Der Film "Die Halbstarken" im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Moderne


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
67 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bundesrepublik in den fünfziger Jahren
2.1.Der politische Kontext
2.2.Gesellschaftliche Entwicklungen
2.3.Der Film in den 50ern

3. Das Phänomen der „Halbstarken“
3.1. Jugend in den fünfziger Jahren
3.2. Wer waren die „Halbstarken“?
3.3. Die „Halbstarken“ in der öffentlichen Diskussion

4. Der Film Die Halbstarken im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Moderne
4.1.Inhalt
4.2. Die Debütanten
4.2.1. Das Team
4.2.2. Die Musik
4.2.3. Die Kamera
4.3. Die Halbstarken als Zeitzeugnis
4.3.1. Der Vorspann
4.3.2. Die Schauplätze
4.3.3. Die Darstellung der „Halbstarken“
4.3.4. Die Darstellung der Gesellschaft
4.3.5. Amerikanische Vorbilder

5. Darstellung der Ergebnisse
5.1. Ein „relativ“ realistisches Zeitzeugnis
5.2. Der Film im Rahmen des bundesrepublikanischen Films der fünfziger Jahre

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Filmographie

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Zusammenbruch des Dritten Reiches wird oft als die sogenannte “Stunde Null” bezeichnet. Doch kann von den nachfolgenden Entwicklungen nicht von einem Neubeginn in dem Verständnis gesprochen werden, dass etwas vollkommen Neues und noch nie Gewesenes nun seinen Anfang nehme. Ebenso wenig beschreibt der oft im Zusammenhang mit den fünfziger Jahren gebrauchte Begriff der “Restauration” das Phänomen dieser Zeit ausreichend.[1] Das Jahrzehnt, das Erich Kästner einmal als die Zeit des “motorisierten Biedermeier”[2] bezeichnet hat, kann vielmehr, wie der Historiker Axel Schildt ausführt, als ein Spannungsfeld zwischen “`konservativen´ bzw. `traditionellen´ und `modernen´ bzw. `neuen´ Momenten” gesehen werden[3], in welchem sowohl Traditionen und Kontinuitäten, als auch Modernisierung, koexistieren. Zumeist verfolgt jedoch der Blick des laienhaften Betrachters das historische Geschehen nicht so differenziert und neigt eher dazu den Kult, der seit Beginn der 1970er um diese Ära gemacht wird, als einen Ausschnitt der fünfziger Jahre zu verehren[4] Die Präsenz der fünfziger Jahre bis in die Kultur unserer Zeit ist nicht abzustreiten. Die Begeisterung für „50er-Jahre-Mode“ oder die Gebrauchskunst der damaligen Zeit wie das Wohndesign treibt noch jetzt viele Faszinierte dazu, in dem Angebot von Flohmarktständen nach geeignetem Material zu suchen. Wem die 50er Jahre „aus zweiter Hand“ schon zu verbraucht erscheinen, kann inzwischen die begehrten Wohnutensilien zu teuren Preisen, dafür aber neu produziert, auch als Designerstücke erwerben.

Diese „epochale Stilisierung“[5] findet man noch in Hinblick auf die Musik des Rock´n Roll, doch eher selten, wenn es sich um den bundesrepublikanischen Film dieses Jahrzehntes handelt. „Was ist los mit dem deutschen Film?“[6] fragt der Zeitgenosse Joe Hembus[7], der selber in der Filmbranche tätig ist, und gibt gleich darauf die knappe Antwort: „Er ist schlecht. Es geht ihm schlecht. Er macht uns schlecht. Er wird schlecht behandelt. Er will auch weiterhin schlecht bleiben.“[8] Ob diese negative Diagnose aus heutiger Sicht noch zutreffend erscheint, möchte ich in meiner folgenden Arbeit an dem Filmbeispiel Die Halbstarken (BRD 1956) vor dem Hintergrund der Filmlandschaft der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren unter Einbeziehung von gesellschaftlichen und politischen Aspekten überprüfen. Dieser Film erscheint mir für meine Analyse besonders geeignet, da er nicht nur das Sprungbrett für Karrieren wie jene von Horst Buchholz war, sondern auch „einer der größten Publikumserfolge des westdeutschen Nachkriegsfilms“[9]. Die Tatsache, dass Die Halbstarken 1996 mit Til Schweiger in der Hauptrolle noch einmal neu verfilmt wurde, lässt den Gedanken nahe liegen, dass der Originalfilm bereits Elemente besaß, die bis heute nichts an Attraktivität eingebüßt haben.

Um den Film Die Halbstarken im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Moderne näher zu untersuchen, möchte ich zunächst die Bundesrepublik in den fünfziger Jahren und damit den politischen, gesellschaftlichen und filmischen Kontext betrachten. Ein eigener Abschnitt wird dann das historische Phänomen der „Halbstarken“ behandeln.

Ein Sequenzprotokoll mit den in der Analyse angebenden Sequenzen ist im Anhang zu finden.

2. Die Bundesrepublik in den fünfziger Jahren

2.1.Der politische Kontext

Mit der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik 1949 endet die unmittelbare Nachkriegszeit. Deutschland ist de facto infolge der Blockkonfrontation zwischen Ost und West in zwei Teilstaaten gespalten. In den Wahlen zum ersten Bundestag am 14. August 1949 wird die CDU/ CSU stärkste Partei und stellt in Koalition mit der FDP und DP (Deutsche Partei) die Regierung. Mit einer Stimme Mehrheit wird Konrad Adenauer, der vormalige Oberbürgermeister von Köln, am 15. September desselben Jahres zum Bundeskanzler gewählt. Kurt Schumacher (SPD) wird Oppositionsführer.[10]

Adenauer, der in der Zeit von 1951 bis 1955 auch Außenminister ist, verbleibt bis 1963 im Amt des Bundeskanzlers und hat das Bild der Bundesrepublik in dieser “Wiederaufbauperiode, in der eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung unter konservativen Vorzeichen”[11] stattfindet, durch seine Persönlichkeit stark geprägt. Man beschreibt ihn als Patriarch, der “seine Mitarbeiter am Zügel hielt, verbrauchte und schnöde beiseite schob”[12], als praktischen Politiker, aber auch als “zäh und schlau, schöpferisch und der Idee verpflichtet”[13]. Sein westeuropa–atlantikzentriertes Weltbild ist Vorraussetzung für die Westbindung der Bundesrepublik im Rahmen des Ost-West-Konfliktes. Integrations- und Machtpolitik – er proklamiert “eine Politik der Stärke” - sind in Adenauers politischem Denken eng verbunden[14], denn nur wenn die nationale Souveränität europäischen Zusammenschlüssen untergeordnet wird, die allen Staaten dieselben Opfer abverlangt, kann für Deutschland im Rahmen europäischer Kooperation gleichberechtigtes Handeln erwachsen[15].

In Hinblick auf die alliierte Entnazifizierungspolitik nimmt Adenauer, der selbst nicht mit den Nationalsozialisten sympathisiert hat, eine eher pragmatische Haltung ein, welche den allgemeinen Verdrängungsprozess in der westdeutschen Gesellschaft unterstützt.[16] Einige seiner engsten Mitarbeiter, wie zum Beispiel Theodor Oberländer, Bundesvertriebenenminister von 1953 bis 1969, und Hans Maria Globke, Oberregierungsrat im Innenministerium, haben bereits eine „braune Karriere“ hinter sich.[17]

Aus heutiger Sicht haftet nicht nur Adenauers Außenpolitik “ein unübersehbar autoritärer Zug”[18] an. Doch wird der patriarchalische Führungsstil von Zeitgenossen in seiner Umgebung trotz vereinzelter Kritik im Allgemeinen als angemessen empfunden, während nicht allein der Historiker Gottfried Niedhart in diesem Phänomen eine für die 50er Jahre charakteristische “Obrigkeitsfixierung” sieht.[19] Erst Ende der fünfziger Jahre spricht man von einer allmählichen “Dezentralisierung” innerhalb der CDU/CSU- Bundestagsfraktion bei einem weiterhin starken Bundeskanzleramt.[20]

Im Zuge der Koreakrise 1950 wird von amerikanischer Seite ein westdeutscher Verteidigungsbeitrag im Rahmen einer europäischen Armee erwogen. Das Gefühl der Bedrohung veranlasst Konrad Adenauer zu einer Bitte um Verstärkung alliierter Truppen und zum gleichzeitigen Angebot der Aufstellung deutscher Truppen im Rahmen einer multinationalen westeuropäischen Armee. Dieser politische Alleingang des Regierungschefs führt zum Rücktritt des Innenministers Gustav Heinemann.[21] 1951 erfolgt mit der Revision des Besatzungsstatuts die offizielle Aufhebung des Kriegszustandes durch die westlichen Alliierten, wobei die alliierten Vorbehaltsrechte zur Aufrechterhaltung der Demokratie weiterhin bestehen bleiben. 1952 tritt die BRD trotz heftiger Proteste der Opposition und der Öffentlichkeit, die im westdeutschen Wehrbeitrag das stärkste Hindernis für eine deutsche Wiedervereinigung sehen, der neugeschaffenen Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) bei. Die Wahlen zum zweiten deutschen Bundestag 1953 und der Sieg der Unionsparteien mit 45,2% (SPD 28,8%) zeigen jedoch, dass sich das außen- und sicherheitspolitische Konzept Konrad Adenauers durchgesetzt hat und von der Bevölkerung mehrheitlich mitgetragen wird.[22] Dieses supranationale, europäische Vorhaben der Brüsseler Pakt Staaten und Westdeutschland, scheitert im August 1954 an der Ablehnung im französischen Parlament. Da man jedoch auf den westdeutschen Wehrbeitrag nicht verzichten will, kommen im Oktober des gleichen Jahres die sogenannten “Pariser Verträge” zustande, welche den Beitritt der BRD unter Verzicht auf ABC- Waffen, zur Westeuropäischen Union (WEU), sowie zur NATO erklären. Die WEU, konzipiert als alternative Organisation zur Verteidigung Westeuropas, übergibt nationale Truppenkontingente dem Oberbefehl der NATO und stellt somit

“im wesentlichen ein ordinäres Bündnis dar, eine Sonderallianz im Rahmen des Nordatlantik- Paktes, deren Hauptaufgabe darin bestand, die Bundesrepublik in die NATO zu schleusen.”[23]

Mit dem Dienstantritt der ersten 1000 Freiwilligen am 02. Januar 1956 wird es ruhiger in dem Streit um die deutsche Bundeswehr. Erst als die amerikanische Verteidigung im Herbst 1956 vorsieht, die Streitkräfte in Europa zugunsten einer atomaren Aufrüstung zu reduzieren, wird eine neue öffentliche Debatte angeregt. Die große Protestbewegung, die sich unter dem Motto “Kampf gegen den Atomtod” für den Verzicht auf Atomwaffen einsetzt, erhält auch den Zuspruch bekannter deutscher Atomwissenschaftler, die sich im “Göttinger Manifest” vom 12.April 1957 in diesem Sinne öffentlich äußern. Dennoch kann die Stationierung von Atomwaffen auf dem Boden der BRD nicht verhindert werden, nur das Mitverfügungsrecht über diese Waffen.[24]

Die Pariser Verträge, die im Mai 1955 in Kraft treten, erkennen der BRD ihre innere und äußere Souveränität zu. Zusatzverträge regeln die Stationierung ausländischer Streitkräfte in Westdeutschland, um dessen Sicherheit zu gewährleisten.

Im Zusammenhang mit den Pariser Verträgen bietet sich für Adenauer auch die Möglichkeit, in der strittigen Saarfrage einem deutsch- französischen Ausgleich näher zu kommen. Das Saarland war nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches Frankreich 1947 wirtschaftlich angegliedert worden, während es politisch als autonom galt. Nach dem vertraglich vereinbarten Volksentscheid der Saarländer im Oktober 1955 zugunsten Deutschlands sind die Weichen für eine Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik gestellt, welche 1957 politisch und 1959 wirtschaftlich erfolgt.[25]

Die Note des Nachfolgers Stalins, Nikita Chruschtschow, vom 23. Oktober 1954 und die “Erklärung zur deutschen Frage” vom 14. Januar 1955 stellen eine Wiedervereinigung Deutschlands innerhalb eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems in Aussicht, wobei die bereits in Folge der Stalin- Noten im März 1952 bekundeten westlichen Forderungen nach gesamtdeutschen Wahlen jetzt kritisch geprüft werden sollen. Für Konrad Adenauer und die westlichen Alliierten, insbesondere der USA, stellt dieser Notenwechsel nur einen erneuten Versuch von der Sowjetunion dar, die erfolgreiche Westbindung der Bundesrepublik zu verhindern, entgegen der Meinung der SPD und einer breiten Öffentlichkeit, die ihren “Sorgen um die Wiedervereinigung Deutschlands” im “Manifest der Paulskirchenbewegung” Ausdruck verleiht.[26] Obwohl Adenauer für einen ausgeprägten Anti-Kommunismus und seine “strikte Zweiteilung der Welt in östliche Feinde und westliche Freunde”[27] bekannt ist, können 1955 nach deutsch- sowjetischen Verhandlungen, zu welchen der Bundeskanzler sogar persönlich im September nach Moskau reist, 10.000 Kriegsgefangene und 20.000 Zivilinternierte aus russischer Kriegsgefangenschaft ihre Reise zurück nach Deutschland antreten.[28] Dieser Umstand wird als einer seiner größten politischen Erfolge gewertet. Ende des Jahres wird in unmittelbarer Reaktion auf die Verhandlungen mit Russland das nach dem Staatssekretär Hallstein benannte “Hallstein- Doktrin” verkündet, das den Alleinvertretungsanspruch der BRD formuliert und jedem Staat, der diplomatische Beziehungen zur DDR unterhält oder aufnimmt, mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die Bundesrepublik droht. Allein die Sowjetunion erhält einen Sonderstatus aufgrund ihrer besonderen Stellung gegenüber DDR. Von dieser Doktrin betroffen werden 1957 Jugoslawien und 1963 Kuba.[29]

Trotz zeitgenössischer Kritik befindet sich Konrad Adenauer 1957 auf dem Höhepunkt seiner Karriere wie es in den Wahlen zum dritten Bundestag deutlich zum Ausdruck kommt. Die CDU/CSU erreicht mit 50,2% die absolute Mehrheit.[30]

Im darauffolgenden Jahr rückt Berlin in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, als Chruschtschow in einer Note vom 27. November Verhandlungen fordert, die den Abzug westlicher Truppen innerhalb der nächsten sechs Monate und die Bildung einer “freien Stadt” zum Thema haben. Andernfalls würde den Alliierten die Kontrolle der Zufahrtswege verweigert. Die daraufhin von Mai bis August stattfindende Genfer Konferenz, an welcher auch Vertreter der BRD und DDR teilnehmen, bleibt ohne Ergebnis. Schließlich erfolgt am 13.August 1961 der Bau der Mauer.[31]

Das politische Geschehen der BRD in den fünfziger Jahren ist geleitet von dem Ziel, das besiegte und zerstörte Land in einen souveränen Staat zu verwandeln zwischen den sich verfestigenden Blöcken in Ost und West. Repräsentant dieser Politik ist Konrad Adenauer, dessen autoritär-patriarchalischen Führungsstil sich in “einsamen Entscheidungen”[32] äußert, aber auch mit modernen Staatsdenken verbindet, insofern

“man internationale Verflechtung und Einschränkung oder Verzicht auf nationale Souveränitätsrechte als Kennzeichen von Modernität in der Gestaltung der Außenbeziehungen”[33]

betrachtet.

Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft und die Gesellschaft der fünfziger Jahre befinden sich am Beginn eines Entwicklungsprozess, im Laufe dessen alte Strukturen überwunden und an deren Stelle neue Werte treten werden.

2.2 Gesellschaftliche Entwicklungen

Neben den politischen Ereignissen ist auch die Wirtschaft in Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung dieses Jahrzehnts nicht außer Acht zu lassen. Obwohl die Wirtschaft nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahezu vor dem Zusammenbruch steht, sind in Deutschland “die industriellen Produktionsanlagen bei weitem nicht so zerstört, wie der Eindruck (...) zunächst vermuten lässt”[34]. Zusammen mit der Währungsunion und dem Marshallplan, der ein amerikanisches, multilaterales Wiederaufbauprogramm für Europa vorsieht[35], sowie dem Beitritt zur “Organization of European Economic Cooperation” (OEEC) 1948, die für die Verteilung der MarshallplanGelder zuständig ist und 1957 in die “Europäische Wirtschaftgemeinschaft” (EWG) mündet, beginnt der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik. Von 1950 bis 1960 verdoppeln sich die Steigerungsraten sowohl des Bruttosozialprodukts als auch des Außenhandels. Diese allgemein auch als “Wirtschaftswunder” bekannte Entwicklung wird unter anderem von dem internationalen Korea-Boom getragen. Während die westeuropäischen Nationen ihre Industrie zugunsten der Rüstungsproduktion ausbauen, nimmt die BRD, welcher die Rüstungsproduktion von den Alliierten verboten ist, die Chance wahr, die Auslandsnachfrage an zivilen Gütern befriedigen. Die “soziale Marktwirtschaft”, die nach Alfred Müller-Armack die Aufgabe habe, “das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs zu verbinden”[36], kann sich als Wirtschaftssystem der Bundesrepublik konsolidieren.

Einhergehend mit dem industriellen Wachstum ist eine Verschiebung zwischen den Wirtschaftssektoren zugunsten der innovationsfreudigen, modernen Branchen zu erkennen (Kunststoffverarbeitung, Automobilindustrie und Mineralölverarbeitung), wobei der Anteil der Landwirtschaft als Sektor deutlich abnimmt[37]. Die Prosperität der Wirtschaft zeigt sich am stärksten in der Entwicklung der Beschäftigungszahlen. Während man 1950 noch eine Arbeitslosenquote von 10 Prozent verzeichnet, ist am Ende der fünfziger Jahre die Vollbeschäftigung fast erreicht. Die Zahl der Erwerbstätigen erhöht sich in dieser Zeit um 4,5 auf 26,5 Millionen und auch die Löhne steigen.[38] Jedoch erst 1956 befinden sie sich wieder auf dem Vorkriegsniveau. Während zu Beginn des Jahrzehnts vorwiegend Kriegsheimkehrer eingestellt werden und damit kurzfristig die Arbeitslosenquote der weiblichen Bevölkerung zunimmt, steigt die Zahl der erwerbstätigen Frauen bis 1962 insgesamt um 19 Prozent.[39] Es beginnt sich die in den 60er Jahren als “Dienstleistungs”- oder “Angestelltengesellschaft” bezeichnete Struktur der Arbeitswelt herauszubilden. Der Anteil der Arbeiter und Angestellten sowohl im öffentlichen wie im industriellen Bereich nimmt stark zu, wobei der Status vom Arbeiter zum Angestellten fließend ist.[40] 1955 wird mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 50 Stunden an sechs Tagen in der Woche am längsten gearbeitet. Die daraufhin eingeführte, tarifliche Arbeitszeitverkürzung auf 44 Stunden wöchentlich bringt den Arbeitnehmern nur scheinbar mehr Freizeit., da in diesem Zeitraum auch mehr Überstunden anfallen. Erst der Übergang zur Fünftagewoche, der ebenso Mitte der fünfziger Jahre stattfindet, bringt den Arbeitnehmern einen reellen Gewinn, nämlich das “lange”, zweitägige Wochenende. In diesem Zusammenhang gewinnt die Parole der Gewerkschaften “Samstags gehört Vati uns!” große Popularität.

Betrachtet man das Familienleben im Zusammenhang mit dem Zuwachs an Lohn und Freizeit, ist festzustellen, dass sich

“das individuell zur Verfügung stehende Freizeitbudget in den fünfziger Jahren, auch nach dem subjektiven Empfinden der Zeitgenossen, (...) absolut wenig”[41]

verändert. Obwohl den einzelnen Familien insgesamt mehr Geld für Ausgaben zu unterschiedlichen Zwecken zur Verfügung steht, kann man von einem “Jahrzehnt des Sparens”[42] sprechen. Durch die Zerstörung vieler Häuser im Krieg und den daraus bedingten, beengten Wohnverhältnissen, die sich trotz des 1950 einsetzenden sozialen Wohnungsbaus nur langsam bessern, steht an erster Stelle der Wunsch vieler Haushalte nach einem Eigenheim oder zumindest der Erlangung einer Wohnung. Darüber hinaus spart man für langlebige Konsumgüter oder die Verschönerung bzw. Ausstattung der eigenen vier Wände, da der Krieg mit dem Verlust von Hausrat einhergegangen ist.

In der kurz bemessenen, freien Zeit des Feierabends oder des Wochenendes ist Häuslichkeit das bestimmende Merkmal in den Familien. Man hört gemeinsam Radio, beschäftigt sich mit Haus- oder Gartenarbeiten und liest, vor allem Illustrierte und Programmhefte. Obwohl die fünfziger Jahre allgemein als das Jahrzehnts des Fernsehens gelten, stellt das Radio bis zur Mitte der fünfziger Jahre “das Zentrum des Feierabend- und Wochenendgeschehens”[43] dar. Besonders beliebt sind Bunte Abende mit Musik und Kabaretteinlagen, Unterhaltungsmusik, die sowohl die Operette, als auch Marschmusik, deutschen Schlager umfasst, ebenso wie Hörspiele. Durch die allmähliche Massenverbreitung des Fernsehens ab 1954, löst es das Radio als Leitmedium der Konsumgesellschaft bis zum Ende des Jahrzehnts ab. 1960 befindet sich ein Viertel aller Haushalte der Bundesrepublik im Besitz eines eigenen Fernsehgerätes.

Außerhäuslich betätigt sich vor allem die jugendliche und/oder männliche Bevölkerung sportlich[44], meist in Sportvereinen, deren Mitgliederzahlen bis zum Ende des Jahrzehnts derart steigen, dass man von einer “Versportung” der Jugendlichen spricht.[45] Neben dem sonntäglichen Kirchengang ist der Kinobesuch ein weiteres Ereignis der außerhäuslichen Freizeitgestaltung. 1956 wird der Höhepunkt des sogenannten “Kinobooms”[46] mit 817 Millionen Besuchern erreicht. Der daraufhin folgende Abwärtstrend lässt sich nur mit dem Siegeszug des Fernsehens erklären, das als sogenanntes „´Pantoffelkino` einen preiswerten und bequemen Ersatz“[47] bietet.

Das Automobil wird, wie Hermann Glaser anführt, zum “Statussymbol”[48] der Wohlstandsgesellschaft und “Fetisch des Fortschritts”[49] und stellt für viele Familien einen lang gehegten Traum dar. Nur wenige können sich jedoch ein Motorrad oder ein Auto leisten. Der Vorkriegsbestand von 802 129 Personenkraftwagen wird erst 1953 wieder erreicht. Die Massenmotorisierung beginnt in den darauffolgenden Jahren zunächst mit Kleinst- und Kleinautos wie dem Goggomobil oder der Isetta, die einem Motorrad mit drei Rädern ähneln.

Wenn man die fünfziger Jahre immer wieder mit der “Urlaubswelle” in Zusammenhang bringt, so ist dies weitgehend nicht oder nur für das letzte Drittel des Jahrzehntes in Maßen zutreffend. Urlaub im Ausland ist vielen Bürgern aus bürokratischen Umständen schon nicht möglich, da nur zwanzig Prozent der Bevölkerung Mitte der Fünfziger über einen Reisepass verfügt, der für das Einreisen in ein anderes Land Voraussetzung ist. 1950 unternimmt ein Fünftel, Mitte der Fünfziger ein Viertel und ungefähr ein Drittel am Ende dieses Jahrzehntes der Bevölkerung eine Urlaubsreise, die sie, wenn überhaupt ins Ausland, dann überwiegend in deutschsprachige Nachbarländer führt. Das letzte Drittel der fünfziger Jahre weist zumindest schon auf die Anfänge des Massentourismus, der sich jedoch erst in den sechziger Jahren voll entfalten kann. Also später als die wirtschaftliche Gesamtentwicklung.

Die Familien selbst sind in ihrem Trend zur sogenannten “Kleinfamilie”, bestehend aus den beiden Ehepartnern und ein bis höchstens zwei Kindern, zumindest der Struktur nach stabil, wie die niedrigen Scheidungsziffern dieser Zeit belegen. Über eventuelle innerfamiliäre Konflikte ist damit natürlich wenig ausgesagt.[50] Zwischen den Familienmitgliedern stellen zeitgenössische Untersuchungen sowohl “patriarchalische Entscheidungsstrukturen”[51], als auch “eine starke Tendenz zur partnerschaftlichen Ehebeziehung”[52] fest. Das Bemühen um “vorpolitisch-familiäre Werte und Traditionen”[53], die an die Alltagsnormen der Zeit vor dem Nationalsozialismus anknüpfen, sowie der Kampf um die materielle Basis verhindern eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit. In der Bevölkerung sind Autoritätsgläubigkeit und totalitäre Einstellungen weiterhin weit verbreitet. Eine Kontinuität solcher autoritärer Vorstellungen zeigt sich auch in den elterlichen Erziehungsstilen, welche die Erziehungsziele “Gehorsam und Disziplin” und “Ordnungsliebe und Fleiß” vor “Selbstständigkeit und freier Wille” stellen.[54] “Körperliche Züchtigung durch Erwachsene” ist im schulischen sowie im häuslichen Bereich ein häufig gebrauchtes Mittel der Erziehung.[55]

Zusammenfassend lässt sich eine Verbesserung der Beschäftigungslage in den fünfziger Jahren konstatieren, die in Verbindung mit steigender Kaufkraft zu einem allmählichen Wachstum des Wohlstandes in den einzelnen Familien führt. Doch die Folgen des Krieges wirken nach, so dass zunächst für “bodenständige” Bedürfnisse gespart wird. Die bereits erwähnten, für die fünfziger Jahre allgemein als typisch geltenden “Wellen” (“Konsum”-, “Tourismus”- oder “Motorisierungswelle”) setzen erst im letzten Drittel des Jahrzehnts langsam ein und entfalten sich vollständig in den sechziger Jahren. Häuslichkeit dominiert das Freizeitverhalten dieser Jahre, in denen das Fernsehzeitalter zwar seinen Anfang, aber noch nicht seine massenmediale Verbreitung findet.

2.3.Der Film in den 50ern

Mit der Kapitulation Deutschlands werden der Rundfunk, die Presse und die Filmindustrie von den Alliierten übernommen. Die Vermögenswerte werden beschlagnahmt und die Angestellten aufgrund ihrer politischen Belastung ihrer Funktionen enthoben. Deutsche Filmproduktionen werden „als wesentlicher Faktor faschistischer Meinungsbildung“[56] verboten. Auch die Ufa als zentrale, deutsche Produktionsstätte in der Filmlandschaft vor 1945 wird beschlagnahmt. Es beginnt in den westlichen Zonen ein schleppender Prozess der Entflechtung und Reprivatisierung, der sich bis 1956 dauert.[57] Dieses bereits 1944 abgestimmte Vorgehen sieht in einer Reihe von Gesetzen und Vorschriften der Militärregierungen vor, Produktion, Verleih und Vorführungen von Filmen nur nach Vergabe von Lizenzen an Unbelastete zu erlauben. Dennoch ist die Filmzensur in der Praxis der Nachkriegszeit in den drei westlichen Besatzungszonen nicht einheitlich.[58] Nach dem Beginn der Reorganisation deutscher Verleih- und Theaterstrukturen werden im Herbst 1947 die ersten Lizenzen in der britischen Besatzungszone vergeben, daraufhin in der französischen und zuletzt im Frühjahr 1948 in der amerikanischen.[59] Außerdem werden von den alliierten Besatzungsmächten Filme speziell zur Umerziehung der deutschen Bevölkerung produziert und in deutschen Kinos vorgeführt. Die Durchsetzung alliierter Umerziehungspolitik führt zu einer

“Periode stürmischer Offensiven des US-amerikanischen Filmkapitals auf dem gesamten Weltmarkt und besonders auf den zerstörten, als Brachland verlockenden Märkten Westeuropas.”[60]

Jedoch nutzen auch die anderen Besatzungsmächte die Gelegenheit, alte und in ihrem Land längst aus dem Verleih genommene Filme in Deutschland vorzuführen. Da seit 1939 in Deutschland keine amerikanischen oder englischen Filme mehr gezeigt werden durften, sind diese alten Filme für das deutsche Publikum durchaus eine Neuheit und werden gerne gesehen.[61] Im täglichen Überlebenskampf sind die Menschen froh, einen Ort der Abwechslung, Entspannung und Unterhaltung zu finden.[62]

Obwohl im Zuge der Okkupation Deutschlands Produktionsstätten und sehr viele Lichtspieltheater zerstört worden sind, können bis Ende 1945 1150 Kinos wieder eröffnet werden. In den darauffolgenden Jahren erhöht sich die Zahl der Kinos und somit auch die der Besucher. Ende 1949 findet man bereits wieder 3360 Lichtspieltheater, die von insgesamt 447 Millionen Zuschauern besucht werden.[63] In den Jahren 1946 bis 1949 entstehen in Hamburg, Göttingen und München neue Filmproduktionszentren. Die Dezentralisation der deutschen Filmlandschaft ist hierbei ein vorrangiges Prinzip.

Neben den ausländischen, sind aber auch deutsche Werke kurz nach Beendigung des Krieges wieder in den Lichtspieltheatern zu sehen, da bis zum Zeitpunkt der bedingungslosen Kapitulation vom UFI-Konzern, der die einzelnen Betriebe der reichseigenen Filmindustrie seit 1942 zusammengefasst hat, Filme produziert worden sind, die den Durchhaltewillen des deutschen Volkes stärken sollen. Über sechzig deutsche Filme entstehen noch in den letzten Monaten bis April 1945,[64] davon allein 18 Spielfilme “in den Ateliers des zerbombten Berlin”.[65] Diese meist noch im Jahr 1944 entwickelten Filme dienen entweder der Unterhaltung in Form von unpolitisch erscheinenden Spielfilmen oder richten ihren Appell, in Notsituationen durchzuhalten, direkt an den Menschen beziehungsweise Zuschauer.[66] Ein kleinerer Teil derjenigen Filme, die vor April 1945 nicht mehr zur Aufführung gelangt sind, wird als NS-Propagandafilm eingestuft, während ein weiterer Teil von etwa 200 Spielfilmen in den Jahren 1946 bis 1949 noch um Nachaufnahmen, Schnitt und Musiksynchronisation ergänzt wird, um dann zur Aufführung zu gelangen.[67] Bereits hier wird die Halbherzigkeit der alliierten Besatzungspolitik deutlich. Diese sogenannten “Überläufer”[68] stellen zusammen mit den ausländischen und den deutschen “Trümmerfilmen” das Kinoprogramm der ersten Nachkriegsjahre dar.

In der zuletzt genannten Serie deutscher Spielfilme werden die Probleme der Gegenwart aufgezeigt oder mit ihnen ein Versuch unternommen, die Vergangenheit nachzuzeichnen. Sowohl die Lebensmittelnot, die Trümmerlandschaften deutscher Städte, der tägliche Existenzkampf, als auch die Auswüchse des Antisemitismus und die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus werden thematisiert. Dennoch sind

“die Gegenwartsbezüge vordergründig (und) eine Vertiefung durch eine realistische Nachzeichnung der Ursachen des Elends der Menschen im Nachkriegsdeutschland”[69]

nicht zu finden. Der Hang zum Eskapismus der Zuschauer deutet sich bereits bei den Trümmerfilmen an, die im Vergleich zu den Unterhaltungsfilmen der westlichen Besatzungsmächte einen wesentlich geringeren Kinoerfolg zu verzeichnen haben.[70] Die Verdrängung der Schuldfrage ist nur mit dem Bemühen des einzelnen, den Alltages zu meistern und das Entnazifierungsprogramm der Alliierten unbeschadet zu überstehen, erklärbar.

Mit der Gründung der Bundesrepublik endet 1949 die Lizenzpflicht, doch eine restriktive Grundhaltung bleibt weiterhin bestehen, wenn auch in veränderter Form. Im Juli 1949 nimmt die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ (FSK) ihre Arbeit auf, die der „Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft“ (SPIO) eingegliedert wird. Die Einrichtung dieser Prüfstelle dient vor allem dazu, eine zu befürchtende rigorose, staatliche Kontrolle überflüssig zu machen. Doch unabhängig von staatlichem Einfluss ist die FSK nicht, beachtet man, dass die Prüfausschüsse mit Vertretern der Filmwirtschaft und Repräsentanten des Bundes, der Kirchen, Ländern und des Bundesjugendrings besetzt sind. Des weiteren kann „kein Produzent, Verleiher oder Kinobesitzer (...) einen von der FSK nicht zugelassenen Film in den Verkehr bringen.“[71] Einen weitreichenden Einfluss übt die FSK mit ihren Entscheidungen nicht nur in Hinblick auf Schnittauflagen[72] aus, sondern hat auch entscheidendes Mitspracherecht, wenn es um die Erreichung von Steuervorteilen geht. 1951 wird die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) zur bundesweiten Vereinheitlichung der Richtlinien errichtet. Die Bewertung und Prädikatisierung, die sich natürlich an den Richtlinien des FSK orientiert, bestimmter Filme kann sich steuerermäßigend auswirken. Dem Staat bietet sich noch eine andere Möglichkeit Einflussnahme auf die Produktion deutscher Filme. Aufgrund der starken Präsenz ausländischer Filme im deutschen Kino, fordert die Filmwirtschaft 1949 staatliche Unterstützung, die in Form von Bürgschaften gewährt wird. In einer ersten Bürgschaftsphase von 1950 bis 1953 stehen Mittel in der Höhe von 62 Millionen DM[73] zur Verfügung, während in einer zweiten Phase von 1953 bis 1956 bereits 78 Millionen DM als Fördermittel für den deutschen Film auf den Bund entfallen. Heute werden diese Bürgschaften inzwischen als reine Subventionsmaßnahmen angesehen, da die erhofften Kinoerfolge ausbleiben und ein Kapitalrückfluss nicht stattfinden kann. Lediglich die jährliche Produktionsstatistik kann mit diesen Bürgschaften erhöht werden.[74] Ein interministerieller Bürgschafts-Ausschuss entscheidet über die Anträge aus der Filmbranche und nimmt „massiven Einfluss auf Inhalt, Besetzung und Gestaltung der verbürgten Filme“[75] Da die erwünschte Wiederbelebung des deutschen Films in weite Ferne gerückt zu sein scheint und Bund und Länder hohe Verluste hinnehmen müssen[76], entscheidet sich der Bund mit dem Auslaufen der zweiten Bürgschaftsphase einen anderen Weg der Filmförderung zu beschreiten. Der „Deutsche Filmpreis“, der seit 1951 jährlich verliehen wird, beinhaltet ab 1956 Geldprämien für die besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Die Länder geben weiterhin Bürgschaften ab, wenn auch in geringerem finanziellem Umfang.[77]

[...]


[1] Vgl. dazu Schildt, Axel: Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und “Zeitgeist” in der Bundesrepublik der 50er Jahre. Hamburg 1995. S.19ff und Schäfers, Bernhard: Die westdeutsche Gesellschaft: Strukturen und Formen. In: Schildt, Axel; Sywottek, Arnold (Hg .): Modernisierung im Wiederaufbau: die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre. Bonn 1993. S.307-315. Hier S. 315.

[2] So bezeichnete Erich Kästner 1956 seine eigene Gegenwart. Zitiert nach ebd. S.22.

[3] Ebd. S.21.

[4] Schildt: Moderne Zeiten. S.17.

[5] Ebenda.S. 16.

[6] Hembus, Joe: Der deutsche Film kann gar nicht besser sein. Bremen 1961. S.11.

[7] Dieser frühe Kritiker des Films der fünfziger Jahre ist 1933 geboren und sieht sich selbst als „advocatus diaboli“ der deutschen Filmindustrie, welcher er selbst angehört. Vgl. „Zum Autor“ in Hembus: Der deutsche Film...

[8] Hembus: Der deutsche Film... S.11.

[9] Koebner, Thomas (Hg.): Filmklassiker. Band 2. 1947-1967. Stuttgart 1995. S.275.

[10] Vgl. dazu Glaser, Hermann: Kleine Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland . München/ Wien 1991. S.148f und ausführlicher zur Parteibildung nach dem Zweiten Weltkrieg Schildt, Axel: Ende der Ideologien? Politisch-ideologische Strömungen in den 50er Jahren. In: Schildt, Axel; Sywottek, Arnold (Hg.): Modernisierung im Wiederaufbau: die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre. Bonn 1993. S.627-635.

[11] Schildt, Axel: Politische Entscheidungen und Einstellungen. In: Deutschland in den fünfziger Jahren. Informationen zur politischen Bildung. Heft Nr.256. München 1997. S. 10-23. Hier S.10.

[12] Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S.151.

[13] Ebd.

[14] Vgl.: Niedhart, Gottfried: Außenpolitik in der Ära Adenauer. In: Schildt, Axel; Sywottek, Arnold (Hg.): Modernisierung im Wiederaufbau: die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre. Bonn 1993. S.805-818. Hier S.814f.

[15] Vgl, dazu Graml, Hermann: Die Außenpolitik. In: Benz, Wolfgang (Hg.): Die Geschichte der Bundesrepublik. Politik. Bd.1. Frankfurt a.M. 1989. S.220- 277. Hier S. 235.

[16] Mit der Gründung der Bundesrepublik beginnt eine Vergangenheitspolitik, von der Norbert Frei sagt, dass „nicht die Opfer des Nationalsozialismus die Adressaten (waren), sondern (...) die ´Opfer` seiner Bewältigung“. Zitiert nach Wilke Jürgen: Massenmedien und Vergangenheitsbewältigung. In: Derselbe (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999. S. 649-671. Hier S.654.

[17] Theodor Oberländer war im dritten Reich überzeugter Nationalsozialist, während es sich bei Hans Maria Globke um den Kommentator der Nürnberger Rassengesetze. Vgl. dazu Glaser, Hermann: Deutsche Kultur. Ein historischer Überblick von 1945 bis zur Gegenwart. München/ Wien 1997. S.190.

[18] Niedhart. S.810.

[19] Ebd. S.811 und Anm.47.

[20] Ebd. S.812 und Anm.60.

[21] Vgl. dazu Benz, Wolfgang; Graml, Hermann: Das Zwanzigste Jahrhundert II. Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. 1945- 1982. In: Fischer Weltgeschichte. Band 35. Frankfurt a.M. 1983. S.142f.

[22] Vgl. dazu ebd. S.143.

[23] Graml. S.249.

[24] Vgl. dazu Schildt: Politische Entscheidungen und Einstellungen. S.19.

[25] Vgl. dazu Benz. S.145 und Graml. S. 250ff.

[26] Vgl. dazu Schildt: Politische Entscheidungen und Einstellungen. S.16f.

[27] Niedhart. S. 813.

[28] Vgl. dazu Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S.151.

[29] Vgl. dazu Graml. S. 254f.

[30] Vgl dazu Schildt: Politische Entscheidungen und Einstellungen. S.12.

[31] Vgl. dazu ausführlicher Benz. S.474-477.

[32] Zitiert nach Niedhart. S. 808.

[33] Ebenda.

[34] Benz. S.26.

[35] Ausführlicher zum Marshallplan und der Ost- und Westblockbildung siehe Benz. S. 39-49.

[36] Zitiert nach Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S.188.

[37] Vgl. dazu Bührer, Werner: Wirtschaft in beiden deutschen Staaten. In: Deutschland in den fünfziger Jahren. Informationen zur politischen Bildung. Nr.256. München 1997. S.32-45. Hier S.32-39.

[38] Vgl. zur Arbeitsgesellschaft in den fünfziger Jahren Schildt, Axel: Gesellschaftliche Entwicklung. In: Deutschland in den fünfziger Jahren. Informationen zur politischen Bildung. Heft Nr.256. München 1997. S.3-10. Hierzu S.4f. und derselbe: Moderne Zeiten. S.442ff.

[39] Zum Anstieg der weiblichen Erwerbstätigkeit und ihre Auswirkungen auf die Familie in Bezug auf eine “vaterlose Gesellschaft” siehe Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S. 177- 180.

[40] Vgl. dazu Schildt: Moderne Zeiten. S. 442 und Schäfers, Bernhard: Die westdeutsche Gesellschaft: Strukturen und Formen. In: Schildt, Axel; Sywottek, Arnold (Hg.): Modernisierung im Wiederaufbau: die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre. Bonn 1993. S.307-315. Hier S. 311.

[41] Schildt: Moderne Zeiten. S.443.

[42] Derselbe: Gesellschaftliche Entwicklung. S.8.

[43] Ebenda. S.10.

[44] 1954 haben die Landessportbünde ungefähr 1,3 Millionen Mitglieder im Alter von 15 bis 25 Jahren. 1959 wird diese Zahl von den 14 bis 21 Jährigen erreicht. Siehe dazu derselbe: Moderne Zeiten. S.171.

[45] Ebenda. S.172.

[46] Ebenda.. S.445.

[47] Schildt, Axel: Massenmedien im Umbruch der fünfziger Jahre. In: Wilke, Jürgen (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999. S.633-648. Hier S. 641.

[48] Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S.214.

[49] Ebenda.

[50] Zur Stabilität der Familien einerseits, aber auch zu den Problemen der Familien mit aus dem Krieg heimkehrenden Vätern vgl. Grotum, Thomas: Die Halbstarken. Zur Geschichte einer Jugendkultur der 50er Jahre. Frankfurt am Main; New York 1994. S.48f.

[51] Glaser: Kleine Kulturgeschichte. S.177.

[52] Ebenda.

[53] Grotum. S.63 und S.68. Er sieht in der große Beliebtheit von Anstands- und Benimmbüchern dieser Zeit ein Bedürfnis nach Festigung der “äußeren Formen”, als Reaktion auf die Verwilderung der Gesellschaft in der Kriegs- und Nachkriegszeit.

[54] Derselbe. S. 64ff. Diese Ergebnisse zeigt eine EMNID- Zeitreihe, die bis 1951 zurückreicht. Dabei steht das Begriffspaar “Gehorsam und Disziplin” für das Schema `autoritär´ und “Selbstständigkeit und freier Wille” für `demokratisch´. 1951 wählen ein Viertel (auch 1957) der befragten Eltern bei der Frage nach ihrem Erziehungsziel das autoritäre Schema und 41 Prozent (1957 sind es 48 Prozent) “Ordnungsliebe und Fleiß”.

[55] Grotum. S.66.

[56] Faulstich, Werner; Korte, Helmut: Der Film zwischen 1945 und 1960: ein Überblick. In: Faulstich, Werner; Korte, Helmut (Hg.): Fischer Filmgeschichte. Band 3: Auf der Suche nach Werten. 1945-1060. Frankfurt a.M. 1990. S.11-33. Hier S. 20.

[57] In der sowjetischen Besatzungszone wird bereits im Mai 1946 Defa gegründet. Vgl. dazu Kahlenberg, Friedrich P.: Film. In: Benz, Wolfgang: Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Band 4: Kultur. Frankfurt a.M. 1989. S.464-511. Hier S. 468 und S.474f.

[58] Loiperdinger weist in seinem Aufsatz auf die Tatsache hin, dass ein Film, der aufgrund seiner politischen Bedenklichkeit in einer der Besatzungszonen verboten worden ist, durchaus in einer anderen aufgeführt werden konnte. Vgl. Loiperdinger, Martin: Filmzensur und Selbstkontrolle. In: Jacobsen, Wolfgang; Kaes, Anton; Prinzler, Hans Helmut (Hg.): Geschichte des deutschen Films. Stuttgart 1993. S. 479-498. Hier S.492.

[59] Vgl. Barthel, Manfred: So war es wirklich. Der deutsche Nachkriegsfilm. München/ Berlin 1986. S.45.

[60] Kreimeier, Klaus: Der westdeutsche Film in den fünfziger Jahren. In: Bänsch, Dieter (Hg.): Die fünfziger Jahre. Beiträge zu Politik und Kultur. Tübingen 1985. S.283-305. Hier S.288.

[61] Vgl. Barthel. S.45.

[62] Vgl. ebenda und Jary, Michaela: Traumfabriken made in Germany: Die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms 1945-1960. Berlin 1993. S.11ff. Die Autorin weist hier auf den Umstand hin, dass auch die Vorführungen der nichtsynchronisierten, sowjetischen Spielfilme durchgehend ausverkauft sind. Neben der Abwechslung, die der Kinobesuch bietet, ist auch die Möglichkeit, sich in einem unzerstörten Raum aufhalten zu können, besonders im Winter für die Zuschauer attraktiv, da den Lichtspieltheatern Sonderrationen an Holz, Kohle und Strom zugestanden werden.

[63] Vgl. Kahlenberg. S. 466.

[64] Vgl. Barthel. S.10. Außer der Ablenkung des Volkes von den letzten Kriegstagen, bietet diese Vielzahl an Produktionen den Schauspielern auch den Vorteil, nicht zum Frontdienst eingezogen zu werden, da sie während der Produktion freigestellt waren. Vgl. dazu auch Witte, Karsten: Film im Nationalsozialismus. In: Jacobsen, Wolfgang; Kaes, Anton; Prinzler, Hans Helmut (Hg.): Geschichte des deutschen Films. Stuttgart 1993. S.119-170. Hier S.167.

[65] Ebenda.

[66] Vgl. Kahlenberg. S.466.

[67] Vgl. Loiperdinger. S.492.

[68] Kahlenberg. S. 472.

[69] Ebenda. S.470.

[70] Ebenda. S.472.

[71] Loiperdinger. S.493.

[72] Über die Wirkung dieser art von Zensur lässt sich wenig sagen, da die „Auskünfte zu Freigabe-Entscheidungen gegenüber Dritten verweigert wird.“ Siehe dazu ebenda. S.494.

[73] Davon stellt die Bundesregierung 22 Millionen zur Verfügung, während der restliche Betrag auf die einzelnen Ländern entfällt. Siehe Kahlenberg. S.475f.

[74] So werden in den Jahren von 1950 bis 1953 82 Spielfilme, von 1953 bis 1956 76 Filme finanziell unterstützt. Vgl. ebenda. S.476.

[75] Loiperdinger. S.497.

[76] Die hundertprozentige Verbürgung bedeutet sowohl für den Bund, als auch für die Länder jeweils einen Verlust von 20 bis 30 Millionen DM. Siehe dazu auch Osterland, Martin: Gesellschaftsbilder in Filmen. Eine soziologische Untersuchung des Filmangebotes von 1949 bis 1964. Stuttgart 1970. S.57f.

[77] Vgl. Kahlenberg. S.476.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Der Film "Die Halbstarken" im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Moderne
Hochschule
Universität Hamburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar II: Der bundesrepublikanische Film der fünfziger Jahre
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
67
Katalognummer
V16695
ISBN (eBook)
9783638214582
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film, Halbstarken, Spannungsfeld, Kontinuität, Moderne, Seminar, Jahre
Arbeit zitieren
Nina Neitzert (Autor), 2003, Der Film "Die Halbstarken" im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16695

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