Widerstände im unternehmerischen Wandel: Die Rolle des Vertrauens


Hausarbeit, 2010
17 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Aufgabenstellung

Definition von: Vertrauen | Kommunikation | Widerstand | Wandel

Kahles Ansatz zu Vertrauen im Fall der Schlecker XL Umfirmierung
Detaillierte Vorstellung des Ansatzes von Egbert Kahle
Analyse der Umfirmierung Schleckers

Kritische Zusammenfassung der Ausarbeitung “Widerstände im unternehmerischen Wandel: Die Rolle des Vertrauens“

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen des Majors “Change & Communication“ befassten wir Masterstudenten der Leuphana Universität uns im Sommersemester 2010 unter anderem mit den strategischen Kommunikationsprozessen, welche das Verständnis und die Akzeptanz von Wandel beeinflussen können.

Wenn der Status Quo verlassen wird, zieht Wandel in Unternehmen immer mindestens eine Veränderung nach sich. Diese kann, muss aber nicht von den Mitarbeitern akzeptiert werden.

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit den Widerständen im unternehmerischen Wandel und geht dabei spezifisch auf die Rolle des Vertrauens ein. In dem ersten Teil der Arbeit werden die Definitionen aus dem Referat in den Gesamtkontext eingebettet, um dann im zweiten Abschnitt mit dem Ansatz von Egbert Kahle und weiteren Wissenschaftlern praxisnah am Beispiel des Unternehmens Schlecker (XL) GmbH erklärt zu werden. Abschließend werden im Fazit die Erkenntnisse der Au- torin kurz und kritisch resümiert. Das Thesenpapier, welches sich im Anhang be- findet, fasst sowohl die Kernaussagen des Referats als auch die der Ausarbeitung zusammen.

Definition von: Vertrauen | Kommunikation | Widerstand | Wandel

Für das Wort “Vertrauen“ gibt es keinen Plural. Jedoch gibt es viele Möglich- keiten sich diesem alltäglichen Begriff zu nähern. Wenn der Begriff des Vertrauens angesprochen wird, so ist das Vertrauen nach Ansicht der Autorin bereits fast im- mer beschädigt. Dies kann aber nach Mayer nicht gemessen werden.1 In der Wissenschaft wird der Begriff unter verschiedenen Fragestellungen schon lange konträr diskutiert. Wissenschaftler aus den Disziplinen der Soziologie (Luh- mann2 | 1989; Coleman | 1995), der Organisation (Mayer, Davis, Schoorman |1995), des Marketings (Garbarino, Johnson | 1999) und der Psychologie (Deutsch | 1962) haben sich mit dem Begriff auseinandergesetzt. Speziell in organisationstheoreti- schen Debatten wird Vertrauen unter dem Aspekt des Wandels stets neu aufge- griffen.3 Diese umfassende wissenschaftliche Betrachtungsweise zeigt nicht nur die Relevanz, sondern auch die Komplexität des Begriffs.

Die Folge der Komplexität des Vertrauensbegriffs ist die Schwierigkeit, ihn voll- ständig darzustellen, beziehungsweise ihn in einer einheitlichen Definition zu er- fassen. Bisher hat sich in der Wissenschaft keine allgemein verbindliche Definition durchgesetzt.4 Folgende Definitionen werden in der Fachliteratur verwendet:

Trust has been defined as “the willingness of a party to be vulnerable to the actions of another party based on the expectation that the other will perform a particular action im- portant to the trustor, irrespective of the ability to monitor or control that other party.“5 - Mayer et al. (1995)

“A psychological state comprising the intention to accept vulnerability based upon positive expectations of the intentions or behavior of another.“6 - Rousseau et al. (1997)

“Vertrauen als ökonomisches Prinzip, das sich rechnet. Vertrauen ist die reflektierte Erwartung, dass kooperatives Handeln nicht ausgebeutet wird. Dabei ist der Vertrauensgeber bereit die Kontrolle eines anderen zu reduzieren, weil er erwartet, dass der andere kompetent, integer und wohlwollend ist.“7 - Sprenger (2010)

Diese drei Definitionen weisen folgende Merkmale auf:

- Erwartungen an das Gegenüber
- Eingehen eines Risikos
- Verzicht auf Kontrolle
- Ausrichtung auf die Zukunft.

In der vorliegenden Arbeit wird die von Jost (2000) vorgestellte Definition verwendet, da sie nach Meinung der Autorin die präziseste und für den Fokus dieser Arbeit passende Definition darstellt:

“Vertrauen wird durch Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Authentizität begründet, wirkt sich in der Gegenwart aus, ist aber auf künftige Ereignisse gerichtet.“8

Wie aus der Definition geschlussfolgert werden kann, findet Vertrauen in wech- selseitigen Beziehungen statt. Vertrauensbeziehungen werden durch Charakteri- stika des Vertrauensgebers und Vertrauensnehmers bestimmt. In dem Entste- hungsprozess von Vertrauen werden die Eigenschaften der Parteien analysiert. Mayer et al. haben über Jahre die vertrauenerweckenden Faktoren untersucht und konkretisiert. Sie sind der Ansicht, dass ein großer Teil der Vertrauenswürdigkeit durch eine Mischung von drei Charaktereigenschaften des Vertrauensgebers er- klärt werden kann: Fähigkeit, Wohlwollen und Integrität.9 Weibler erweitert diese Charakteristika durch Kompetenz, soziale Orientierung, offenes Kommunikations- verhalten und Integrität.10

Mit einem Verständnis, was Vertrauen bedeutet und aufbauend auf dem Wissen aus der Veranstaltung “Communication and Change“11, wird im folgenden die bereits bekannte Definition von Kommunikation genannt:

“Menschliche Kommunikation kann definiert werden als Prozess wechselseitig aufeinander bezogener, reflexiver und intentionaler Symbolverwendung (symbolische Interaktion) mit dem Ziel gegenseitiger Verständigung über Bedeutungen.“12 - Beck (2006)

Diese Definition beschreibt aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive13 die Verständigung untereinander14, das heißt zwischen Menschen im sozialen Sy- stem.Humankommunikation wird als “spezifische Form der sozialen Interaktion“15 ver- standen.

Die Bedeutung des Zusammenspiels von Kommunikation und Vertrauen wird von Juchem (1988) wie folgt zusammengefasst:

“Wer das Vertrauen in die Möglichkeit der Kommunikation tatsächlich verliert, der verliert die Bedingung der Möglichkeit von Kommunikation“16. Wieland ergänzt 2004: “Kommunikation schafft die Atmosphäre des Vertrauens“17.

Die dritte wichtige Definition für das Verständnis dieser Arbeit ist die Definition von Wandel:

“Ein stabiler Zustand wird verlassen, um sich veränderten endogenen und | oder exogenen Rahmenbedingungen anzupassen“18 - Tushman und O´Reilly (2006).

Widerstand wird definiert als “eine Kraft, die auf den Erhalt, beziehungsweise die Wiederherstellung des Status Quo gerichtet ist und versucht die geplante Veränderung zu behindern oder zu stoppen. Akzeptanz als Gegenteil von Widerstand ist erst erreicht, wenn eine positive Handlungsbereitschaft besteht.“19 - Taut (2001)

Nach Gattermeyer (2000) können “Widerstände gegen den Wandel so massiv werden, dass Changeprozesse nicht mehr erfolgreich umgesetzt werden können.“20

Bisher wurden die vier Abstrakta “Vertrauen“, “Kommunikation“, “Wandel“ und “Widerstand“ in der Wissenschaft hauptsächlich einzeln, isoliert definiert. Es existiert nach eingehender Recherche der Autorin keine Literatur, die das Zusammenspiel der Abstrakta umfassend verdeutlicht. Einen Ansatz bietet der Aufsatz “Vertrauen als Voraussetzung für bestimmte Formen organisatorischen Wandels“ von Egbert Kahle, welcher im folgenden Abschnitt vorgestellt wird.

Kahles Ansatz zu Vertrauen im Fall der Schlecker XL Umfirmierung

Der Hauptteil der Ausarbeitung setzt sich mit dem Ansatz von Egbert Kahle auseinander. Kahle erörtert den Vertrauensbegriff21 und setzt ihn in Bezug zu Wandel über die Hilfsfunktionen Kommunikation und Widerstand. Nach dem Ver- ständnis der Autorin findet Kommunikation sowohl bei Wandel als auch bei Wi- derstand statt. Im zweiten Schritt werden die Umfirmierung der Schlecker GmbH zur Schlecker XL GmbH mit Hilfe des Ansatzes von Kahle und weiterer Wissen- schaftler untersucht sowie Schlussfolgerungen daraus abgeleitet.22

Detaillierte Vorstellung des Ansatzes von Egbert Kahle

In dem Aufsatz von Kahle wird die Frage erörtert, wie im unternehmerischen Wandlungsprozess kommuniziert werden kann und welche Rolle dabei Vertrauen spielt. Eine Grundannahme dabei ist, dass “organisatorischer Wandel immer einher geht mit der Wahrnehmung von Veränderungen - Veränderungsmöglichkeiten und - notwendigkeiten - im Umfeld und in der Organisation selbst“23. Wahrnehmung (nach Kahle ein “Berechnungsvorgang“24 ) ist mit Beobachtung gleichzusetzen. Zusam- men mit der Reaktion auf organisatorischen Wandel sind sie als subjektive Verhal- tensweisen zu verstehen, die mit dem bereits vorhandenen Erfahrungsschatz ab- geglichen, beziehungsweise ergänzt werden. Damit wird der eigenen Beurteilung bewusst mehr vertraut, da das erworbene Wissen selbst erarbeitet und konstant weiterentwickelt wurde.

Die Personen, die die Veränderungen in ihrem eigenen Erfahrungsschatz wahrnehmen und durchleben, können auch Vertrauen auf drei verschiedenen Ebenen wahrnehmen. Diese Ebenen sind:

1. Das ontologische Vertrauen

Personen vertrauen auf ihr bekanntes Weltbild, das sie sich durch Erfahrung und Kommunikation erarbeitet haben. Dieses enthält Unsicherheiten bei Fremd- oder Fehlinformationen. Das Weltbild gibt Verhaltenssicherheit. Es wird stetig und inkrementell verändert.

[...]


1 Mayer, Roger C. et al. | 1995 | S. 711

2 Im Thesenpapier (im Anhang) wird Luhmanns Ansatz prägnant ausgeführt.

3 Vgl. Kahle, Egbert | n.d.| S. 2

4 Vgl. Kahle, Egbert | n.d. | S. 2f.

5 Mayer, Roger C. et al. | 2007 | S. 712

6 Rousseau, Denise | 1998 | S. 395

7 Spenger, Reinhard | 2010 | Audio Handelsblatt

8 Jost, Hans R. | 2000 | S.17

9 Mayer, Roger C. et al. | 1995 | S. 717

10 Weibler, Jürgen | 1997 | S.128

11 Referat von Susann Carmohn und Franciska Dignas | Herleitung der Dimensionen und Charakteristika von Kommunikation

12 Beck, Klaus | 2006 | S. 23f.

13 Animalische und technische Kommunikation werden in dieser Ausarbeitung nicht berücksichtigt.

14 Drosdowski, Günther et al. |1982 | S.407

15 Burkart, Roland | 1998 | S. 30

16 Juchem, Johann G. | 1988 | S. 137

17 Wieland, Josef | 2004 | S. 160

18 Tushman , Michael; O´Reilly, Charles | 2006 | S. 28

19 Taut, Sandy | 2001 | Die DA war nicht verfügbar, somit liegt dem Autor nicht die exakte Seitenzahl in der DA vor | zitiert in: Die psychologische Dimension von Wandel | CHE-Hochschulkurs: “Fakultätsmanagement: Von der Verwaltung zur Geschäftsfüh- rung“ | 2008

20 Gattermeyer, Wolfgang et al. | 2000 | S. 231

21 Die Aussagen von Egbert Kahle beziehen sich alle auf die Veröffentlichung “Vertrauen als Voraussetzung für bestimmte For- men organisatorischen Wandels“ | http://www.uni-lueneburg.de/fb2/bwl/entscheidung/dokumente/Verschiedenes/Vertrau- en%20Voraussetzung%20Wandel.pdf | n.d.

22 Hauptquelle ist der Videobeitrag des K1 Magazins vom 12. September 2009 | http://www.youtube.com/watch?v- =WhR9oVMprfs&feature=related

23 Kahle, Egbert | n.d. | S. 3

24 Kahle, Egbert | n.d. | S. 6

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Widerstände im unternehmerischen Wandel: Die Rolle des Vertrauens
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Communication & Change
Note
gut
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V167041
ISBN (eBook)
9783640891177
ISBN (Buch)
9783640891153
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Präsentation und Ausarbeitung der Theorie am Beispiel
Schlagworte
Widerstand, Vertrauen, Wandel, Schlecker, Vertrauensverlust, Kommunikation
Arbeit zitieren
Susanne Handorf (Autor), 2010, Widerstände im unternehmerischen Wandel: Die Rolle des Vertrauens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167041

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