Die Arbeit analysiert die Dynamiken des Welthandels im Spannungsfeld zwischen Integration und Desintegration. Ausgangspunkt ist die wachsende Polarisierung der internationalen Wirtschaftspolitik, die sich insbesondere durch den US-amerikanischen Protektionismus und die „America First“-Politik manifestiert. Diese Tendenzen werden im Rahmen des sogenannten Wohlfahrtsdilemmas als globale Wohlstandsgefährdung interpretiert.
Im Zentrum stehen zwei Ebenen internationaler Handelsorganisation: die Welthandelsorganisation (WTO) als globale Institution und die Europäische Union (EU) als regionales Integrationsmodell. Die Arbeit beschreibt Aufbau, Prinzipien und Funktionen der WTO sowie die Herausforderungen durch Blockaden und politische Einflussnahme. Parallel dazu wird die Entwicklung der EU von der Montanunion bis zum Vertrag von Lissabon nachgezeichnet und ihr Institutionensystem erläutert. Der Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten bildet dabei das wirtschaftliche Fundament der Integration.
Ein weiterer Fokus liegt auf den internen Beziehungen der EU, insbesondere dem deutsch-französischen Verhältnis als Motor europäischer Einigung, sowie auf desintegrativen Prozessen wie dem Brexit. Ergänzend werden die transatlantischen und transpazifischen Handelsbeziehungen sowie das EU-Japan-Freihandelsabkommen als Beispiele globaler Neuausrichtung untersucht.
Die Analyse zeigt, dass der Welthandel gegenwärtig zwischen zunehmender regionaler Integration und globaler Abschottung schwankt. Dauerhafter Wohlstand und Stabilität können jedoch nur durch multilaterale Kooperation und die Stärkung internationaler Institutionen gesichert werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. WTO – Eine globale Institution
- 2.1 Aufbau und Mitgliedschaft der WTO
- 2.2 Prinzipien und Funktionen
- 2.3 Die WTO im Jahr 2019
- 3. Das handelspolitische Modell EU
- 3.1 Entstehung der Europäischen Union als Handelsgefüge
- 3.2 Aufbau der Europäischen Union
- 4. Interne Beziehungen der Europäischen Union
- 4.1 Frankreich und Deutschland - Interne Union
- 4.1.1 Allgemeine Wirtschaftsverflechtungen
- 4.1.2 Der Eurotunnel und eine gescheiterte Fusion
- 4.2 Konflikte innerhalb der Grenzen – Die Gründe des Brexits
- 4.1 Frankreich und Deutschland - Interne Union
- 5. Die USA
- 5.1 Transatlantische Beziehungen
- 5.2 Transpazifische Beziehungen
- 6. Handelsbeziehungen zwischen Europa und Japan
- 7. Zusammenfassung
- 8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den komplexen Dynamiken des internationalen Handels und der Wirtschaftspolitik, insbesondere im Kontext des amerikanischen Protektionismus unter Präsident Donald Trump und der Integrations- sowie Desintegrationsprozesse in der Europäischen Union. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie sich die Auswirkungen des amerikanischen Protektionismus auf globale und regionale Wirtschaftsgefüge, insbesondere auf die WTO und die EU, auswirken und welche Rolle diese Institutionen in einem sich wandelnden weltwirtschaftlichen Umfeld spielen.
- Analyse des amerikanischen Protektionismus und seiner Konsequenzen.
- Detaillierte Betrachtung der Welthandelsorganisation (WTO) und ihrer Prinzipien.
- Untersuchung des handelspolitischen Modells der Europäischen Union und ihrer Entstehung.
- Beleuchtung interner Beziehungen und Konflikte innerhalb der EU, insbesondere des Brexits.
- Darstellung der Handelsbeziehungen zwischen den USA, der EU und Japan.
- Erörterung des Wohlfahrtsdilemmas im globalen Handel.
Auszug aus dem Buch
2. WTO – Eine globale Institution
Im Bereich globaler Wirtschaft ist internationaler Aktionismus von einem Dilemma geprägt. Das Phänomen des sogenannten „Wohlfahrtsdilemmas“ beschreibt das von nationalem Denken gesteuerte Bestreben, durch Handelsschranken und Währungsmanipulation den Wohlstand im eigenen Land auf Kosten anderer Nationen zu erhöhen.” Ein Beispiel bietet zweifelsfrei die aktuelle Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen protektionistische Vorgehensweise das Motiv verfolgt, die inländische Produktion zu stärken und den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen. Handeln dieser Art ist, neben direkten Konsequenzen, auch aus global zukunftsorientierter Perspektive taktisch unklug, denn die Staatengemeinschaft und damit unvermeidlich auch der individuelle Einzelstaat erfährt dadurch langfristig Nachteile. In anderen Worten bedeutet dies: Wer sich darum bemüht das nationale Stück des globalen Wohlstandskuchens zu vergrößern, induziert eine Verkleinerung des gesamten Kuchens, wodurch auch der individuelle Anteil wieder schrumpft.
In dem Versuch, dieses Dilemma zu umgehen, hat man eine Organisation geschaffen, deren Ziel und Aufgabe es ist, den internationalen Freihandel zu unterstützen und somit den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen – die Welthandelsorganisation (engl. WTO = World Trade Organization).
2.1 Aufbau und Mitgliedschaft der WTO
Die WTO ist eine Nachfolgerin des General Agreement on Tarifs and Trade (GATT). Während der achten Verhandlungsrunde ihres Vorgängers in Uruguay wurde dieser reformiert und die WTO gegründet. Formal zurückzuführen ist diese Reform auf das Marrakesch-Abkommen vom 15.04.1995. Seit dieser institutionellen Reform sind drei Hauptorgane die elementaren Bestandteile der Organisation.
Dabei handelt es sich erstens um den Allgemeinen Rat. Dieser ist für die Erledigung laufender Geschäfte zwischen den Ministerkonferenzen zuständig und tritt daher bei Bedarf zusammen. Außerdem fungiert er auch als sogenannter Streitschlichtungsausschuss sowie als Ausschuss zur Überprüfung der Handelspolitik. Ihm unterstehen weitere unterstützende Räte – beispielsweise Gremien über handelsbezogene Aspekte geistigen Eigentums oder über den Warenhandel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematische Wirkung des amerikanischen Protektionismus unter Präsident Trump und stellt die Welthandelsorganisation (WTO) sowie die Europäische Union als zentrale Untersuchungsobjekte vor.
2. WTO – Eine globale Institution: Dieses Kapitel erläutert das Wohlfahrtsdilemma im globalen Handel, die Entstehung der WTO aus dem GATT, ihren Aufbau, ihre Mitgliedschaft sowie die grundlegenden Prinzipien und Funktionen als Kontroll- und Streitschlichtungsinstanz.
3. Das handelspolitische Modell EU: Hier wird die jahrzehntelange Integration der europäischen Staaten als Handelsgefüge beschrieben, von der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) über die EWG bis zur Entstehung der Europäischen Union, und ihr komplexes Institutionensystem detailliert vorgestellt.
4. Interne Beziehungen der Europäischen Union: Dieses Kapitel widmet sich den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich als Motor der europäischen Integration sowie den internen Konflikten, insbesondere dem Brexit, und den historischen Gründen für die britische Skepsis gegenüber der EU.
5. Die USA: Es werden die Handelspolitik der USA, insbesondere unter Donald Trump, die transatlantischen Beziehungen (TTIP), die Handelsbilanz mit Deutschland und die transpazifischen Beziehungen mit China samt den daraus resultierenden Handelskonflikten und Strafzöllen analysiert.
6. Handelsbeziehungen zwischen Europa und Japan: Dieses Kapitel untersucht die wirtschaftliche Entwicklung Japans, die "Abenomics" und das Zustandekommen des Freihandelsabkommens (EPA) mit der EU, welches auf den Abbau von Handelshemmnissen und hohen Nachhaltigkeitsstandards abzielt.
7. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über das Wohlfahrtsdilemma, die Herausforderungen der WTO, die Integrationsprozesse der EU und die Auswirkungen der amerikanischen Handelspolitik zusammen und betont die Unsicherheit zukünftiger Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Protektionismus, Welthandelsorganisation (WTO), Europäische Union (EU), Freihandel, Wohlfahrtsdilemma, Integration, Desintegration, Handelskonflikte, Zollunion, Brexit, Transatlantische Beziehungen, Transpazifische Beziehungen, Donald Trump, Handelsbilanz, Handelshemmnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuellen Entwicklungen im globalen Handel und der Wirtschaftspolitik, mit besonderem Fokus auf den amerikanischen Protektionismus unter Donald Trump und die Integrations- sowie Desintegrationsprozesse in der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Rolle der WTO, die Entstehung und Struktur der EU, bilaterale Handelsbeziehungen (insbesondere USA-EU-China-Japan) und die Auswirkungen protektionistischer Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen des amerikanischen Protektionismus auf globale und regionale Wirtschaftsgefüge zu untersuchen und die Rolle der WTO und EU in diesem Kontext zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine analytische Herangehensweise, die auf der Beleuchtung von Problematiken, historischen Entwicklungen und der Darstellung bestehender Institutionen und deren Funktionsweisen basiert, um die Komplexität internationaler Handelsbeziehungen zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die WTO als globale Institution, das handelspolitische Modell der EU, interne EU-Beziehungen (speziell Deutschland-Frankreich und Brexit), die Handelspolitik der USA (transatlantisch und transpazifisch) und die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Japan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Protektionismus, WTO, Europäische Union, Freihandel, Wohlfahrtsdilemma, Integration, Desintegration und Handelskonflikte.
Was versteht man unter dem "Wohlfahrtsdilemma" und wie wird es im Kontext der Arbeit veranschaulicht?
Das Wohlfahrtsdilemma beschreibt das Bestreben eines Staates, den eigenen Wohlstand durch Handelsschranken auf Kosten anderer Nationen zu erhöhen. Die Arbeit veranschaulicht dies metaphorisch mit einem "Kuchen", bei dem der Versuch, das nationale Stück zu vergrößern, zur Verkleinerung des gesamten Kuchens führt.
Welche spezifische Rolle spielt der Brexit in der Diskussion um europäische Integration und Desintegration?
Der Brexit wird als ein zentrales Beispiel für Desintegration betrachtet, dessen Gründe in der historisch verwurzelten Skepsis Großbritanniens gegenüber einem politischen Zusammenwachsen mit dem europäischen Festland liegen und das die aktuelle Politik der EU erheblich beeinflusst.
Welche Auswirkungen hatte die geplante Fusion von Siemens Mobility und Alstom auf die EU-Wettbewerbspolitik?
Die geplante Fusion von Siemens Mobility und Alstom wurde von der EU-Wettbewerbskommission blockiert. Es gab Bedenken hinsichtlich der Schaffung eines übermächtigen Akteurs im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge, was zu höheren Preisen für Fahrgäste und Signalanlagen führen könnte, und fehlendem Interesse für andere EU-Mitgliedstaaten.
Wie unterscheiden sich die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Japan von denen mit den USA?
Die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Japan wurden durch ein umfassendes Freihandelsabkommen (EPA) gestärkt, das auf dem Abbau von Handelshemmnissen und hohen Nachhaltigkeitsstandards basiert. Im Gegensatz dazu sind die Beziehungen zu den USA von protektionistischen Maßnahmen und Handelskonflikten geprägt, die der US-Wirtschaft eher schaden.
- Citation du texte
- Lisa-Marie Kunze (Auteur), 2019, Welthandel zwischen Integration und Desintegration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1669936