Zukunftsfähigkeit des Christentums?

Chancen einer politischen Theologie


Hausarbeit, 2008

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Rechtfertigung einer theologischen Auseinandersetzung mit der Moderne

3.1 Begegnung christlicher Moral mit dem „schmutzigen Geschäft“
3.2 Der Eintritt in die globale Politik
3.3 Prävention statt „gerechtem Krieg“

4.Fazit

5.Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Wenn wir von der Zukunftsfähigkeit des Christentums sprechen, darf uns auch der Blick in dessen Vergangenheit nicht lästig erscheinen, denn immerzu wollen wir dabei seine Traditionen und deren Fortgang als unermesslich reichen Erfahrungsschatz erkennen. In ihm wurzelt der stetige Prozess der Überlieferung von Sitten und Gebräuchen unserer weisen Väter und Mütter. Manchmal tief verborgen, öfters auch unverkennbar mit dem lebendigen Beispiel Jesu verknüpft, erschließen wir daraus jene Moral, die die innere Bekundung ästhetischer Werte der christlichen Kultur verkörpert.

Immer wurden dem Bestand der christlichen Lebenspraxis schwere Prüfungen auferlegt, Prüfungen die in ihrer Frühgeschichte von Verfolgungen, im Mittelalter von weltlichen Verfehlungen und in der Moderne von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen begleitet wurden. Während zahlreiche Konzilien zunächst erst einmal defnierten, welche Weltanschauungen für die römisch-katholische Kirche gelten sollte, fand sie sich in der Neuzeit zunehmends in einer Konkurrenzsituation innerhalb eines pluralistischen Konzerts der Weltanschauungen wieder. Gerade beim jüngsten Konzil wird ein neuer Anspruch deutlich, denn die „Institution Kirche“ steigt vom „Hohen Ross“ herab, welches von der Jahrhunderte währenden Säkularisierung bereits geschunden worden war, um sich nun auf gleicher Höhe mit ihren Mitgliedern zu versöhnen.

Die Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils brachten die Kirche auf die Höhe der Zeit; man hatte „die Zeichen der Zeit“[1] erkannt. Schwer voraussehbar erwies sich aber, eine Zukunft die von pulsierenden Prozesse der Liberalisierung in allen Gesellschaftsbereichen, des Turbo-Kapitalismus und die Globalisierung geprägt war. Letzteres wird derzeit in der Gesellschaft sogar als Grundübel für alle aufkeimenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme gesehen.

Seit einigen Jahren schon erleidet die katholische Kirche einen Authoritätsverlust, ausgelöst durch die stetig schwindende Anzahl von Kirchmitgliedern in Deutschland. Dass dieser Umstand nicht nur auf den Zuwachs der ostdeutschen Länder und den Geburtenrückgang zurückzuführen ist, zeigt die offizielle Statistik der Deutschen Bischofskonferenz von 2006 für die Zeit von 1965 bis 2006 eine Rückgang des katholischen Anteils an der Gesamtbevölkerung von 43,8% auf 31,2%.[2] Viel bezeichnender jedoch, ist der Rückgang der Priesterordinationen, die rasch schwindende Anzahl von Gottesdienstbesuchern, und das Phänomen des „Drei-Tage Christen“[3], welcher die Kirche nur noch als Serviceunternehmen wahrnimmt.

In dieser möglicherweise besorgniserregenden Entwicklung, sehen Kritiker der Kirche einen Kompetenzverlust der konservativ-traditionalistisch Vermittlung ihrer Heilsbotschaft, aber da der Wunsch des Menschen nach einer heil- bzw. erfolgsbringenen Botschaft eher zunimmt, muss es am stärkeren Wunsch des modernen Menschen nach individuellen Erfolg liegen, der durch eine zunehmenden Auslagerung der Heilssuche, in kleinere und zahlreicher werdende Gruppen vollzieht. Kritiker aus den unterschiedlichsten Lägern beschwören nun herauf, dass „kirchliche Theologie, wenn nicht ein Ärgernis, so doch zumindestens ein Luxus ist, den sich staatliche Stellen nicht länger ans schmaler werdende Portefeuille binden sollten, dämmert inzwischen immer mehr Regierungen und Universitätsverwaltungen. Landauf landab fragen sich politische wie akademische Entscheidungsorgane und Finanzierungsgremien zusehends, ob sie uns Theologinnen und Theologen weiterhin an den Lichtschranken der ökonomischen Rationalität vorbeischleusen sollen.“[4]

Unwiderlegbar deutlich scheint diese oberflächliche jedoch sich etablierende Form der Kritik Schwachpunkte der katholischen Kirche und ihrer Theologie anzugreifen. Gestützt wird die Kritik von der zu ihr in Konkurrenz stehenden, als aufgeklärtere Wissenschaften geltende, Politik, Soziologie und Ökonomie.

An diesem Punkt müssen wir uns die Frage stellen, ob unser praktiziertes Christentum, nicht nur Diskursfähig ist, sondern auch Potential für dessen Fortentwicklung auf Basis weitergedachter moralischer Ansätze bietet. Gefordert ist aber eine Diskussion, die uns alle angeht, die die große Vorleistung der Altvorderen, zur praktisch-moralischen Lebensweise in der Vergangenheit würdigt und die keine neuen Kriegsschauplätze provoziert, denn im Gegenteil soll auf sie zutreffen, dass sie uns einen soll. Deshalb ist es meines Erachtens von überaus wichtiger Dringlichkeit einen Ausgleich zwischen den Grabenkämpfen der unterschiedlichen Positionen und Generationen zu ermöglichen, um dem in verschiedenster Weise ausgeprägten theologisch-wissenschaftlichen Diskussionsspektrum, eine fundamentale Vermittlung anzubieten.

2.Rechtfertigung einer theologischen Auseinandersetzung mit der Moderne

Dem Fluch oder Segen der wissenschaftlichen Konkurrenz brachte bereits das Zweite Vatikanische Konzil seine wohlberechtigte Kritik im Dokument „Gaudium et Spes“ zum Ausdruck:

„So dehnt der Mensch seine Macht so weit aus und kann sie doch nicht immer so steuern, dass sie ihm wirklich dient. Er unternimmt es, in immer tiefere seelische Bereiche einzudringen, und scheint doch oft ratlos über sich selbst. Schritt für Schritt entdeckt er die Gesetze des gesellschaftlichen Lebens und weiß doch nicht, welche Ausrichtung er ihm geben soll.

Noch niemals verfügte die Menscheit über soviel Reichtum, Möglichkeiten und wirtschaftliche Macht, und doch leidet noch ein ungeheurer Teil der Bevölkerung unserer Erde Hunger und Not, gibt es noch unzählige Analphabethen.

Niemals hatten die Menschen eine so wachen Sinn für die Freiheit wie heute, und gleichzeitig entstehen neue Formen von gesellschaftlicher und psychischer Knechtung.

Die Welt spürt lebhaft ihre Einheit und die wechselseitige Abhängigkeit aller von allen in einer notwendigen Solidarität und doch zugleich heftig von einander widerstreitenden Kräften auseinandergerissen. Denn harte politische, soziale, wirtschaftliche, rassische und ideologische Spannungen dauern an, selbst die Gefahr eines Krieges besteht weiter, der alles bis zum Letzten zerstören würden.“[5]

[...]


[1] Karl Rahner; Herbert Vorgrimmler: Kleines Konzilskompendium; Freiburg im Breisgau 41966 [S. 234].

[2] http://dbk.de/zahlen_fakten/statistik/index.html [04.02.2008].

[3] Franz Xaver Kaufmann: Wie überlebt das Christentum?; Freiburg im Breisgau 2000 [101, 103].

[4] Edmund Arens: Wieviel Theologie verträgt die Öffentlichkeit ?; Freiburg im Breisgau 2000 (IX. Ist Theologie Luxus) [S. 171]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zukunftsfähigkeit des Christentums?
Untertitel
Chancen einer politischen Theologie
Hochschule
Universität des Saarlandes
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V166716
ISBN (eBook)
9783640831111
ISBN (Buch)
9783640830718
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zukunftsfähigkeit, christentums, chancen, theologie
Arbeit zitieren
Oliver Siegemund (Autor), 2008, Zukunftsfähigkeit des Christentums?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166716

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