Das künstlerische Projekt als mögliche Antwort auf die Kompetenzforderungen des Bildungsplans?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

15 Seiten, Note: 1,0

Jasmin Armbrust (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Künstlerische Bildung und das künstlerische Projekt
2.1 Was istkünstlerische Bildung?
2.2 Von der künstlerischen Bildung (Theorie) zum künstlerischen Projekt (Praxis)

3 Anforderungen an den Lehrer

4 Das künstlerische Projekt im Bezug auf die Anforderungen des Bildungsplans

5 Acht wesentliche Gründe für die künstlerische Projektarbeit
Grund 1: Einbeziehung vieler Sinne
Grund 2: Binnendifferenzierung
Grund 3: Außerschulische Erfahrungen
Grund 4: Selbstorganisation, Selbstverantwortung und Eigenevaluation
Grund 5: Gesellschaftliche Praxisrelevanz
Grund 6: Soziales Lernen
Grund 7: Interdisziplinarität
Grund 8: Handlungs-, Produkt- und Prozessorientierung

6 Fazit

7 Literaturangaben

1 Einleitung

Das künstlerische Projekt obliegt dem allgemeinen Projektgedanken. Dieser Gedanke ist eine Reaktion, deren historische Entwicklung bis weit zurück in die Anfänge des 19. Jahrhunderts geht. Ichübergehe dabei den eigentlichen Ursprung aus Italien (16. Jahrhundert) und Frankreich (18. Jahrhundert) und beziehe mich auf das erste umfassende Konzept von John Dewey (19. Jahrhundert). Der Projektgedanke ist eine Antwort „auf sich rasch wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse" (Gudjons 2008, 74). Diese Erkenntnis brachte eine Umorientierung der Erziehung mit sich, die sich bisweilen an vorausbestimmbaren Lebensverhältnissen orientierte. Doch „die junge Generation muß [nun] lernen, wie man Probleme aufgreift und löst, wenn sie auftauchen" (ebd.), damit war eine Verschiebung der Lerninhalte vom Fach auf das Leben gemeint.

Bis heute liegt dem Projektgedanken diese Leitidee zugrunde: der Bildungsplan Baden­Württemberg fordert die „Ausbildung der Gesamtpersönlichkeit der Schülerinnen und Schüler, derüberlebensfähigkeit der Gesellschaft und derübung der jungen Menschen in der Rolle des Bürgers unserer Republik, des entstehenden Europa, der zukünftigen Weltgemeinschaft" (Bildungsplan 2004, 10). U.a. durch die Projektarbeit gewinnen Schülerinnen „Lebenszuversicht,überwinden mitgebrachte Ängste, haben Freude am Lernen, an trial and error; sie entfalten ihre Neugier und lenken sie in befriedigende Bahnen, erwerben die Bereitschaft, immer weiter zu lernen" (ebd., 11).

Davon ausgehend, dass Kunst sich schon seit jeher auf gesellschaftliche Rahmen­bedingungen und deren Wandel bezogen hat, war und ist es folglich unabdingbar, dass sich auch die Kunstpädagogik an unsere multimediale Gesellschaft angepasst hat und weiter anpasst. Schritte in diese Richtung finden sich in der Etablierung der künstlerischer Bildung und des künstlerischen Projekt in den Lehr- und Lernstätten.

Beide Begrifflichkeiten möchte ich neben der daraus resultierenden Rolle der Lehrperson im Bezug auf das künstlerische Projekt in dieser Arbeit erörtern. Im Anschluss werde ich erläutern, inwiefern das künstlerische Projekt eine mögliche Antwort auf die Kompetenz­anforderungen des Bildungsplans an Lebens-Bildung sein kann und unterstütze den Einzug der künstlerischen Bildung in Form von künstlerischer Projektarbeit in den Lehr- und Lernstätten in acht wesentlichen Gründen.

Es kommt darauf an, den Schüler vom Passivum in das Aktivum zuübersetzen. (Gaudigs)

2 Künstlerische Bildung und das künstlerische Projekt

2.1 Was ist künstlerische Bildung?

„Dasübergreifende Ziel künstlerischer Bildung ist die Ausbildung künstlerischen Denkens" (Buschkühle 2007, 3). Ausgehend von diesem Zitat von Buschkühle, erläutere ich die Idee der künstlerischen Bildung. Man kann aus dem Zitat herauslesen, dass künstlerische Bildung unmittelbar mit künstlerischem Denken zusammenhängt und dass Schule, als Ausbildungs­und Lernort, einen Beitrag zur Entwicklung dieses Denkens leisten kann. Buschkühle gliedert jenes in drei Teilbereiche: in die achtsame Wahrnehmung, die kritische Reflexion und die eigenständige Imagination. Wichtig anzumerken ist, dass diese Teilbereiche nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind, sondern eng miteinander verknüpft und sich gegenseitig beeinflussend. Desweiteren stehen diese drei Bereiche eng verbunden mit der Kunst, da sich künstlerische Bildung an ihr in ihren Inhalten, Zielen und Methoden orientiert (vgl. Buschkühle 2007, 21).

Dies bedeutet für die Ausbildung des künstlerischen Denkens, dass die Wahrnehmung hinsichtlich der Sachzusammenhänge achtsam ausgebildet werden muss, um differenzieren zu können. Differenzierung bezieht sich im Künstlerischen u.a. auf die Auswahl von Sachinformationen, Methoden und Herangehens- und Vorgehensweisen und dem Filtern gegenüber Unwichtigem. Kritische Reflexionsfähigkeit zu entwickeln und zu schulen meint, Zusammenhänge bedenken zu können und verschiedene Blickwinkel, darin enthalten vor allem der eigene, als Standpunkte wahrnehmen und akzeptieren zu können. Die Schulung der eigenständigen Imagination setzt ihren Schwerpunkt primär auf „eigene Anschauungen und Vorstellungen in Bezug auf die Sache" (Buschkühle 2007, 3) und versucht, diese herauszubilden. All das mündet letztlich in einer reflektierten Entscheidungsfähigkeit für ein Werk.

Ein Ziel, welches mit der Ausbildung künstlerischen Denkens verfolgt wird, findet sich im Wechselspiel des Ästhetischen und des Künstlerischen und deren Akzentsetzung: auf der einen Seite ist das Ästhetische (Süd), dem gegenüber auf der anderen Seite das Künstlerische (Nord). Verbunden sind die beiden Aspekte durch eine imaginären Schnur, auf der ein Magnetbalken während eines Prozesses (z.B. Projekt, Kunstwerk, ...) hin- und herfährt. Wird das Künstlerische durch die oben beschriebenen (geistigen) Prozesse aufgeladen, wird er von der Seite abgestoßen und der Magnet richtet sich auf das Ästhetische. Durch die neugewonnen Erfahrungen, die das ästhetische Ergebnis wiederum beeinflussen, wird diese Seite wieder neu aufgeladen und der Magnetbalken verschiebt sich in Richtung des Künstlerischen. Das, was die beiden Seiten auflädt, ist wiederum die Imagination, die diesen laufenden Prozess vorantreibt und durch die Erfahrung zur Gestaltung wird und zur Erreichung des weiteren Zieles führt: der Schüler wird zum Gestalter.

Zusammenfassend findet ein Paradigmenwechsel vom Subjekt zum Objekt statt (vgl. Buschkühle 2005, 4): ein künstlerisch denkender Schüler ist somit in der Lage auf „eine Gestaltung einer eigenen Aussage im Werk, auf die Erarbeitung einer eigenen Position zum Gegenstand in einer symbolischen Form" (Buschkühle 2005, 4) hinzuarbeiten und dieses Denken auf das eigene Leben zuübertragen. Weitergeführt wird dieser letzte Gedanke im erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys, der dem Kunstunterricht die Möglichkeit einräumt, den Menschen als Künstler zu fördern. Dabei meint Beuys nicht den Künstler, der eine Kunstform (professionell) ausübt, sondern den Menschen als Subjekt, das sich selbständig in der Welt (Objekt) orientiert. Dem Menschen wird der Platz eingeräumt, den er benötigt, um sich mit den Fragestellungen seines Lebens auseinandersetzen zu können, egal ob kultureller oder gesellschaftlicher Art. Mit dieser Auseinandersetzung ist der Weg für eigene Positionen frei gegeben: „Vielmehr ist Grundsätzliches damit ausgesagtüber den Menschen als Wesen, welches seine Lebensumstände selbst gestaltet" (Buschkühle 2007, 29).

2.2 Von der künstlerischen Bildung (Theorie) zum künstlerischen Projekt (Praxis)

Methodisch findet sich künstlerisches Denken in den Strukturen von Recherche, Konstruktion und Transformation wieder, oder: im Künstlerischen Projekt. Die Trans­formation gilt dabei als zentrales Moment, da „sie alles in einen Prozess der Verwandlung, der Umgestaltung, der Neuformulierung" (Buschkühle 2005, 5) hineinzieht. „Fabricando fabricamur", so die Aussage von Wilhelm Schmid, der in seiner ,Pädagogik der Lebenskunst' damit ausdrückt, dass wir uns im Schaffen selbst auch neu erschaffen. Dabei orientiert sich nicht nur der Werkschaffende neu, sondern auch das Werk selbst: „Im Schaffungsprozess verändert sich sowohl der Gegenstand als auch das gestaltende Subjekt. Das Thema und schließlich das entstehende Werk begegnen dem Künstler als Fremdes und mobilisieren seine geistigen Fähigkeiten in der ganzen Breite: leiblich und geistig, sinnlich und kognitiv, empfindend und imaginierend" (Buschkühle 2004, 3). Somit ist das künstlerische Projekt die angemessene Form des künstlerischen Lernens. Anstelle von traditionellen Vermittlungs­formen treten selbständiges und entdeckendes Lernen in den Vordergrund. Dem gerecht werden methodische Heran- und Vorgehensweisen wie Recherche und Konstruktion. Ein wichtiges Merkmal der Recherche seitens des Lehrkörpers ist das Schaffen von Frei- und Spielräumen, in denen das Subjekt individu]elle Möglichkeiten zum Recherchieren finden kann. Versuche, Beobachtungen, Wissenserwerb sind erfolgreicher, wenn die Schülerinnen nach ihren eigenen Tempi, Stilen, Formen und Methoden vorgehen können. Dabei sind inhaltliche wie handwerkliche Recherchen gemeint. Die Wahrnehmungen und Beobachtung­en dabei festigen sich je nach Interesse mehr oder weniger, das hängt auch damit zu­sammen, wie relevant sie für das entstehende Werk sind. Die Konstruktion soll dazu dienen, „im Rahmen der thematischen Arbeit Verbindungen, Beziehungen zwischen den einzelnen Arbeitsphasen und deren Inhalten" herzustellen, „inhaltliche und gestalterische Zusam­menhänge zu vertiefen" und zu „differenzierten Einsichten, Erfahrungen und Darstellungen" zu führen (Buschkühle 2004, 4). Dabei werden subjektive Anschauungen, Wahrnehmungen und Erkenntnisse, sowie sachliche Fakten und objektive Einstellungen, aber auch persönliche Empfindungen sortiert und miteinander verknüpft. Es werden Sinnzusammenhänge zwischen individuellen Erfahrungen und neuen Informationen hergestellt. Anzumerken ist, dass diese methodische Art keinesfalls gleich der Transformation ist. Es ist eher ein kritisches Reflektieren und/oder ein In-Beziehung-setzen. Hier differenziert sich das künstlerische Projekt zur Ästhetischen Bildung nach Helga Kämpf-Jansen, die vor allem fordert „ästhetische Erfahrungsräume zu öffnen, in denen Schüler, Schülerinnen [...] sich selbständig und eigenverantwortlich die verschiedensten ästhetischen Zugangsweisen zur Selbst- und Welterfahrung aneignen und produktiv nutzen" (Kämpf-Jansen 2010).

Künstlerische Transformation - wie oben bereits angedeutet - dekonstruiert diese Erfahrungen, Einsichten und Fertigkeiten der Konstruktion und Recherche, indem sie (auch das Subjekt) verändert, verformt oder verwandelt. Im Mittelpunkt steht dabei die Klugheit, die „auf dem Eigeninteresse des Individuums, leben zu lernen und sich dafür alle notwendigen Voraussetzungen anzueignen" (Buschkühle 2007, 167) basiert; angelehnt an Schmid in seiner ,Pädagogik der Lebenskunst'.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das künstlerische Projekt als mögliche Antwort auf die Kompetenzforderungen des Bildungsplans?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V166853
ISBN (eBook)
9783640828623
ISBN (Buch)
9783640828128
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Künstlerisches Projekt, Kunstdidaktik
Arbeit zitieren
Jasmin Armbrust (Autor), 2010, Das künstlerische Projekt als mögliche Antwort auf die Kompetenzforderungen des Bildungsplans?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166853

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