Die Fallarbeit zeigt ein strukturiertes und fachlich fundiertes Vorgehen im Rahmen der Pflegeberatung nach § 7a SGB XI unter Anwendung der sechs Phasen des Case Managements. Der komplexe Unterstützungsbedarf der 91-jährigen Klientin wird systematisch analysiert, wobei pflegerische, medizinische, soziale, finanzielle und rechtliche Aspekte ganzheitlich berücksichtigt werden. Die Arbeit überzeugt durch eine klare Problem- und Ressourcenanalyse, die Erstellung eines individuellen Versorgungsplans sowie die praxisnahe Darstellung von Umsetzung, Monitoring und Evaluation. Besonders hervorzuheben ist die reflektierte Darstellung der Herausforderungen wie Ablehnung von Hilfen, fehlende rechtliche Vertretung und familiäre Überlastung. Insgesamt bietet die Fallarbeit ein realistisches und methodisch sauberes Beispiel für professionelles Case Management in der Pflegeberatung und erfüllt die Anforderungen an eine praxisorientierte Abschlussarbeit auf sehr hohem Niveau.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Clearing (Vorabklärung) und Intake (Fallaufnahme)
- 2.1 Vorabklärung – Begründung für das Casemanagement
- 2.2 Fallaufnahme – Voraussetzungen für ein Case Management
- 3 Assessment (Falleinschätzen)
- 3.1 Erstkontakt und Einschätzung der Situation nach Hausbesuch am 10.09.2025
- 3.2 Durchgeführte Assessments und Maßnahmen
- 3.2.1 Problemkarte
- 3.2.1.1.1 Pflege
- 3.2.1.1.2 Medizin
- 3.2.1.1.3 Wohnverhältnisse
- 3.2.1.1.4 Soziale Einbindung
- 3.2.1.1.5 Finanzen
- 3.2.1.1.6 Betreuungssituation (Vollmacht)
- 3.2.2 Ressourcencheck
- 3.2.3 Netzwerkkarte
- 3.2.1 Problemkarte
- 4 Ziel- und Hilfeplanung (Versorgungsplan)
- 4.1 Versorgungsplan nach §7 a SGB XI
- 5 Umsetzung und Monitoring – drei Bespiele
- 6 Evaluation
- 7 Finanzielle Aspekte beim Pflegeheimeinzug
- 8 Herausforderungen bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen – 4 mögliche Hindernisse
- 8.1.1 Ablehnung von Unterstützungsangeboten durch die Klientin
- 8.1.2 Fehlende rechtliche Vertretung
- 8.1.3 Begrenzte finanzielle Ressourcen
- 8.1.4 Familiäre Belastungen und Konflikte
- 9 Diskrepanz zwischen Pflegegrad 1 und dem tatsächlichen Hilfe- und Unterstützungsbedarf der Klientin
- 9.1 Tabelle: Bewertung der Pflegegradmodule
- 10 Anhang
- 10.1 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Fallarbeit verfolgt das primäre Ziel, mithilfe eines strukturierten Case Managements eine bedarfsgerechte und koordinierte Versorgungsstruktur für eine hochaltrige, multimorbide Klientin zu entwickeln.
- Sicherung der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Versorgung.
- Angemessene Wohnraumanpassung zur Erhaltung der Selbstständigkeit.
- Stabilisierung des häuslichen Umfelds und Förderung von Lebensqualität.
- Bewältigung von Herausforderungen bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen.
- Analyse der Diskrepanz zwischen zugewiesenem Pflegegrad und tatsächlichem Hilfebedarf.
- Betrachtung finanzieller und rechtlicher Aspekte der Pflege.
Auszug aus dem Buch
3.1 Erstkontakt und Einschätzung der Situation nach Hausbesuch am 10.09.2025
Die Wohnsituation ist durch einen erheblichen Renovierungsstau, altersbedingte Mängel und mangelnde Hygiene geprägt. Die Wohnung wirkt stark verschmutzt, mit deutlichem Geruch nach unzureichender Sauberkeit. Im Haushalt lebt derzeit der Sohn, der aufgrund eigener Hüftprobleme auf Gehhilfen angewiesen ist und bald operiert werden soll. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist angespannt; der Sohn zeigt sich überfordert und setzt die Mutter unter Druck, indem er mit einer Heimunterbringung droht. Seine Unterstützung ist nur vorübergehend möglich, da er im Homeoffice arbeitet, gesundheitlich eingeschränkt ist und regulär 30 Kilometer entfernt wohnt. Der im Obergeschoss lebende Enkel ist bisher nicht in die Versorgung eingebunden, äußert jedoch ebenfalls Sorgen über den gesundheitlichen und kognitiven Abbau seiner Großmutter.
Gesundheitlich ist Frau Emmerich stark eingeschränkt. Sie kann nur noch kurze Strecken mit dem Rollator gehen und ist zunehmend auf den Rollstuhl angewiesen. Mehrere Stürze, zuletzt mit Oberschenkelhalsbruch vor etwa vier Wochen, führten zu einer stationären Behandlung. Eine empfohlene Rehabilitationsmaßnahme lehnte sie ab, was zu einer verzögerten Stabilisierung beitrug. Laut Entlassungsbericht bestehen mehrere geriatrische Diagnosen, insbesondere eine mittelgradige Demenz mit Orientierungsstörungen, sozialem Rückzug, Vergesslichkeit und zunehmender Hilflosigkeit. Der aktuell festgestellte Pflegegrad 1 spiegelt vermutlich den tatsächlichen Unterstützungsbedarf nicht vollständig wider, da Frau Emmerich in der Lage ist, Einschränkungen nach außen hin zu kompensieren.
Finanziell steht ihr nur eine geringe Altersrente zur Verfügung, was die kontinuierliche Finanzierung ambulanter Hilfen erschwert. Hohe Lebenshaltungskosten sowie fehlende belastbare familiäre Unterstützung verschärfen die Versorgungslage. Die aktuelle Situation ist daher durch eine Kombination aus eingeschränkter Selbstständigkeit, prekären Wohn- und Hygieneverhältnissen, begrenzten finanziellen Mitteln und angespannten familiären Beziehungen gekennzeichnet, was eine zeitnahe Anpassung der Hilfestruktur erforderlich macht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fallarbeit ein und beschreibt die komplexe Versorgungssituation der Klientin, die ein strukturiertes Case Management erfordert.
2 Clearing (Vorabklärung) und Intake (Fallaufnahme): Hier wird die Notwendigkeit des Casemanagements begründet und der Prozess der Fallaufnahme zur Erfassung der individuellen Lebenssituation und des Unterstützungsbedarfs erläutert.
3 Assessment (Falleinschätzen): Dieses Kapitel beschreibt die detaillierte Einschätzung der Klientensituation nach einem Hausbesuch sowie die Anwendung von Assessment-Instrumenten wie Problem- und Netzwerkkarten.
4 Ziel- und Hilfeplanung (Versorgungsplan): Es wird die Erstellung eines individuellen Versorgungsplans dargelegt, der notwendige soziale Leistungen und Hilfen umfasst.
5 Umsetzung und Monitoring – drei Bespiele: Dieses Kapitel behandelt die Implementierung der Maßnahmen des Versorgungsplans und deren kontinuierliche Überwachung und Bewertung im Rahmen des Case Managements.
6 Evaluation: Hier wird die abschließende Phase des Case-Management-Prozesses beschrieben, die der systematischen Bewertung der durchgeführten Maßnahmen und erzielten Ergebnisse dient.
7 Finanzielle Aspekte beim Pflegeheimeinzug: Das Kapitel informiert über die Möglichkeit einer stationären Versorgung und die damit verbundenen Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Bedeutung einer Höherstufung des Pflegegrades.
8 Herausforderungen bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen – 4 mögliche Hindernisse: Es werden vier zentrale Schwierigkeiten identifiziert, die die Implementierung von Hilfsmaßnahmen erschweren, darunter mangelnde Krankheitseinsicht und fehlende rechtliche Vertretung.
9 Diskrepanz zwischen Pflegegrad 1 und dem tatsächlichen Hilfe- und Unterstützungsbedarf der Klientin: Dieses Kapitel analysiert, warum der aktuelle Pflegegrad der Klientin ihren tatsächlichen Hilfebedarf nicht widerspiegelt und eine Neubegutachtung notwendig ist.
Schlüsselwörter
Case Management, Pflegeberatung, Fallarbeit, Pflegegrad, Demenz, häusliche Versorgung, Selbstbestimmung, Wohnraumanpassung, soziale Einbindung, finanzielle Aspekte, Unterstützungsangebote, familiäre Belastungen, Evaluation, Ressourcencheck, Problemkarte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt eine praxisnahe Fallarbeit, die mithilfe des Case Managements eine bedarfsgerechte und koordinierte Versorgungsstruktur für eine hochaltrige, multimorbide Klientin entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Case Management, Pflegeberatung, die Sicherung der häuslichen Versorgung, finanzielle Aspekte der Pflege, die Analyse von Pflegebedarfen sowie die Bewältigung von Implementierungsherausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine bedarfsgerechte, koordinierte Versorgungsstruktur für die Klientin Paula Emmerich zu entwickeln, die medizinische, pflegerische und psychosoziale Aspekte sowie Wohnraumanpassung und die Stabilisierung des häuslichen Umfelds umfasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine praxisnahe Fallarbeit, die auf den Prinzipien und Instrumenten des Case Managements basiert, um eine konkrete Versorgungssituation zu analysieren und zu planen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse des Falls, beginnend mit der Vorabklärung, über Assessments wie Problem- und Netzwerkkarten, die Erstellung eines Versorgungsplans, dessen Umsetzung und Monitoring bis hin zur abschließenden Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Case Management, Pflegeberatung, Fallarbeit, Pflegegrad, Demenz, häusliche Versorgung, Selbstbestimmung, Wohnraumanpassung, soziale Einbindung, finanzielle Aspekte, Unterstützungsangebote, familiäre Belastungen, Evaluation, Ressourcencheck und Problemkarte.
Warum wird ein Case Management als notwendig erachtet?
Ein Case Management ist aufgrund der komplexen Versorgungslage der Klientin, multipler Problemlagen, fehlender rechtlicher Absicherung und der eingeschränkten Steuerungsfähigkeit des familiären Unterstützungssystems erforderlich.
Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung der Pflegemaßnahmen?
Herausforderungen umfassen die Ablehnung von Unterstützungsangeboten durch die Klientin, fehlende rechtliche Vertretung, begrenzte finanzielle Ressourcen und familiäre Belastungen sowie Konflikte.
Warum ist der aktuelle Pflegegrad der Klientin nicht ausreichend?
Der aktuelle Pflegegrad 1 wird als unzureichend erachtet, da er den tatsächlichen, komplexen Hilfebedarf der Klientin in Bereichen wie Mobilität, kognitiven Fähigkeiten, Selbstversorgung und psychischer Stabilität nicht vollständig abbildet.
Welche Rolle spielt der Sohn der Klientin in der Fallarbeit?
Der Sohn ist der ursprüngliche Initiator der Pflegeberatung und eine zentrale Bezugsperson, ist aber aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme und beruflicher Belastung nur eingeschränkt handlungsfähig und erlebt Konflikte mit seiner Mutter.
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- Oliver Assfalg (Author), 2025, Wenn Pflege zur Herausforderung wird. Wege zu einer sicheren Versorgung im Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1667445