In dieser Hausarbeit soll das von Lessing geschaffene Frauenbild innerhalb dieses bürgerlichen Trauerspiels anhand einer Analyse der Protagonistinnen Sara und Marwood näher bestimmt werden. Hierbei sollen jeweils Eigenschaften, Ansichten und Charakterzüge innerhalb des Werkes herausgearbeitet werden, sodass anschließend die erarbeiteten Charakterisierungen gegenübergestellt werden können. Bei der Ausarbeitung sollen verschiedene Ebenen berücksichtigt werden, dabei sollen eigene Handlungen und Aussagen mit Fremdwahrnehmungen kombiniert werden, am Ende sollen beide Protagonistinnen gegenübergestellt und verglichen werden. Der Grund für die Auswahl dieses Werkes von Lessing als Untersuchungsgegenstand liegt darin begründet, dass das genannte Werk Protagonistinnen mit besonders kontrastreichen Merkmalen beinhaltet und somit
eine interessante Grundlage für eine Analyse darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Ausgewählte Frauenfiguren in „Miss Sara Sampson"
- 2.1. Miss Sara Sampson
- 2.2. Marwood
- 2.3. Gegenüberstellung der Protagonistinnen
- 3. Fazit
- 4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit hat zum Ziel, Lessings Weiblichkeitsentwurf in dem bürgerlichen Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ durch eine gezielte Analyse der Protagonistinnen Sara und Marwood zu bestimmen. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern die Darstellung dieser Figuren ein spezifisches Frauenbild im Werk Lessings skizziert.
- Analyse der Protagonistinnen Sara und Marwood.
- Bestimmung des Lessing'schen Frauenbildes in „Miss Sara Sampson“.
- Herausarbeitung von Eigenschaften, Ansichten und Charakterzügen der beiden Hauptfiguren.
- Gegenüberstellung von Sara und Marwood zum Vergleich ihrer Charakterisierungen.
- Berücksichtigung von eigenen Handlungen, Aussagen und Fremdwahrnehmungen der Figuren.
Auszug aus dem Buch
2.1. Miss Sara Sampson
Miss Sara Sampson ist die Namensgeberin und gleichzeitig die Protagonistin des Werkes, sie spielt eine zentrale Rolle in dem bürgerlichen Trauerspiel. Eingeleitet wird Sara indirekt durch Erzählungen der anderen Figuren, das erste Mal selber tritt Sara im sechsten Auftritt des ersten Aufzuges in Erscheinung. Bereits vor ihrem ersten Auftritt erhält man ein wohl gezeichnetes Bild von Sara. Sie wird als eine schöne und tugendhafte Frau mit einer innigen väterlichen Beziehung beschrieben. So ist sie nach dem Diener Waitwell „das beste, schönste, unschuldigste Kind, das unter der Sonne gelebt hat [...].“ Die Nutzung des Superlativs erzeugt den Eindruck einer Idealisierung Saras. Stützen kann man die These der Idealisierung Saras durch die Auslegung der Verweigerung den Brief ihres Vaters anzunehmen als eine „tugendhafte Schüchternheit“, anderweitig könnte man dies auch als störrisch, mutlos oder trotzig auslegen. Ihre
Wesenszüge sind durch ihr fehlerhaftes Verhalten und der daraus resultierenden Reue und Verzweiflung geprägt. Sara wird im Werk immer wieder als tugendhafte Frau dargestellt. Aus der untypischen zwischenmenschlichen Beziehung zwischen dem Diener Waitwell und Sara, welche dadurch verdeutlicht wird, dass Waitwell Sara beim Kosenamen „Ach Sarchen! Sarchen!“ nennt, lässt sich erkennen, dass Sara eine liebenswürdige Person, welche nicht in sozialen Klassen denkt, ist. „Nein, Sarchen hat ihren Vater geliebt und gewiss! Gewiss! Sie liebt ihn noch." Ihr Vater spielt eine große Rolle für Sara. Die Vater-Tochter Beziehung ist besonders innnig und ausgeprägt. Saras Mutter ist bei der Geburt ihrer Tochter gestorben. Sie wird von ihrem Vater sowie dem Diener Waitwell aufgezogen, diese Umstände erzeugen eine besonders intensive Beziehung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Lessings bürgerliches Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ ein, beschreibt dessen Besonderheiten hinsichtlich der drei Einheiten und skizziert die tragische Handlung der Protagonistinnen Sara und Marwood. Es stellt das Hauptziel der Arbeit vor, das Frauenbild Lessings durch eine detaillierte Analyse dieser Figuren zu untersuchen.
2. Ausgewählte Frauenfiguren in „Miss Sara Sampson": Dieses Kapitel kündigt eine separate Analyse der Protagonistinnen Sara und Marwood an, die deren eigene Handlungen, Aussagen und die Wahrnehmung durch andere Figuren beleuchtet, gefolgt von einer vergleichenden Gegenüberstellung.
2.1. Miss Sara Sampson: Hier wird Sara als die titelgebende Protagonistin und tugendhafte Frau beschrieben, deren Charakterisierung durch die idealisierte Wahrnehmung ihres Vaters, ihre tiefe Reue und ein empfindsames Gemüt geprägt ist, aber auch emanzipatorische Züge zeigt.
2.2. Marwood: Dieses Unterkapitel stellt Marwood als Saras Kontrahentin, Mörderin und Mellefonts frühere Geliebte dar. Ihr Charakter ist durch ihre Attraktivität, Verzweiflung und eine als böse und lasterhaft empfundene Natur gekennzeichnet, die sie zur Symbolfigur des Bösen im Stück macht.
2.3. Gegenüberstellung der Protagonistinnen: In diesem Abschnitt werden Sara und Marwood als kontrastreiche Figuren verglichen, insbesondere in Bezug auf ihre Definition von Liebe, ihr Rollenverständnis und ihren Umgang mit anderen, wobei Sara die femme fragile und Marwood die femme fatale repräsentiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Lessing in „Miss Sara Sampson“ zwei konträre Frauenbilder zeichnet, die femme fragile Sara und die femme fatale Marwood. Trotz ihrer Gegensätze zeigen beide Figuren emanzipatorische Ansätze und lehnen sich auf ihre Weise gegen ihr gesellschaftlich auferlegtes Schicksal auf.
4. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die gesamte verwendete Primär- und Sekundärliteratur sowie Online-Quellen auf, die für die Erstellung der wissenschaftlichen Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Lessing, Miss Sara Sampson, bürgerliches Trauerspiel, Weiblichkeitsentwurf, Frauenbild, Protagonistinnen, Sara, Marwood, Charakteranalyse, Vater-Tochter-Beziehung, Mellefont, femme fragile, femme fatale, Emanzipation, 18. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Lessings Weiblichkeitsentwurf im bürgerlichen Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ anhand einer detaillierten Untersuchung der Protagonistinnen Sara und Marwood.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Charakterisierung weiblicher Figuren, die Darstellung von Liebe und Pflicht im Kontext des 18. Jahrhunderts, Abhängigkeitsverhältnisse von Frauen und erste emanzipatorische Ansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine Antwort auf die Frage nach dem Weiblichkeitsentwurf Lessings in „Miss Sara Sampson“ zu finden, indem Sara und Marwood anhand gezielter Textstellen analysiert und gegenübergestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine detaillierte Textanalyse der beiden Protagonistinnen Sara und Marwood durchgeführt, die deren eigene Handlungen und Aussagen sowie die Fremdwahrnehmungen durch andere Figuren berücksichtigt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Frauenfiguren Sara und Marwood separat analysiert und anschließend in einer Gegenüberstellung vergleichend dargestellt, um ihre kontrastreichen Merkmale und ihr jeweiliges Frauenbild herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Lessing, Miss Sara Sampson, Weiblichkeitsentwurf, Frauenbild, Sara, Marwood, Charakteranalyse, Femme fragile, Femme fatale und Emanzipation.
Wie unterscheidet sich Saras Definition von Liebe von der Marwoods?
Sara strebt nach einer Liebe auf emotionaler und seelischer Ebene, die durch die Ehe legalisiert werden soll, während Marwood ihre Beziehung zu Mellefont vorrangig als Befriedigung erotischer und finanzieller Lüste sieht und ein langjähriges uneheliches Verhältnis duldet.
Inwiefern zeigen sich in Sara emanzipierte Züge, obwohl sie dem klassischen Rollenbild unterliegt?
Saras Flucht aus dem Elternhaus, ihre Abgrenzung zum Vater, ihre selbstbestimmte Wahl in der Liebe und ihre Bereitschaft, Verantwortung für Mellefonts Tochter Arabella zu übernehmen, deuten auf emanzipierte Züge hin, auch wenn sie sich gleichzeitig in einer Rolle der Unterordnung sieht.
Welche Rolle spielt die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Sir William und Sara?
Die Beziehung zwischen Sir William und Sara ist intensiv und von väterlicher Idealisierung geprägt. Gleichzeitig zeigt sie einen väterlichen Besitzanspruch, der sich in der Formulierung des "Entwendens" Saras durch Mellefont widerspiegelt und Saras Abhängigkeit vom Mann verdeutlicht.
Warum wird Marwood mit der Medeasaga verglichen?
Marwood wird als "neue Medea" bezeichnet, weil sie durch ihre Verzweiflung und Verletztheit dazu getrieben wird, aus Rache extreme Handlungen zu begehen, wie die Drohung, ihre gemeinsame Tochter zu töten, um Mellefont zurückzugewinnen.
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- Mara Klar (Autor), 2020, Lessings Weiblichkeitsentwurf in "Miss Sara Sampson", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669611