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Vestimentäre Grenzüberschreitungen. Die dörperliche Nachahmung und Gegenrede bei Neidhart

Título: Vestimentäre Grenzüberschreitungen. Die dörperliche Nachahmung und Gegenrede bei Neidhart

Trabajo Escrito , 2025 , 21 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana antigua y medieval
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In der heutigen Zeit meint Kleidung weit mehr als nur die reine Bedeckung oder ein Schutz des Körpers. Neben diesen grundlegenden Funktionen, kann mittels individueller Kombinationen diverser Kleidungsstücke und Textilien auch unsere Gruppenzugehörigkeit oder Selbstdarstellung nach Außen repräsentiert werden. Mode hat dementsprechend auch eine ästhetische sowie soziale Funktion. Doch auch bereits im Mittelalter lässt sich ein solch ähnliches Phänomen finden und Bekleidung erfüllt auch zu dieser Zeit ihren Zweck.

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Untersuchung der Kleidung im Mittelalter. Im Vordergrund steht die Herausarbeitung der damaligen Funktionen dieser, insbesondere in Bezug auf die Darstellung in der Literatur. Da Kleidung direkt mit ihrem Träger verbunden ist und damit öffentlich zugänglich, nimmt sie einen besonderen Stellenwert ein, die zur Distinktion verhilft. Im Mittelalter hängt die Wahl der Bekleidung vom individuellen Stand in der Gesellschaft ab. Das Kleid hat hier einen Verweischarakter zur Identifizierung des Standes. Insbesondere die Winterlieder von Neidhart umfassen sehr umfangreiche Kleiderbeschreibungen, weswegen sich diese hervorragend für eine Analyse eignen. Diese thematisieren jeweils die Konfrontation zwischen dem Sänger-Ich bzw. dem niederen Adel Neidhart und einer Gruppe von Dörpern. Hiervon werden wiederum zwei Lieder behandelt, unter anderem das Winterlied 36. Der Fokus dieser Arbeit wird allerdings auf dem Winterlied 27 liegen. Unter dem Aspekt Kleidung fallen in dieser Arbeit auch die ritterliche Rüstung und ihre einzelnen Bestandteile und Waffen. Hinzugezogen werden außerdem auch Haare.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Kleidung als Zeichen sozialer Ordnung im Mittelalter
    • 2.1. Dörperliche Nachahmung der höfischen Welt
    • 2.2. Inkongruenz oder Kongruenz zwischen Kleid und Dörper?
    • 2.3. Neidharts Strategie der Abwertung
  • 3. Dörperliche Gegenreaktionen
  • 4. Fazit
  • 5. Bibliografie

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Funktion von Kleidung im Mittelalter, insbesondere in ihrer Darstellung in der Literatur. Das Hauptziel ist es, herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, dass Kleiderbeschreibungen in Neidharts Winterliedern gezielt zur Selbsterhöhung des Sängers und zur Abwertung der Dörper genutzt werden, indem die Versuche der Dörper, ritterlich-höfische Eigenschaften durch unpassende Kleidung nachzuahmen, kritisiert werden.

  • Kleidung als Mittel zur sozialen Distinktion im Mittelalter.
  • Die Nachahmung höfischer Kleidung durch die dörperliche Schicht.
  • Die symbolische Zeichenhaftigkeit von Kleidung und ihre Korrelation mit dem Träger.
  • Neidharts satirische Strategie zur Abwertung der Dörper in seinen Winterliedern.
  • Analyse spezifischer Kleiderbeschreibungen und deren Bedeutung in den Winterliedern 27 und 36.
  • Die dörperlichen Gegenreaktionen auf Neidharts Provokationen.

Auszug aus dem Buch

Dörperliche Nachahmung der höfischen Welt

Im Folgenden ist herauszuarbeiten, wo und vor allem wie überhaupt festzumachen ist, dass die Dörper die höfische Welt nachahmen. Hierfür wird vertieft darauf ein- gegangen, was bereits eingangs erwähnt wurde. Um nachzuvollziehen, dass die Dörfler eine andere Welt nachahmen, muss vorerst die Frage beantwortet werden, welche Funktion Kleidung hat und wer im Mittelalter überhaupt berechtigt ist, be- stimmte Kleidung und Farben zu tragen. Kleidungsstücke haben im Mittelalter nicht nur die Funktion den Körper zu bedecken, zu schützen oder zu schmücken.4 Sie sind vielmehr von symbolhafter Zeichenhaftigkeit geprägt und werden somit auch als kommunikative Mittel eingesetzt.5 Die vormoderne Gesellschaft war in die drei Stände Adel, Klerus und Bauern eingeteilt, „de[m] göttlichen „ordo‘.““ Dem- nach war es von großer Bedeutung, dass die jeweiligen Schichten äußerlich eindeu- tig zu identifizieren und somit voneinander abzugrenzen sind. Martin Dinges spricht in diesem Zusammenhang von der „Lesbarkeit der Welt.“7 Da die Kleidung direkt am Körper getragen wird, ist diese in der Lage verlässliche Information dar- über zu geben, welchem Stand ein Individuum angehört. Der Fokus soll hier auf der Gegenüberstellung der höfisch-adligen und der bäuerlichen Welt liegen. Der Adel, als höchste gesellschaftliche Schicht, wollte sich „vom einfachen Volk abset- zen.“8 In dem Zusammenhang soll nun die vestimentäre Zeichenhaftigkeit der hö- fischen Gesellschaft und der damit verbundenen bäuerlichen Grenzüberschreitung weiter vertieft werden. Kleidung besteht nicht nur aus einem bestimmten Material, welches nur von einer bestimmten Schicht getragen werden durfte. Vielmehr gilt die Bekleidung als hybrides Zeichen. Einerseits besteht diese aus realen Textilien, Schnitten und Farben und andererseits ist jede Eigenschaft davon symbolisch auf- geladen. Insbesondere in der höfischen Welt findet der sogenannte vestimentäre Code Anwendung. Demnach ist Kleidung auf zwei Ebenen zu interpretieren: Auf der denotativen sowie die konnotativen Ebene, wobei sich Erstere auf das reale

Kleidungsstück und Letztere auf die symbolische Bedeutung bezieht.9 Die Zeichen- haftigkeit ist nicht von Natur aus gegeben, sondern vielmehr wird sie von einer Gesellschaft zugeschrieben. Als das Rittertum und das Höfische zusammengetra- gen wurden, nahmen die Ritter samt ihres wiederholten inneren und äußeren Auf- tretens die Rolle einer Vorbildfunktion ein und repräsentierten somit höfische Ide- ale, die daraufhin fest mit dieser Schicht verankert waren. Die Gesellschaft gibt demnach einem bestimmten Zeichen erst eine bestimmte Bedeutung.10 Dies soll im Folgenden anhand konkreter Beispiele näher beleuchtet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die vielschichtige Bedeutung von Kleidung im Mittelalter ein und stellt die Forschungsfrage nach der Nutzung von Kleiderbeschreibungen in Neidharts Winterliedern zur Selbsterhöhung und Abwertung von Dörpern vor.

2. Kleidung als Zeichen sozialer Ordnung im Mittelalter: Das Kapitel analysiert die Funktion von Kleidung als Distinktionsmittel in der Ständegesellschaft des Mittelalters und beleuchtet die symbolische Zeichenhaftigkeit, die den sozialen Status widerspiegelt.

2.1. Dörperliche Nachahmung der höfischen Welt: Hier wird detailliert untersucht, wie dörfliche Charaktere versuchen, die höfische Welt durch das Tragen unpassender Kleidung und Farben zu imitieren und welche Rolle der vestimentäre Code dabei spielt.

2.2. Inkongruenz oder Kongruenz zwischen Kleid und Dörper?: Dieses Kapitel erörtert, ob die Kleidung der Dörper als inkorrekt getragen (inkongruent) oder als Ausdruck ihres inneren Mangels und ihrer mangelnden Fügung in die soziale Hierarchie (kongruent) zu verstehen ist.

2.3. Neidharts Strategie der Abwertung: Es wird dargestellt, wie Neidhart mithilfe sprachlicher Gewalt und spezifischer Beschreibungen die Dörper abwertet, um deren sozialen Aufstieg zu verhindern und seine eigene höhere Position zu betonen.

3. Dörperliche Gegenreaktionen: Dieses Kapitel behandelt die Reaktionen der Dörper auf Neidharts Spott, die sich in sogenannten Trutzstrophen äußern, in denen sie Neidharts Aussehen und Verhalten kritisieren und physische Gewalt androhen.

4. Fazit: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass Kleidung ein entscheidendes Instrument zur Markierung sozialer Grenzen war und Neidhart dieses gezielt für Spott und zur Wiederherstellung der hierarchischen Ordnung einsetzte, während die Dörper mit eigenen Mitteln reagierten.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Kleidung, Neidhart, Minnesang, Dörper, Höfische Gesellschaft, Ständegesellschaft, soziale Ordnung, Distinktion, vestimentärer Code, Sprachliche Gewalt, Spott, Imitation, Winterlieder, Kulturkapital.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der Funktion von Kleidung im Mittelalter, insbesondere ihrer Darstellung in der Literatur und wie sie zur sozialen Distinktion und Abwertung genutzt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die soziale Funktion von Kleidung, die Nachahmung höfischer Mode durch dörfliche Charaktere, Neidharts Strategie der Abwertung durch Kleiderkritik und die Gegenreaktionen der Dörper.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, dass Kleiderbeschreibungen in Neidharts Winterliedern gezielt zur Selbsterhöhung des Sängers und zur Abwertung der Dörper eingesetzt werden, indem die dörperliche Nachahmung höfischer Kleidung verspottet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit analysiert literarische Texte (Neidharts Winterlieder 27 und 36) unter Berücksichtigung historischer und sozialwissenschaftlicher Konzepte wie dem vestimentären Code, Bourdieus Theorie der sprachlichen Gewalt und der Ständegesellschaft im Mittelalter.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird die Kleidung als Zeichen sozialer Ordnung im Mittelalter erläutert, die dörperliche Nachahmung der höfischen Welt untersucht, die Frage nach Inkongruenz oder Kongruenz zwischen Kleid und Träger diskutiert und Neidharts Strategie der Abwertung detailliert analysiert, gefolgt von den dörperlichen Gegenreaktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Mittelalter, Kleidung, Neidhart, Minnesang, Dörper, Höfische Gesellschaft, Ständegesellschaft, soziale Ordnung, Distinktion, vestimentärer Code, Sprachliche Gewalt, Spott, Imitation, Winterlieder, Kulturkapital.

Warum stehen die Winterlieder Neidharts im Fokus dieser Untersuchung?

Die Winterlieder Neidharts umfassen sehr umfangreiche Kleiderbeschreibungen und thematisieren die Konfrontation zwischen dem Sänger-Ich (niederer Adel) und einer Gruppe von Dörpern, weshalb sie sich hervorragend für eine Analyse eignen.

Welche Rolle spielen Farben und Materialien in der Kleidung der Ständegesellschaft?

Farben und Materialien dienen als wichtige Symbole zur Identifizierung des sozialen Standes; bunte und hochwertige Kleidung war meist dem Adel vorbehalten, während Bauern schlichtere Kleidung tragen durften, was die Dörper bei der Imitation durch die Wahl von rotem Pusemtuch oder verbrämter Kleidung missachteten.

Wie äußert sich die "dörperliche Nachahmung" konkret in den Neidhartliedern?

Die dörperliche Nachahmung äußert sich darin, dass sie höfische Kleidungsstücke, Farben und Materialien tragen, die ihnen nicht zustehen, oder diese fehlerhaft umsetzen, wie z.B. durch zu kurze Schnitte bei einem "guten Leinentuch" oder das Tragen von ritterlichen Rüstungsteilen und Waffen.

Inwiefern beeinflusst Pierre Bourdieus Theorie die Analyse von Neidharts Abwertungsstrategie?

Bourdieus Theorie der sprachlichen Gewalt und des Habitus wird herangezogen, um zu erklären, wie Neidhart durch kritische Kommentare und Beleidigungen das kulturelle Kapital der Dörper fixiert und ihnen abspricht, um die soziale Ordnung wiederherzustellen und seine eigene Position zu erhöhen.

Final del extracto de 21 páginas  - subir

Detalles

Título
Vestimentäre Grenzüberschreitungen. Die dörperliche Nachahmung und Gegenrede bei Neidhart
Universidad
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur I)
Curso
Hauptseminar
Calificación
1,7
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2025
Páginas
21
No. de catálogo
V1667935
ISBN (PDF)
9783389169483
ISBN (Libro)
9783389169490
Idioma
Alemán
Etiqueta
Mittelalter Kleidung Neidhart Invektive Mimesis Nachahmung Dörper Winterlieder Adel Höfisch Symbol Kleiderordnung Kongruenz Inkongruenz Kleid Rüstung Abwertung
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2025, Vestimentäre Grenzüberschreitungen. Die dörperliche Nachahmung und Gegenrede bei Neidhart, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1667935
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