"Ein Kampf um Rom": Ideologie in Felix Dahns Roman


Studienarbeit, 2004
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nationalismus im 19. Jahrhundert

3 Ein Kampf um Rom“: Ideologie in Felix Dahns Roman
3.1 Theoderich als „Befreier“ Italiens
3.2 Dienst am Volk als oberste Maxime
3.3 Reme Herrschergcschichte
3 4 Militärisch unschlagbar
3.5 Niederlage durch fortwährenden Verrat
3.6 Die gegensätzliche Darstellung von Germanen und Südvölkem

4 Dahns Roman im Vergleich mit nationalsozialistischer Ideologie

5. Schluss

6. Bibliographie

1. Einleitung

Der deutsche Jurist, Schriftsteller und Historiker Felix Dahn wurde am 9. Februar 1834 in Hamburg geboren, war Professor für deutsche Rechtsgeschichte und Ehrendoktor der Medizin und Philosophie. Es kann also davon ausgegangen werden, dass er über weitreichendes wissenschaftliches Hintergrundwissen verfugte. Insbesondere befasste sich Dahn literarisch mit der Zeit der Völkerwanderung. Sein wohl bekanntestes Werk „Ein Kampf um Rom“ von 1876 erzählt umfangreich und packend vom Untergang des Ostgotenreiches im sechsten Jahrhundert. Er schreibt in sieben Büchern reine Herrschergeschichte, beginnend mit dem Tod Theoderichs des Großen und einem heroischen Bund einiger Goten zum Erhalt ihres Reiches. Allerdings vermögen es diese Goten von Ehre, Geradlinigkeit und Mut nicht, ihr Reich gegen die Südmächte zu behaupten und ihr Volk geht schließlich mit seinem dunklen Fürsten des Untergangs, Teja, würdevoll dem Ende entgegen. Trotz seiner wissenschaftlichen Ausbildung arbeitet Dahn in diesem Werk starke Gegensätze zwischen den ehrenhaften Germanen und den heuchlerischen Südvölkem heraus, welche die Goten schließlich nur durch Verrat und nicht durch kriegerische Größe in die Knie zwingen. Diese konstruierte Tragödie der Vergangenheit löste das idealistische Postulat der Versöhnung mit den Errungenschaften der Gegenwart ein[1] Dahn traf mit seiner Darstellung genau den Zeitgeist kurz nach der Reichsgründung im Jahr 1871, weil dieser Roman seine Leser in ihrem übermäßig erstarkten Nationalbewusstsein bestärkte. Karl Rehorn beschrieb das Phänomen 1890 sehr treffend:

„Seine größte Wirkung wird er [der Geschichtsroman] erzielen, [...] wenn er den großen Nationalen Ideen, welche unsere Zeit erfüllen und beherrschen, die Wurzeln bioslegt; wenn er in uns das Bewußtsein erweckt, die Kinder großer Väter zu sein; wenn er uns mit dem Stolze erfüllt, ein reiches Erbe aus der Vergangenheit überkommen zu haben; wenn er aber auch das Pflichtgefühl in uns belebt, an einer großen nationalen Aufgabe mit arbeiten zu sollen und berufen zu sein, dieselbe ihrem Abschlüsse näher zu führen,[2]. Zweifellos war es zum einen dieser um sich greifende Patriotismus, auf dem der erhebliche Erfolg des Romans beruhte. Zum anderen aber verstand es Dahn, seine Leserschaft durch sprachliche Fülle und seinen spannenden Erzählstil zu fesseln, was zweifelsohne keinem Vertreter des sogenannten „Professorenromans“ in derart vollendeter Weise gelang. „Ein Kampf um Rom“ war ein Bestseller seiner Zeit, wurde auch nach dem zweiten Weltkrieg noch als Schullektüre verwendet und erfreut sich heute noch außerordentlicher Beliebtheit bei Liebhabern des historischen Romans.

Diese Arbeit setzt die Kenntnis Dahns Werk voraus und wird sich keiner detaillierten Inhaltsangabe widmen. Vielmehr soll darüber Aufschluss gegeben werden, vor welchem historischen Hintergrund eine nationalistische Darstellung derart erfolgreich sein konnte, inwieweit sich Dahn zu chauvinistischen Darstellungen hinreißen ließ und bis zu welchem Ausmaß Dahns Ideologie Parallelen zum NS-Regime aufweist.

2. Nationalismus im 19. Jahrhundert

Zweifelsohne spielte die Gattung des historischen Romans seinerzeit eine bedeutende Rolle, weil sie ein „Massenmedium“ darstellte. Hierbei stellt eine konservative und nationalistisch-romantische Schilderung des Erzählten das Erfolgsrezept des Romans dar, weil sie genau dem Zeitgeist entsprach.

Unter Nationalismus versteht man ein übersteigertes Nationalgefühl, das nur die Macht und Größe der eigenen Nation gelten lässt und in der Regel mit Intoleranz einhergeht.[3] Wie aber kam es zu diesem erstarkten Nationalbewusstsein der Deutschen nach der Reichsgründung?

Um diese Frage zu beantworten sind sowohl politische als auch literaturhistorische Aspekte darzulegen, weil die völkisch-national-konservative Literatur kein Endprodukt einer nur innerliterarischen Bewegung ist, sondern vielmehr deutlich determiniert wird durch die politischen und sozialen Konstellationen der Jahrhundertwende[4]. Natürlich können diese komplexen Zusammenhänge im Rahmen dieser Arbeit nur skizziert werden. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation verlor seine Gewalt bereits im Hochmittelalter durch die Herrschaftsansprüche der Territorial fürsten gegenüber dem Kaisertum. Im Gegensatz dazu erlangten andere europäische Staaten, wie zum Beispiel Frankreich und England, zu dieser Zeit bereits eine relativ starke nationale Einheit. Der Westfälische Friede von 1648 hemmte darüber hinaus eine Nationsbildung zusätzlich durch konfessionelle Spaltung Obwohl diese Situation von den Fürsten sehr begrüßt wurde, empfand das Bürgertum den zersplitterten Zustand des Reiches bereits als unerwünscht, Der territorialen Uneinigkeit zum Trotz entwickelte sich im 18, Jahrhundert eine Bildungselite, die über diese Kleinstaaterei hinaus eine deutsche Nationalliteratur entwickelte und sich als oberstes Ziel ein gemeinsames Kulturbewusstsein setzte. Grundlage für diese kulturelle Entwicklung war ausschließlich die gemeinsame Sprache­Unter dem europaweiten Einfluss Napoleons genet diese deutsche Identitätsfindung schließlich fast vollständig unter die Räder. Napoleons militärischer und politischer Einfluss hatte 1803 unter anderem die Eroberung des linken Rheinufers durch Frankreich und das Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ zur Folge. Während die deutsche Nationalbewegung vorerst auf Bildungseliten beschränkt gewesen war, nahm sie infolge dieser politischen Veränderungen das Ausmaß einer Massenbewegung an: Mit der Zeit empfand man den losen Staatenbund als unerträglichen Zustand und das Verlangen nach einem starken und einheitlichen deutschen Reich wuchs zunehmend; nicht zuletzt um die erforderliche Kampfkraft gegen die unerwünschte Herrschaft Frankreichs aufbieten zu können. Bis weit in das 20, Jahrhundert hinein diente diese Entwicklung als Grundlage für die Erbfeind-Ideologie und legitimierte später die Gründung des Kaiserreichs. Eine Empfänglichkeit fur eine gemeinsame Deutsche Kultur etablierte sich bei der Masse und rasch entstand ein gemeinsames kulturelles Band während der napoleonischen Herrschaft: Der Klassik (Goethe, Wieland, Schiller) folgte die Romantik (Novalis) und schließlich die politische Romantik. Verblümte, idealistische und naturverbundene Darstellungen waren ab diesem Zeitpunkt an der Tagesordnung, die Germanen wurden glorifiziert, das christliche Mittelalter zu einer beispielhaften Vergangenheit erhoben und in einem „bis dahin nichtgekannten Ausmaß wurde die Politik zu einer Sache der Literaten.“[5] Einen erstmaligen nationalistischen Höhepunkt erreichte das politische Klima 1813/14 in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Es entwickelten sich nationale Bewegungen in Studentenkreisen, die sich zu Burschenschaften zusammenschlossen: Sie wollten die Wiederherstellung eines Deutschen Reiches („,christlich und germanisch, fromm und fret[6] ). Dieses Verlangen gipfelte erstmals in der Märzrevolution und Nationalversammlung von 1848. Letztendlich aber scheiterte dieser Umbruchversuch „am Widerstand der Fürsten und an der Angst des Bürgertums vor revolutionärem Radikalismus“[7] Der Wunsch nach einem eigenen Nationalstaat war dadurch aber nicht erfüllt Um das Ziel schließlich zu erreichen, musste eine Revolution „von oben“ erfolgen und unter der Führung Preußens zog Bismarck in drei Kriege zur Einigung der deutschen Nation: den Krieg um Schleswig-Holstein, den deutschen Bruderkrieg (Preußen besiegte das Österreichische Hauptheer bei Königgrätz) und den Krieg mit Frankreich. Theodor Schieder schreibt, dass der Deutsch-Französische Krieg um 1870/71 von einer leidenschaftlich erregten Nationalbewegung begleitet gewesen sei.[8] Frankreich musste nach seiner Niederlage Eisass-Lothringen wieder an das Deutsche Reich abtreten und Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Franken an Deutschland zahlen. Der politische Stillstand, welchen Anhänger der nationalstaatlichen Bewegung oft kritisierten, war nun endlich überwunden und der Traum eines Deutschen Nationalstaates mit der Gründung des Kaiserreiches endlich verwirklicht. Dennoch hatten viele Schriftsteller den Eindruck, dass trotz der politischen Nation eine gemeinsame geistig­kulturelle Identität fehle. Ihnen war es vor allem wichtig, die neuen politischen Verhältnisse durch ihr literarisches Werk ideologisch zu legitimieren. Häufig wurde dem Publikum eine heroische, nostalgische und glorifizierende Sicht der deutschen Vergangenheit präsentiert. Auch große Teile des literarischen Schaffens von Felix Dahn, dessen Werk im Folgenden behandelt wird, sind in diesem Licht zu sehen: der Roman „Ein Kampf um Rom“ bietet einigen ideologischen Zündstoff.

3. Ein Kampf um Rom“: Ideologie in Felix Dahns Roman

3.1 Theoderich als „Befreier“ Italiens

Theoderich der Große, der sich mit Waffengewalt über 30 Jahre lang die Macht in Italien sicherte, wird im Roman weder als brutal noch herrschsüchtig beschrieben. Vielmehr sieht Dahn in ihm einen Befreier des dekadenten und falschen Südens, der durch seine ungeheure Milde, Großherzigkeit und Umsicht einen nahezu paradiesischen Lebensraum für die Italier schafft. Sowohl Kultur als auch verloren geglaubte Tugenden erleben unter seiner Herrschaft eine Wiedergeburt, Südvölker und Germanen leben in Frieden miteinander. Ob dieses Bild allerdings der Wirklichkeit entspricht, bleibt zu bezweifeln.

[...]


[1] Dieser Hinweis auf die Ertragswirksamkeit und die Vergütung des Fähigkeitseinsatzes brachte dem Begriff des Humankapitals in Deutschland den Titel „Unwort der Jahres 2004" ein. Dies wurde durch die „Degradierung des Menschen zu nur noch ökonomischen interessanten Größen" begründet.

[2] OECD(2008)S. 173-179.

[3] Vgl. Mincer (1958), Schultz (1961), Becker (1962).

[4] Einen Ansatz bietet die OECD unter Verwendung der öffentlichen Ausgaben für Bildung und den erhöhten Steuereinkommen durch zusätzliche sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse. Die Ergebnisse sind ähnlich bedeutend wie die privaten Bildungsrenditen. OECD (2008), S. 190-191.

[5] Zum Beispiel in der Form von (höheren) Schulabschlüssen und einer weit verbreiteten Grundbildung (Lese- und Rechenfähigkeiten, kooperatives soziales Verhalten).

[6] Vgl. OECD (2001), S. 28-36.

[7] In Abwesenheit eines Mindesteinkommens durch Transferzahlungen der Gesellschaft ist dies der Bezug eines Einkommens und die Sicherung des langfristigen Einkommensbezugs.

[8] Vgl. Swan (1956), Solow (1956).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Ein Kampf um Rom": Ideologie in Felix Dahns Roman
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V166861
ISBN (eBook)
9783640833771
ISBN (Buch)
9783640833375
Dateigröße
7277 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kampf, ideologie, felix, dahns, roman
Arbeit zitieren
Florian Schomanek (Autor), 2004, "Ein Kampf um Rom": Ideologie in Felix Dahns Roman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166861

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