Die in einer Massenauflage verbreiteten Thesen von Sarrazin halten einer vernünftigen Überprüfung nicht stand. Die aktuellste Statistik zur Ausländerfeindlichkeit, eine Arbeit der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, registriert trotz der fehlenden Zunahme der Anzahl der Ausländer in Deutschland eine erhebliche Zunahme der Ausländerfeindlichkeit: Heute zeigt jeder vierte "ausländerfeindliche Einstellungen", jeder dritte stimmt Aussagen zu, wie "die Ausländer kommen, um den Sozialstaat auszunutzen" und "durch die vielen Ausländer" wird Deutschland "in einem gefährlichen Maß überfremdet".
Zu den Muslimen interviewt möchten 54% der Befragten im Westen und 76% im Osten deren Religionsausübung "erheblich eingeschränkt" sehen.
Wie viele Moscheen gibt es denn zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern? Das einfachste (falsche) Argument ist die Anzahl: Wenn es nur nicht so viele wären.... zu viele Moscheen, Muslime, Ausländer. Die Unsinnigkeit dieses Arguments zeigt sich auch in Mecklenburg: Dort beträgt der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung genau 2,6% . Die beiden größten Ausländergruppen sind Russen und Polen. Und die gehen nicht in die Moschee.
Ohne weitere Daten zu liefern - das tut der Text ausführlich - zu den Hintergründen: Mitscherlich versucht eine psychoanalytische Deutung anhand klassischer Kategorien, ist aber darin absolut politisch. Es sind gesellschaftliche Prozesse, die sich auch auf das Unbewusste des Einzelnen auswirken. Nicht allein durch Propaganda wird Xenophobie erzeugt, sie richtet sich an bereits offene Ohren. Erich Fromm schreibt: „… glaube ich, dass der Kern des Sadismus, der allen seinen Manifestationen gemeinsam ist, die Leidenschaft ist, absolute und uneingeschränkte Herrschaft über ein lebendes Wesen auszuüben, ob es sich nun um ein Tier, ein Kind, einen Mann oder eine Frau handelt. Jemand zu zwingen, Schmerz oder Demütigung zu erdulden, ohne sich dagegen wehren zu können, ist eine der Manifestationen absoluter Herrschaft, wenn auch keineswegs die einzige. Wer ein anderes lebendes Wesen völlig beherrscht, macht dieses Wesen zu einem Ding, zu seinem Eigentum, während er selbst zum Gott dieses Wesens wird.“
In diesem Sinn „bieten religiöse und rassische Minderheiten, soweit sie machtlos sind, selbst dem ärmsten Angehörigen der Majorität reichlich Gelegenheit zur sadistischen Befriedigung“.
Weiter behandelt werden Positionen von Slavoj Zizek, Horkheimer und Sartre.
Inhaltsverzeichnis
- Die Sarrazinschen Thesen
- Statistische Daten zur Ausländerfeindlichkeit
- Die Definition von „Menschen mit familiären Migrationshintergrund“
- Die „echten“ Ausländer
- Die Auswanderung aus Deutschland
- Die Arbeitskräfte aus dem Ausland
- Kritik an Sarrazins Argumenten
- Die Erwerbslosenquote
- Die Ausbildungschancen von Migrantenkindern
- Die Kriminalitätsrate bei Migranten
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert die von Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geäußerten Thesen zur Ausländerfeindlichkeit und versucht, diese mit statistischen Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu widerlegen.
- Die Zunahme der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland
- Die Problematik der Definition von „Menschen mit familiären Migrationshintergrund“
- Die Rolle der Auswanderung und Einwanderung in der deutschen Gesellschaft
- Der Zusammenhang zwischen Sozialer Lage und Kriminalität
- Die Kritik an Sarrazins Argumenten und Statistiken
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beginnt mit einer Darstellung der von Sarrazin verbreiteten Thesen zur Ausländerfeindlichkeit und zeigt deren mangelnde wissenschaftliche Fundierung auf. Anschließend werden Statistiken zur Ausländerfeindlichkeit in Deutschland analysiert und die Problematik der Definition von „Menschen mit familiären Migrationshintergrund“ diskutiert. Der Text untersucht die Gründe für die Auswanderung aus Deutschland und beleuchtet die Rolle von Fachkräften aus dem Ausland in der deutschen Wirtschaft.
Im weiteren Verlauf wird Sarrazins Argumentation zu Erwerbslosenquote, Bildungschancen und Kriminalität von Migranten kritisiert und mit wissenschaftlichen Studien konfrontiert. Dabei wird die Bedeutung der sozialen Lage für die Kriminalitätsrate hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Ausländerfeindlichkeit, Migration, Integration, Statistiken, Sozialstruktur, Bildung, Kriminalität, Sarrazin, Deutschland, „Menschen mit familiären Migrationshintergrund“
Häufig gestellte Fragen
Was wird an den Thesen von Thilo Sarrazin kritisiert?
Der Text kritisiert die mangelnde wissenschaftliche Fundierung seiner Thesen und setzt diesen statistische Daten und psychoanalytische Deutungen entgegen, um Vorurteile zu widerlegen.
Wie hat sich die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland laut Statistik entwickelt?
Trotz einer stabilen Anzahl von Ausländern wird eine Zunahme ausländerfeindlicher Einstellungen registriert. Jeder vierte Befragte zeigt solche Tendenzen, und viele fordern Einschränkungen für die Religionsausübung von Muslimen.
Welche Rolle spielt der Anteil der Ausländer für die Fremdenfeindlichkeit?
Der Text zeigt am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, dass Fremdenfeindlichkeit oft dort am höchsten ist, wo der Ausländeranteil (hier 2,6 %) extrem gering ist, was die Unsinnigkeit rein zahlenbasierter Argumente belegt.
Was besagt die psychoanalytische Deutung nach Erich Fromm?
Fromm sieht im Sadismus die Leidenschaft, absolute Herrschaft über andere Wesen auszuüben. Machtlose Minderheiten bieten laut dieser Theorie Gelegenheiten zur sadistischen Befriedigung für Teile der Mehrheitsgesellschaft.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität?
Der Text betont, dass die Kriminalitätsrate weniger von der Herkunft als vielmehr von der sozialen Lage und den Ausbildungschancen der Menschen abhängt.
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- Dr. Anton Stengl (Author), 2011, Zur Psychopathologie der Sarrazinschen ´Ausländerfeindlichkeit´, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167007