Arbeit ab, indem sie auf die enorme Literaturmenge zur Bergpredigt verweist und vier Schwerpunkte zur hermeneutischen und theologischen Analyse benennt.
2.Einleitungsfragen zum Matthäusevangelium und der Bergpredigt: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, den Autor, die Quellen und den Aufbau der Bergpredigt als literarische Komposition.
3.Theologische Betrachtung der Bergpredigt: Hier werden die zentralen Elemente, namentlich die Seligpreisungen und die Antithesen, hinsichtlich ihrer ethischen Programmatik und ihres Bezugs zur Tora untersucht.
4.Auslegungstypen, Praxis und Realität: Das Kapitel differenziert verschiedene hermeneutische Zugänge zur Bergpredigt, von der schwärmerischen über die lutherische bis hin zur historisch-kritischen und dialektisch-theologischen Auslegung.
5.Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass die Bergpredigt trotz hoher Ansprüche ein Dokument zur Selbstreflexion ist, das den Menschen zur verantwortungsvollen Nachfolge und zum Handeln in der Welt aufruft.
Schlüsselwörter
Bergpredigt, Matthäusevangelium, Antithesen, Seligpreisungen, Tora, Historisch-kritische Methode, Dialektische Theologie, Ethik, Gesetz und Evangelium, Gehorsamsethik, Exegese, Jesus, Hermeneutik, Christentum, Verantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bergpredigt im Matthäusevangelium im Hinblick auf ihre theologische Botschaft und ihre ethische Forderung an den Menschen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themenfelder sind die Seligpreisungen als Auftakt, die Analyse der sogenannten Antithesen, der Bezug der jesuanischen Lehre zur Tora sowie die historische Wirkungsgeschichte der Bergpredigt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem radikalen göttlichen Anspruch der Bergpredigt und der praktischen Realität des menschlichen Lebens theologisch aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine historisch-kritische Exegese angewendet, die durch hermeneutische Reflexionen und einen Vergleich unterschiedlicher theologischer Auslegungstypen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Einleitungsfragen zum Matthäusevangelium, eine detaillierte Analyse der Seligpreisungen und Antithesen sowie eine Typologisierung verschiedener Auslegungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bergpredigt, Antithesen, Tora, Gehorsamsethik, Hermeneutik und die historische Einordnung in den jüdischen Kontext.
Ist der Begriff der „Antithese“ für die Darstellung der Antithesen im Matthäusevangelium aus Sicht des Autors treffend?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Begriff „Antithesen“ weitgehend hinfällig ist, da es sich eher um eine Verschärfung oder Vertiefung des Gesetzes durch eine neue Reflexionsinstanz handelt, statt um eine direkte Ablehnung der Tora.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „historischen Jesus“ im Kontext der Bergpredigt?
Der Autor stellt fest, dass die Bergpredigt als literarisches Werk des Evangelisten Matthäus zu betrachten ist, wenngleich sie auf eine authentische Botschaft Jesu zurückgreift, deren Rekonstruktion jedoch aufgrund der engen Textschichtung hermeneutisch herausfordernd bleibt.
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- Oliver Siegemund (Author), 2010, Die Bergpredigt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166712