Der Versuch den Begriff „Kultur“ ganz konkret zu bestimmen ist ein schwieriges
Unterfangen. Durch die Betrachtung einer alltäglichen Lebensgewohnheit1 wird
deutlich, dass dieser Begriff als wesentlicher Bestandteil der menschlichen Identität
anzusehen ist. Wer an einem bestimmten Ort oder in einer besonderen sozialen
Umgebung2 geboren wird, dem werden bestimmte Denkweisen, Handlungen,
Wahrnehmungen, Normen und Werte im Laufe des Lebens vermittelt. Befindet man
sich beispielsweise in einem fremden Land, so wird man mit anderem Denken,
anderen Wahrnehmungen und anderen Sitten oder Bräuchen konfrontiert.(...)In
der Tat kann auch im Hinblick auf die Kultur das soziale Milieu berücksichtigt
werden. Demzufolge kann Deutschland als eine Gesellschaft betrachtet werden, in
der viele Menschen3 aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammenleben. Auf
diese Weise treffen auch Menschen mit kulturellen Unterschieden aufeinander.
Die Komplexität des Begriffes Kultur kann hier nicht ausführlich dargestellt werden.(...)Die Eingrenzung der Definition der Kultur wird unter anderem als eine
Fragestellung der Pädagogik angesehen. Nachdem die Rückkehr der Migranten und
deren Kinder in die Heimat scheiterte (vgl. Spiegel Nr.37), gewann die Diskussion
über interkulturelle4 Erziehung in Deutschland an Bedeutung. Bezüglich der Aufgabe
der interkulturellen Erziehung und Bildung, bedarf es einer konkreten Definition, um
mit kulturbedingten Wertkonflikten umzugehen (vgl. Nieke 2000,S. 46). Um den
Begriff besser greifen zu können, bedienen sich einige Theoretiker der heuristischen
Definition5. Angesichts der Zielsetzungen der interkulturellen Erziehung wird der
Gebrauch dieser heuristischen Definition notwendig, insofern, dass eine Lösung für
Konflikte, die sich aus dem Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen
Kulturen ergeben, gefunden werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zusammenhang zwischen Kultur und heuristischer Definition
2.1. Definitionen der Kultur
2.1.1. Die Definition aus den empirischen Kulturwissenschaften
2.1.2. Die Definition aus der Soziologie
2.1.3. Die Definition aus dem Bereich Kulturanthropologie
2.2. Kultur im Kontext von interkultureller Erziehung und Bildung
3. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den komplexen und vieldeutigen Begriff "Kultur" im Kontext der interkulturellen Erziehung und Bildung zu untersuchen. Mithilfe eines heuristischen Ansatzes wird analysiert, wie eine begründbare Definition des Kulturbegriffs dazu beitragen kann, kulturbedingte Wertkonflikte zu verstehen und Lösungsstrategien für das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft zu entwickeln.
- Analyse des Kulturbegriffs in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen
- Einsatz heuristischer Verfahren zur Definition komplexer Begriffe
- Die Bedeutung kultureller Orientierungsmuster für das menschliche Zusammenleben
- Interkulturelle Erziehung und Bildung als pädagogische Antwort auf gesellschaftliche Vielfalt
- Umgang mit kulturbedingten Konflikten und Stereotypen
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Die Definition aus der Soziologie
Die Soziologie bezeichnet sich als eine Wissenschaft, die die Bedingungen und Formen menschlichen Zusammenlebens, die komplexen Struktur- und Funktionszusammenhänge der Gesellschaft und ihrer Institutionen in der geschichtlichen Entwicklung und in der Gegenwart systematisch untersucht und beschreibt (vgl. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2005 – 2010).
Im Bereich der Soziologie, wie schon oben deutlich erläutert wurde, ist Kultur alles was der Mensch in Gegensatz zu seiner Natur geschaffen, produziert oder erzeugt hat um sein Leben zu verbessern und sich dadurch auch zu identifizieren. Dazu gehören die sozialen Räume, nämlich Normen und Werte. Mit Rücksicht auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge gilt Kultur hier als Ergebnis menschlicher Produktionen. Zu diesen menschlichen Produktionen werden Muster beziehungsweise Modelle sozialen Verhaltens, ebenso wie religiöse und kultische Objekte, Schriften u. a. Zeichensysteme, Bauten, Naturgestaltung und Gruppenorganisationen gezählt; nicht zuletzt auch Repräsentationen geistiger Gebilde wie Rituale, Texte, performative Inszenierungen, Gesänge oder sonstige künstlerische Gestaltungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer präzisen Kulturbestimmung und führt die Notwendigkeit einer Definition im Kontext der interkulturellen Erziehung anhand persönlicher Erfahrungen ein.
2. Zusammenhang zwischen Kultur und heuristischer Definition: Dieses Kapitel erörtert, warum der heuristische Ansatz hilfreich ist, um den komplexen Kulturbegriff handhabbar zu machen und bewusste Entscheidungen bei der Problemlösung zu treffen.
2.1. Definitionen der Kultur: Hier wird der Kulturbegriff theoretisch fundiert und in den Kontext der interkulturellen Erziehungsarbeit eingeordnet.
2.1.1. Die Definition aus den empirischen Kulturwissenschaften: Dieser Abschnitt betrachtet Kultur als Potential des Menschen zur Gestaltung seiner Umwelt und betont erfahrungsorientierte Ansätze.
2.1.2. Die Definition aus der Soziologie: Das Kapitel definiert Kultur als das Ergebnis menschlicher Produktion, einschließlich sozialer Normen, Werte und Verhaltensmuster.
2.1.3. Die Definition aus dem Bereich Kulturanthropologie: Die anthropologische Sichtweise beschreibt Kultur als Lebensform und umfassendes Medium, durch das der Mensch sein Leben realisiert.
2.2. Kultur im Kontext von interkultureller Erziehung und Bildung: Dieser Teil fokussiert auf die Rolle der Schule bei der Bearbeitung kultureller Unterschiede und die Bedeutung von Lebenswelten sowie Orientierungsmustern.
3. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Kultur ein vieldeutiges Entscheidungsproblem darstellt, dessen Analyse durch den heuristischen Ansatz wesentlich zur Konfliktbewältigung in der Pädagogik beiträgt.
Schlüsselwörter
Kultur, Interkulturelle Erziehung, Heuristik, Soziologie, Kulturanthropologie, Empirische Kulturwissenschaften, Identität, Wertkonflikte, Lebenswelt, Orientierungsmuster, Pädagogik der Vielfalt, Migration, Gesellschaft, Stereotypen, Menschliches Zusammenleben
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Bestimmung des Kulturbegriffs, um diesen für pädagogische Kontexte der interkulturellen Erziehung nutzbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die heuristische Herangehensweise an komplexe Begriffe, die Definition von Kultur in verschiedenen Disziplinen sowie die Anwendung dieser Theorien in der interkulturellen Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Begriff "Kultur" so zu definieren, dass er als Grundlage dienen kann, um kulturbedingte Konflikte besser zu verstehen und zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturrecherche, wobei sie methodisch das heuristische Verfahren als Instrument zur Problemlösung und Begriffsbestimmung nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Kulturbegriff aus der Perspektive der empirischen Kulturwissenschaften, der Soziologie und der Kulturanthropologie und verknüpft diese mit den Anforderungen der interkulturellen Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kultur, Interkulturelle Erziehung, Heuristik, Identität und Lebenswelt charakterisiert.
Warum wird in der Arbeit das heuristische Verfahren thematisiert?
Das Verfahren dient dazu, trotz der Vieldeutigkeit des Kulturbegriffs eine vorläufige, aber präzise Arbeitsdefinition zu finden, um komplexe Entscheidungsprozesse in der pädagogischen Praxis zu unterstützen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "Kultur" und "Natur"?
Die Arbeit folgt soziologischen Ansätzen, in denen Kultur als alles das betrachtet wird, was der Mensch im Gegensatz zur Natur geschaffen, produziert oder erzeugt hat.
Welche Rolle spielt die Schule bei der interkulturellen Erziehung?
Die Schule wird als ein zentraler Ort der Begegnung angesehen, der dazu beitragen muss, eigene ethnozentrische Normen zu hinterfragen und den Dialog zwischen Kulturen zu fördern.
- Citation du texte
- Bernard Yaovi Agboyi (Auteur), 2011, Die "heuristische" Definition des Begriffes "Kultur" im Kontext der Interkulturellen Erziehung und Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166841