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Umfang und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht

Título: Umfang und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht

Trabajo de Seminario , 2025 , 34 Páginas , Calificación: 11,3

Autor:in: Henriette Bonde (Autor)

Derecho - Derecho penal
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„ICH WERDE DIE MIR ANVERTRAUTEN GEHEIMNISSE AUCH ÜBER DEN TOD DER PATIENTIN ODER DES PATIENTEN HINAUS WAHREN.“

Diesem Gelöbnis verpflichtet sich jeder, der als Arzt praktizieren möchte. Das Genfer Gelöbnis, aus dem dieser Auszug stammt geht zurück auf den Hippokratischen Eid, den schon Ärzte in der Antike schworen, bevor sie ihren Beruf antraten. Mit der Zeit wurde dieser immer wieder modernisiert und verschriftlicht, zuletzt mit der aktuellsten Version der Genfer Deklaration von 2017. Der Kerninhalt hat sich jedoch auch in Bezug auf die Verschwiegenheit fortgesetzt: Ein Arzt unterliegt einer beruflichen Schweigepflicht.

Doch trotz ihrer langen Tradition ist die ärztliche Schweigepflicht für viele Mediziner eine Nebensache, mit der sich sowohl im Studium als auch in der medizinischen Praxis nicht wesentlich auseinandergesetzt wird. Im Medizinstudium ist keine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik vorgesehen. Ärzte müssen sich also eigenverantwortlich mit ihren Befugnissen in Bezug auf die ärztliche Schweigepflicht auseinandersetzen. Doch ist das überhaupt von Ärzten zu erwarten? Aufgrund von schlechten Arbeitsbedingungen, hohen Wochenarbeitszeiten und dem täglichen medizinischen Alltag leiden Ärzte ohnehin schon vermehrt an Überforderung. Ist die ärztliche Schweigepflicht so bedeutend, dass eine ausführliche Auseinandersetzung mit ihr überlasteten Ärzten zuzumuten ist? Gerade die Reichweite und eventuelle Grenzen dieser Verpflichtung sind auf den ersten Blick unklar. Im Gegensatz zu der ärztlichen Schweigepflicht stehen gesetzliche Erlaubnisse und sogar Verpflichtungen zum Schweigepflichtsbruch. Wann muss ein Arzt also schweigen und wann darf, beziehungsweise wann muss er sogar sein Schweigen brechen?

Extracto


Inhaltsverzeichnis des E-Books

  • A. Einleitung
  • B. Rechtliche Grundlagen
    • I. Gesetzliche Regelungen
    • II. Schutzzweck
      • 1. Individualistische Theorie
      • 2. Gemeinschaftstheorie
      • 3. Stellungnahme
    • III. Schutzumfang
      • 1. Gegenständlicher Schutzumfang
      • 2. Personeller Schutzumfang
      • 3. Tatbestandsmäßige Handlung
    • IV. Zwischenergebnis
  • C. Befugnisse zum Schweigepflichtsbruch
    • I. Offenbarungsrechte
      • 1. Einwilligung
      • 2. Rechtfertigender Notstand gem. § 34 StGB
        • a) Voraussetzungen des rechtfertigenden Notstands gem. § 34 StGB im Hinblick auf die ärztliche Schweigepflicht
          • aa) Notstandslage
            • (1) Gegenwärtige Gefahr
            • (2) Notstandsfähiges Rechtsgut
          • bb) Notstandshandlung
        • b) Abgrenzung des Notstandes gem. § 34 StGB zur Einwilligung in Fällen der Lebensgefahr
        • c) Weitere problematische Fallgruppen des rechtfertigenden Notstandes gem. § 34 StGB im Hinblick auf die Ärztliche Schweigepflicht
      • 3. Kinderschutzgesetze
        • a) Voraussetzungen
        • b) Rechtsfolge
      • 4. Befugnis des § 203 Abs. 3 S. 2 StGB
    • II. Offenbarungspflichten
      • 1. Meldepflichten gem. §§ 6, 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG)
      • 2. Strafrechtliche Offenbarungspflichten durch Unterlassensstrafbarkeiten
        • a) Anzeigepflicht aus §§ 138, 139 Abs. 3 StGB
        • b) Offenbarungspflicht aus § 323c StGB
        • c) Offenbarungspflicht aus § 13 Abs. 1 StGB
        • d) Zusammenfassung der Unterlassensstrafbarkeiten
  • D. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Reichweite und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht im Kontext des Gesundheitsstrafrechts. Sie beleuchtet die rechtlichen Grundlagen dieser Pflicht und analysiert die komplexe Frage, wann ein Arzt schweigen muss, wann er schweigen darf und wann er sogar verpflichtet ist, sein Schweigen zu brechen, um mögliche Gefahren abzuwenden.

  • Gesetzliche Verankerung der ärztlichen Schweigepflicht in verschiedenen Rechtsgebieten (StGB, Datenschutzrecht, Berufsrecht).
  • Analyse der verschiedenen Theorien zum Schutzzweck der Schweigepflicht (Individualschutz vs. Allgemeininteresse).
  • Umfang der Schweigepflicht hinsichtlich des Gegenstandes, der Personen und der Handlungen.
  • Untersuchung von Befugnissen zum Schweigepflichtsbruch, insbesondere Einwilligung und rechtfertigender Notstand.
  • Erörterung spezifischer Offenbarungspflichten, wie im Infektionsschutzgesetz und bei strafrechtlichen Unterlassungsdelikten.
  • Behandlung der besonderen Regelungen im Kinderschutzgesetz (KKG) bei Kindeswohlgefährdung.

Auszug aus dem Buch

II. Schutzzweck

Wichtig für die Bestimmung von der Reichweite der Schweigepflicht sind nicht nur die gesetzlichen Regelungen, sondern auch die dahinterstehenden Rechtsgedanken im Hinblick auf eventuelle Rechtsgüterabwägungen. Besonders der Schutzzweck des § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB ist hierbei von Bedeutung. Dieser ist umstritten. Uneinig ist das Schrifttum sich darüber, ob die Norm dem Schutz der Individualrechtsgüter des Patienten oder dem Schutz des Vertrauens der Allgemeinheit dient.

1. Individualistische Theorie

Vertreter der Individualistischen Theorie sehen den Individualschutz als Zweck des § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB. Hierbei stellen einige auf den Schutz des Vertrauens des Patienten in das besonders vulnerable Arzt-Patienten-Verhältnis ab. Andere legen hier das Interesse des Patienten an der Darstellung seiner Person zugrunde. Dieses beruht auf dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht gem. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG. Auch die Willenstheorie stellt auf Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG ab und legt hierbei allerdings das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zugrunde und sieht daher in dem Willen des Patienten das zu schützende Gut. Einig sind sich alle von diesen Theorien jedoch darin, dass die ärztliche Schweigepflicht dem Grunde nach dem einzelnen Patienten dienen soll.

2. Gemeinschaftstheorie

Dahingegen sehen die Anhänger der sozialen Theorie die ärztliche Schweigepflicht als allgemeinschützend an. Erst das Vertrauen der Allgemeinheit in ärztliche Diskretion schütze ein funktionierendes Gesundheitssystem, denn nur in einem vertrauensvollen Verhältnis würden korrekte Diagnosen, Behandlungen und Präventionen ermöglicht werden, die zu einem funktionierenden Gesundheitssystem maßgeblich beitragen.

3. Stellungnahme

Für das Allgemeininteresse als Schutzzweck spricht, dass eine solche Schweigepflicht über private Geheimnisse nicht für jeden gilt, dem diese bekannt werden, sondern lediglich für Ärzte als Vertreter des als Gesamtheit zu schützenden Gesundheitssystems. Dennoch deuten sowohl historische, als auch systematische und teleologische Argumente mehr auf einen individualistischen Schutzzweck hin.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der ärztlichen Schweigepflicht ein, beleuchtet deren historische Wurzeln und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Grenzen und Befugnissen im beruflichen Alltag von Ärzten.

B. Rechtliche Grundlagen: Dieser Abschnitt klärt die rechtliche Verankerung der Schweigepflicht, untersucht ihren Schutzzweck anhand verschiedener Theorien und definiert ihren gegenständlichen sowie personellen Schutzumfang.

C. Befugnisse zum Schweigepflichtsbruch: Hier werden die verschiedenen Offenbarungsrechte und -pflichten detailliert analysiert, die einen Bruch der Schweigepflicht rechtfertigen oder sogar gebieten können, darunter Einwilligung, Notstand und spezialgesetzliche Regelungen wie das IfSG und KKG.

D. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Komplexität der Abwägung von Patienteninteressen und thematisiert die Herausforderungen für überlastete Ärzte im Umgang mit der Schweigepflicht angesichts der strafrechtlichen Konsequenzen.

Schlüsselwörter

ärztliche Schweigepflicht, Gesundheitsstrafrecht, Berufsgeheimnis, § 203 StGB, Datenschutzrecht, Einwilligung, Notstand, Offenbarungspflicht, Offenbarungsrechte, Kinderschutzgesetze (KKG), Infektionsschutzgesetz (IfSG), Patientenautonomie, informationelle Selbstbestimmung, Rechtsgüterabwägung, Unterlassensstrafbarkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt grundsätzlich die Reichweite und die Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht im deutschen Recht, insbesondere im Kontext des Gesundheitsstrafrechts. Sie analysiert, wann Ärzte zur Geheimhaltung verpflichtet sind und unter welchen Umständen diese Pflicht gebrochen werden darf oder muss.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die gesetzlichen Regelungen der Schweigepflicht, ihr Schutzzweck (Individualschutz vs. Allgemeininteresse), ihr gegenständlicher und personeller Umfang sowie die Befugnisse und Pflichten zum Schweigepflichtsbruch, einschließlich Notstandsfälle, Kinderschutzgesetze und Meldepflichten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Komplexität der ärztlichen Schweigepflicht zu analysieren, um die Forschungsfrage zu beantworten: "Wann muss ein Arzt also schweigen und wann darf, beziehungsweise wann muss er sogar sein Schweigen brechen?"

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine juristische Analyse, die sich auf gesetzliche Regelungen, Rechtsprechung und rechtswissenschaftliches Schrifttum stützt, um die Reichweite und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht zu bestimmen und zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die rechtlichen Grundlagen der Schweigepflicht, ihren Schutzzweck und Umfang. Er geht ausführlich auf Befugnisse zum Schweigepflichtsbruch ein, wie die Einwilligung des Patienten und den rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB), sowie auf Offenbarungspflichten aus dem Infektionsschutzgesetz und strafrechtlichen Unterlassensdelikten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie ärztliche Schweigepflicht, Gesundheitsstrafrecht, Berufsgeheimnis, § 203 StGB, Notstand, Einwilligung, Kinderschutzgesetze, Infektionsschutzgesetz, Offenbarungspflichten und Patientenautonomie.

Welche Theorien zum Schutzzweck der ärztlichen Schweigepflicht werden diskutiert?

Die Arbeit diskutiert die individualistische Theorie, die den Schutz des Patientenvertrauens und dessen informationelle Selbstbestimmung in den Vordergrund stellt, und die Gemeinschaftstheorie, die ein funktionierendes Gesundheitssystem durch allgemeines Vertrauen in ärztliche Diskretion schützen möchte. Die Arbeit tendiert zu einem individualistischen Schutzzweck.

Unter welchen Bedingungen kann ein Arzt die Schweigepflicht aufgrund eines rechtfertigenden Notstands (§ 34 StGB) brechen?

Ein Bruch der Schweigepflicht kann durch einen rechtfertigenden Notstand gerechtfertigt sein, wenn eine gegenwärtige Gefahr für ein notstandsfähiges Rechtsgut (wie Leben oder Leib einer Person) besteht, die Handlung erforderlich und verhältnismäßig ist und das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt.

Welche spezifischen Regelungen gelten für die Schweigepflicht im Zusammenhang mit Kindeswohlgefährdung?

Bei Kindeswohlgefährdung ermöglicht § 4 Abs. 3 S. 1 des Kinderschutzgesetzes (KKG) Ärzten unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. gescheiterte oder ausgeschlossene Erörterungsgespräche) eine Offenbarung an das Jugendamt. Bei dringender Gefahr kann diese Befugnis sogar zu einer Offenbarungspflicht erstarken.

Inwiefern beeinflusst das Infektionsschutzgesetz (IfSG) die ärztliche Schweigepflicht?

Das IfSG schreibt in §§ 6 und 7 namentliche Meldepflichten für bestimmte ansteckende Krankheiten an das Gesundheitsamt vor. Diese Meldepflichten stellen eine gesetzliche Ausnahme von der Schweigepflicht dar und werden im Sinne des § 203 StGB als zwingende Befugnis zum Schweigepflichtsbruch betrachtet, um die öffentliche Gesundheit zu schützen.

Final del extracto de 34 páginas  - subir

Detalles

Título
Umfang und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht
Universidad
Christian-Albrechts-University of Kiel
Calificación
11,3
Autor
Henriette Bonde (Autor)
Año de publicación
2025
Páginas
34
No. de catálogo
V1669818
ISBN (PDF)
9783389165171
ISBN (Libro)
9783389165188
Idioma
Alemán
Etiqueta
Jura Recht Medizin Gesundheitswesen Schweigepflicht Hippokratischer Eid
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Henriette Bonde (Autor), 2025, Umfang und Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669818
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