Türkischer Nationalismus Gestern und Heute

Die Auswirkungen des nationalistischen Diskurses auf die türkische Gesellschaft vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart


Magisterarbeit, 2010
126 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Begriffe Nationalismus und Nation nach Anderson, Hobsbawm und das Drei- Stufen-Modell nach Hroch

3. Historischer Rahmen und die Annäherung an europäische Errungenschaften

4. Die Wiederentdeckung des ‚Türken‘
4.1 Die europäischen Orientalisten
4.2 Die Jungosmanen
4.3 Die Russlandtürken

5. Die Entstehung des türkischen Nationalismus
5.1 Ismail Gaspirali
5.2 Yusuf Ak urao lu und seine Schrift ‚Ü tarz-i Siyaset`
5.3 Die Jungtürken, ihr Zentralkomitee und die nationale Agitation
5.4 Türkische Zeitschriften und Vereine in der jungtürkischen Periode
5.4.1 Die Organe: Türk Derne i (Türkischer Verein), Türk Yurdu (Türkenheimat), Gen Kalemler (Junge Stifte), Islam Mecmuasi (Islamsiche Zeitschrift) und Türk Oca i (Türkenherd)
5.5 Ziya Gökalp
5.6 Türkischer Natioanlismus im Ersten Weltkrieg
5.7 Vom dynastischen Reich zur Republik

6. Die positiv konnotierte nationale Identität
6.1 Der Islam als oppositionell souveräne Potenz zur Republik

7. Die Schaffung einer neuen-nationalen-Identität
7.1 Reformen und Verwestlichung
7.2 Die Türkifizierung Anatoliens und die Bestimmung des nationalistischen Diskurses

8. Die Begriffe Diskurs und Doktrin nach Foucault und ihre Transparenz hinsichtlich dieser Arbeit

9. Analytische Untersuchung der Auswirkungen des nationalistischen Diskurses auf die türkische Gesellschaft
9.1 Wie sollte mit dem Islam umgegangen werden?
9.2 Die Diskriminierung der Kurden
9.3 Die Diskriminierung der nichtmuslimischen Minderheiten
9.4 Türkischer Nationalismus in der gegenwärtigen Türkei

10. Resümee

1. Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem türkischen Nationalismus, der nationalen Identität und der türkischen Nation. Die Absicht dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass in der heutigen Türkei die Staatsbürger einem nationalistisch-türkisch bestimmten Diskurs ausgesetzt sind. Dieser wird vor allem von den staatlichen Organen und Einrichtungen bestimmt und hat seine Ursprünge bereits vor der Republikgründung.

Die Tendenz in der heutigen Tükei geht in Richtung eines chauvinistischen Nationalismus. Wieso dies geschieht und welche Absichten dadurch verfolgt werden, soll in dieser Arbeit geklärt werden. Dabei gilt zu beachten, dass der türkische Nationalismus verschiedene Rollen annehmen kann. Das heißt, dass man den Nationalismus in allen Schichten und sozialen Gruppen finden kann, also nicht nur bei rechten Gruppierungen, sondern auch in konservativen, religiösen, modernen, westlichen, liberalen und sogar linksgerichteten Kreisen.1 Man kann den türkischen Nationalismusüberraschenderweise auch bei ethnischen Minderheiten finden. Dies sollen die vom Verfasser erhobenen Kurzinterviews am Ende der Arbeit belegen.

Seit 2007 gibt es in der Türkei einen offenen Kampf um die politisch-gesellschaftliche Vormachtstellung. Dabei wird von Seiten des nationalistisch-kemalistischen Staates, unterstützt vom Militär und der Justiz, ein gewaltsamer Kampf geführt. Gegner sind sowohl islamisch-konservativ geprägte politische Strömungen, die sich ebenfalls nationalistischer Parolen bedienen als auch kurdische Seperatisten, die dem türkischen einen kurdischen Nationalismus entgegensetzen.

Kemalisten identifizieren in der Einheit der Nation und dem Prinzip des Laizismus die nach wie vor höchsten zu beschützenden Güter. Dabei können wir, wie später untersucht wird, einen paradoxen Umgang mit jenen Leitprinzipien diagnostizieren.

Die durch die Regierung eingeleiteten Reformen im Rahmen des EU-Beitritprozesses veranlassten uns zu glauben, dass die Türkei einen demokratisch pluralistischen Weg eingeschlagen habe. Hierbei gilt jedoch anzumerken, dass seit 2005 vermehrt nationalistisch motivierte Mordanschläge und Morddrohungen aufgetreten sind und eine ultranationalistische staatliche Untergrundorganisation den eigentlichen Staat im Staate bildet. Diese nationalistische Vereinigung wird, wie wir aufzeigen werden, durch den autoritären Nationalstaat gestützt.

Ferner wollen wir einen Blick in die Genese der türkischen Republik und die Zeit davor werfen. Dadurch soll sichtbar werden, dass die ab 1839 und 1923 durchgeführten Reformen lediglich als ‚äußerliche` Reformen zu bezeichnen sind, da die eingeführten Neuerungen für die herrschenden Kreise mehr oder minder bloße Notwendigk eitsmaßnahmen darstellten, um ihre Macht zu sichern. Demokratie im klassisch westlichen Sinne beinhaltet politischen und kulturellen Pluralismus. Angesichts der oben erwähnten Machtkämpfe, gilt es zu fragen, ob die 1923 gegründete Republik die Partizipationsmöglichkeit ihrer Staatsbürger gleichberechtigt wahrnahm und bis heute wahrnimmt? Die Analyse der Partizipationsmöglichkeiten der Bürger seit der Republikgründung soll es uns ferner ermöglichen, die Ausgrenzungenmechanismen des Staates gegenüber, so verstandenen, anderen Identitäten aufzuzeigen, denn die administrative Praxis und soziale Wirklichkeit blieben dabei weit hinter dem bürgerlichen Verständnis, welches wir aus Europa kennen, zurück. Von Anfang an wurden die türkisch-sunnitischen Staatsbürger privilegiert und ab 1930 ein stark völkisches Verständnis vom türkischen Staatsbürger propagiert.

Atatürk2 starb am 10. November 1938. Der Stunde seines Todes wird auch heute noch in der türkischen Öffentlichkeit gedacht. Landesweit stehen die Flaggen auf Halbmast, Politiker und Militärs jeder Coleur versammeln sich in Ankara am Mausoleum ,Anıtkabir` zu einem Trauerakt. Atatürk ist in der türkischen Öffentlichkeit auch heute noch allgegenwärtig. In jedem öffentlichen Büro hängt hinter dem Schreibtisch sein Portrait, in jeder Stadt gibt es mindestens eine Statue von ihm. Demnach müssen wir uns die Frage stellen, warum dieser Mann nach wie vor in der türkischen Gesellschaft eine solch präsente Stellung einnimmt?

Es gibt unzählige nationalistische Slogans und Plakate. Erst im Wahlkampf 2009 war der Wahlspruch der führenden Regierungspartei AKP: „Du bist Türke, also denke im Großen“ (Sen Türksün - BÜYÜK DÜŞÜN), die CHP hatte 2007 den Wahlslogan „Nationalismus ist das Hauptbindemittel der Gesellschaft“ (Milliyet ilik bu toplumun ana imentosudur). Die Symbole ihrer Nation sind für Türken heilig und ihre Würde ist sowohl mit diesen Symbolen als auch der Existenz ihrer Nation unterennbar verbunden.

Zur formalen Gliederung dieser Arbeit ist zu sagen: Wir wollen drei Schwerpunkte setzen. Dies erscheint uns in Anbetracht der großen zu behandelnden Zeitspanne nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Dabei wollen wir ferner lediglich jene markanten Beispiele aufgreifen und näher analysieren, die uns helfen, die von uns aufgeworfenen Fragen und Thesen zu beantworten. Als Hintergrundfolie wollen wir stets die Frage nach den Auswirkungen des nationalistischen Diskurses auf die türkische Gesellschaft berücksichtigen. Hierbei können wir viele Entwicklungen nur streifen oder müssen sie unberücksichtigt lassen. Dennoch soll versucht werden, wo dies möglich erscheint, einer chronologischen und vor allem logischen Argumentationskette zu folgen.

Den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit stellt die Frage der Entstehung des türkischen Nationalismus dar. Dabei soll zunächst eine Klärung des Begriffes ‚Nationalismus‘ und der von diesem nicht zu trennenden Termini ‚Nation‘ und ‚nationale Identität‘ vorgenommen werden. Für die Definition der Begriffe ‚Nation‘ und ‚Nationalismus‘ sollen uns vor allem Benedict Andersons Ausführungen dienen, die dieser in seinem Werke ‚Die Erfindung der Nation‘ liefert. Ferner werden wir auf Eric Hobsbawms Werk ‚Nationen und Nationlismus‘ zurückgreifen, um aufzuzeigen, wie Nationen entstehen und welche Rolle die nationale Identität und der Nationalismus dabei einnehmen.

Die türkische Repbulik scheint einen nationalistischen Diskurs vorauszusetzten, denn in allen staatlichen Institutionen und Einrichtungen sind nationalistische Tendenzen sehr stark vertreten. So soll ferner untersucht werden, welche Formen der türkisch-nationalistische Diskurs einnahm und heute einnimmt. Der zu untersuchende Nationalstaat ist hierbei ein „Istzustand“, den man an konkreten Phänomenen identifizieren und belegen kann. Um dies nachvollziehen zu können, soll auch die Entstehung des türkischen Nationalismus bzw. der türkischen Nation nachgezeichnet werden. Für unser Thema besonders dienlich erweist sich hierbei das von Miroslav Hroch entworfene Drei-Stufen-Modell, welches dieser in seinem Buch ‚Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas‘ entwickelt. Dieses soll uns primär dabei unterstützen, wenn es darum geht ]die Frage zu klären, wieso der türkische Nationalismus schlussendlich die bestimmende politische Kraft im Osmanischen Reich wurde. An dieser Stelle können wir vorwegnehmen, dass bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Jungtürken die Macht im Reich an sich reißen sollten, der türkische Nationalismus als politische Strömung im Osmanischen Reich nicht vorherrschend war und die Zeitgenossen sichüber die Zukunft des Osmanischen Reiches nicht im Klaren waren. Vor allem die Russlandtürken3 sollen im ersten Teil dieser Arbeit besondere Beachtung finden, da gerade sie den türkischen Nationalismus erweckt und ins Osmanische Reich getragen haben. In diesem Kontext soll der Person Yusuf Ak urao lus eine entscheidende Berücksichtigung zuteil werden, da dieser, um bereits hier mit Hroch zu sprechen, die von diesem entworfene Phase B einleitete.

Im Zweiten Teil der Arbeit greifen wir mit der Darstellung der Republikgründung bzw. - genese den zweiten Schwerpunkt auf. Hier soll zuvorderst der Frage nachgegangen werden, wie das kemalistische Regime der bisher religiös-islamistisch geprägten Gesellschaft eine türkisch-nationale Identität verleihen wollte. Auf politischer Ebene löste die Volkssouveränität die monarchisch-religiöse Legitimität zwar ab, jedoch sollte sie auch gleichzeitig die religiöse Identität durch ein rational-aufklärerisches Weltbild ersetzten. Um dies besser fassen zu können, muss zunächst geklärt werden, was unter einer nationalen Identitätüberhaupt zu verstehen ist.

Im Dritten Teil der Arbeit soll, auf das bis dato Dargstellte aufbauend, gezeigt werden, wie der stetige Prozess der Identitätsbildung durch die Bestimmung eines nationalistischen Diskurses bzw. einer Staatsdoktrin, die Identifikation mit der Republik gewährleisten sollte. Hierbei interessiert uns primär, wann dieser Diskurs entstand und wie er definiert wurde. Auch zum Begriff ‚Diskurs‘ muss eine theoretische Grundlage geliefert werden, wobei wir vornehmlich auf die Ausführungen Foucaults zurückgreifen werden. Wie sich die Bestimmung eines Diskurses im speziell türkisch-nationalistischen Fall ausnimmt und welche Auswirkungen eine systematisch vorgegebenen Identität auf die türkische Gesellschaft hatte, soll daran anschließend in Auszügen dargestellt werden. Hierbei findet vor allem der Bezug auf religiös unterdrückte bzw. ethnische Minderheiten Berücksichtigung.

Bevor die Arbeit in ein abschließendes Resümee mündet, wollen wir anhand von Zeitungsausschnitten und vom Autor selbsterhobener Interviews, unserer Eingangsthese Nachdruck verleihen, wonach die Türkei immer noch von nationalistischen Tendenzen bestimmt wird, die um die Jahrhundertwende zu wirken begannen und sich in den folgenden Jahren intensivierten.

Bevor wir jedoch mit unseren Ausführungen beginnen wollen, sei an dieser Stelle noch erwähnt, warum die Arbeit einen so umfangreichen Zeitrahmen behandelt. Dies liegt darin begründet, dass laut offiziell-türkischer Seite der Nationalismus erst ab der Revolution der Jungtürken 1908 einsetzte. Worin die Gründe dafür liegen ist fraglich. Es könnte sein, dass der Staat einen stringent türkischen Weg aufzeigen und dabei die Tatsache verwischen wollte, dass der türkische Nationalismus eine außerhalb der Grenzen des Osmanischen Reichs entstandene Idee und Initiative war. Erst seit David Kushners Werk ,The Rise of Turkish Nationalism, 1876-1908` von 1977 wird deutlicher, dass der türkische Nationalismus bereits vor der Republikgründungsphase zu wirken begann. Diese Auffassung setzt sich jedoch erst seit einigen Jahren in der historischen Forschung durch. Aus diesem Grund erscheint es uns als Notwendigkeit, diese ‚vergessene‘ Phase aufzuarbeiten, um eine klare Linie zwischen den Russlandtürken und dem Aufkommen des türkischen Nationalismus aufzuzeigen. In Europa setzte die Türkei-Forschung erst mit den ernsthaften Bemühungen der Türkei um einen Beitritt in die EU Ende der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts verstärkt ein. Davor erschienen vor allem in Nordamerika Untersuchungen zur türkischen Geschichte. Seit der genannten Zeit entstanden auch in Deutschland viele Arbeitenüber die Türkei, hier vor allem in sozialwissenschafltichen Disziplinen und seit einiger Zeit auch im politikwissenschaftlichen Bereich. Auch im Bezug auf den Islam, lässt sich ab 2001 ein gesteigertes Forschungsinteresse verzeichnen. Aus der Türkei gibt es erst seit wenigen Jahren kritische Arbeiten zur eigenen Vergangenheit. Hierbei nimmt vor allem die 1996 gegründete Bilig-Universität eine Sonderstellung ein, denn sie mischt sich gezielt in gesellschaftspolitische Belange ein und veröffentlicht kritische Werke zur türkischen Geschichte.

Zur aktuellsten Nationalismus-Forschung bezüglich der Türkei sind vor allem zwei Bücher zu erwähnen: Das 2006 erschienene Werk ‚Turkey beyond Nationalism: Towards post- nationalist Identities` Hans-Lukas Kiesers, mit Beiträgen anderer Autoren. Und das Buch von Soner Cagaptay ‚Islam, Secularism, and Nationalism in Modern Turkey. Who is a Turk?` auch von 2006.

Hans-Lukas Kieser und weitere Mitautoren stellen hierbei u.a. heraus, dass das 20. Jahrhundert in der Türkei von einem nationalistischen Diskurs geprägt war. Uns sollen vor allem die Ausführungen bezüglich der Entstehung und Bestimmung des türkischen Nationalismus interessieren. Den Ausführungen Kiesers und weiteren Publizisten seines Werkes soll in dieser Arbeit eine exponierte Stellung eingeräumt werden. Aber auch Cagaptays Werk soll besondere Berücksichtigung finden, hier vor allem hinsichtlich der Identitätspolitik.

2. Die Begriffe Nationalismus und Nation nach Anderson, Hobsbawn und das Drei- Stufen-Modell nach Hroch

Im Laufe dieses Kapitels wollen wir uns der Frage widmen, was die historischen Grundvoraussetzungen bzw. Grundentwicklungen für das Entstehen des türkischen Nationalismus waren und wie dieser zu einer solch weiten, in seiner Geltungsreichweite bis heute anhaltenden Verbreitung gelang. Zu diesem Zwecke wollen wir vorab, unter Rückgriff auf die Arbeiten Benedict Andersons4, Eric J. Hobsbawms5 und Miroslav Hrochs6 die Grundlage für das Verständnis der Begriffe Nation und Nationalismus schaffen. Dabei soll uns der Rekurs auf diese drei wissenschaftlichen Referenzfiguren u.a. dazu dienen, das Phänomen des Nationalismus in seiner Anwendbarkeit auch auf ein weitestgehend außereuropäisches Land, zumindest was den technischen und intellektuell-geistigen Fortschritt betrifft, zuübertragen.

Mit Hroch können wir zunächst, allgemein formuliert, festhalten, dass von einer Nation dann gesprochen werden kann, wenn sich diejenigen Personen mit dieser identifizieren, die zur Nation gehören sollen.7 Ferner können wir der Feststellung Hobsbawms Folge leisten, wonach es nicht die Nationen sind, die Staaten und Nationalismen hervorbringen, sondern umgekehrt.8 Anderson indes schlägt folgende Leitdefinition für den Begriff der Nation vor: „Sie ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft - vorgestellt als begrenzt und souverän“.9 „Vorgestellt“ sei sie nach Anderson, „weil die Mitglieder selbst der kleinsten Nationen die meisten anderen niemals kennen, ihnen begegnen oder auch nur von ihnen hören werden, aber im Kopf eines jeden die Vorstellung ihrer Gemeinschaft existiert“.10 „Begrenzt“ erscheine sie, da jede Nation in „eigenen“ Grenzen lebe, „jenseits derer andere Nationen liegen“ würden.11 Warum die Nation als souverän vorgestellt wird, beantwortet Anderson damit, dass der Begriff zu einer Zeit geboren worden sei, „als die Aufklärung und Revolution die Legitimität der als von Gottes Gnaden gedachten hierarchisch-dynastischen Reiche“ zerstört habe.12

Folglich identifiziert Anderson im 18.Jahrhundert jene Epoche, welche die „Morgenröte“ des Nationalismus und die „Abenddämmerung“ der religiösen Denkweise darstelle. Wie Anderson weiter anführt, sei durch das Verschwinden der Religiosität eine „Umwandlung des Unausweichlichen in Kontinuität, der Kontingenz zu Sinn“ notwendig geworden, wozu sich „nur wenige Dinge [...] geeigneter“ erwiesen hätten „als die Idee der Nation.“13 Infolgedessen sei der Nationalismus nur zu verstehen, wenn man ihn „mit den zwei großen kulturellen Systemen“, der „religiösen Gemeinschaft“ und dem „dynastischen Reich“, verknüpft, „die ihm vorausgegangen sind und aus denen - und gegen die - er entstanden ist“.14 Er beschreibt, dass die großen religiösen Gemeinschaften sich primär „über das Medium einer an eineüberirdische Ordnung geknüpften heiligen Sprache“ definierten.15 Damit meint er vor allem die Vormachtstellung des Latein der Christen und das Arabisch der Muslime. Die Gründe für das Schwinden der religiösen Gemeinschaft erkennt Anderson u.a. in der Wirkung der Forschungsreisen in die außereuropäische Welt und in der „Degradierung der heiligen Sprache selbst“.16 Auf die Frage schließlich, warum die dynastischen Reiche ihre Legitimität zugunsten aufkommender nationaler bzw. nationalstaatlicher Strömungen verloren haben, obwohl sie noch 1914 „die Mehrheit der Mitglieder des politischen Weltsystems“ darstellten, antwortet uns Anderson mit Blick auf die damals zeitgenössische Politik. So hätten viele Herrscher schon seit einiger Zeit nach einem „nationalen“ Signet gegriffen, da das alte Legitimitätsprinzip langsam „dahinschwand.“17

„Die Annahme, das vorgestellte Gemeinwesen der Nation wäre einfach aus den Glaubensgemeinschaften und dynastischen Reichen entstanden und hätte diese ersetzt, wäre kurzsichtig. Ein grundlegender Wandel betraf die Wahrnehmungsformen der Welt, die es erst ermöglichten, den Begriff der Nation zu denken.“18

Anderson verknüpft in seinen Ausführungen die Entstehung der Nation ferner mit dem Aufkommen des Kapitalismus, der durch die Erfindung des Buchdruckes eine entscheidende Beschleunigung gefunden habe.19 Zudem zeichne der Buchdruck dafür verantwortlich, dass Ungleichheit und Ausbeutung, als ‚kameradschaftlicher’ Verbund von Gleichen verstanden wird. Es war diese Brüderlichkeit, die es in den letzten zwei Jahrhunderten möglich gemacht hat, daß Millionen von Menschen für so begrenzte Vorstellungen weniger getötet haben als vielmehr bereitwillig gestorben sind.“ (Ebd. S.16 f..) tradierte Gewissheiten zunehmnd in Frage gestellt wurden, womit ein Orientierungsverlust der Menschen einherging:

„Der langsame und schrittweise Verlust dieser miteinander verbundenen Gewißheiten, der aufgrund ökonomischer Veränderungen, (sozialer und naturwissenschaftlicher) ‚Entdeckungen’ und der Entwicklung immer schnellerer Kommunikationswege zuerst in Westeuropa, späterüberall geschah, trieb einen Keil zwischen Kosmologie und Geschichte. Es begann die Suche nach einer neuen Möglichkeit, Sinn, Macht und Zeit sinnvoll miteinander zu verbinden. Nichts beschleunigte diese Suche mehr - und machte sie fruchtbarer - als das Druckgewerbe, welches immer mehr Menschen ermöglichte, auf grundlegend neue Weiseüber sich selbst nachzudenken und sich auf andere zu beziehen.“20

In seinen Ausführungen wird deutlich, dass für Anderson die Nation ein zuvorderst narratives Konstrukt ist, das den Kern des jeweils typischen Nationalismus bzw. der nationalen Identität bildet. So betont Anderson nachdrücklich, dass die Möglichkeit, sich die Nation vorzustellen, nur dort möglich gewesen sei, wo „die Vorstellung einer besonderen Schriftsprache als privilegierter Zugang zu einer ontologischen Wahrheit“ gegeben war. In demselben Kontext steht für Anderson zudem „der Glaube, die Gesellschaft sei naturwüchsig um und unter Oberhäupter gruppiert“ und „eine Zeitvorstellung, in der Komsologie und Geschichte ununterscheidbar waren, der Ursprung der Welt und des Menschen wesensmäßig identisch schienen“.

„Miteinander vereinigt ließen diese Vorstellungen das Leben der Menschen vorherbestimmt erscheinen, indem sie den alltäglichen Leiden des Daseins (vor allem Tod, Verlust und Knechtschaft) einen Sinn verliehen und auf verschiedene Weise Erlösung von ihnen versprachen.“21

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wird deutlich, dass Anderson in den im 18. Jahrhundert entstehenden Romanen und Zeitungen sozusagen die technischen Hilfsmittel für das Entstehen eines Nationalbewusstseins identifiziert.22 So versucht er die Bedeutung der, modern formuliert, Print-Medien anhand eines Vergleichs zwischen dem Buch und anderen frühindustriellen Produkten wie Textilien, Ziegelsteinen oder Zucker zu veranschaulichen. Anderson kommt dabei zu dem Schluss, dass die genannten Produkte in mathematischen Größen gemessen werden, das Buch dagegen „ein eigenständiger und geschlossener Gegenstand [sei d.V.] der in großer Zahl exakt vervielfältigt wird“.23 Die Ursprünge des Nationalbewusstseins liegen bei Anderson, dies sei nochmals hervorgehoben, demnach im Rahmen einer bestimmten Expansion des Marktes für Druckerzeugnisse, was sich vor allem im 19. Jahrhundert noch intensivieren sollte.übertragen auf die historische Entwicklung des Nationalismus in der Türkei, lassen sich hier erste Parallele ziehen, denn auch hier spielten Bücher, Zeitungen und Zeitschriften eine wichtige Rolle, was im weiteren Verlauf der Arbeit näher analysiert und erläutert werden soll.

Auch Hobsbawm verortet den Begriff der „Nation“ in seiner modernen Bedeutung vornehmlich im 18. Jahrhundert, „von dem einen oder anderen Vorläufer mal abgesehen“.24 Hobsbawm versucht aufzuzeigen, wie eine Gruppe, die sich als Nation bezeichnet, von anderen Gruppen zu unterscheiden ist.25

„Versuche zur Festlegung objektiver Kriterien für eine nationale Zugehörigkeit oder einer Erklärung, warum bestimmte Gruppen zu ‚Nationen’ wurden und andere nicht, sind häufig angestellt worden und stützen sich auf einzelne Merkmale wie Sprache oder ethnische Zugehörigkeit oder auf eine Kombination von Merkmalen wie Sprache, gemeinsames Territorium, gemeinsame Geschichte, kulturelle Eigenarten oder was auch immer.“26

Jedoch verwirft er all diese Definitionen, denn es gebe nach Hobwbawm keine Gruppierung, auf die all diese Merkmalskombinationen zutreffen würden. Zudem seien „die Kriterien, die diesen Zweck erfüllen sollen […] ihrerseits so verschwommen, wandelbar und mehrdeutig und als Anhaltspunkt zur Orientierung“ nutzlos.27 Die Frage, ob man der Nation eine subjektive oder objektive Definition verleiht, sind nach Hobsbawm beides „unverhüllte Versuche, den Zwängen eines Objektivismus a priori zu entgehen“, zumal Hobsbawm beide Definitionsformen dem Einwand ausgesetzt sieht, „daß die Definition einer Nation durch das Bewußtsein ihrer Mitglieder, ihr anzugehören, tautologisch ist und lediglich a posteriori angeben kann, was eine Nation ausmacht“.28

„Wie auch immer, das Herausstellen des Bewußtseins oder der persönlichen Entscheidung als Kriterium für die Nation bedeutet unausgesprochen, die komplizierten und vielfältigen Weisen, wie Menschen sich als Mitglieder von Gruppen definieren und ständig neu definieren, einer einzigen Option unterzuordnen: der Entscheidung für die Zugehörigkeit zu einer ‚Nation’ oder ‚Nationalität’.29

Weiter macht er darauf aufmerksam, dass die Nationalität nicht auf eine „einzige Dimension zu reduzieren“ sei, egal „ob politisch, kulturell oder sonst wie“, nach Hobsbawm können sich Menschen „als Juden bezeichnen, auch wenn sie weder dieselbe Religion, Sprache. Kultur, Tradition, Geschichte, Blutgruppe noch die Einstellung zum jüdischen Staat miteinander gemeinsam haben“.30 Für ihn ist keine allgemeingültig-herkömmliche Definition befriedigend, sodass er zu einer „agnostischen Haltung“übergeht, die er als beste „Ausgangsposition“ für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ansieht. Somit kann als „vorläufige Arbeitshypothese“ im Sinne Hobsbawms eine Definition angenommen werden, wonach unter Nation „jede ausreichend große Gemeinschaft von Menschen verstanden“ wird, „deren Mitglieder sich als Angehörige einer ‚Nation’ betrachten.“31 Zum einen benutzt Hobsbawm in seinen Ausführungen Nationalismus zuvorderst als „politisches Prinzip“, das besagt, dass „politische und nationale Einheit [...] deckungsgleich sein“ sollen32 und zum andern denkt Hobsbawm den Begriff der Nation nicht einfach als eine „ursprüngliche oder unveränderliche soziale Einheit“, sondern erkennt in ihr nur insofern eine „gesellschaftliche Einheit“, „als sie sich auf eine bestimmte Form des modernen Territorialstaates bezieht, auf den „Nationalstaat“. Somit sei es sinnlos von Nation und Nationalität zu sprechen, wenn diese Beziehung nicht mitgemeint werde.33 Hobsbawm stehtüberdies in struktureller Nähe zu Andersons, wenn er schreibt, „daß - gesprochene oder geschriebene - nationale Hochsprachen als solche erst aufkommen konnten, nachdem es Druckerpressen, eine Volksbildung und damit auch Volksschulen gab.“34 Hobsbawm kommt zu dem Schluss, dass Nationen „Doppelphänomene“ seien, die im:

„[...] wesentlichen zwar von oben konstruiert [...] doch nicht richtig zu verstehen [sind], wenn sie nicht auch von unten analysiert werden, d.h. vor dem Hintergrund der Annahmen, Hoffnungen, Bedürfnisse, Sehnsüchte und Interessen der kleinen Leute, die nicht unbedingt national und noch weniger nationalistisch sind.“35

Auch hier kommt erneut zum Ausdruck, dass die Nation im eigentlichen Sinne das Produkt eines Modernisierungsprozesses auf der Basis industrieller Produktion, territorialer Expansion, sozialer Interaktion wie auch sprachlicher Kommunikation einer (großen) Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Erfahrungshintergrund ist: „Die Konstruktion einer gemeinsamen Vergangenheit dient dazu, den einzelnen Individuen das Gefühl einer zeitlichen Einbettung in einen kollektiven Gang der Geschichte zu vermitteln, sie erklärt, warum etwas so und nicht anders ist und darum nicht verändert werden darf.“36

Da wir in dieser Arbeit aufzeigen wollen, wie der türkische Nationalismus entstand, auf welcher Grundlage er vorangetrieben wurde und durch welche Mittel er in der Bevölkerung oder im Sinne Hobsbawms unter den ‚kleinen Leuten’ eine Verbreitung fand, sind die folgenden Ausführungen für unser Thema von besonderer Bedeutung: Hobsbawm macht darauf aufmerksam, dass die offiziellen Ideologien „von Staaten und Bewegungen“ keine letztlich festen „Anhaltspunkte“ liefern für dass, „was in den Köpfen selbst ihrer loyalsten Bürger oder Anhänger vorgeht“. Außerdem habe man keinen Grund zu denken, dass die vorgegebene nationale Identifikation die einzige sei, welche die Menschen, die zu dieser Nation gehören, ausmacht.37

„Und drittens kann eine nationale Identifikation samt allen ihren Weiterungen sich im Laufe der Zeit, ja selbst innerhalb sehr kurzer Perioden verändern und verlagern. Das ist in meinen Augen jener Bereich der Forschungüber Nation und Nationalismus, in dem heute der dringendste Bedarf an theoretischem Denken und praktischer Forschungsarbeit besteht.“38

Dies führt uns zum Werk von Miroslav Hroch: Eric Hobsbawm selbst bezeichnet die Arbeit Hrochsüber die kleinen europäischen Nationalbewegungen als „bahnbrechende komparative Studie“, aus der er zwei elementare Punkte in seine eigene Arbeitübernommen habe, erstens die Beobachtung, dass sich ein „Nationalbewußtsein“ ungleichmäßig entwickele und zweitens die „sinnvolle Aufteilung der Geschichte nationaler Bewegungen in drei Phasen.“39 In seinem Buch behandelt Hroch die Entstehungsprozesse „der modernen Nation und des modernen Nationalismus unter den Bedingungen der kleinen europäischen Völker.“40 Er versucht den (sozial-)historischen Entwicklungsprozess vom Nationalismus zur Nation dadurch plastisch werden zu lassen, indem er ausgewählte kleine europäische Staaten dahingehend untersucht, wie sich in den einzelnen entscheidenden Phasen der Staatskonstituierung bzw. - konsolidierung die Gruppe der ‚Patrioten’ zusammensetzt.41 Hroch bezeichnet die Nation als „Grossgruppe“, diesen Begriff verwendet er im soziologischen Sinn. Demnach stehen die Mitglieder einer „Grossgruppe“ nicht in unmittelbarem persönlichen Kontakt, auch soll der Begriff nicht suggerieren, dass es sich bei der Gruppe um eine, etwa hinsichtlich sozialen Verhaltens oder äußeren Merkmalen, homogene Gruppe handelt, jedoch sind sie durch „konstante innere Beziehungen innerhalb dieser Gruppe miteinander verknüpft“.42

„Wir betrachten die Nation als eine Grossgruppe, die durch die Kombination mehrerer Arten von Beziehungen charakterisiert wird, die sich einerseits aus dem grundlegenden Antagonismus zwischen Mensch und Natur auf einem bestimmten Territorium, andererseits aus dem Reflex dieser Beziehungen im Bewusstsein der Menschen ergeben.“43

Für die Entwicklung einer Nation ist für Hroch stets eine Gruppe, die er als „nationale Vorkämpfer“ bezeichnet besonders wichtig. Nationale Vorkämpfer sind für ihn v.a. diejenigen, „die sich bewusst, aus eigenem Antrieb und dauernd der Tätigkeit zur Unterstützung nationaler Interessen widmen und die Verbreitung des Nationalbewusstseins effektiv unterstützen.“44 Die Mitglieder dieser Gruppe sind intensiv miteinander verbunden und stehen wiederum als Gruppe gegenüber ihrer Umgebung als „aktiverer Faktor da, bilde[n] eine treibende Kraft, die ihre Umgebung in ein Netzwerk von Wechselbeziehungen einschliesst, zwischen denen die ökonomische Beziehung wahrscheinlich an Bedeutung zunimmt.“45 In dieser Gruppe befinden sich nach Hroch die „Initiatoren“ und „aktiven Förderer“ der Nationalbewegung.46

Hroch stellt eine Frage auf, die auch für diese Arbeit zu untersuchen ist, er fragt: „Auf welchen Wegen, unter welchen Bedingungen stärken die objektiven Bedingungen, durch die das Individuum mit seiner Umgebung verknüpft ist, das nationale Zugehörigkeitsbewusstsein?“47 Infolgedessen gelangt Hroch zu der These, dass der Begriff der Nation seinen Ursprung bereits im Denken, im Willen eines Einzelindividuums haben kann:

„Wir halten die Vorstellung, dass ein so machtvoller sozialer Prozess, wie es die Entstehung einer modernen Nation und nationaler Bewegungen ist, durch den blossen Willen eines Subjekts, durch den blossen Nationalgedanken und die Erziehung dazu, durch ein frei entstehendes ‚Wir-Gefühl’ ausgelöst werden könnte, nicht für annehmbar. Andererseits ist allerdings gerade die Interpretation des Nationalbewusstseins aus der Entwicklung der Beziehungen zwischen den Menschen heraus wesentlich mühsamer und komplizierter als die einfache Interpretation auf Grund nationaler Agitation, die wie immer die objektiven Verhältnisse als ganz allgemeine Bedingung oder Voraussetzung zulässt.“48

Miroslav Hroch bemerkt weiter, dass „die allermeisten Völker in Europa“, verstanden als Nation, aus einer Situation entstanden sind, innerhalb derer sie sich als eine ethnische Minderheit, ihre Unterdrückung, ihrer Andersheit bewusst wurden und sich damit einhergehend die Frage nach ihrer ‚Identität’, wenn man so will, nationalen Identität stellten. Auch im türkischen Fall trifft dies, wie wir später noch sehen werden, für die Erweckung des Nationalismus zu.49 Im Folgenden wollen wir mit Hroch aufzeigen, welche Bedingungen notwendig sind, damit Individuen zu einem aktiv-nationalen Zugehörigkeitsbewusstsein, demnach zu einem „bewussten Patriotismus“50 und zu einer nationalen Identität gelangen? Als Voraussetzungen, die für die Herausbildung der nationalen Identität verantwortlich zeichnen nennt Hroch: Die Abgrenzung eines nationalen Territoriums, die Erkenntnisüber national relevante Ereignisse aus der Vergangenheit, die Kodifizierung der Sprache und das Bestimmen-Können einer spezifisch-nationalen Kultur. Diese „Koordinaten“ seien meist von Gelehrten oder Privatpersonen bestimmt, oftmals aber auch aus staatlichen Interessen heraus formuliert worden. Hroch bemerkt jedoch weiter, „dass bei einigen Nationalbewegungen diese von den Gelehrten dominierte ,Phase A´ sehr schwach ausgeprägt war“.51 Demgegenüber misst Hroch der nationalen Agitation große Bedeutung zu. Dabei geht er von der Annahme aus, dass die Erzeugung individuell-nationaler Identität, verstanden als Identifikationsbasis, einen notwendigen Bestandteil der Entstehung von nationaler Einheit darstellt. Hierbei identifiziert er in der „soziale[n] Reichweite“ einerseits und den „gesellschaftlichen Voraussetzungen“ dieser Wechselbeziehung von „objektiven Beziehungen“ und „individuellen Bedingungen“ andererseits die wesentlichsten Faktoren. Demnach zielt Hroch ab auf die „Quellen des Gedankeninhalts der Sphäre der Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer objektiven Interessen“.52 Hrochüber die nationalen Vorkämpfer weiter:

„Die Nation besteht aus Individuen, deren Patriotismus nicht seit je gegeben ist, sondern sich erst herausbildet; manchmal ist sogar nicht einmal ihr Nationalbewusstsein gegeben, sondern bildet sich erst aus einem national amorphen Fundament aus. Die Entscheidung hinsichtlich des Nationalbewusstseins, bzw. des Patriotismus des Einzelnen wird einerseits von allgemeinen Voraussetzungen (objektiven Beziehungen), andererseits von individuellen Bedingungen bestimmt.“53

Wie bereits angedeutet fasst Hroch die Entstehung von Nationalismus bei „kleinen Nationen“ in ein Drei-Stufen-Modell, welches wir unter Rückgriff auf Hobsbawn erläutern und späterhin auf den türkischen Nationalismus anwenden wollen.

Hobsbawm charakterisiert die Phasen wie folgt: Er beschreibt die Phase A als „rein kulturell, literarisch und volkskundlich“, ohne „daß sich daraus besondere politische oder gar nationale Folgerungen ergeben hätten“. In der Phase B finde sich laut Hobsbawm „eine Gruppe von Vorkämpfern und militanten Wortführern der „nationalen Idee“ und in der Phase C: „[...] erst hier - und nicht schon vorher - gewinnen nationalistische Programme die Unterstützung der Massen oder zumindest eines Teils jener Massen, deren Repräsentanten zu sein sie immer wieder behaupten“.54 Folglich erscheint derübergang von Phase B zu Phase C als ein entscheidender Augenblick „in der Chronologie nationaler Bewegungen“.55 Als die eigentliche Initialzündung der Nationalbewegung kann der Beginn der Verbreitung des Nationalbewusstseins gesehen werden. Hier werde die nationale Identität der breiten Masse zugänglich gemacht. Dabei beinhaltet das nationale Programm, verstanden als Basis der nationalen Bewegung, sowohl politische als auch soziale, sprachliche und kulturelle Forderungen. Die Phase B ist dabei unabhängig davon, ob der Kampf auf revolutionärem Wege oder in den Bahnen allmählicher Reformen verlief, der Versuch die Massen zu mobilisieren und „immer ein Kampf von aktiven Minderheiten“.56

Beziehen wir in dieseüberlegungen einmal mehr Anderson mit ein, wird deutlich, dass, wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit von Nation und/oder Nationalismus die Rede ist, wir damit auch an Anderson anknüpfen, der, dies sei nochmals erwähnt, Nation als imaginierte politische Gemeinschaft versteht, die durch vorgegebene Kultur und durch imperiale Politik aufrechterhalten und gestärkt wird. Bereits auf die Ebene des Nationalstaates gehoben bedeutet dies: Die Politik des Staates ist auf die Assimilierung kleinerer kultureller oder politischer Gruppen aus.57 In diesem Zusammenhang wird die extreme Form des Begriffs „Nationalismus“ als eine Ideologie und politische Bewegung verstanden, die in der Lage ist, ein Volk oder eine Bevölkerungsgruppe zu mobilisieren.

Im nachfolgenden Kapitel wollen wir auf die historischen Prozesse des türkischen Nationalismus zu sprechen kommen. Dabei werden wir zunächst einen weitläufigen Rahmen aufzeigen. Die an dieser Stelle vorgenommen groben Einschnitte sehen wir dadurch gerechtfertigt, dasss wir auf die für diese Arbeit relevanten Details, wie etwa das Programm und die Rolle hinsichtlich einer türkischen Nationalismusbewegung z.B. der Jungosmanen und/oder Jungtürken, in einem gesonderten Kapitel ausführlicher eingehen wollen. Unser Schwerpunkt innerhalb der historischen Grobrahmung wird auf dem 19. Jahrhundert liegen, wobei uns folgendeüberlegungen als Grundannahme dienen sollen: Im ausgehenden 19. Jahrhundert kämpften die Nationalbewegungen als Oppositionen gegen herrschende Eliten und deren Regime, demnach gab es vor der Entstehung der modernen Nation zunächst einen Kampf um politische Modernisierung und um dieüberwindung der alten Legitimität, sozusagen den gesellschaftlichen Diskurs.58

3. Historischer Rahmen, die Annäherung europäische Errungenschaften

Bevor wir uns jedoch eingehender mit dem 20. Jahrhundert auseinandersetzen, wollen wir kurz, um sowohl die Chronologie der Ereignisse als auch die strukturellen Vorbedingungen des türkischen Nationalismus besser greifen zu können, auf die ursprünglichen Verwaltungsstrukturen und die Voraussetzungen für die „Nationalisten“ im Osmanischen Reich zu sprechen kommen:

Das Osmanische Reich war jahrhundertelang ein Vielvölkerstaat. Das primär verbindende Element stellte in diesem multiethnischen Reich zuvorderst die gemeinsame Loyalität aller Untertanen gegenüber dem Sultan, verstanden als weltliches Oberhaupt, dar. Darüber hinaus war für die muslimischen Untertanen der Kalif, als höchster geistlicher Würdenträger des Islams, das verbindende Element. Die christlichen Minderheiten wurden schon seit der Eroberung Konstantinopels 1453 mit autonomen Verwaltungsmöglichkeiten ausgestattet. Dies bedeutete eine Trennung nach strikt konfessionellen Kriterien.über Jahrhunderte hinweg wurden die osmanischen Untertanen somit in konfessionelle Identitäten gedrängt.59 Ab 1517 wurde das Kalifat60 von Kairo nach Istanbul verlegt, wodurch der Herrschaftsanspruch des Sultans auch religiös untermauert wurde. Der osmanische Staat transformierte sich, wenn man so will, in einen Religionsstaat, der seine Rechtsprechung und Tagespolitik dem Islam anpasste.

Die christlichen Minderheiten machten ab dem 16. Jahrhundert einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung des Osmanischen Reiches aus und waren in eigenständigen Millets61 organisiert.

Dazu zählte, dass sie eigene Schulen unterhielten und eine autonome Gerichtsbarkeit ausübten. Hieraus wird ersichtlich, dass die Untertanen des Reiches nicht miteinander, sondern nebeneinander lebten. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert, als sich die Balkanstaaten den nationalistischen Strömungen zuwandten.62 Da die europäischen Staaten im 18. Jahrhundert, ausgehend von der Industrialisierung, später der Kolonialisierung mittels einer modernen Kriegsmaschinerie gegenüber dem Osmanischen Reich einen großen wirtschaftlichen und finanziellen Vorsprung errangen, sah sich die osmanische Führung im Verlauf des 18. Jahrhunderts dazu gezwungen, verstärkt auf die Einführung europäischer Militärtechnik zu setzen.63

Russland, der größte Feind des Osmanischen Reiches, hatte durch die Reformen Zar Peter des Großen im frühen 18. Jahrhundert, Europa gleich, die Unterordnung der Kirche unter den Staat vollzogen.64 Jedoch führte die russische Rückständigkeit gegenüber den Europäern zu einem revolutionären Radikalismus, der in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts durch verschiedene „russophile“ Schriftsteller in einem russischen Nationalismus formuliert wurde.65 Zur selben Zeit verloren die Osmanen viele Gebiete wie die Vojvodina, Ungarn, Kroatien und Dalmatien an die Habsburger. Zusätzlich verlor man an die Russen die Regionen am nördlichen Schwarzen Meer und große Gebiete des Kaukasus. Die meisten Muslime aus diesen Regionen wanderten daraufhin in dieübrigen osmanischen Gebiete aus.66 Das Osmanische Reich musste sichüber das ganze 19. Jahrhundert hinweg mit verschiedenen Kriegen, Aufständen und Revolten auseinandersetzen.67

Das Reich beheimatete Muslime verschiedener Ethnien wie Türken, Araber, Albaner und Kurden etc..überdies gab es noch die nichtmuslimischen Untertanen wie Griechen, Bulgaren, Armenier, Juden und andere ethnische Minderheiten. Sobald „die Autokratie des Sultans und Kalifen allein nicht mehr ausreichte, um diese divergierenden Elemente im Staate Religions- bzw. Konfessionsgemeinschaft, Orthodoxe (Griechen), Armenier, Katholiken, Juden und Protestanten.“ (Ebd.) zusammenzuhalten, wurde es erforderlich, der Gemeinschaftsidee den Vorzug zu geben“.68

Dazu das Folgende: Durch das Aufkommen nationalistischer Strömungen europäischer Provinienz, welche auch auf die Christen innerhalb der Grenzen des osmanischen Reichs Auswirkungen hatten, sah sich das Reich diversen Nationalismusbestrebungen seiner christlichen Untertanen ausgesetzt. Zudem forderten die europäischen Mächte69 hinsichtlich der rechtlichen Angleichung der Christen an muslimsche Bürger im Osmanischen Reich Reformen. Dies machten sie zur Grundbedingungen, sollten sie im Konflikt zwischen dem Osmanischen Reich und Russland für die osmanische Seite Stellung beziehen. Alles in allem führt dies dazu, dass sich der Sohn Mahmuds II., Abdülmecid (reg. 1839-1861) in seiner Position als Sultan-Kalif im Jahre 1839 dazu genötigt sah, ein Gesetz zu verkünden, welches als Tanzimat70 (Neuordnung) in die Geschichte eingehen sollte.71 Allerdings, aus einer retrospektiven Perspektive heraus betrachtet, können in diesem, quasi von außen aufoktroyierten Gesetz, insofern die Wurzeln der Idee des „Osmanismus“ gesehen werden, als dass damit sowohl die Gleichstellung aller Untertanen des multiethnischen Reiches vorangetrieben als auch den Unabhängigkeitsbestrebungen der christlichen Völker vorgebeugt wurde.72

Unter Abdülmecid veränderten sich die Machtstrukturen im Reich. Die innenpolitische Macht wurde auf den Großwesir und seine immer zahlreicheren Untergebenenübertragen, jedoch formierte sich gegen diese Gruppe eine Opposition, die Jungosmanen, die sich durch ihre Auseinandersetzung mit europäischen Wissenschaftlern und deren Arbeiten zu einer für den türkischen Nationalismus wichtigen Trägergruppe entwickeln sollte.73 Als wichtigster Oppositionsvertreter nennt Suraiya Faroqhi Namık Kemal.

Nach dem Tode Abdülmecidsübernahm 1861 sein Burder Abdülaziz (1861-1876) das Amt des Sultans. Auch unter ihm wurde das Reich innenpolitisch weiter reformiert. Während seiner Regierungszeit verstärkten sich die oppositionellen Strömungen im Lande, was seinen Ausdruck in einer sich intensivierenden geistigen Revolution fand und sich v.a. auf den Gebieten der Literatur und Sprache bemerkbar machte. Auch Findley zieht einen engen Bezug zwischen der oppositionellen Gruppe der Jung- bzw. Neuosmanen und der Tanzimat-Periode, während dessen Verlauf sich neue Legislationen, Programme, Institutionen, Eliten und eine neue Intelligenz installiert und durch ihre Beiträge zur Kreiirung einer osmanischen Identität wesentlich beigetragen hätten:74

„Auch die türkische Presse erlebte in den Jahren zwischen 1870 und 1876 einen großen Aufschwung. Sie war einer der wichtigsten Faktoren, der im türkischen Leben und Denken einen großen Wandel hervorgebracht hat. Sie half sie zu aktivieren. Man nahm nicht mehr alle Ereignisse als Schicksal in orientalischer Ergebenheit und Fatalismus hin. Eine öffentliche Meinung ein public spirit, entstand zum ersten Male im Vorderen Orient. […] Im Jahre 1876 gab es in Konstantinopel bereits sieben türkische Tageszeitungen. Im Jahre 1859 hatte es in der ganzen Türkei nur ein offizielles und ein offiziöses Wochenblatt gegeben.“75

Nach dem Tod Abdülazizs 1876 regierte Sultan Murad V. Dieser war den Jungosmanen gegenüber zwar wohl gesonnen und bereit, die von ihnen geforderte Verfassung einzusetzen, jedoch hielt er dem Druck des Amtes nicht stand und beendete seine Amtszeit schon nach drei Monaten.

Nach der Abdankung Sultan Murad V. wurde das Amt des Sultans von Abdülhamid II. (1876- 1909) begleitet. Wie Faroqhi anführt, sei dieser einer der „umstrittensten Persönlichkeiten“ gewesen, die „je die Sultanswürde innegehabt“ hätte. Dieser Ruf begründet sich auf seinem absoluten Herrschaftswillen. Innenpolitisch stärkte er den „Palast“ soweit, dass dieser wieder zum „Zentrum der Macht“ wurde. Faroqhi gibt weiter an:

„Ein ausgeklügeltes System der gegenseitigen Bespitzelung von aktuellen und potentiellen Amtsträgern sollte den Sultanüber die Loyalität seiner Untergebenen, besonders der Gebildeten unter ihnen, unterrichten.“76

Ein Mittel um der immer stärker werdenden Opposition Einhalt zu gebieten, sah Abdülhamid II. darin, die Strömung des Islamismus voranzutreiben. Außenpolitisch konnte er zudem den Zerfall des Osmanischen Reichs noch um einige Jahrzehnte hinauszögern. So setzte er dem expansiven Panslavismus der Russen und dem Imperialismus der Europäer den Bruderschaftsgedanken der Umma77 entgegen, sprich, einen alle Muslime vereinigenden Panislamismus. Daraus resultierte, dass er, seit den Revolten auf dem Balkan, nurmehr die muslimischen Osmanen als loyale Untertanen ansah. Abdülhamid II. versprach zunächst eine Verfassung einzusetzen, welche er am 23. Dezember 1876 auch verkündet, jedoch bereits ein Jahr später wieder aufgehob. Mit Hans Kohn können wir die Regierungszeit Abdülhamid II. als Ende der Tanzimat-Reformen identifizieren. Hans Kohn weiter:

„Eine Willkür- und Polizeiherschaft schlimmster Art, verbunden mit einem ausgebildeten Spitzelwesen und einer strengen Zensur, machten das Leben unerträglich. […] Die Türkei sollte von allen europäischen Einflüssen isoliert werden, Bücher und Ideen wurden die Grenzen gesperrt, Talent und Patriotismus waren keine Empfehlung, sondern schwerste Verdachtsgründe gegen ihren Träger. […] Die patriotischen und liberalen Türken, die trotz der Erschwerung der Auslandsreisen dem Despotismus Adbul Hamids entrinnen konnten, führten im Auslande ähnlich wie die russischen Revolutionäre ihre Propaganda. Im Jahre 1891 wurde in Genf eine Vereinigung von Jungtürken, wie sich die fortschrittlichen Türken nannten, gegründet, aus der sich später das ottomanische Komitee für Einheit und Fortschritt entwickelte, […].“78

Als Gegenmeinung sei an dieser Stelle jedoch auch auf Benjamin C. Fortnas Darstellungen hinsichtlich der Machtübernahme Abdülhamids II. verwiesen. Diese stellt für Fortna ein sehr wichtiges aber zugleich auch kontrovers diskutiertes Ereignis dar. Auch im Anschluss an Fortna erscheint die „hamidische Periode“ innerhalb der Forschung sowohl als undemokratische und autoritäre aber auch als demokratische und konsensfähige Phase.79 Welchen Bedingungen die „hamidische Periode“ ausgesetzt war und was dies für die Bevölkerungsentwicklung bedeutete, soll kurz aufgezeigt werden, da dies auch im Bezug auf die Herausbildung einer türkischen Nation von Bedeutung war. Durch die geostrategischen Veränderungen in den europäischen Regionen des osmanischen Reiches musste man die Versorgung Istanbuls nun zum größten Teil durch die anatolische Bevölkerung gewährleisten. Zudem sollten die vom Balkan vertriebenen Muslime neu angesiedelt werden.80 Cagaptay führt an, dass sowohl Justin McCarthy als auch Kemal Karpat von mehreren Millionen Menschen ausgehen, die zwischen den Jahren 1821 und 1922 nach Anatolien einwanderten.81 Der Völkermord an den Armeniern 1915 wurde durch diese Einwanderungswelle um ein weiteres Moment verschärft, denn die auf armenischem Gebiet angesiedelten Einwanderer wurden in ihrer ursprünglichen Heimat von Christen ermordet und vertrieben und begannen sich nun, in ihrer „neuen Heimat“, an den christlichen Armeniern dafür zu rächen.82 Um den Binnen- und Außenmarkt zu versorgen, mussten große Siedlungsoffensiven unternommen werden, denen v.a. Nomaden und Halbnomaden zum Opfer fielen, denn diese wurden durch massives Eingreifen der Staatsgewalt sesshaft gemacht.83 Anatolien wurde somit ein Land von Kleinbauern, die durch mangelnde Verkehrsverbindungen und das Desinteresse der Regierung immer wieder Hungersnöten ausgesetzt war.84 Der eben erwähnte Islamismus, den Abdülhamid vorantrieb, führte vor allem im 19. Jahrhundert zu Loyalitätsbekundungen der osmanischen Elite gegenüber Staat und Dynastie, denn der Panslavismus, der die Krim und die Wolga-Region vereinnahmt hatte und die armenischen und griechischen Autonomiebestrebungen unterstützte, bedrohte das Reich in seiner Existenz.85 In der eben beschriebenen Zeit kann man gleichzeitig den Beginn des Prozesses des türkischen Nationalismus im noch dynastisch-strukturierten Osmanischen Reich erkennen, der jedoch anfangs noch mit den Strömungen des Osmanismus und des Islamismus konkurrierte. Erst in der Phase der oppositonellen Jungtürken, die noch bearbeitet wird, sollte die Idee des türkischen Nationalismus zu einer politischen Strömung werden, was jedoch erst durch die Absetzung des Sultan-Kalifen Abdülhamid durch die Jungtürkenvereinigung erreicht werden konnte. Bei vielen europäischen Nationalstaaten kann man den Anfang oder das Erwachen des Nationalismus mit dem Aufkommen der Entdeckung der Volkssprache und der Volksgeschichte in Verbindung bringen. Hiervon lassen sich auch auf den türkischen Fall Parallelen ziehen. Vor allem Zeitungen spielten eine sehr wichtige Rolle, um einer bestimmten Gruppe zu suggerieren, dass diese eine Gemeinschaft darstellt. Nach der Aufwertung der Volkssprache im Laufe des 17., 18. und 19. Jahrhunderts und der anschließenden Verschriftlichung in Zeitungen und Romanen hatte man in Europa neue Gemeinschaften auf Grundlage einer identitätsstiftenden Nation geschaffen. Das Gefühl von „Wir“ und die „Anderen“ wurde erzeugt.86 Hier soll noch einmal die von Anderson hervorgehobene Stellung des Druckgewerbes erwähnt werden, welches das fruchtbarste Element in der Verbreitung des Nationalismus war, denn es ermöglichte „auf grundlegend neue Weiseüber sich selbst nachzudenken und sich auf andere zu beziehen“.87 Auch Findley verbindet das Aufkommen des türkischen Nationalismus mit dem Eindringen von ausländischen Druckerzeugnissen und wissenschaftlichen Arbeiten, die in dieser Arbeit kurz aufgezeigt werden sollen.88 Im Weiteren gilt es herauszufinden, wer die Initiatoren des türkischen Nationalismus und wer die Träger der von Hroch beschriebenen Phase A waren. Hierzu soll die erwähnte oppositionelle Gruppe der Jungosmanen nähere Betrachtung finden, da diese den „osmanisch-türkischen Patriotismus“ ins Leben rief. Doch zunächst sei hier kurz auf die Terminologie „der Türke“ eingegangen, da dieser Begriff im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts noch eine eher abfällige Bezeichnung darstellte.89

4. Die Wiederentdeckung des ‚Türken`

4.1 Die europäischen Orientalisten

Im Osmanischen Reich selbst bezeichnete das Wort „Türk“ noch im 19. Jahrhundert einen grobschlächtigen und bäuerlichen Anatolier. Durch Arbeiten europäischer Orientalisten wie etwa J. de Guignes ‚Histoire générale des Huns, des Mongoles, des Turcs et des autres Rattares occidentaux (1756-1758)’, Arthur Lumley Davids ‚A grammar of the Turkish language (1832)’, Arminius Vamberys ‚Deutsch-türkisches Taschenwörterbuch (1858)’ und Leon Cahuns „Introduction á l’histoire de l’Asie (1896)“ wurde die Turkologie als eigenständiger Fachbereich in der wissenschaftlichen Landschaft Europas verankert.90 Diese wissenschaftlichen Druckerzeugnisse der Orientalisten, die während der Tanzimat ins Reich kamen, machten die türkischen Osmanen mit ihrer eigenen Sprache und Geschichte vertraut und ermöglichten ihnen im Gegenzug einen Einblick in europäische Denkweisen. In den Abhandlungen waren u.a. Karten der Turkvölker in Zentralasien, Iran, Afghanistan auf dem Balkan und in Anatolien abgebildet. Dies zeigte den Türken ihre sprachliche und kulturelle Verwandtschaft auf und führte ihnen diese vor Augen.91 Landkarten sind nach Anderson eine von drei Institutionen politischer Macht, die Nationalität räumlich vorstellbar und anfassbar machen.92

4.2 Die Jungosmanen

Die Jungosmanen waren zwar keine Nationalisten aber sie stellten durch ihr Wirken eine patriotische Bewegung dar und prägten wichtige Begriffe, die für den nationalistischen Diskurs im Osmanischen Reich von Bedeutung werden sollten. Die Bewegung der Jungosmanen auf ein einheitliches, ideologisches Fundament zu stellen scheint unmöglich, dennoch lassen sich hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber einem politisch-unabdingbaren Europäisierungs- und Modernisierungsprozess des Osmanischen Reichs, etwaige Gemeinsamkeiten aufzeigen. Zudem stießen sie allesamt auf großen Widerstand der islamischen Orthodoxie, denn ihre Arbeiten wichen vom bisherigen Klassizismus ab.93 Şerif Mardin behandelt in seinem Buch ‚The Genesis Of Young Ottoman Thought’ sehr ausführlich die Bewegung der Jungosmanen, die er in vier verschiedene Strömungen aufteilt. An dieser Stelle wollen wir uns jedoch lediglich auf jene Strömung konzentrieren, die auf die Initiative Namık Kemals (1840-1888) zurückgeht. Kemal, der nach Mardin die Begriffe „liberty“ und „the nation“ als Schlüsselideale betrachtete, leitete gemeinsam mit anderen osmanischen Intellektuelle die von Hroch beschriebene Phase A ein.94 Dieser Analogieschluss wird besonders deutlich, wenn wir bedenken, dass Hroch „am Beginn jedes nationalen Erwachens“ eine Gruppe verortet, „die mit Interesse und gewöhnlich mit Hingabe die Sprache, Kultur und Geschichte des unterdrückten Volkes“95 studiert. Im Osmanischen Reich haben wir es zwar nicht mit „unterdrückten Türken“ zu tun, jeodoch mit Personen, deren Reich durch äußere Feinde gefährdet war und deren Nationalismusbestrebungen hinter denen christlicher Völker innerhalb des Reichs noch zurückstanden. Hier kommt die These von Anthony Smith zum Tragen, die Somer Cagaptay in seine eigene Arbeit integriert, wonach sich ethnisch-religiöse Gruppen besonders dort herausbilden und transformieren, wo sie einer äußeren Gefahr ausgesetzt sind.96

Der anfängliche Einfluss der Jungosmanen auf die Gesellschaft war nur sehr gering, er beschränkte sich vornehmlich auf intellektuelle Kreise. Der Grund hierfür lag sicherlich auch im Analphabetentum der meisten muslimischen Untertanen im Osmanischen Reich. Namık Kemal verlieh seiner Vision von einem einheitlichen Osmanischen Reich basierend auf einem türkisch-sprachigen anatolischen Volk u.a. durch seine neu gegründete Zeitung ,Ibret´ (Mannwerdung) Ausdruck, die „vielleicht die einflußreichste Zeitung in türkischer Sprache“ darstellte. Daneben griff er das europäische Verständnis von Heimat, verstanden als Vaterland, auf undübertrug dieses durch sein 1875 erschienenes Drama „Vatan“97 (Vaterland) auch auf das osmanisch-türkische Gebiet. Ein weiterer Denker war Ali Suavi (1838-1878). Er benutzte in seinen Abhandlungen bereits den Begriff ,Türke`, weiterhin forderte er dieübersetzung der Scharia aus der „heiligen Sprache“ Arabisch ins Türkische sowie die Einführung des Türkischen als einzige Unterrichtssprache.98 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass durch die Initiativen Namık Kemals und Ali Suavis die türkische Sprache im Reich aufgewertet wurde, obwohl eine wirkliche Sprachforschung unter den Türken selbst erst mit dem Schriftsteller, Staatsmann,übersetzer, Botschafter, Professor der Geschichte und Vorsitzenden des ersten osmanischen Parlaments Ahmet Vefik Paşa (1823-1891) einsetzte.99 Ahmet Vefik Paşa war einer der Ersten, der seinen ,,Landsmännern” deutlich zu machen versuchte, dass der Stamm der Osmanen nur einer unter vielen türkischen Stämmen sei und dass das Osmanische somit nur ein Dialekt der Standardsprache Türkisch sei.100

Es gab zwei wichtige Gründe für die türkischen Gelehrten, den Begriff ‚Türke’ einzuführen. Der erste Grund kann darin gesehen werden, dass der Begriff aus einer eurozentristischen Perspektive heraus schon seit jeher als Synonym für ‚Osmane’ Verwendung fand. Demnach kann darin sowohl eine Angleichungsbewegung im Zuge einer von den Jungosmanen geforderten Europäisierung, Modernisierung und Säkularisierung gesehen werden als auch eine oppositionelle Loslösung von einer Vereinnahmung des Begirffs ‚Osmane’ durch die dynastische Sultanstradition. Der zweite Grund verweist auf einen historischen Rückgriff der Gelehrten auf eine vorislamische bzw. vorosmanische Zeit und damit für Zeitgenossen, wenn man so will, auf eine Neudefinition der türkischen Rasse.101 So wurde die Grundlage für die Aufwertung des Türken und für das Selbstverständnis einer türkischen Ethnie auch in wissenschaftlichen Arbeiten vollzogen, sodass wir nachfolgend w eitere Osmanen nennen wollen, die den von den Orientalisten eingeführten Gedanken einer ethnisch-diversen Gruppe, den Türken, innerhalb der islamischen Umma weiter ausarbeiteten und forcierten.

Einer dieser Intellektuellen war Mustafa Celalettin Paşa (1826-1876). Er schrieb 1869 das Buch ‚Les Turcs anciens et modernes’, in welchem er die Meinung vertritt, dass neben der arischen auch die turanische102 Rasse an der Entwicklung der Zivilisation beteiligt war. Er ist einer jener ersten Sprachpuristen im Reich, die das Türkische gerne von fremden Elementen bereinigt hätten.103 Weitere osmanische Intellektuelle, die zur türkischen Identität beitrugen waren Süleyman Paşa (1838-1892). Dieser veröffentlichte 1876 das Geschichtsbuch ‚Tarih-i Alem’ (Geschichte der Welt), mit welchem er auf die vorislamische Geschichte der Türken aufmerksam machte und gleichzeitig das bisherige osmanische Geschichtsverständnis infrage stellen wollte.104

Auch Şemseddin Sami (1850-1904) arbeitete mit Nachdruck an der Aufwertung des Türkischen. Er machte u.a. darauf aufmerksam, dass die Sprache, die im Osmanischen Reich gesprochen wird, Türkisch sei und es somit undenkbar wäre seinem Wörterbuch einen anderen Namen als „Kamus-i Türk“ (Türkisches Wörterbuch), erschienen 1901, zu geben.105 Allmählich entstand ein Verständnis für die türkische Sprache und so begann man in der Literatur, zwischen Osmanisch und Türkisch zu unterscheiden.

Aber erst Necip Asim (1861-1935) wurde der Ruf zuteil, der erste osmanische Turkologe zu sein. In der unter seiner Mitarbeit erscheinenden Zeitung ,Ikdam` stand im Logo der Untertitel ,Türkische Zeitung`.

Für viele Wissenschaftler, sowohl damalige wie auch gegenwärtige, die sich mit diesem Thema beschäftigen, stellt Mehmet Emin Yurdakul (1869-1944) mit seinen Gedichten den Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Dieser veröffentlichte 1897 seine ersten Gedichte in einem kleinen Band mit dem Titel ,Türkische Gedichte`. Er schreibt in diesen Gedichten mit der Sprache des Volkes und behandelt dessen Sorgen, Probleme und Tapferkeiten, die während des fünf Monate dauernden Krieges gegen die Griechen entstanden waren.106 Der Autor der Zeitschrift „Die Welt des Islams“ von 1940 äußert sichüber Mehmet Emin Yurdakul folgendermaßen:

„Es war immerhin ein Wagnis als der Junge Dichter Mehmet Emin im Jahre 1897 seine Türkenlieder veröffentlichte, in denen er die türkische Rasse und das Türkenland ‚Türk eli’ besang. Dieser Ausdruck, den wir wiederfinden als Namen einer Schule in Ankara (Mai1917) […], wurde indessen wohl bald im Sinne des größeren Vaterlandes Turan verstanden, während die engere Heimat, das Osmanische Reich, schon von Mehmed Emin Türkiya genannt wird.“107

Fassen wir nochmals kurz zusammen: Das Kernland der Osmanen, Anatolien, wurde im Zuge der nationalistischen Bestrebungen der Griechen und Armenier und den weiteren Gebietsverlusten auf dem Balkan immer stärker mit Namık Kemals Begriff ‚Vatan’ verknüpft. Das türkische Bewusstsein konnte man in fast allen türkischen Zeitschriften wieder finden. David Kushner hat Textauszüge aus den Werken in seinem Buch ‚The Rise of Turkish Nationalism 1876 - 1908’ veröffentlicht. Darin heißt es: „I am Turk; my faith (din) and my race (cins) are mighty, My chest, my essence, is filled with fire. […]“108 Für die jungosmanische Bewegung giltüberdies festzuhalten:

„Their line of reasoning, especially that of Namık Kemal, with its attempt to merge European liberalism and Islamic tradition, was taken up by the Islamic modernists later in the century and has remained popular throughout the Islamic world. Apart from their ideas, their major contribution was the creation of a new style of politics. They can be regarded as the first modern ideological movement among the Ottoman elite of the empire, and they were the first who, through their writings, consciously tried to create and influence public opinion, the Ottoman term for which (Ekfâr-I Umumiye) was also of their making.”109

Wie wir sehen konnten, gab es unter den Neuosmanen keine Tendenz zur nationalen Selbstbestimmung, diese sollte erst durch die Russlandtürken größere Bedeutung erlangen, denn sie waren es, die konkretere Nationalismusbestrebungen an den Tag legten, wie im Folgenden aufgezeigt werden soll. Für die Jungosmanen gilt festzuhalten, dass sie bereits Arbeitsthemen hatten, die für die im Sinne Hrochs genannten Merkmale einer vornationalen Bewegung in ihrer frühesten Phase zutreffen, so z.B. Territorium, Sprache und Geschichte. Außerdem wollen wir nochmals betonen, dass man zwischen den Jungosmanen und den noch zu bearbeitenden Jungürken keinen klaren Bruch aufzeigen kann.

Nun jedoch zu den Russlandtürken und ihren Einfluss auf die Entstehung einer türkischen Nation. Dazu soll zunächst die Frage geklärt werden, wie es dazu kam, dass die Russlandtürken Einfluss auf die Enstehung eines türkischen Nationalismus haben konnten? Dabei soll auf die Russlandtürken nur insoweit eingegangen werden, wie sie für die Entstehung des türkischen Nationalismus, somit für das Thema unserer Arbeit von Bedeutung sind.

[...]


1 Das beste Beispiel hierfür stellt die 1922 gegründete Republikanische Volkspartei (Cumhuriyet Halk Partisi, CHP) dar. Sie ist Mitglied der Vereinigung der „Sozialistischen Internationalen“ was paradox anmutet, wenn man bedenkt mit welchem oftmals auch gewaltsamen Nachdruck nicht nur nationale sondern auch nationalistische Interessen verfolgt werden.

2 Atatürk wurde im osmanischen Selanik (heute: Thessaloniki) 1881 geboren. Ihm wurde der Name Mustafa gegeben. In dieser Zeit gab es unter den Muslimen keine Familiennamen, er wurde als Mustafa, Sohn von Ali Rıza und Zübeyde registriert. Auf der Militärschule erhielt er den Beinamen Kemal. Mustafa Kemals Familie war Türkischsprachig, dies lässt vermuten jedoch ist es kein Beweis, dass seine Vorfahren ethnische Türken waren. Selanik war eine kosmopolitische Stadt mit ca. 100,000 Einwohnern, von denen schätzungsweise die Hälfte sephardische Juden waren, deren Vorfahren aus Spanien vertrieben wurden und sich im Osmanichen Reich niederließen und ihr Judeospanisch bzw. Ladino weiter sprachen. Selanik war das Tor nach Süd-Ost- Europa, hier kamen alle Importe und Exporte des Balkans vorbei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt immer europäischer, die Errungenschaften der Europäer wurden allmählich von den Einwohnern eingeführt und verbreitet. (Vgl. hierzu: Mango, Andrew, Atatürk, in: Reşit Kasaba (Hg.), The Camebridge History of Turkey. Turkey in the Modern World, Camebridge/New York 2008, S. 148 f..)

3 Mit Russlandtürken sind all diejenigen gemeint die in russischem Hoheitsgebiet lebten und türkisch Sprachen, darauf wird im Laufe der Arbeit noch genauer eingegangen.

4 Vgl. hierzu: Benedict Anderson, Die Erfindung der Nation. Frankfurt a.M., New York 1996.

5 Vgl. hierzu: Eric J. Hobsbawm, Nationen und Nationalismus. Frankfurt a.M., New York 1992.

6 Vgl. hierzu: Hroch, Das Europa der Nationen, Göttingen 2005. Und: Ders.: Die Vorkämpfer der Nationalen Bewegungen bei den kleinen Völkern Europas, Prag 1968.

7 Vgl. hierzu: Hroch, Das Europa der Nationen, S. 45.

8 Hobsbawm: Nationen und Nationalismus. S. 21.

9 Anderson, Die Erfindung der Nation, S.15.

10 Ebd.

11 Ebd. S.16.

12 Ebd. S.16 „Dieser Begriff erlangte seine Reife in einem historischen Moment, als selbst die frommsten Anhänger jeglicher Universalreligionen mit dem lebendigen Pluralismus solcher Religionen und dem Auseinandertreten von ontologischen Ansprüchen jeden Glaubens und seiner territorialen Ausdehnung konfrontiert waren. [...] Schließlich wird die Nation als Gemeinschaft vorgestellt, weil sie, unabhängig von realer

13 Anderson, Die Erfindung der Nation, S.20. „Es ist das ‚Wunder’ des Nationalismus, den Zufall in Schicksal zu verwandeln.“ (Ebd.)

14 Ebd.

15 Anderson bemerkt weiter, dass in der islamischen Tradition bis vor kurzem der Koran buchstäblich unübersetzbar war, weil Allahs Wahrheit nur durch die nicht zu ersetzenden wahren Zeichen des geschriebenen Arabisch zugänglich gewesen seien. (Anderson, Die Erfindung der Nation, S. 21 f..)

16 Ebd. S.26.

17 Ebd. S.29.

18 Ebd. S.30.

19 Ebd. S.44.

20 Vgl. hierzu: Anderson, Die Erfindung der Nation, S.42 f..

21 Ebd. S.42.

22 Vgl. hierzu: Ebd. S.32.

23 Ebd.S.40 f..

24 Hobsbawm, Nationen und Nationalismus, S. 13.

25 Vgl. hierzu: Ebd. S.15.

26 Ebd. S. 15 f...

27 Ebd. S. 16.

28 Ebd. S. 18.

29 Ebd. S. 19.

30 Ebd.

31 Hobsbawm, Nationen und Nationalismus, S. 19.

32 Ebd. S. 20.

33 Vgl. hierzu: Ebd. S. 21.

34 Ebd. S. 21.

35 Ebd. S. 21 f.

36 Vgl. hierzu auch: Rolf Eickelpasch, Claudia Rademacher, Identität, Bielefeld 2004, S.69. „Durch die Beschwörung von Tradition und Herkunft - ein hervorragendes Moment in Sozialisationsprozessen - werden die Individuen zu einer ‚Schicksalsgemeinschaft’ zusammengeschweißt, die bedingungslose Loyalität und Opferbereitschaft beansprucht. Bestehende gesellschaftliche Strukturen und Herrschaftsverhältnisse erhalten durch die Rückführung auf eine kollektive Geschichte die Aura des Ewigen und Unveränderlichen, das jeder rationalen Rechtfertigung und Kritik entzogen ist.“ (Ebd.)

37 Vgl. hierzu: Hobsbawm, Nationen und Nationalismus, S. 22.

38 Ebd.

39 Ebd. S. 23.

40 Hroch, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas, S. 11.

41 Vgl. hierzu: Ebd.

42 Ebd. S.14.

43 Ebd.

44 Hroch, Miroslav, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas, S. 22 f.

45 Ebd. S. 15.

46 Vgl. hierzu: Ebd.

47 Ebd. S. 18.

48 Ebd. S. 19.

49 Vgl. hierzu: Ebd. S. 16.

50 Hroch, Miroslav, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas, S. 19.

51 Hroch, Miroslav, Das Europa der Nationen, S. 45 f..

52 Hroch, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas, S. 20.

53 Ebd. S. 21.

54 Hobsbawm, Nationen und Nationalismus, S. 23.

55 Ebd..

56 Hroch, Das Europa der Nationen, S. 46.

57 Hobsbawm, Nationen und Nationalismus, S. 52.

58 Vgl. hierzu: Eikelpasch/Rademacher, Identität S. 43. Auf den diskursiven Aspekt werden wir in einem gesonderten Kapitel zu sprechen kommen.

59 Vgl. hierzu: Soner Cagaptay, Islam, Secularism and Nationalism in Modern Turkey. Who is a Turk? London 2006, S. 5.

60 Der Kalif ist der geistliche Führer aller Muslime.

61 Zum Begriff der ‚Millets’ vgl. u.a.: Bülent Kücük, Die Türkei und das andere Europa, Bielefeld 2008, S. 77. „Millet-System ist die besondere Form der sozialen, religiösen und administrative Organisation des Osmanischen Reiches. Die osmanische Gesellschaft bestand aus zwei Hauptteilen: Muslime und Nichtmuslime. Der soziale Status der Individuen wurde hauptsächlich von der Religion bestimmt. Die osmanische Gesellschaft war auf der Grundlage des Glaubens in verschiedene Millets aufgeteilt. Millet bezeichnete eine bestimmte

62 Vgl. hierzu: Ebd. S. 5.

63 Vgl. hierzu: Carter Vaughn Findley, The Tanzimat, in: Reşat Kasaba (Hg.), The Camebridge History of Turkey, Camebridge 2008, S. 11.

64 Vgl. hierzu: Erhard Stölting, Eine Weltmacht zerbricht. Nationalitäten und Religionen in der UdSSR, Frankfurt am Main 1990, S. 39 f..

65 Vgl. hierzu: Ebd. S. 41.

66 Vgl. hierzu: Cagaptay, Islam, Secularism and Nationalism in Modern Turkey, S. 4. “Im Frieden von Küük Kaynarca (bei Silistra an der Donau) 1774 sicherte sich Katharina die Große zahlreiche Territorialgewinne […]. Die endgültige Annexion der Krim mit ihrerüberwiegend tatarischen Bevölkerung erfolgte 1783.“ (Klaus Kreiser, Der Osmanische Staat 1300 - 1922 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 30), München 2001, S. 34.)

67 Zu den verschiedenen Kriegen des Osmanischen Reiches im 18. und 19.Jahrhundert, vgl. u.a.: Virginia H. Aksan, Ottoman Wars 1700-1870, London/New York 2007. Sacit Kutlu, Milliyet ilik ve Emperyalizm Yüzyılında Balkanlar ve Osmanlı Devleti, Istanbul 2007, S. 56 ff..

68 Gerhard v. Mende, Der nationale Kampf der Rußlandtürken, Berlin 1936, S. 80.

69 Die europäische Kolonialisierungspolitik hatte auch das Osmanische Reich zum Ziel, v.a. England und Frankreichübten hohen Druck auf den osmanischen Sultan aus, um ihre Interessen im Nahen Osten zu festigen. Um ihr Ziel zu erreichen, sollten die chtistlichen Minderheiten im Reich als Vorwand dienen. 70 Vgl. hierzu: Findley, The Tanzimat, S. 11. Die Tanzimat versprach allen Untertanen die Sicherheit von Leben, Besitz und Ehre, und regelte damit das Verhältnis des Herrschers zu den staatstragenden Schichten neu. Hans Kohn schreibt hierzu: „Damit wurde der unbeschränkte Despotismus aufgehoben und die Geltung vonüber der Willkür des einzelnen stehenden Grundsätzen und Gesetzen festgelegt. […] Freilich waren alle diese Reformen nicht als eine entscheidende Wendung zu einer neuen Zeit angezeigt, sondern als eine Rückkehr zu dem wahren Geiste des Scheriat, des theologischen islamischen Rechtes. Die individuelle Freiheit aller Untertanen, Sicherheit der Person des Eigentums wurden festgelegt die Gleichheit aller Ottomanen ohne Rücksicht auf die Religion verkündet, Reformen in Steuer-, Gerichts- und Militärwesen versprochen.“ (Hans Kohn, Geschichte der Nationalen Bewegungen im Orient, Berlin 1928, S. 178.)

71 Vgl. hierzu: Findley, The Tanzimat, S. 11.

72 Dass sich die Osmanismusidee letzten Endes, gegenüber der ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmen einflussreicher werdenden türkistischen Opposition nicht durchsetzen konnte, sieht Cagaptay u.a. in dem oben bereits erwähnten Millet System begründet. Dazu später mehr. An dieser Stelle soll lediglich angemerkt werden, dass gerade das Millet-System, laut Cagaptay, ironischerweise die Wurzel der unterschiedlichen Nationenverständnisse auf dem Balkan sei, denn daraus entsprang, gekoppelt an die Konfession, das Bewusstsein, dass etwa Kroaten ausschließlich katholisch, Serben orthodox und Bosnier muslimsch sein sollten. (vgl. hierzu: Cagaptay, Islam, Secularism and Nationalism in Modern Turkey, S. 5.) Diese bis heute anhaltende Vorstellung, fand ihren traurigen Höhepunkt im Balkankrieg der 90er Jahre.

73 Vgl. hierzu: Suraiya Faroqui, Geschicht des Osmanischen Reiches, München 2000, S. 96.

74 Vgl. hierzu: Findley, The Tanzimat, S. 37.

75 Kohn, Geschichte der nationalen Bewegung im Orient, S. 181 f..

76 Faroqhi, Geschichte des Osmanischen Reiches, S. 97.

77 Zum Begriff Umma: Dem islamischen Verständnis zufolge sind alle Muslime Brüder und es gibt keine nationalen Unterschiede zwischen ihnen. Koran: Sure 3, Vers 110: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Recht und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah. Und wenn die Leute der Schrift glauben würden, wäre es wahrlich besser für sie. Unter ihnen gibt es Gläubige, aber die meisten von ihnen sind Frevler. Sure 3, Vers 113: „Sie sind nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift ist eine standhafte Gemeinschaft, die Allahs Zeichen zu Stunden der Nacht verliest und sich (im Gebet) niederwirft.“ (Rudi Paret, Der Koran, Stuttgart 2007.) Vgl. hierzu auch: Hendrich, Béatrice, Milla - millet - Nation. Von der Religionsgemeinschaft zur Nation?, Frankfurt am Main 2003, S. 28-33.

78 Kohn, Geschichte der nationalen Bewegungen im Orient, S. 183.

79 Vgl. hierzu: Benjamin C. Fortna, The reign of Abdülhamid II., in: Reşat Kasaba (Hg.), The Camebridge History of Turkey, Camebridge 2008, S. 38. Dabei wird die Debatte um Abdülhamid II. Auch aktuell in der Türkei diskutiert, vor allem die Kemalisten und die islamischen Kreise geraten hier aneinander. Während die islamischen Kreise Abdülhamid II. positiv darstellen, wird er von den Kemalisten als Despot und Verräter dargestellt.

80 Vgl. hierzu: Fortna, The reign of Abdülhamid II., S. 45.

81 McCarthy führt 5 Millionen Einwanderer zwischen 1821-1922, und Karpa 7 Millionen, die zwischen 1856 und 1914 einwanderten. (Vgl. hierzu: Cagaptay, Islam, Secularism and Nationalism in Modern Turkey, S. 5.)

82 Vgl. hierzu: Ebd. S. 8 f..

83 Vgl. hierzu: Faroqui, Geschichte des Osmanischen Reiches, S. 102.

84 Ebd. S. 103. „Nach wie vor blieb die anatolische Landwirtschaft krisenanfällig, besonders wenn der Regen ausblieb. Dies geschah etwa in Zentralanatolien 1873/74, als schätzungsweise 250 000 Menschen und eine große Zahl an Rindern und Schafen einer Hungersnot zum Opfer fielen.“ (Ebd.)

85 Vgl. hierzu: Fortna, The reign of Abdülhamid II., S. 54 f..

86 Vgl. hierzu: Hroch, Das Europa der Nationen, S. 96ff. und S. 160 ff..

87 Anderson, Die Erfindung der Nation, S. 43.

88 Vgl. hierzu: Findley, The Tanzimat, S. 14.

89 „Im 13. Jahrhundert findet er sich in vielen europäischen Texten. […] Türk bzw. Türki als Volks- und Sprachenname war nicht auf nomadisierende und bäuerliche Gruppen oder Schichten beschränkt, auch wenn er in verschiedenen literarischen Quellen pejorativ verwendet wurde. […] Der moderne Staatsname Türkiye (Türkei) ist eine künstliche Bildung.“ (Klaus Kreiser, Der Osmanische Staat 1300 - 1922 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 30), München 2001, S. 3.)

90 Vgl. hierzu: Erik J. Zürcher, Turkey. A modern History, London 1993, S. 133. Charles Warren Hostler, Tukism and the Soviets. The Turks of the World and their political Objectives, London 1957, S. 140 ff..

91 Vgl. hierzu: Hostler, Turkism and the Soviets, S. 1-82, hier findet sich eine ausführliche Aufführung der verschiedenen Turk-Völker im sowjetischen Russland.

92 Vgl. hierzu: Anderson, Die Erfindung der Nation, S. 163.

93 Vgl. hierzu: Gotthard Jäschke, Der Turanismus der Jungtürken. Zur osmanischen Politik im Weltkriege, in: Gotthard Jäschke (Hg.), Die Welt des Islams, Band 23, Berlin 1941, S. 3.

94 Vgl. hierzu: Şerif Mardin, The genesis of young ottoman tought, Princeton 1962, S. 79.

95 Hroch, Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas, S. 24.

96 Vgl. hierzu: Cagaptay, Islam, Secularism, and Nationalism in Modern Turkey, S. 4.

97 Vgl. hierzu: Kohn, Geschichte der nationalen Bewegungen im Orient, S. 181. In diesem Drama, zieht ein junges türkisches Mädchen als Mann verkleidet mit ihrem Bräutigam in den Krieg gegen Russland. ,,The ideas of Kemal, the most articulate of the group of disgruntled young bureaucrats and writers, can best be described as a defense of liberal values with Islamic arguments. Kemal and the other ´Young Ottomans´, as they became known, were both pious Muslims and Ottoman patriots, who looked back nostalgically both to a golden era of Islam and to the era or the empire´s greatness. […] To expound his ideas to an Ottoman public, Kemal created a new vocabulary, in which old word were given new meanings, corresponding to the terminology of nineteenth- century liberalism. Vatan, the Arabic word denoting one´s birthplace, became the equivalent of the French patrie, hürriyet (being a free man, not a slave) that of liberté, millet (community) that of nation. This new terminology would be the ideological instrumentarium for later generations of Muslim liberals and nationalists.” (Zürcher, Turkey. A Modern History, S. 71 ff..) Vgl. hierzu auch: Ders., The Unionist Factor, Leiden 1984, S. 5 f..

98 Vgl. hierzu: Mardin, The genesis of young ottoman thought, S. 26. Auch in Europa wurde das Nationalbewusstsein mit der Vertiefung der einzelnen Volkssprachen weiter vorangetrieben. Für Deutschland kann man die Arbeiten von Johann Christoph Gottscheds „Grundlegung einer deutschen Sprachkunst“ aufführen oder die Arbeiten von Christoph Adelung ‚Deutsche Sprachlehre, zum Gebrauch der Schule in den Königlichen Preußischen Landen“ und „Vollständige Anweisung zur deutschen Orthographie, nebst einem kleinen Wörterbuch für die Aussprache, Orthographie, Biegung und Ableitung“. In Deutschland zeigten schließlich die Arbeiten und Vorträge Jacob Grimms, des Begründers der Germanistik als Sprach- und Literaturwissenschaft sowie des „Deutschen Wörterbuchs“ im 19. Jahrhundert, das mit einem verstärkten Nationalbewusstsein einhergehende Sprachreinigungsbestreben deutlich auf. (Vgl. hierzu: Schiewe, Die Macht der Sprache, S. 97 ff.)

99 So veröffentlichte dieser z.B. das Wörterbuch „Lehce-i Osmani“ (Osmanische Dialekte).

100 Vgl. hierzu: Hostler, Charles Warren, Turkism and the Sovjets, S. 142. „It is in the columns of the same newspaper in the serial on historical methodology written by Ahmed Vefik Paşa that for the first time in Turkey history was called a “science”. A number of these historical serials were also devoted to discovering the causes of the decline of the Ottoman Empire, and at least one of them was an attempt to recapture the glorious doings of the Turks in their original homeland of Central Asia.” (Mardin, The genesis of young ottoman thought, S. 261.)

101 Vgl. hierzu: David Kushner, The Rise of Turkish Nationalism, 1876-1908, London 1977, S. 21.

102 Das Wort Turan kommt aus dem Persichen und ist die Bezeichnung für das Land im Nordosten Irans. Ziel dieser Bewegung war die Vereinigung der „turanischen Völker“, dessen Grenzen sich vom Balkanüber Anatolien bis nach Sibirien und zum heutigen China erstrecken sollte. Als Vater des Pantürkismus gilt Hermann Vámbéry. Dem Reich Turan, sollten demnach alle Turkvölker entstammen, später engte sich der Traum von Turan auf die Turkvölker ein, so empfanden sich die damaligen Turkvölker als Kulturnation. „Die Vereinigung der hundert Millionen Türken in einer Nation ist für die türkischen Nationalisten eine der stärksten Quellen der Begeisterung. Wäre das Turan-Ideal nicht vorhanden gewesen, so hätte sich der türkische Nationalismus nicht so schnell entwickelt..[…] Turan ist das große Vaterland aller Türken in der Vergangenheit und vielleicht in der Zukunft.“ (Jäschke, Der Turanismus der Jungtürken, S. 1 ff..

103 Vgl. hierzu: Kushner, The Rise of Turkish Nationalism, S. 9.

104 Vgl. hierzu: Hostler, Turkism and the Soviets, S. 142. „Süleyman Paşa started explicity that Ottoman was the name only of a country, and that the language and literature of the Turks should by rights be called Turkish.“ (Ebd.)

105 Vgl. hierzu: Ahmed Muhiddin, Die Kulturbewegung im modernen Türkentum, Leipzig 1921, S. 44. „In seinem Aufsatze ,Unsere Sprache und Literatur‘ nennt er die ,Nationalität‘ und Rasse, ihre Güter und ihre Angelegenheiten ,teuer und heilig‘ und erinnert seine Mitwelt an die Rechte des Volkes, der Nationalität und der Rasse. Er hebt darin die Bedeutung der Sprache im politischen und geistigen Dasein der Völker und Nationen hervor und stellt fest, daß die Türken ihre nationale Sprache vernachlässigt haben. […] Am Schlusse des Aufsatzes sagt er wörtlich: „Unsere Sprache ist sehr schön, ja, es wäre keineübertreibung, wenn wir sagen würden: die schönste Sprache der Welt. Sie ist ebenso leicht wie schön. Aber unsere Literatur steht nicht auf der gleichen Höhe, sondern ist sehr weit zurück. Sie hat einen falschen Weg eingeschlagen. Unsere Literatur ist verbesserungs- und fortschrittsbedürftig. Mit anderen Worten: sie ist umzubilden und zu erneuern, indem man ihr die von den Türken gesprochene Sprache zugrunde legt. Ein Unrecht tun die, welche das Gegenteil erstreben und sich bemühen das Alte zu erhalten.“ (Ebd.)

106 Vgl. hierzu: Fevziye Abdullah Tansel, Yurdakul, Mehmed Emin. Mehmed Emin Yurdakul´un eserleri, Band 1 Şiirler, Ankara 1969. 1897 gab es einen 30-Tage dauernden Krieg zwischen Griechenland und dem Osmanischen Reich, der als „Thessalien-Krieg“ in die Geschichte einging. (vgl. hierzu: Kreiser, Der Osmanische Staat 1300-1922, S. 44. Vgl. Auch: Mende, Der nationale Kampf der Rußlandtürken, S. 75. Bernard Lewis, The emergence of modern Turkey, London 1961, S. 337.)

107 Gotthard Jäschke, Vom Osmanischen Reich zur Türkischen Republik. Zur Geschichte eines Namenswechsels, in: Gotthard Jäschke (Hg.), Die Welt des Islams, Band 21, Berlin 1939 S. 86.

108 Kushner, The Rise of Turkish Nationalism, S. 54 f.

109 Zürcher, Turkey, S. 74.

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
Türkischer Nationalismus Gestern und Heute
Untertitel
Die Auswirkungen des nationalistischen Diskurses auf die türkische Gesellschaft vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
126
Katalognummer
V166876
ISBN (eBook)
9783640832460
ISBN (Buch)
9783640832804
Dateigröße
1330 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine chronologische Abhandlung der Entstehungsgeschichte des türkischen Nationalismus, seiner Umsetzung und deren Auswirkungen auf die türkische Gesellschaft, eine gelungene und umfangreiche Arbeit.
Schlagworte
türkischer, nationalismus, gestern, heute, auswirkungen, diskurses, gesellschaft, jahrhundert, gegenwart
Arbeit zitieren
Metin Yildirim (Autor), 2010, Türkischer Nationalismus Gestern und Heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166876

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