Es hat schon einen komischen Zug, dass gerade der Mann, der wohl einen der berühmtesten Erziehungsromane überhaupt geschrieben hat, seine eigenen Kinder im Findelhaus ablieferte. Sei es ihm verziehen - mit seinem Werk „Emile, oder über die Erziehung“ hat Rousseau der Nachwelt wohl den Klassiker der Pädagogik schlechthin vermacht.
Ziel dieser Arbeit ist eine Betrachtung und Analyse des Textabschnitts aus dem ersten Buch des Emile, über die „Grundgedanken und Arten der Erziehung“. Dem hermeneutischen Charakter der Analyse entsprechend, soll der Abschnitt nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem Werk des Emile, dem Rousseau’schen Gesamtwerk, welches hier auf den Emile und Contrat Sociale beschränkt werden soll und der Person Jean-Jacques Rousseau in seiner Zeit betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseau- Ein Kind der Aufklärung
3. Der Contrat Sociale und der Emile
4. Pädagogische Bestimmungsfaktoren und die drei Lehrmeister
5. Rousseaus Naturbegriff
6. Erziehungsziel
7. Negative Erziehung
8. Bürger oder natürlicher Mensch
9. Rousseaus Einfluss auf die Pädagogik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert zentrale Passagen aus dem ersten Buch von Jean-Jacques Rousseaus „Emile, oder über die Erziehung“ unter hermeneutischer Perspektive. Ziel ist es, die pädagogischen Leitsätze Rousseaus sowie sein Konzept des natürlichen Menschen im Kontext seiner Zeit und seines Gesamtwerkes, insbesondere des „Contrat Sociale“, kritisch zu hinterfragen.
- Rousseaus Philosophie im Kontext der Aufklärung
- Das Verhältnis zwischen den „drei Lehrmeistern“ (Natur, Dinge, Menschen)
- Die Methodik der „Negativen Erziehung“
- Der Konflikt zwischen „natürlichem Mensch“ und „Bürger“ (Citoyen)
- Rousseaus nachhaltiger Einfluss auf die moderne Reformpädagogik
Auszug aus dem Buch
8. Bürger oder natürlicher Mensch
Die zweite große Diskussion des Textabschnitts, neben der Erziehungsziel diskussion, die sich ebenfalls aus dem Verhältnis der drei Lehrmeister ergibt, ist die Frage nach der Vereinbarkeit von natürlichem Mensch und Bürger-Mensch und die Bildung dieser Menschen durch die pädagogischen Institutionen.
Rousseau leitet die Diskussion durch die Frage, was passiert, wenn die drei Lehr meister einander entgegengesetzt sind, ein. „Wenn man einen z.B. einen Menschen für andere erziehen will, anstatt für sich selbst.“
Dies ist nun ist der Bürger, der „citoyen“. Er ist ein Extrembild, welcher real zur Zeit Rousseaus, nach dessen Meinung nicht existiert. Der Bürger misst sich alleine am „Wert des Nenner“, der Anzahl der Bürger, am „Sozialkörper“. Deutlich wird Rousseaus Vorstellung vom Bürger an den Beispielen die er gibt: Etwa der Spartanerin, der es nicht interessierte, ob ihre Söhne im Krieg gefallen sind, sondern alleine wissen wollte, ob das Heer siegreich in der Schlacht war. „Das war eine Bürgerin“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Rousseau trotz seines berühmten Erziehungsromans seine eigenen Kinder vernachlässigte, und umreißt die hermeneutische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Rousseau- Ein Kind der Aufklärung: Dieses Kapitel zeichnet die Biographie Rousseaus nach und verortet ihn als prägende Figur innerhalb der Epoche der Aufklärung.
3. Der Contrat Sociale und der Emile: Hier werden die beiden Hauptwerke Rousseaus gegenübergestellt und deren unterschiedliche Menschenbilder hinsichtlich der gesellschaftlichen Einordnung diskutiert.
4. Pädagogische Bestimmungsfaktoren und die drei Lehrmeister: Das Kapitel erläutert die von Rousseau postulierten Lehrmeister – Natur, Dinge und Menschen – und deren Einfluss auf die Erziehung.
5. Rousseaus Naturbegriff: Es erfolgt eine Analyse des zentralen, aber schwer zu fassenden Naturbegriffs, der für Rousseau eher eine leitende Idee als eine Realität darstellt.
6. Erziehungsziel: Das Ziel der Erziehung wird als Einklang der drei Lehrmeister definiert, um einen Menschen zu formen, der fähig ist, den Leiden des Lebens zu begegnen.
7. Negative Erziehung: Die Methode der „Negativen Erziehung“ wird als Schutz vor gesellschaftlicher Entfremdung und als aktives Nichts-tun interpretiert.
8. Bürger oder natürlicher Mensch: Es wird das zentrale Dilemma der Unvereinbarkeit zwischen dem „natürlichen Menschen“ und dem politischen „Bürger“ (Citoyen) erörtert.
9. Rousseaus Einfluss auf die Pädagogik: Dieses abschließende Kapitel würdigt Rousseaus Bedeutung als „Urvater der Reformpädagogik“ und seinen Einfluss auf die moderne Erziehungstheorie.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Emile, Erziehung, Aufklärung, Naturzustand, Contrat Sociale, Negative Erziehung, Bürger, Citoyen, Pädagogik, Reformpädagogik, Menschenbild, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie, Individualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Rousseaus pädagogische Thesen im „Emile“ unter hermeneutischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Dazu gehören die Natur des Menschen, das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gesellschaft sowie die Erziehungsmethodik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, wie Rousseau Erziehung als Prozess versteht, um den Menschen vor gesellschaftlicher Entartung zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die pädagogische Hermeneutik, um Leben, Werk und Kontext Rousseaus in einen Zusammenhang zu bringen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Lehrmeister, den Naturbegriff, das Konzept der Negativen Erziehung und den Konflikt zwischen Bürger und natürlichem Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben „Emile“ vor allem der Naturbegriff, die Negative Erziehung und das gesellschaftliche Dilemma des Bürgers.
Warum ist das Verhältnis zum „Contrat Sociale“ für den „Emile“ so wichtig?
Rousseau versucht im „Emile“ das Individuum zu bilden, während er im „Contrat Sociale“ das Ideal des Staates entwirft; die Arbeit arbeitet die Spannungen zwischen diesen Ansätzen heraus.
Was bedeutet „Negative Erziehung“ konkret?
Es bedeutet, äußere Einflüsse, die den Zögling verfremden könnten, fernzuhalten, anstatt ihm aktiv Wissen aufzuzwingen.
Warum hält Rousseau die öffentliche Erziehung seiner Zeit für gescheitert?
Er kritisiert diese als „lächerlich“ und als eine Form, die Menschen hervorbringt, die innerlich gespalten sind, statt sie zur Natürlichkeit zu führen.
Inwiefern ist der „Emile-Mensch“ laut Autor ein Scheitern?
Da der Mensch letztlich in einer empirischen Gesellschaft leben muss, scheitert das Ideal des „natürlichen Menschen“, da er in der Realität nie vollkommen vom Bürger-Sein getrennt werden kann.
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- Christoph Dressler (Author), 2008, Emile, oder über die Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167046