Fiktive Falldokumentation: Der 27-jährige Kurt Cobain - professioneller Musiker in der Grunge-/Punkszene - ist heute bei Ihnen vorstellig geworden, um aufgrund seines Substanzkonsums (v.a. Heroin) eine Entzugsbehandlung einzuleiten. Im Aufnahmegespräch berichtet er von einer langjährigen Substanzgebrauchsgeschichte mit mehreren Entzugserfahrungen, die jeweils ohne nachhaltige Wirkung blieben. Diese Arbeit schlägt eine detaillierte Falldokumentation vor: vom Erstellen einer Personalliste, eines Genogramms und einer Netzwerkkarte über eine ausführliche Analyse der Risikofaktoren und Ressourcen bis hin zur Behandlung. Außerdem wird das Phänomen des Widerstands seitens der Klienten erläutert und aufgezeigt wie er in ein brauchbares Werkzeug für die Fallbearbeitung transformiert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Kontextklärung
- 2. Personalliste
- 3. Netzwerkkarte
- 4. Genogramm
- 5. Ressourcenanalyse
- 6. Problembeschreibung
- 7. Diagnose- Hypothesenbildung
- 8. Behandlungsprognose
- 9. Widerstand
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Projektarbeit im Bereich der Einzelfallarbeit und des Case Managements zielt darauf ab, einen komplexen Fall im Kontext der Sozialen Arbeit umfassend zu analysieren, um dem Klienten K.C. eine adäquate Hilfe anzubieten. Dabei werden seine vielschichtigen Problemlagen, Ressourcen und das soziale Umfeld detailliert beleuchtet, um fundierte Hypothesen zu entwickeln und eine zielgerichtete Behandlungsprognose zu erstellen.
- Detaillierte Fallanalyse eines Klienten mit Substanzkonsum und psychischen Belastungen
- Anwendung diagnostischer Instrumente zur Problem- und Ressourcenidentifikation
- Entwicklung und Operationalisierung von Hypothesen zur Fallbearbeitung
- Erarbeitung einer individuellen Behandlungs- und Interventionsstrategie
- Integration des biopsychosozialen Modells zur ganzheitlichen Fallbetrachtung
- Strategien zum Umgang mit Klientenwiderstand im therapeutischen Prozess
Auszug aus dem Buch
Problembeschreibung
Bei dem präsentierten Problem handelt es sich um ein bösartiges Problem, welches der Klient mit seinen Magenbeschwerden zu erklären versucht. In Anbetracht der zuvor erhobenen Daten zeigt sich ein anspruchsvoller Fall mit verschiedenen Problembereichen (Drogenkonsum, Depressionen, Panikattacken, Essverhalten, etc.). Da einige Probleme bereits länger bestehen, wird von einem Multiproblemfall gesprochen.
Dem biopsychosozialen Modell zufolge, können die chronischen Magenschmerzen der biologischen Ebene zugeordnet werden. Diesbezüglich gibt der Klient an zeitweise mit Physepton, einem methadonhaltigen Arzneimittel, medikamentiert worden zu sein. Methadon gehört ebenso wie Heroin zu den Opioiden, wodurch die Magenschmerzen zwar gelindert werden, jedoch eine Suchtwirkung entstehen kann. (Drechsler & Hellmann, 2005, S.231) Gleichermaßen wurde er phasenweise mit Buprenorphin behandelt – ebenfalls ein Opiat. Zudem gibt er an eigenständig zahlreiche Antidepressiva durchprobiert zu haben. (Goldberg, 2019, S.164) Das erste Wiegen des Klienten ergab ein Körpergewicht von 55kg, was gemessen an seiner Größe von 1,75m bereits als deutliches Untergewicht einzustufen ist. (Drechsler & Hellmann, 2005, S.231)
Auf der psychologischen Ebene tragen der berufliche Stress, das große mediale Interesse am Privatleben, sowie die Kritik an ihm und seiner Ehefrau zur Entstehung des Problems bei. Auch Belastungen aus früheren Lebensphasen, wie die innerfamiliären Streitigkeiten, die Scheidung seiner Eltern (Goldberg, 2019, S. 114) und die zahlreichen Wohnortswechsel (Kugler, 2019), können Auswirkungen bis hinein in die Gegenwart haben. Außerdem gab K.C. an gelegentlich Wutausbrüche zu bekommen. (Goldberg, 2019, S.75)
Auf der ökosozialen Ebene tragen Faktoren, wie die schnelle Verfügbarkeit von Drogen in der Musikindustrie und der Umgang mit anderen Konsumenten dazu bei, das Problem aufrechtzuerhalten. Aus der Personalliste lässt sich ablesen das der Klient in einem äußerst verwobenen Familiengefüge aufgewachsen ist. Obwohl er Teil einer großen Patchwork-Familie ist, besteht nur zu wenigen Familienmitgliedern Kontakt. Seit vielen Jahren habe er auch keinen Kontakt mehr zu seinem Vater. Er gibt an für ihn nur noch Verachtung zu empfinden (Drechsler & Hellmann, 2005, S.241). Darüber hinaus steht der Klient jüngst selbst vor der Herausforderung der Vaterschaft und hat eine familiäre Verantwortung zu tragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kontextklärung: Stellt den Klienten K.C. vor, einen 27-jährigen Musiker, der aufgrund von Heroinkonsum und damit verbundenen Magenproblemen eine Entzugsbehandlung beginnen soll, wobei seine geringe Eigenmotivation und frühere ADHS-Diagnose beleuchtet werden.
2. Personalliste: Listet relevante Personen im Leben des Klienten K.C. auf, inklusive Familie, Freunde und berufliche Kontakte, um sein soziales Umfeld zu visualisieren.
3. Netzwerkkarte: Visualisiert das Netzwerk des Klienten, unterteilt in Familie, Freunde, und Fachpersonen, und zeigt die Verbindungen und Beziehungen auf.
4. Genogramm: Stellt die familiären Beziehungen des Klienten K.C. grafisch dar, um generationenübergreifende Muster und familiäre Dynamiken sichtbar zu machen.
5. Ressourcenanalyse: Analysiert die Stärken und Schutzfaktoren des Klienten K.C. anhand des Modells der "5 Säulen der Identität", aufgeteilt in Leiblichkeit, soziale Beziehungen, Arbeit/Leistung, materielle Sicherheit und Normen/Werte. Zudem werden Risiko- und Schutzfaktoren gegenübergestellt.
6. Problembeschreibung: Beschreibt den Klienten K.C. als Multiproblemfall mit chronischen Magenbeschwerden, Drogenkonsum, Depressionen und Panikattacken, analysiert diese mittels des biopsychosozialen Modells auf biologischer, psychologischer und ökosozialer Ebene.
7. Diagnose- Hypothesenbildung: Bildet zwei zentrale Hypothesen zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Drogenkonsums und der psychischen Probleme des Klienten, basierend auf seiner ADHS-Diagnose und kindheitsbezogenen Vernachlässigung.
8. Behandlungsprognose: Erläutert die Operationalisierung der zuvor entwickelten Hypothesen in messbare Indikatoren und schlägt konkrete Instrumente (z.B. Fragebögen) zur Erfassung vor, um zielgerichtete Interventionsstrategien im Rahmen der SMART-Methode zu entwickeln.
9. Widerstand: Definiert Widerstand als Schutzmechanismus im Hilfeprozess und beschreibt Methoden wie Konfrontation und Spiegeltechnik zur Bearbeitung, um unbewusste Konflikte oder negative Übertragungen auf den Berater zugänglich zu machen.
Schlüsselwörter
Einzelfallarbeit, Case Management, Substanzkonsum, Heroin, ADHS, Depressionen, Multiproblemfall, biopsychosoziales Modell, Ressourcenanalyse, Netzwerkkarte, Genogramm, Hypothesenbildung, Behandlungsplanung, Widerstand, Emotionsregulation, psychische Gesundheit, Soziale Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist eine Projektarbeit im Bereich der Einzelfallarbeit und des Case Managements, die sich mit der umfassenden Analyse und Planung der Hilfe für einen Klienten mit komplexen Problemlagen im Kontext der Sozialen Arbeit befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder umfassen die detaillierte Fallanalyse eines Klienten mit Substanzkonsum und psychischen Problemen, die Erstellung von Diagnosen und Hypothesen, die umfassende Ressourcenanalyse sowie die Entwicklung einer konkreten Behandlungsprognose und den professionellen Umgang mit Widerstand im Hilfeprozess.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, für den Klienten K.C. eine adäquate und passgenaue Hilfe zu planen, indem seine komplexen Problemlagen (Drogenkonsum, Magenbeschwerden, psychische Belastungen) umfassend erfasst, analysiert und auf dieser Basis konkrete Behandlungsziele und -strategien entwickelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Fallanalyse als Methode, die auf verschiedenen Erhebungsinstrumenten wie Personallisten, Netzwerkkarten, Genogrammen, detaillierten Ressourcenanalysen und dem biopsychosozialen Modell basiert, um eine fundierte Diagnose und Hypothesenbildung zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Vorstellung des Klienten (Kontextklärung), die Erfassung seines sozialen Umfelds, die Analyse seiner Ressourcen und Problembereiche, die Formulierung von Hypothesen zu seinen Problemen, die Behandlungsprognose sowie den theoretischen und praktischen Umgang mit Widerstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Einzelfallarbeit, Case Management, Substanzkonsum, Heroin, ADHS, Depressionen, Multiproblemfall, biopsychosoziales Modell, Ressourcenanalyse, Hypothesenbildung, Behandlungsplanung, Widerstand.
Wie wird im Dokument der Widerstand des Klienten definiert und bearbeitet?
Widerstand wird als meist unbewusster Schutzmechanismus des Klienten verstanden, der sich dem Hilfeprozess entgegenstellt. Er kann durch Konfrontation, wie die Spiegeltechnik, bewusst gemacht und durch Deutung der zugrundeliegenden Ursachen, wie ungelöste kindheitstraumatische Erfahrungen oder negative Übertragung, bearbeitet werden.
Welche Rolle spielt das biopsychosoziale Modell bei der Problembeschreibung des Klienten?
Das biopsychosoziale Modell dient dazu, die chronischen Magenschmerzen auf der biologischen, beruflichen Stress und familiäre Probleme auf der psychologischen, sowie Drogenverfügbarkeit und soziales Umfeld auf der ökosozialen Ebene zu verorten und so den Multiproblemfall des Klienten umfassend zu erklären.
Welche spezifischen Ziele werden für den Klienten formuliert und nach welcher Methode?
Es werden mehrere Ziele formuliert, wie die Reduktion des Substanzkonsums, die Teilnahme an Therapiesitzungen, die Verbesserung der Ehekommunikation, die Wiederherstellung eines gesunden Körpers und die Anwendung von Stressbewältigungsstrategien, alle nach der SMART-Methode (Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert).
Welche potenziellen Ursachen für den Drogenkonsum des Klienten werden in den Hypothesen beleuchtet?
Die Hypothesen beleuchten die Möglichkeit, dass die frühere ADHS-Diagnose und die Medikation mit Ritalin einen niedrigschwelligen Einstieg in den Substanzkonsum ermöglichten, sowie dass kindheitsbezogene emotionale Vernachlässigung und daraus resultierende Gefühlsregulationsprobleme den Drogenkonsum als "Eskapismus" förderten.
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- Anne van Horrick (Author), 2025, Kurt Cobain als Klient der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1667512