Das Portfolio „Follow the Silvaner: Vom Rebstock bis zur Vinothek“ dokumentiert ein ethnografisches Forschungsprojekt im Rahmen des Seminars "Follow the Food" an der Universität Würzburg. Im Mittelpunkt steht die kulturwissenschaftliche Analyse des Silvaners als Lebensmittel und Symbol regionaler Identität – von Anbau und Produktion bis zur Vermarktung. Mithilfe ethnografischer Methoden wie teilnehmender Beobachtung, Interviews und Feldnotizen werden Praktiken, Diskurse und Akteursnetzwerke im Staatlichen Hofkeller Würzburg untersucht. Das Portfolio reflektiert methodische Herausforderungen, theoretische Konzepte und eigene Forschungserfahrungen im glokalen Kontext der Weinproduktion.
Zum Inhalt:
- Aufgabe 1: Lebensmittel in der ethnografischen Forschung / Leimgruber 2009;
- Aufgabe 2: Der Feld-Begriff / Welz 1998;
- Aufgabe 3: Teilnehmende Beobachtung / Cohn 2014;
- Aufgabe 4: Beobachten, theoretisch;
- Aufgabe 5: Beobachten, praktisch;
- Aufgabe 6: Interview, theoretisch / Schmidt-Lauber 2007;
- Aufgabe 7: Interview, praktisch;
- Aufgabe 8: Schreibstil in der Ethnografie / Marcus, Cushman 1982;
- Aufgabe 9: Schwierigkeiten im Forschungsprozess;
- Aufgabe 10: Eigene Erfahrungen;
- Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
- Aufgabe 1: Lebensmittel in der ethnografischen Forschung / Leimgruber 2009
- Aufgabe 2: Der Feld-Begriff / Welz 1998
- Aufgabe 3: Teilnehmende Beobachtung / Cohn 2014
- Aufgabe 4: Beobachten, theoretisch
- Aufgabe 5: Beobachten, praktisch
- Aufgabe 6: Interview, theoretisch / Schmidt-Lauber 2007
- Aufgabe 7: Interview, praktisch
- Aufgabe 8: Schreibstil in der Ethnografie / Marcus, Cushman 1982
- Aufgabe 9: Schwierigkeiten im Forschungsprozess
- Aufgabe 10: Eigene Erfahrungen
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Portfolio-Arbeit im Rahmen des Seminars „Follow the Food: Europäische Ethnologie im Kontext glokaler Lebensmittel“ verfolgt das Ziel, die Silvaner-Rebsorte sowie deren „Lebenszyklus“ vom Anbau bis zur Vermarktung kulturwissenschaftlich zu untersuchen und dabei unterschiedliche ethnografische Methoden praktisch anzuwenden und zu reflektieren.
- Ethnografische Forschung zu Lebensmitteln und deren kulturellen Dimensionen
- Konzept des ethnografischen Feldbegriffs und seine Entwicklung
- Methoden der teilnehmenden Beobachtung und des qualitativen Interviews
- Reflexion des Schreibstils in der Ethnografie
- Anwendung und Herausforderungen im ethnografischen Forschungsprozess
- Eigene Erfahrungen und Erkenntnisse aus der methodischen Arbeit
Auszug aus dem Buch
Beobachtungen im Rahmen einer Führung im Staatlichen Hofkeller der Residenz Würzburg am 6. Juni 2025 von 15:45 bis 17:00
a. Räumliche Inszenierung und Architektur: Die Führerin begrüßt in deutscher Sprache die Besucher:innen am Frankoniabrunnen und geleitet sie zur Eingangstür des Hofkellers, die sich im ersten Innenhof des Nordflügels der Residenz befindet. Der Eingang ist als solcher nicht erkennbar, da jegliche Beschriftung fehlt. Lediglich ein Aschenbecherständer und ein Aufsteller mit dem Text „Ab 22 Uhr Nachtruhe“ lassen vermuten, dass sich hier auch nachts Gäste des Hofkellers im Innenhof aufhalten.
Die Tour beginnt mit dem Hinabsteigen in den Weinkeller über eine steile 40-stufige Steintreppe. Die Besichtigung des Kellerareals ist als Rundweg angelegt, auf dem die Teilnehmenden vier Gewölbekeller (Stückfass-, Kammer-, Deputatswein-/Beamtenfass- und Bacchuskeller) passieren; Rotwein- und Eiskeller können während des Rundgangs nicht besichtigt werden. Die Gewölbekeller wurden während des Residenzbaus (1720-1744 im Rohbau entstanden und bis 1780 fertig ausgestattet, Planung: Balthasar Neumann) angelegt; gut erkennbar ist die Ziegelsteinbauweise im restaurierten Bacchuskeller. Nach Angaben der Führerin ist nicht die gesamte Residenz unterkellert, sondern nur ein Teilbereich.
d. Körperliche und sinnliche Wahrnehmungen: Im Keller ist es ein wenig feucht, aber nicht zu kühl; es riecht etwas modrig. Das Licht ist gedämpft und wird von elektrischen Kerzen erzeugt, die auf Tischen stehen und auf Kronleuchtern befestigt sind. Ein störendes Hintergrundgeräusch ist für mich das Flüstern eines asiatischen Besuchers, der während der Führung für eine andere Person dolmetscht. Ebenso störend wirken die Arbeiten am Bühnenaufbau im Kammerkeller für mich; wegen des Lärms ist die Führerin zeitweise schlecht zu verstehen.
Vor den Beamtenweinfässern wird den Besucher:innen von einer jungen Frau ein Glas Wein auf einem Tablett angeboten; es handelt sich dabei um einen Silvaner Kabinett, 0,1 Liter. Nach dem symbolischen Anstoßen erklärt die Führerin die Bedeutung der Deputatsweinfässer; währenddessen probieren die Teilnehmenden den Weißwein. Es ist ein leichter, fruchtiger Wein mit geringem Säuregehalt, der mir sehr gut schmeckt. Einige Gäste leeren das Glas nach wenigen Minuten, andere nehmen ihren Wein bis zur Vinothek in den Bacchuskeller mit, wo die Führung vor einer Karte mit den Anbaugebieten des Hofkellers und ihren geologischen Beschaffenheiten endet.
Zusammenfassung der Kapitel
Aufgabe 1: Lebensmittel in der ethnografischen Forschung / Leimgruber 2009: Erläutert, warum Lebensmittel ein zentrales Thema für die ethnografische Forschung sind, basierend auf Leimgrubers Text, und hebt ihre sinnlichen, symbolischen, ethischen und identitätsstiftenden Dimensionen hervor.
Aufgabe 2: Der Feld-Begriff / Welz 1998: Beschreibt die Entwicklung des ethnografischen Feldbegriffs von einem statischen Ort hin zu einem dynamischen, multi-sited Netzwerk global vernetzter Schauplätze.
Aufgabe 3: Teilnehmende Beobachtung / Cohn 2014: Stellt die Vorteile der teilnehmenden Beobachtung als Methode dar, wie den Zugang zu implizitem Wissen und vertiefte Einblicke, sowie die Herausforderungen von Nähe-Distanz-Balance und hohem Zeitaufwand.
Aufgabe 4: Beobachten, theoretisch: Listet 10 Gütekriterien für Feldnotizen und Feldbeschreibungen auf, die deren Detailreichtum, Reflexivität und analytische Anschlussfähigkeit sicherstellen.
Aufgabe 5: Beobachten, praktisch: Verschriftlicht ein konkretes Beobachtungsprotokoll einer Führung im Staatlichen Hofkeller Würzburg, inklusive räumlicher Inszenierung, narrativer Diskurse und sinnlicher Wahrnehmungen.
Aufgabe 6: Interview, theoretisch / Schmidt-Lauber 2007: Erläutert drei Gütekriterien für qualitative Interviews in der ethnografischen Forschung: Geltungsbereich, Glaubwürdigkeit und Authentizität des Gesagten.
Aufgabe 7: Interview, praktisch: Erstellt einen detaillierten Leitfaden mit 10 Interviewfragen für ein Gespräch mit dem technischen Leiter des Hofkellers Würzburg, unter Berücksichtigung der Gütekriterien.
Aufgabe 8: Schreibstil in der Ethnografie / Marcus, Cushman 1982: Untersucht die Besonderheiten des ethnografischen Schreibstils im Vergleich zu klassischen wissenschaftlichen Texten, insbesondere hinsichtlich Erzählstruktur, Autor:innen-Präsenz und Perspektive.
Aufgabe 9: Schwierigkeiten im Forschungsprozess: Reflektiert über eine Herausforderung bei der Gruppenarbeit zur Untersuchung des Silvaner-Lebenszyklus und die mangelnde Kommunikation innerhalb der Gruppe.
Aufgabe 10: Eigene Erfahrungen: Fasst die wichtigsten neuen Erkenntnisse aus dem Seminar zusammen, darunter die Rolle von Lebensmitteln als Forschungsgegenstand, der dynamische Feldbegriff, Stärken und Schwächen der teilnehmenden Beobachtung sowie Qualitätskriterien.
Schlüsselwörter
Ethnografie, Europäische Ethnologie, Kulturwissenschaft, Lebensmittel, Wein, Silvaner, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, qualitatives Interview, Feldbegriff, Forschungsmethoden, Würzburg, Hofkeller, tacites Wissen, glokale Lebensmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit ist ein Portfolio im Rahmen eines Seminars zur Europäischen Ethnologie und befasst sich mit der Anwendung ethnografischer Forschungsmethoden auf den "Lebenszyklus" des Silvaner-Weins von der Produktion bis zum Konsum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die ethnografische Erforschung von Lebensmitteln, den Feldbegriff, teilnehmende Beobachtung, qualitative Interviews, den Schreibstil in der Ethnografie sowie die Reflexion des Forschungsprozesses und eigener Erfahrungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Silvaner-Rebsorte und ihren "Lebenszyklus" historisch-anthropologisch und kulturwissenschaftlich zu untersuchen und dabei die erlernten ethnografischen Methoden praktisch anzuwenden und deren Funktionsweise sowie Herausforderungen zu demonstrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet und reflektiert primär ethnografische Methoden, darunter die teilnehmende Beobachtung und das leitfadengestützte Interview, ergänzt durch Quellenanalyse, autoethnografische Forschung und Online-Ethnografie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen verschiedener ethnografischer Methoden wie die teilnehmende Beobachtung (Aufgabe 3, 4, 5) und das Interview (Aufgabe 6, 7), sowie Reflexionen über den Feldbegriff und den ethnografischen Schreibstil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Ethnografie, Kulturwissenschaft, Lebensmittel, Wein, Silvaner, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, qualitatives Interview, Feldbegriff und Forschungsmethoden.
Warum wurde der Silvaner als konkretes Forschungsobjekt gewählt?
Der Silvaner wurde aufgrund des Gruppeninteresses an der ethnografischen Forschung zum Lebensmittel "Wein" als konkretes Forschungsobjekt ausgewählt, um seinen "Lebenszyklus" vom Anbau bis zur Vermarktung kulturwissenschaftlich zu untersuchen.
Was sind die spezifischen Herausforderungen bei der teilnehmenden Beobachtung, die in dieser Arbeit diskutiert werden?
Spezifische Herausforderungen sind die Balance zwischen Nähe und Distanz ("going native" vs. zu große Fremdheit), die Personenabhängigkeit der Eindrücke und Auswertung sowie der hohe Zeitaufwand, der in zeit- oder ressourcenlimitierten Projekten kritisch sein kann.
Welche Rolle spielt der Hofkeller Würzburg in der praktischen Anwendung der Forschungsmethoden?
Der Staatliche Hofkeller Würzburg dient als konkretes Fallbeispiel für die praktische Durchführung einer teilnehmenden Beobachtung, indem eine Führung im Keller detailliert protokolliert und analysiert wird, um die Anwendung der Methode zu demonstrieren.
Wie unterscheiden sich ethnografische Texte von anderen wissenschaftlichen Publikationen laut den Autoren Marcus und Cushman?
Ethnografische Texte unterscheiden sich durch eine narrative Erzählstruktur, die explizite Darstellung der Autor:innen-Präsenz und die Verwendung einer emischen Perspektive mit umfangreichen nativen Zitaten und Fallstudien, im Gegensatz zu abstrakten Argumentationslinien und generalisierender Fachterminologie.
- Citation du texte
- Markus Lüske (Auteur), 2025, Follow the Silvaner. Vom Rebstock bis zur Vinothek, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669361