Junge Menschen konsumieren Alkohol in Mengen, die bereits für Erwachsene riskant bzw. gesundheitsgefährdend sind. Gleichzeitig hat die Jugendgewalt, insbesondere die Körperverletzungsdelikte, in den letzten Jahren zugenommen. Auf diese Entwicklung haben soziodemographische Faktoren, insbesondere das Elternhaus einen erheblichen Einfluss.
Diese Arbeit untersucht die Teilnehmer einer Maßnahme für unter Alkoholeinfluss straffällig gewordene junge Menschen (Kaj- Kurzzeitintervention für unter Alkoholeinfluss straffällig gewordene junge Menschen). Mit Hilfe eines dafür entwickelten Fragebogens wurden 53 Teilnehmer der Maßnahme in den Jahren 2008/2009 hinsichtlich ihres Suchtmittelkonsums, ihrer familiären Hintergründe und ihres delinquenten Verhaltens analysiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass frühe Suchtmittelerfahrungen sowohl mit dem Einstieg als auch mit dem Ausmaß delinquenten Verhaltens zusammenhängen. Darüber hinaus stehen innerfamiliäre Gewalterfahrungen und späterer Suchtmittelkonsum der jungen Menschen in engem Verhältnis. Durch die Bildung eines Risikoindizes konnten wir zeigen, dass vor allem junge Menschen, die mehrere Risikofaktoren (Suchtmittelkonsum der Eltern, Gewalterfahrungen im Elternhaus, früher eigener Suchtmittelkonsum, frühe erste Straftat) aufweisen, gegenwärtig ein besonders hohes Maß an deviantem Verhalten an den Tag legen. Praktische Implikationen für die Arbeit mit suchtmittelkonsumierenden, straffälligen jungen Menschen werden diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
2 THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 JUNGE MENSCHEN UND SUCHTMITTELKONSUM
2.1.1 Suchtmittelkonsum allgemein
2.1.2 Alkoholkonsum bei jungen Menschen
2.1.3 Cannabiskonsum bei jungen Menschen
2.1.4 Einblicke in die Lebensbedingungen der Jugendlichen
2.1.5 Kinder aus suchtbelasteten Familien
2.1.6 Präventionsangebote
2.2 JUNGE MENSCHEN, GEWALT UND STRAFTATEN
2.2.1 Begriffsbestimmung und Fakten
2.2.2 Jugendstrafrecht
2.2.3 Präventionsangebote
2.3 JUNGE MENSCHEN UND STRAFTATEN UNTER SUCHTMITTELKONSUM
2.3.1 Einflussfaktoren und Sozialisation
2.3.2 Präventionsangebote
2.4 PRÄVENTION ALLGEMEIN
3 VORSTELLUNG DER MASSNAHME KAJ
3.1 ENTSTEHUNG DER MASSNAHME
3.2 BESCHREIBUNG DER MASSNAHME
4 METHODEN
4.1 UNTERSUCHUNGSDESIGN
4.2 DURCHFÜHRUNG
4.3 ERHEBUNGSINSTRUMENTE
4.4 STICHPROBE
4.5 FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN
5 ERGEBNISSE
5.1 DESKRIPTIVE BETRACHTUNG DER TEILNEHMER
5.1.1 Suchtmittelkonsum
5.1.2 Deliquenz
5.1.3 Familiärer Hintergrund
5.1.4 Sozioökonomischer Hintergrund
5.1.5 Bisherige Hilfen
5.2 ZUSAMMENHANGSANALYSEN ZU AUSGEWÄHLTEN TEILNEHMERVARIABLEN
5.2.1 Formen devianten Verhaltens und Alter bei erster Auffälligkeit
5.2.2 Erfahrungen im Elternhaus und deviantes Verhalten
5.3 BILDUNG EINES RISIKOINDIZES
6 DISKUSSION
6.1 DISKUSSION DER DESKRIPTIVEN BEFUNDE
6.2 DISKUSSION DER ZENTRALEN KORRELATIVEN BEFUNDE
6.3 DIE KUMULATION VON RISIKOFAKTOREN
6.4 PRAKTISCHE IMPLIKATIONEN
SCHLUSSGEDANKEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Teilnehmer der Maßnahme "Kaj" (Kurzzeitintervention für unter Alkoholeinfluss straffällig gewordene junge Menschen), um deren suchtmittelbezogene und deliquente Verhaltensweisen sowie familiäre und sozioökonomische Hintergründe zu untersuchen und Anstöße zur Optimierung der Maßnahme zu geben.
- Konsumverhalten und Einstiegsalter bei Alkohol und Cannabis
- Zusammenhänge zwischen familiären Belastungsfaktoren und Delinquenz
- Strukturen des Jugendstrafrechts und präventive Interventionsmöglichkeiten
- Einfluss von sozioökonomischen Faktoren und Freundeskreisen
- Entwicklung und Evaluation eines spezifischen Risikoindizes für straffällige Jugendliche
Auszug aus dem Buch
Die Sicht der Jugendlichen auf Familie allgemein
Entgegen der These von der Auflösung von Ehe und Familie lässt sich bei den Jugendlichen eine starke Familienorientierung feststellen: 72% der Jugendlichen sind der Meinung, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Jugendliche lange in den Strukturen ihrer Herkunftsfamilie bleiben. So leben 73% der Jugendlichen im Alter von 18-21 Jahren noch bei ihren Eltern. Bei den 22- bis 25-Jährigen sind es immerhin noch 34%. Möglicherweise bildet hier die Familie einen Spannungsausgleich über den Rückhalt im familiären Bereich, der einen Gegenpol zu einer potenziell unsicheren Zukunft darstellt (vielfältige Anforderungen der Arbeitgeber, unsichere Berufsaussichten etc.); vielleicht hängt dieses auch mit den vergleichsweise langen Ausbildungszeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zusammen (Deutsche Shell Holding 2006, S.16-17, 50-64).
Der Großteil der Jugendlichen ist mit der Erziehung durch ihre Eltern zufrieden; 71% of ihnen würden ihre Kinder ungefähr so oder genau so erziehen. Diese Sichtweise ist jedoch schichtabhängig: Während nur 46% der Jugendlichen aus der Unterschicht mit der Erziehung ihrer Eltern zufrieden sind, sind es in der Oberschicht fast doppelt so viele (79%). 90% geben an, ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern zu haben (38% davon kommen bestens mit ihren Eltern aus; 52% kommen mit ihnen zurecht, auch wenn es gelegentlich Meinungsverschiedenheiten gibt). Das Verhältnis zu den Eltern beschreiben 9% der Jugendlichen als schlecht, dabei handelt es sich großteils um Jugendliche aus den unteren sozialen Schichten. Darüber hinaus beeinflusst die Familienform, in der die Jugendlichen leben, das Verhältnis zu den Eltern. Mädchen und junge Frauen sind im Vergleich zu Jungen und jungen Männern stärker familienorientiert (Deutsche Shell Holding 2006, S.59-64).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Diese Einleitung beschreibt den Anlass der Untersuchung sowie das Ziel, die Maßnahme "Kaj" durch eine Teilnehmeranalyse zu optimieren.
2 THEORETISCHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel liefert einen umfassenden Überblick über jugendlichen Suchtmittelkonsum, Gewaltphänomene, Jugendstrafrecht und Präventionsstrategien.
3 VORSTELLUNG DER MASSNAHME KAJ: Hier werden Entstehung und konzeptionelle Ausgestaltung der spezifischen Intervention für straffällige, suchtmittelkonsumierende Jugendliche beschrieben.
4 METHODEN: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign, die Durchführung, die Instrumente sowie die Stichprobe der durchgeführten Untersuchung.
5 ERGEBNISSE: Hier werden die deskriptiven Daten der Teilnehmer präsentiert sowie Korrelationsanalysen und die Bildung eines Risikoindizes dargestellt.
6 DISKUSSION: Dieses Kapitel ordnet die Untersuchungsergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext ein, diskutiert Hypothesen und leitet praktische Implikationen ab.
Schlüsselwörter
Heranwachsende, Delinquenz, Suchtmittelkonsum, Risikofaktoren, Jugendgewalt, Alkohol, Cannabis, Straftaten, Prävention, Intervention, Jugendstrafrecht, Sozialisation, familiärer Hintergrund, Familienregeln, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Lebensumstände, das Suchtmittelkonsumverhalten und die kriminellen Aktivitäten von jungen Menschen, die an der "Kaj"-Maßnahme teilnehmen, um diese Intervention zu evaluieren und weiterzuentwickeln.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Schnittstellen von Substanzkonsum (Alkohol, Cannabis), Delinquenz, familiärem Hintergrund sowie der Wirksamkeit von Präventions- und Interventionsangeboten für junge Erwachsene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine differenzierte Analyse der Teilnehmer, um die Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Variablen, dem Konsumverhalten und Straftaten zu verstehen und Optimierungsmöglichkeiten für die Maßnahme aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Evaluationsforschung im Sinne einer populationsbeschreibenden Untersuchung mittels eines standardisierten Fragebogens ("Kaj-Fragebogen") zur Erhebung quantitativer Daten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil beleuchtet den theoretischen Rahmen, die methodische Vorgehensweise, die deskriptive Auswertung der Teilnehmerdaten sowie korrelationsanalytische Zusammenhänge, etwa durch die Bildung eines Risikoindizes.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Suchtmittelkonsum, Jugendkriminalität, Risikoindizes, Prävention, Delinquenz und familiäre Belastungsfaktoren.
Welche Rolle spielt die Familie für die Teilnehmenden?
Die Familie fungiert oft als prägender Faktor; die Untersuchung analysiert insbesondere, wie elterlicher Alkoholkonsum und Gewalterfahrungen in der Kindheit mit späterem deviantem Verhalten korrelieren.
Was ist die zentrale Schlussfolgerung hinsichtlich der Risikofaktoren?
Es konnte gezeigt werden, dass eine Kumulation (Anhäufung) von Risikofaktoren – wie elterliche Sucht, frühe Gewalterfahrungen und früher Konsum – die Wahrscheinlichkeit für späteres deviantes Verhalten signifikant erhöht.
- Arbeit zitieren
- M.A. Alexander Ottlik (Autor:in), Ilona Küspert (Autor:in), 2010, Teilnehmeranalyse und Weiterentwicklung einer Maßnahme für alkoholkonsumierende, straffällige junge Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166867