Nach Baron Pierre de Coubertin, dem Mann, der die Olympischen Spiele 1896 in Athen wieder zum Leben erweckte, ist das oberste Ziel der Spiele Völkerverständigung. Ausdruck findet dieser Wunsch in der Olympischen Charta, dem „Regelwerk“ der Spiele, an das sich jede teilnehmende Nation und jeder Sportler zu halten hat, zum anderen ist auch die olympische Flagge ein Symbol dafür. Sie besteht aus fünf verschiedenfarbigen ineinander verschlungenen Ringen, wobei die Ringe für die fünf Kontinente der Erde stehen. Auf der olympischen Fahne erscheinen die Ringe auf weißem Grund. Ihre Farben – blau, gelb, schwarz, grün, rot und weiß – repräsentieren gleichzeitig die Nationalflaggen aller Nationen. Die Flagge veranschaulicht so also gewissermaßen einen internationalen Zusammenhalt aller Staaten. Coubertins große Hoffnung war es, dass die Spiele durch die Begegnung der Jugend im sportlichen Wettkampf einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten würden. Die Hoffnung blieb Utopie.
Von Beginn an hatte es die olympische Bewegung nicht leicht. Man hatte einerseits mit der Zerstrittenheit der europäischen Staaten zu kämpfen und andererseits mit den imperialistischen Ansprüchen der Großmächte weltweit. Direkt und indirekt nahm die Politik damit stets Einfluss auf die Olympiaden. Doch damit nicht genug: Immer wieder in ihrer Geschichte wurden die Olympischen Spiele von Staaten, Organisationen, Gruppierungen und Einzelpersonen dazu benutzt, sich Gehör zu verschaffen und politische Interessen zu vertreten oder durchzusetzen. Die Spiele, bis hin zu den Sportlern, wurden dafür instrumentalisiert. Allzu oft wirkten die Absichten die dahinter standen, dem ursprünglichen Friedensgedanken von Coubertin entgegen.
Aber auch seine Intuition ist keineswegs eine rein sportliche. Geht es um die Frage, ob die Olympischen Spiele ein Mittel der Politik sind, ist schon Coubertins Zielsetzung ein eindeutiger Hinweis. Denn Frieden und Völkerverständigung sind Aufgaben der Politik. Der Sport kann dabei höchstens Mittel zum Zweck sein, also ein Werkzeug der Politik. Die Olympischen Spiele sind im Positiven wie im Negativen Mittel der Politik. Diese Aussage soll in der nun folgenden Arbeit untermauert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Der olympische Gedanke nach Baron Pierre de Coubertin
2. Die Olympischen Spiele in der Antike
2.1 Der „heilige Friede”: Politik als Voraussetzung für die Spiele
2.2 Kräftemessen zwischen Stadtstaaten
3. Wiedereinführung der Spiele im 19. Jahrhundert
3.1 Coubertin und die olympische Bewegung
3.2 Die ersten Spiele 1896 bis 1912
4. Die Spiele als Mittel der Politik
4.1 Der Erste Weltkrieg: Die Spiele in Abhängigkeit von der Politik
4.2 Antwerpen 1920: Ausschluss als Sanktionsmittel
4.3 Die Olympischen Spiele 1936: Nationalsozialistische Propaganda, Beschwichtigung und Verschleierung
4.4 Die Olympischen Spiele als „Waffe“ im Kalten Krieg: Sportpolitik am Beispiel der DDR
4.5 Die Olympischen Spiele in Mexiko 1968
4.5.1 Blutiges Massaker
4.5.2 Protest und Demonstration: Black Power
4.6 Die Olympiade in München 1972: Terrorismus
4.7 Boykotte
4.7.1 Rassismus und Sticheleien: Die Spiele 1952 bis 1972
4.7.2 Höhepunkt des Kalten Krieges
4.7.2.1 Der Krieg in Afghanistan und die Spiele in Moskau 1980
4.7.2.2 Die Spiele in Los Angeles 1984
5. Das Internationale Olympische Komitee
5.1 Status und Aufgaben
5.2 Politische Möglichkeiten
6. Die Spiele als Beitrag zum Frieden
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die historische und aktuelle Rolle der Olympischen Spiele als Instrument politischer Einflussnahme und Machtdemonstration. Die Forschungsfrage widmet sich der Erkenntnis, inwiefern der olympische Friedensgedanke durch politische Instrumentalisierung in der Neuzeit untergraben wurde.
- Die historische Entwicklung des olympischen Gedankens und dessen Instrumentalisierung durch verschiedene Regime.
- Die Auswirkungen des Kalten Krieges auf die olympische Bewegung und das System der Sportförderung in der DDR.
- Die Nutzung von Boykott-Maßnahmen als politisches Druckmittel in der internationalen Arena.
- Die Rolle des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zwischen politischer Neutralität und realer Machtlosigkeit.
- Die Analyse von Großereignissen wie den Spielen von 1936 in Berlin und dem Attentat von München 1972 hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung.
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Olympischen Spiele 1936: Nationalsozialistische Propaganda, Beschwichtigung und Verschleierung
Einen ersten Höhepunkt erreicht die politische Instrumentalisierung der Spiele im Jahr 1936. Vom 1. bis zum 16. August fanden die Spiele in Berlin statt. Im Herzen des nationalsozialistischen Regimes. Hitler legt die Ausrichtung der Olympiade in die Hände seines Propagandaministers Joseph Goebbels. Schon das ist ein Indiz dafür, dass Olympia als politisches Instrument eingesetzt werden soll. Laut einer Definition von Dr. Helga Pülzl dienen politische Instrumente „der Beeinflussung des Verhaltens unterschiedlicher AkteurInnen im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel“.
Bei der Vergabe der Spiele am 13. Mai 1931 an Berlin konnte noch niemand vorhersehen, dass die Weimarer Republik 1933 von einem diktatorischen Regime abgelöst werden würde. Als nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Antisemitismus und Rassenhass immer offenkundiger verherrlicht und propagiert wurden, kam es vor allem in den USA und in Frankreich zu ersten Boykottforderungen, die von vielen deutschen Emigranten unterstützt wurden. Doch die Nationalsozialisten, die noch bei Vergabe der Spiele gegen die Austragung in Deutschland protestiert und die Olympiade als ein „infames Spektakel, das die Juden dominieren“ abgestempelt hatten, hatten mittlerweile das politische Potenzial der Spiele erkannt, und Hitler begann alles daran zu setzen, die Olympiade für sich und seine außen- wie innenpolitischen Interessen zu nutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der olympische Gedanke nach Baron Pierre de Coubertin: Erläutert die Vision von Coubertin, der die Spiele als Instrument der Völkerverständigung und des Weltfriedens neu begründete.
2. Die Olympischen Spiele in der Antike: Untersucht den Ursprung des olympischen Friedensgedankens im antiken Griechenland und die frühzeitige Verflechtung von Sport und Machtansprüchen der Stadtstaaten.
3. Wiedereinführung der Spiele im 19. Jahrhundert: Beschreibt die Wiederbelebung der olympischen Bewegung durch Coubertin und die erste Austragung der Spiele der Neuzeit 1896.
4. Die Spiele als Mittel der Politik: Analysiert detailliert die historische Instrumentalisierung der Spiele durch Weltkriege, Diktaturen, den Kalten Krieg, Terrorismus und Boykottbewegungen.
5. Das Internationale Olympische Komitee: Hinterfragt den Status und die tatsächlichen politischen Einflussmöglichkeiten der Dachorganisation des olympischen Sports.
6. Die Spiele als Beitrag zum Frieden: Fazit des Autors, das trotz der negativen Einflüsse an der Bedeutung der Spiele als unverzichtbare Plattform für den zwischenmenschlichen Austausch festhält.
Schlüsselwörter
Olympische Spiele, Politik, Völkerverständigung, Kalter Krieg, Instrumentalisierung, Boykott, Nationalsozialismus, DDR, Doping, Terrorismus, IOC, Sportpolitik, Friedensgedanke, Propaganda, Olympia
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung darüber, inwiefern die Olympischen Spiele im Laufe der Geschichte als Werkzeug für politische Zwecke missbraucht wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Olympia in der Antike und Neuzeit, der Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus, dem Blockkonflikt des Kalten Krieges sowie dem Umgang mit Boykottforderungen und Terrorismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, dass die Olympischen Spiele entgegen ihrem ursprünglichen Friedensgedanken wiederholt zum Mittel der Politik degradiert wurden, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die historische Ereignisse anhand von Fachbüchern und zeitgenössischen Quellen sowie Internetarchiven aufbereitet und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische historische Krisen und Wendepunkte, wie die Spiele 1936 in Berlin, die deutsch-deutsche Sportpolitik während des Kalten Krieges und die traumatischen Ereignisse von München 1972.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Olympia, Politische Instrumentalisierung, Kalter Krieg, Boykott und Völkerverständigung.
Warum war die Sportpolitik der DDR so extrem auf Medaillenerfolge ausgerichtet?
Die DDR nutzte sportliche Erfolge gezielt als Propagandamittel, um die vermeintliche Überlegenheit des sozialistischen Systems international zu demonstrieren und das Staatsimage aufzuwerten.
Wieso traf Avery Brundage 1972 die Entscheidung „The Games must go on“?
Er begründete dies damit, dass der Kern internationaler Zusammenarbeit nicht durch eine Handvoll Terroristen zerstört werden dürfe und ein Abbruch als Signal für zukünftige Nachahmungstäter gewirkt hätte.
- Citation du texte
- Michael Wälischmiller (Auteur), 2010, Die Olympischen Spiele als Mittel der Politik , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167008