Interkulturelle Aspekte im fachkommunikativen Fremdsprachenunterricht

Ein studienvorbereitender Deutschkurs Wirtschaftsdeutsch


Magisterarbeit, 2009
110 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1 Einleitung

In der heutigen Wirtschaftswelt macht man keinen ,Fehler', sondern man hat ein ,Problem'.“

(Ernst Reinhardt 13.07.2008)

In den Zeiten der Globalisierung ist es auBerst wichtig geworden, sich mit den Partnern aus anderen Landern zu verstandigen und sie vor allem verstehen zu konnen. Ausserdem wird die Kultur des Geschaftspartners nicht kennengelernt, wenn man sich mit dessen Sprache nicht beschaftigt (vgl. Vandermeeren 1998, 257).

Die internationale Wirtschaft fuhrt dazu, sich mit ihren Vorteilen sowie Nachteilen auseinanderzusetzen. Besonders im Bereich Marketing ist eine Einschrankung durch sprachliche und kulturelle Bedingungen undenkbar. (vgl. Framson 2007, 13) Eine nicht funktionierende Kommunikation kann sich kein groBes Unternehmen leisten, denn es ist der Leitpunkt des Erfolgs. Gerade in der internationalen Vermarktung von Produkten geht es nicht nur um eine okonomischen, sondern um einen interkulturellen Kommunikationsvorgang, bei dem es zum kulturellen AufeinanderstoBen kommt (vgl. ebd., 13).

Im Studium der Wirtschaftswissenschaftler kommt es haufig auf die sprachlichen sowie sozialen Qualitaten an und gerade fur auslandische Studierende sind die Schwierigkeiten auf der sprachlichen Ebene besonders belastend. Haufig ist die Lernkultur im Heimatland ein Faktor dafur, dass sich die Hindernisse beim Studium in Deutschland ergeben. AuBerdem ist das Fachstudium in einer anderen Sprache viel komplizierter als in der Muttersprache; besonders der Umgang mit Termini und die Fachsprachen selbst machen sogar den deutschen Kommilitonen zu schaffen. Die Schwierigkeiten des Fachstudiums der auslandischen Wirtschaftswissenschaftler sind also mit vielen Faktoren verbunden. Einer davon ist der kulturelle Background, der sich in vielfaltiger Weise manifestieren lasst.

Diese Arbeit beschaftigt sich mit einigen dieser Faktoren und konzentriert sich besonders auf die interkulturelle Aspekte in den Texten der Wirtschaftswissenschaftler innerhalb des fachbezogenen DaF-Unterrichts, um die Relevanz des kulturbezogenen Wissens zwischen den Texten und deren Kontextwissen auf allen Ebenen der kulturwissenschaftlichen Textanalyse aufzuzeigen.

,Interkulturalitat’ nimmt dabei im Rahmen des fachbezogenen DaF- Unterrichts ein anderen Blickwinkel. Die Studenten des Fachsprachenunterrichts sind selbst nicht in der aktiven Rolle, sondern es geht eher um die interkulturellen Aspekte, die sich in den Wirtschaftstexten verbergen und dadurch die Verstandigung in diesem Bereich tatigen Menschen beeintrachtigen (vgl. Hoffmann 1984, 53).

1.1 Zielstellung

Das Ziel der Arbeit bezieht sich zunachst auf die Voraussetzung des interkulturellen Kontextwissens im Studium des Faches Wirtschaftswissenschaft und danach auf die Untersuchungen, ob uberhaupt interkulturelle Aspekte in den Texten der Wirtschaftswissenschaften als kulturelle Inhalte anzutreffen sind. Dementsprechend werden die Moglichkeiten aufgegriffen, die interkulturelle Merkmale aufzuzeigen und diese Aspekte kennenzulernen.

Da sich der Fachsprachenunterricht aus verschiedenen Aspekten zusammensetzt, wie beispielsweise aus „sprachlichen", „fachlichen" und ..interkulturellen Aspekten", werde ich sie alle thematisieren und den ..interkulturellen Aspekt" im studienvorbereitenden Fachunterricht unter dem Einbezug „kultureller Inhalte in Texten" untersuchen. Dabei werden sich folgende Fragestellungen ableiten, wie:

Wie wichtig ist es, die Aufmerksamkeit im Unterricht auf die .interkulturellen Aspekte" zu lenken? Wo tauchen diese Aspekte im Unterricht auf? Welche Moglichkeiten hat der Lehrer bezuglich der Materiallage? Und welche Problematik stellt die ,interkulturelle Kommunikation’ bezuglich des Faches Wirtschaftswissenschaften dar?

1.2 Inhalt

Die vorliegende Arbeit bezieht sich somit auf die Verflechtung zwischen der fachlichen und der interkulturellen Relation, die einerseits nicht kombinierbar zu sein und andererseits diese Komponente bereits zu enthalten scheint.

Im anschlie&enden Kapitel wird auf die Begriffserklarung und die Schichtung der Fachsprache(n) Wirtschaft eingegangen. Im dritten Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse der Fachsprachenforschung und die Ausgangslage der Fachsprachendidaktik sowie des fachkommunikativen Unterrichts dargelegt, wobei sich der Schwerpunkt auf die Ausgangslage der Fachsprachendidaktik und auf den fachbezogenen Fremdsprachenunterricht bezieht.

Im vierten und letzten theoretischen Kapitel geht es um die ,Kultur’, deren problematische Aufklarung, um die ,Interkulturalitat’ sowie deren kommunikative Probleme und anschlieBend, um die Wirtschaftstexte und die Methoden der kulturwissenschaftlichen T extanalyse.

Der praktische Teil akzentuiert sich auf die exemplarischen Analysen in Texten der Wirtschaftswissenschaftler, wobei an unterrichtsbezogene Texte angeknupft wird. Damit soll aufgeklart werden, auf welchen Ebenen der kulturwissenschaftlichen Textanalyse welches situative Wissen bzw. welches enthaltene kulturbezogene Kontextwissen eingebettet wird.

Zum Schluss werden im sechsten Kapitel die Ergebnisse zusammengefasst und die neuen Perspektiven des fachkommunikativen Unterrichts aufgezeigt.

1.3 Methode

Das methodische Vorgehen bezieht sich zunachst auf eine Auswertung der Fachliteratur zu diesem Thema sowie auf die enthaltenen Problemstellungen zum Thema selbst. Danach werden anhand der kulturwissenschaftlichen Textanalyse nach C. Altmayer und der Methoden zur Kulturanalyse nach J. Bolten die gewonnenen Erkenntnisse analysiert.

Mit Hilfe eines Interviews mit einem Professor an der Fakultat der Wirtschaftswissenschaften wird die Relevanz der interkulturellen Kompetenz im Studium der Wirtschaftswissenschaftler gepruft und anschlieBend daran werden alle Ergebnisse analysiert und ausgewertet.

2 Begriffserklarung und Schichtung der Fachsprache Wirtschaft

„Wer mit Partnern umgeht, um zu (meist gegenseitigem) materiellem und interkulturellem Nutzen weiterkommen, Fortschritt zu schaffen und eine Verbesserung der personlichen Lebenssituation und allgemeinen Lebenspraxis zu erreichen, der ist naturlicherweise gezwungen, uber sein Handeln nachzudenken, es sprachlich zu formulieren und sich kommunikativ den anderen gegenuber zu offnen,

um im Dialog eine kreative Auseinandersetzung zur Sache zu fuhren“

(Hartwig Kalverkamper, Berlin).

2.1 Fachsprachen

Wenn ein Fachmann versucht, den Fachsprachenbegriff zu erfassen, gelingt ihm das nur uber die Erklarungen, was die Fachsprachen sind und was sich dahinter verbirgt. Die Bestimmung von Fachsprachen ist nicht einfach. Wenn man sie durch ein vereinfachtes Modell fachsprachlicher Kommunikation bestimmen wollen, dann nur unter der Berucksichtigung der Interessenschwerpunkte verschiedenartiger Fachsprachenkonzeptionen: systemlinguistisches Inventarmodell, pragmalinguistisches Kontextmodell und kognitionslinguistisches Funktionsmodell (vgl. Roelcke 2005, 16-17).

Das erste Modell ist am gemeinsamen Zeichensystem des Rezipienten und des Produzenten orientiert und wird als ein System sprachlicher Zeichen betrachtet, was in der fachlichen Kommunikation angewendet wird. Das Modell war in der 50er bis 70er Jahre des 20. Jahrhunderts ausgepragt (vgl. ebd., 16).

Als Zweites ist das pragmalinguistische Kontextmodell zu erwahnen. Es war in den 80er Jahren und am Anfang der 90er Jahre vorherrschend. Das Modell bestatigt immer noch die Existenz fachsprachlicher Zeichensysteme, vertritt aber die Meinung, dass im Fachtext kotextuelle und kontextuelle Zusammenhange relevanter seien. Die Fachsprachen seien hier als Au&erungen zu verstehen, mit denen fachliche Kommunikation selbst vollzogen wird (vgl. ebd., 16-17).

Das kognitionslinguistische Funktionsmodell als dritte Konzeption wird in der Forschung als besonders interessant betrachtet, wobei der Produzent und der Rezipient der fachsprachlichen Kommunikation in den Vordergrund geruckt werden, wo auch die intellektuellen und emotionalen Voraussetzungen wissenschaftlich von Bedeutung sind und sowohl die systemlinguistischen als auch die pragmalinguistischen Fragestellungen und Ergebnisse eine Neubewertung bekommen (vgl. ebd., 17).

Also folgt daraus, dass man die Fachsprachen als Zeichensysteme, als TextauBerungen oder als Kognitionsfunktionen und damit als gewissermaBen getrennte Einheiten oder als miteinander verbundene Konzeptionen verstehen konnte. Damit wird deutlich, dass die Fachsprachen ein Komplex sind und erst definiert werden mussen (vgl. Roelcke 2005, 16-31; vgl. Gueye 2004, 22).

Eine sehr verbreitete Definition der Fachsprachen stammt von Hoffmann: „Fachsprache ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verstandigung der in diesem Bereich tatigen Menschen zu gewahrleisten“ (Hoffmann 1984, 53, zit. in: Roelcke 2005, 17).

Hier spricht Hoffmann von einer Fachsprache, wobei es im weiteren Verlauf in dieser Arbeit deutlicher werden wird, dass der Wirtschaftsbereich mit vielen Fachsprachen zu tun hat und von Fluck (1996, 16) als ein ,Komplex’ bezeichnet wird. (vgl. Gueye 2004, 22)

2.1.1 Fachkommunikation

Lothar Hoffmann folgt der Neuorientierung der Fachsprachenlinguistik und definiert die Fachkommunikation aus der kognitiv-kommunikativen Sicht, die am Anfang der 90er Jahre angemahnt wurde (vgl. Roelcke 2005, 26-27):

Fachkommunikation ist die von au&en und von innen motivierte bzw. stimulierte, auf fachliche Ereignisse oder Ereignisabfolgen gerichtete Exteriorisierung und Interiorisierung von Kenntnissystemen und kognitiven Prozessen, die zur Veranderung der Kenntnissysteme beim einzelnen Fachmann und in ganzen Gemeinschaften von Fachleuten fuhren“ (Hoffmann 1993, 614; zit. in: Roelcke 2005, 27).

2.1.2 Fachtext

Ende der 80er Jahre legt Hoffmann mehr Bedeutung auf den Fachtext anstatt auf die Fachsprachen (vgl. Roelcke 2005, 21):

„Der Fachtext ist Instrument und Resultat der im Zusammenhang mit einer spezialisierten gesellschaftlich-produktiven Tatigkeit ausgeubten sprachlich- kommunikativen Tatigkeit; er besteht aus einer endlichen, geordneten Menge logisch, semantisch und syntaktisch koharenter Satze (Texeme) oder satzwertiger Einheiten, die als komplexe sprachliche Zeichen komplexen Propositionen im Bewusstsein des Menschen und komplexen Sachverhalten in der objektiven Realitat entsprechen“ (Hoffmann 1985, 233 f., zit. in: Roelcke 2005, 21).

2.2 Fachsprache Wirtschaft

Der Begriff „Fachsprache Wirtschaft" ist mindestens genauso schwierig zu erfassen, wie der der Fachsprachen selbst, die Grunde dafur sind bereits in der Fachsprachenbegriffserklarung zu sehen. Die Diskussion um die Abgrenzung der Fachsprache Wirtschaft wird durch die Komplexitat und Vielschichtigkeit der Benennung begrundet, die sich auch in der horizontalen und der vertikalen Gliederung zeigt. (vgl. Ohnacker 1992, 35)

Buhlmann und Fearns machen aufmerksam auf die Komplexitat der Fachsprachen und auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche wie Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft oder Wahrungspolitik und auch auf die sprachlichen Merkmale, die durch verschiedene Sprachsituationen entstehen, demzufolge sprechen sie von der Wirtschaftssprache (vgl. Buhlmann/Fearns 1987,306 f.).

Ohnacker ist der Meinung, dass die unterschiedlichen Sprachverwendungssituationen der Fachsprache Wirtschaft berechtigt sind, allerdings lasst sich diese Fachsprache trotz alledem abgrenzen, auch wenn sie ein breites Spektrum hat (vgl. Ohnacker 1992, 36).

Die Fachsprache Wirtschaft basiert demzufolge auf den Inhalten des Wirtschaftsfaches und auf den sprachlichen Mitteln mit deren Hilfe sie realisiert wird. Die Fachsprache Wirtschaft ist wie ein Verbund, der sich aus verschiedenen Bereichen zusammenstellt, deshalb kommt keine Frage, ob es sie uberhaupt gibt oder ob es sinnvoller ware, sich mit den „Subsprachen" wie beispielsweise der Volkwirtschaft, der Betriebswirtschaft bzw. der Finanzwissenschaften auseinanderzusetzen. (vgl. Ohnacker 1992, 36).

Die Definition basiert auf den Fachsprachen, die Subsprachen der Standardsprache sind und „ [...] umfassen die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in dem fachlich begrenzten Kommunikationsbereich Wirtschaft verwendet werden, um die Verstandigung uber die fachlichen Inhalte dieses Bereichs zu gewahrleisten“ (Ohnacker 1992, 36). Diese Abgrenzung beinhaltet alle Fachbereiche und sprachlichen Mittel, die im Fach der Wirtschaft bzw. in der Wirtschaftssprache etabliert sind. Demzufolge ist die Existenz der Fachsprache Wirtschaft bewiesen und die Moglichkeit, innerhalb der Subsprachen zu differenzieren, ist vergeblich bzw. nicht notwendig (vgl. Ohnacker 1992, 36-37).

2.2.1 Wirtschaftsdeutsch als Komplex von Fachsprachen

Die folgenden Definitionen, die den Begriff „Wirtschaftsdeutsch“ naher erklaren werden, sind, wenn uberhaupt, dann nur in einem Punkt ahnlich, namlich dass die Wirtschaftssprache als ein „Komplex“ (vgl. Fluck 1996, 16), als ein „Sammelbegriff“ (vgl. Buhlmann/Fearns 2000, 306) oder als ein „Konglomerat“ (vgl. Hundt 1995, 11) bezeichnet wird (vgl. Gueye 2004, 22).

Buhlmann und Fearns erfassen Wirtschaftsdeutsch als „ [...] die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenztem Kommunikationsbereich, namlich dem der Wirtschaft, verwendet werden, um die Verstandigung der in diesem Bereich tatigen Menschen zu gewahrleisten. Sie ist begrundet durch die Kommunikationsbereiche und -formen der in der Wirtschaft handelnden Personen“ (Buhlmann/Fearns 1987, 306, zit. nach: Gueye 2004, 22).

Martin Hahn sagt:

„Wir verwenden den allgemeinen Begriff „Wirtschaftsdeutsch“ und meinen damit sowohl die wirtschaftsbezogene Fachsprache im wissenschaftlich-theoretischen Bereich als auch die Berufssprachen in der Wirtschaft und die fachbezogene Umgangssprache bzw. fachexterne Kommunikation“ (Martin Hahn 1993, 92, zit. nach: ebd., 22).

Scholtes-Schmid meint:

Wirtschaftsdeutsch (...) schlie&t die Sprache der Wirtschaftswissenschaft ebenso ein wie die der Wirtschaftspolitik, er (!) [es-A.K] kann den spezifischen Sprachgebrauch in Handel und Industrie meinen oder die Sprache der Borse oder Werbung“ (Scholtes-Schmid 1986, 35, zit. nach: ebd., 22).

Von den vorgestellten wissenschaftlichen Definitionen und von der Fachliteratur generell Frenser (1991, 126) stellt klar, dass man von der einheitlichen Fachsprache der „Wirtschaft“ nicht sprechen kann (vgl. Gueye 2004, 22). Wie bereits erwahnt wurde, beinhaltet Wirtschaftsdeutsch verschiedene Fachsprachen. Es geht hier eher um den Sprachgebrauch, der in den verschiedenen Fachbereichen vorkommt (vgl. Gueye 2004, 22).

Die Herkunft der Fachsprachen liegt in der Antike, als die Menschen anfingen zu bauen oder zu malen bzw. sich mit der Arbeitsteilung befasst haben; dabei entstanden die Fachworter und Fachbegriffe, die sich spater in Fachsprachen verwandelt haben (vgl. ebd., 23).

Mit den Fachsprachen haben sich Wissenschaftler wie Hoffmann (1986), Hans- Rudiger Fluck (1992; 1996), Walter von Hahn (u.a. 1981/ 1983), Eugen Wuster (u.a. 1981), Hartwig Kalverkamper (u. a. 1998) und Thorsten Roelcke (1999) u.a. beschaftigt (vgl. Gueye 2004, 23).

Fluck erklart die Situation eines Fachbereiches ausfuhrlicher:

„Unter Fachbereich ware hier nicht ein Komplex wie Wirtschaft oder Medizin zu verstehen, sondern deren Teilbereiche wie Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Geldwesen usw. oder wie zum Beispiel E. Wuster fur die Medizin unterteilt - Astronomie, Pathologie und Pharmazie“ (Fluck 1996, 16, zit. in: ebd., 23).

Fluck (1996)/ Buhlmann (1990) sind der Meinung, dass es sich um ein Quantum von Fachsprachen handelt. Deshalb spricht man von der Existenz einer horizontalen und einer vertikalen Schichtung, die sich durch vielfaltige Kriterien nachvollziehen lasst (vgl. Gueye 2004, 23). Dies wird im Kapitel 2.2.2 erortert.

2.2.2 Fachsprachenschichtung der Wirtschaft

Es wurde schon erwahnt, dass die Fachsprachen eine horizontale und eine vertikale Schichtung bzw. Gliederung beinhalten. Grundsatzlich nach Hoffmann (1998, 191) entspricht die Zahl der Fachsprachen den unterschiedlichen Fachgebieten, die sich immer wieder mit den neuen wissenschaftlichen Befunden erweitern (vgl. Gueye 2004, 23). So beruht sich Roelcke auf Steger (1988) und Kalverkamper (1988) und meint, dass sich das Grundprinzip der Aufteilung in der Wissenschaft etabliert hat (vgl. Roelcke 2005, 34). Die horizontale Gliederung ist nach Fachergliederungen und Fachbereichseinteilungen zu unterscheiden:

- Die Wissenschaftssprache (sprachliche Erfassung und Vermittlung dieser Theorien)
- Die Techniksprache (Kommunikation uber die Gerate und deren praktischen Einsatz)

Die Institutionssprache (Kommunikation mit bestimmter Struktur und Ziel) (vgl. ebd., 34-35).

Fachsprachen

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Abb. 2: Horizontale Gliederung von Fachsprachen in Wissenschafts-, Technik- und Institutionensprache nach (Steger 1988/Kalverkamper 1988, in: Roelcke 2005, 35).

Die vertikale Gliederung ist genauso notwendig, wie die der horizontalen Schichtung, denn die Wirtschaft als „Komplex“ hat demzufolge nach Munsberg (1994, 303) u.a. Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und auch andere Unterteilungen, die dem entsprechend vertikal gegliedert werden mussen (vgl. Gueye 2004, 23). Dies erfolgt mit Hilfe von Abstraktionsebenen innerhalb eines Faches (vgl. Roelcke 2005, 38).

Lothar Hoffmann (1985, 64-70) unterteilt Abstraktionsstufen, die jeweils eigene semiotische und kommunikative Erscheinungen aufweisen. AuBerdem hat er folgende Gliederungskriterien festgelegt (vgl. ebd., 39):

- Abstraktionsstufe
- auBere Sprachform
- Milieu
- Kommunikationstrager (vgl. ebd., 39).

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Abb.3: Vertikale Gliederung der Fachsprachen nach Hoffmann (Hoffmann 1985, in: Roelcke 2005, 40).

Diese Abbildung wird als Beispiel fur die allgemein bekannte Fachsprachengliederung dargestellt. Generell verwendet man diese Gliederung fur die verschiedenen Fachbereiche, indem man sie fur bestimmten Bereich modifiziert (vgl. Gueye 2004, 33).

Uber die Binnenliederung des Wirtschaftsdeutschen wird viel in der Fachliteratur gesprochen (vgl. ebd., 34). Agota Borgulya stellt einen Ansatz in 1989 vor. Abgrenzbarkeit, Textoffenheit und Adressatenoffenheit spielen eine wichtige Rolle in ihrem Ansatz. In Anlehnung an Havranek nimmt sie seine Fachstilabgrenzung fur ihre Schichtung der Fachsprache Wirtschaft (vgl. Ohnacker 1992, 37). Demzufolge unterteilt sie nicht nur die theoretisch-wissenschaftliche Schicht, sondern auch die praktisch-fachliche und die popularwissenschaftliche Schicht. Sie orientiert sich nicht nur an der sprachlichen Darstellung; sie prazisiert auch die fachlichen Inhalte und die Kommunikationstrager als Konsumenten fachlicher Gliederung. Infolge dessen setzt sie den Punkt wie Hoffmann auf die Sprachform, die Abstraktionsstufe und die Kommunikationspartnern (vgl. Ohnacker 1992, 37-38).

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Abb.4: Schichtung der Fachsprache Wirtschaft, erweitert von Borgulya 1989 (vgl. Ohnacker 1992, 40- 41)

Sie unterscheidet zwischen der Explizitat und der Implizitat von Fachtexten. Die Explizitat bedeutet die Entfaltung und die Erorterung von Sachverhalten im Text und die Implizitat ist eben das Beinhalten einer Sache in einer anderen (vgl. Borgulya 1989, 116).

Ausschlaggebend fur die Explizitat ist die Sender-Empfanger-Relation in den Fachtexten, wodurch die Schichten unterschieden werden (vgl. Ohnacker 1992, 38).

Die theoretisch-wissenschaftliche Schicht ist „ [...] durch den fachlichen Austausch zwischen Fachleuten“ (Ohnacker 1992, 38) in der Kommunikation gekennzeichnet (vgl. ebd., 38). Die Textsorten sind z. B. wirtschaftswissenschaftliche Monographien, Forschungsberichte, theoretische Abhandlungen in Buchern und Fachzeitschriften usw. (vgl. Ohnacker 1992, 38).

Die praktisch-fachliche Schicht besteht in der Regel aus der Kommunikation, die von Fachmann zu Fachmann erfolgt. Die Texte, die zu dieser Schicht gehoren, sind die internen Dokumentationen, wie z. B. Berichte, Protokolle, Wirtschaftsplane u. a. (vgl. Ohnacker 1992, 38).

Die popularwissenschaftliche Schicht beschaftigt sich in erster Linie mit der Vorbereitung und der Bereitstellung von Informationen uber Wirtschaft fur die Offentlichkeit, was naturlich wiederum allgemeinverstandlich und eingangig sein muss (vgl. Gueye 2004, 36).

Die Texte von Borgulya (1989, 117) sind gekennzeichnet durch eine hohe Explizitat, weil die Leser eher geringe fachliche Kenntnisse besitzen (vgl. Ohnacker 1992, 39).

Innerhalb der popularwissenschaftlichen Schicht beschrankt sich Borgulya auf die Wirtschaftsberichte der Tagespresse und auf die Wirtschaftsfachzeitschriften (vgl. Gueye 2004, 36). Ohnacker ist der Meinung, dass die Einschrankung lediglich auf die wirtschaftlichen Mitteilungen der Tagespresse in der popularwissenschaftlichen Schicht nicht richtig ware. Er schlagt vor, diese Schicht mit den Wirtschaftsperiodika und den Wirtschaftsteilen von Zeitschriften zu vervollstandigen (vgl. Ohnacker 1992, 39).

Die theoretisch-wissenschaftliche, die praktisch-fachliche und die popularwissenschaftliche Gliederung liefert ein sehr praktisches Modell zur Schichtung der Fachsprache Wirtschaft (vgl. Ohnacker 1992, 41). Fur den Deutschunterricht kamen in erster Linie die Textsorten der Schichtung in Frage, die fur die Berufspraxis wichtig waren (vgl. Ohnacker 1992, 42).

Ein anderes Modell stellt Bolten (1991, 75 f.) zur Fachsprachenschichtung der Wirtschaft vor (vgl. Gueye 2004, 36). Laut Gueye unterscheidet Bolten (1991, 75 ff.) zwischen der Theoriesprache, der Berufssprache und der fachbezogenen Umgangssprache. Dabei ist die Wirtschaftssprache nach Textsorten und Kommunikationspartnern gegliedert:

Theoriesprache umfasst folgende Textsorten: Wirtschaftsberichte, Monographien, Lehrbucher u. a. auch Kommunikationsadressaten-Studenten, Wissenschaftler, Unternehmensfuhrer usw. (vgl. Gueye 2004, 36)

Berufssprache besteht aus folgenden Textsorten: Bilanzen, Geschaftsbriefe, Vertrage, Protokolle. Auch die Kommunikationspartner sind die oben genannten und die Vertreter des operativen Managements, auch die Fachubersetzer und Dolmetscher gehoren dazu. (vgl. ebd., 36)

Fachbezogene Umgangssprache hat die Textsorten wie Prospekte, Geschaftsbriefe, Werbespots, popularwissenschaftliche Texte und viele Andere. Die Kommunikationspartner sind der Theorie- und der Berufssprache zugeordnet, au&erdem muss man die Mitglieder der Ausfuhrungsebene und die Konsumenten berucksichtigen. (vgl. ebd., 36)

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Abb.4: Organisationsmodell von Bolten (1991, 77).

Das Modell ist adressaten- und textoffen konzipiert, die Gliederung ist auch nicht klar abgegrenzt. Bolten teilt die Zeitungsartikel der Berufssprache zu, obgleich die Rezipienten neben Fachleuten auch neugierige Laien sind. In die fachbezogene Umgangssprache ordnet er die Geschaftsbriefe ein, trotz der fachlichen Ausrichtung interbetrieblicher Korrespondenz (vgl. Ohnacker 1992, 37). Er unterteilt horizontal, wie in der oben gezeigten Abbildung steht, das idealtypische Organisationsmodell eines Unternehmens (vgl. Gueye 2004, 36):

1. Forschung, Entwicklung, Konstruktion;
2. Produktion, Logistik, Materialwirtschaft;
3. Absatz, Marketing;
4. Verwaltung, Organisation;
5. Finanzen (vgl. ebd., 36).

Die Konturen der horizontalen Schichtung sind in diesem Modell zu erkennen, allerdings wird hier die horizontale Gliederung nicht weiter erwahnt bzw. klarer definiert (vgl. ebd., 36).

Bolten (1991, 76) ist der Meinung, dass dieses Organisationsmodell fur die nahere Definition des Begriffs „Wirtschaftssprache“ in den beiden Schichten hilfreich sein konnte (vgl. ebd., 36).

Zhao sieht den Vorteil dieses Modells darin, dass es fur jedes Unternehmen ma&geschneidert sein kann, unabhangig vom Wirtschaftszweig u. a. (vgl. Zhao 2000, 42).

2.2.2.1 Textsorten des Wirtschaftsbereiches

Nach Baumann und Kalverkamper (1992, 34) ist der Vielfalt der Textsorten und deren Typologisierungsproblem in erster Linie mit der Vielfalt der Fachsprachen selbst verbunden. Die Fachsprachenforschung konzentriert sich auf die Fachtexte, auf deren Merkmale und deren Zugehorigkeit zu einer Textsorte, so dass die Fachsprachen nach Hoffmann (1985/1988) aus der funktional-kommunikativen Sicht betrachtet werden mussen (vgl. Zhao 2002, 45).

Der Sinn und Zweck der textlinguistischen Untersuchungen ist nach Glaser, „ [...] mit empirischen Untersuchungsmethoden die Struktur und die kommunikative Funktionen von Texten eines bestimmten Bereichs der gesellschaftlichen Tatigkeit zu beschreiben, aus konkreten Textexemplaren fachubergreifende Merkmale von Fachtextsorten abzuleiten und eine Typologie von Fachtextsorten zu entwickeln“ (Glaser 1985, 3 f., zit. nach: Zhao 2002, 45). Das hat die Wissenschaftler dazu gebracht, die Modelle fur Fachtextanalyse und -typologie zu erstellen. Allerdings ist der Forschungstand der empirisch abgesicherten Typologie der Fachtextsorten dieser Modelle noch sehr unzureichend (vgl. Ludwig 1999, zit. in: Zhao 2002, 46).

In der Wirtschaftskommunikation wird versucht, die Textsorten voneinander abzugrenzen. Die Textsortenunterteilung nach Borgulya (1988) ist relativ einheitlich, wobei sich die theoretisch-wissenschaftliche Ebene auf Monographien, Forschungsberichte, theoretische Abhandlungen in Lehrbuchern u. a. konzentriert (vgl. Zhao 2002, 47).

Aufgrund der Vernetzung der Gemeinsprache auf der Ebene der Berufssprache und der fachbezogenen Umgangssprache ist eine gro&e Zahl an Textsorten entstanden, die wiederum differenziert werden mussen. Demzufolge hat Borgulya diesen Bereich nach der schriftlichen Form in die Wirtschaftspresse und in die Arbeitstexte unterteilt, wobei die Wirtschaftspresse Textsorten wie Wirtschaftsberichte, Mitteilungen der Tageszeitungen oder der Wirtschaftsfachzeitschriften u. a. hat und die Arbeitstexte die Sprache der Wirtschaftspraxis, der Wirtschaftslenkung, der Wirtschaftsrealisierung u. a. haben ( vgl. Fluck 1996, 60 zit. in: ebd., 47).

Auch Frenser (1991a, 237) hat sich damit beschaftigt und den Kommunikationsbereich zuerst nach innerbetrieblichem und au&erbetrieblichem Teil gegliedert (siehe Abb. 5), au&erdem hat er den jeweiligen Teil nochmals in die schriftliche und mundliche Form unterteilt (vgl. Zhao 2002, 47).

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Abb. 5: Wirtschaftskommunikation im Produktionsbetrieb in Frenser (1991, 127, in: Gueye 2004, 39)

Die Versuche, das Typologisierungsproblem von Textsorten zu losen, sind mehr oder weniger gelungen, allerdings fehlt dem Ganzen eine empirisch fundierte Untersuchung (vgl. Zhao 2002, 47).

Nach Zhao sollen, um die Typologisierung der Wirtschaftssorten uberhaupt fest zu stellen, vor allem empirische Untersuchungen durchgefuhrt werden, wobei die

Haufigkeit der Textsorten in der Wirtschaftskommunikation und die Textsorten, die tatsachlich benutzt werden, untersucht werden mussen (vgl. ebd., 47). Nach Hoffmann sind die Textsorten zu deuten als: „[...] konventionell geltende Muster fur komplexe sprachliche Handlungen“ [und sie - A. K.] „haben sich in der Sprachgemeinschaft historisch entwickelt und gehoren zum Alltagswissen der Sprachteilhaber“ (Hoffmann 1988, 163, zit. in: ebd., 47). Daraus folgt, dass dieser Prozess (Textsortentypologisierung) eine prazise Analyse zu ertragen vermag, wobei „[...] fur die einzelnen Textsorten jeweils Textkorpora gebildet und die Analyse vorgenommen werden, was schlie&lich zur Erstellung der Typologie fuhren wird“ (Zhao 2002, 47).

In der Universitat Dusseldorf, Institut fur Internationale Kommunikation, wurde nach den Kommunikationsebenen von Bolten eine empirische Untersuchung durchgefuhrt, die auf einer Umfrage in einzelnen Bereichen bei insgesamt 1000 auslandischen und deutschen Unternehmen in Deutschland basiert (vgl. ebd., 48). Die Untersuchungen haben folgende Haufigkeit des Vorkommens ergeben:

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Abb. 6: Untersuchungen zu den Textsorten. Eigene Darstellung in Anlehnung an Bolten (1994, 8, in: ebd., 48).

Zu der mundlichen Kommunikation, was die Gesprachtypen angeht, gibt es bis jetzt noch keine Untersuchungen (vgl. ebd., 48). Oft werden „[...] nach Erfahrungen bestimmte Textsorten zur Untersuchung oder zum didaktischen Einsatz ausgewahlt [...]“ (Zhao 2002, 48).

2.2.2.2 Textsorten der Fachsprache Wirtschaft in didaktischer Auswahl

Rosemarie Buhlmann und Anneliese Fearns haben sich mit den Textsorten der Wirtschaftssprache beschaftigt, die sich im Fachsprachenunterricht am haufigsten anwenden lassen, wobei sie folgende Textsorten unterschieden haben:

- Textsorten der externen Unternehmenskommunikation (Betrieb zu Betrieb) Briefe, Telefax, Telefongesprach, Rechnungen, Lieferscheine, Formulare, Ein- und Ausfuhrpapiere, Zolldokumente, Verhandlungen (Ein- und Verkaufs-, Kontrollgesprache), Werbetexte, Vertrage u. a.
- Textsorten der internen Unternehmenskommunikation (im Betrieb) Analyse, Bericht, Statistik, Gesprache, Rundschreiben, Aktennotiz, Telefongesprache, Konferenzen und Sitzungen.
- Allgemeine Information - Handbuch, Lexikon, Monographie, Gesetzestexte, Kommentare, Verordnungen, Zeitschrift u. a.
- Aktuelle Information - Magazin, Zeitung, Zeitschrift, Infos der BfA, der IHKn, des DIHT, der AHKn, Wirtschaftsnachrichten, - kommentare in Rundfunk und Fernsehen, Werbetexte, Jahresberichte u. a. (vgl. Buhlmann/ Fearns 2000, 307)

Sie erfassen einige im Sprachunterricht besonders oft verwendete Textsorten, beispielsweise den Zeitungstext (Wirtschaftsnachricht aus der Tageszeitung), den Handbuchtext (Monographie aus der Betriebswirtschaft), den Geschaftsbrief, den Magazintext und die betriebwirtschaftliche Zeitschrift. Sie stellen eine Tabelle (siehe Anhang: A 1 und A 1a) mit sprachlichen Merkmalen vor, die, eine weitere didaktisch- methodische Vorgehensweise erlaubt (vgl. ebd., 307).

Im Folgenden wird die Aufmerksamkeit meinerseits auf die Geschaftsbriefe (siehe Anhang: A 2) gelenkt; erstens, was die Textbauplane angeht und zweitens, in welches der beiden moglichen Kommunikationsverfahren ein Geschaftsbrief sich teilen lasst. Die Wirtschaftsprache und ihre Textsorten sind, was das Kommunikationsverfahren angeht, meistens spracharm. GroBtenteils bestehen sie aus vielen Tabellen, Diagrammen, Kurven usw. Bei den Geschaftsbriefen ist dies allerdings nicht der Fall.

In diesem Brief geht es um ein sprachliches Kommunikationsverfahren, wobei das Logo des Briefkopfes als ein spracharmes/auBersprachliches Kommunikationsverfahren nicht berucksichtigt wird.

Die optische Gestaltung ist nach DIN 5008 genormt (vgl. ebd., 319).

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Abb. 7: Darstellung eines Geschaftsbriefes (vgl. ebd., 316).

Der Brief ist so strukturiert, dass die Postanschrift des Absenders uber der durchgezogenen Linie zu finden ist (siehe Abb. 70, damit wird ein erneuertes Schreiben des Absenders auf der Briefhulle erspart (vgl. ebd., 320).

Das Anschriftenfeld wird nach den DIN-Vorschriften neunzeilig ausgefuhrt (siehe Abb. 8).

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Abb. 8: Darstellung des Anschriftenfeldes (vgl. ebd., 320)

Die Bezugszeichenzeile besteht aus wichtigen Hinweisen, die darauf hindeuten, was fur ein Schriftwechsel vorausging. Der erste Buchstabe der Namen weist auf den Diktierenden und die Schreibkraft hin und zum Schluss ganz rechts wird es mit einem Datum gekennzeichnet (siehe Abb. 9).

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Abb. 9: Darstellung der Bezugszeichenzeilen (vgl. ebd., 321)

Der Betreff gibt nach DIN 5008 einen stichwortartigen Inhalt an, z. B.:

Betreff

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Bei den Briefen der GroBe A4 findet man die Anrede nach zwei Leerzeilen unter der Betreffangabe, bei A5-GroBe und Postkarten lediglich nach einer Leerzeile. Generell wird die Anrede in allen Formaten durch mindestens eine Leerzeile getrennt, beispielsweise (siehe unten):

Betreff

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Sehr geehrter Herr Dr. Muller Wir haben (vgl. ebd., 321).

Der Anlagen- und Verteilervermerk hat auch seinen Platz: der Anlagenvermerk erfolgt nach dem Abstand unter der Unterschriftwiederholung in der linken Fluchtlinie, wahrend der Verteilervermerk nach einer Leerzeile danach erfolgt. Zum Schluss stehen die Geschaftsreferenzdaten am FuB des Briefes (siehe Abb. 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Darstellung der Geschaftsangaben (vgl. ebd., 321)

Was die Textbauplane (siehe Anhang: A 3 und A 3a) angeht, wird aus einem Beispiel des Schriftverkehrs beim Warenbezug reproduziert. Hier wird nur „die Anfrage" erwahnt (vgl. ebd., 317):

Inhalt und Aufbau der Anfrage:

- Angabe des Fundorts der Anschrift
- Grunde fur die Anfrage
- Inhalt der Anfrage (Beschreibung der gewunschten Ware bzw. Leistung, voraussichtliche Bezugsmenge, eventuelle Lieferzeit, Preis und Zahlungsbedingungen)
- Referenz (vgl. ebd., 317).

Daraus folgt, dass die Geschaftsbriefe eine bestimmte Normierung beinhalten bzw. beinhalten mussen (vgl. ebd., 317). Die Anfrage muss exakte Inhalte, Grunde sowie die Referenzen festlegen, wobei die Anfrage nach Koskensalo (2002, 78) zu den „Nicht-bindenden Textsorten bei Textproduzenteninteresse" gehort (vgl. Gueye 2004, 73).

Zusammenfassend ist die Analyse aus der didaktisch relevanten Sicht folgende:

Die morphologischen Besonderheiten der Textsorten der Fachsprache Wirtschaft sind viel reicher als die der beispielsweise naturwissenschaftlich-technischen Fachsprachen. In den Wirtschaftsberichten bzw. -nachrichten, den Geschaftsbriefen oder Magazintexten sind die Verb- Paradigmata teilweise und voll zu sehen (vgl. Buhlmann/ Fearns 2000, 322).

Die lexikalischen Besonderheiten sind mit einigen naturwissenschaftlich- technischen Disziplinen zu vergleichen:

- Mischterminologie
- terminologische Systeme
- der gleiche Lautkorper mit unterschiedlichen Begriffsinhalten, bspw. in Volkswirtschaft und in Betriebswirtschaft (vgl. ebd., 322).

Die syntaktischen Besonderheiten sind reicher, allerdings ist der Hauptsatzanteil geringer, als in den naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen. Es ist relevant zu erwahnen, dass die Anzahl von Hauptsatzen und Satzgefugen in Relation zum dargestellten Inhalt, zum personlichen Stil des Produzenten und zur Textsorte steht. Das ist besonders in den Zeitschriften, Zeitungen und Magazinen zu merken (vgl. ebd., 322).

Es wurde bereits gesagt, dass die wirtschaftswissenschaftlichen Textsorten zu den eher sprachlichen Kommunikationsverfahren tendieren, die besonders in den Geschaftsbriefen bzw. in den Fachzeitschriften zu beobachten sind, was allerdings eingeschrankt auch fur die Zeitung oder das Magazin gilt (vgl. ebd., 322).

Die Textbauplane sind zwar besonders in den Briefen zu sehen und zum Vergleich mit den naturwissenschaftlich-technischen Texten viel grower, allerdings sind sie in den Magazinen selten zu beobachten (vgl. ebd., 322).

Die Gliederungsmittel werden generell mehr gebraucht, das hangt aber von den benutzten Medien (Schreibautomat, Teletextschreibmaschine usw.) ab. Der Gebrauch von typo- und topographischen Gliederungsmitteln ist in den Magazintexten ebenso wie die erwahnten Textbauplane selten zu sehen (vgl. ebd., 322).

Generell ist die sprachliche Reduktion der Wirtschaftstextsorten im Vergleich zu den naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen, was die Allgemeinsprache angeht, geringer. Sie ist in den Denk- und Mitteilungsstrukturen der wissenschaftlichen Texte klar differenziert, aber beispielsweise in den Geschaftsbriefen eingeschrankt. Wenn es um einen „breites Publikum" geht, nimmt sie noch einmal ab. Besonders ist es in den Magazinen zu sehen, dass der Stil bzw. die Mitteilungsstrukturen haufig mit dem journalistischen Stil zu vergleichen sind (vgl. ebd., 323).

Daraus folgt, dass in den Wirtschaftstextsorten mit unterschiedlichen Sprachphanomenen und unterschiedlicher Sprachreduktion zu rechnen ist. Wenn man zum Beispiel auf sprachliche Einfachheit vergleicht, wird der Fachtext aus der Monographie/dem Handbuch einfacher sein, weil hier die sprachliche Reduktion am groBten ist. Bei den Kommunikationsverfahren sieht man, dass die sprachlichen Muster auch relativ abzahlbar sind. Die Textbauplane sind in ihrer Zahl gering und die Textstruktur mit den eingesetzten Gliederungsmitteln ist klar, wobei die angewandte Fachlexik terminologisiert ist. Die BWL-Fachzeitschrift ist in ihrer inhaltlichen Spezialisierung noch mit der Monographie zu vergleichen, beispielsweise durch „hochspezialisierte Lexik" oder „komplizierte Syntax". Anderes sieht es dem gegenuber bei der Zeitung oder dem Magazin aus. Hier kommen massenhaft ad hoc Bildungen bezuglich der Lexik und der Metaphern hinzu. Die Textbauplane sind bei der Zeitung noch klar, bei den Magazinen ist es nicht der Fall (vgl. ebd., 323-324).

Beim Leser wird bereits ein reich gespeichertes Alltagswissen im Bereich Wirtschaft vorausgesetzt, „[...] mit deren Inhalten der Text seinem Unterhaltungsbedurfnis gemaR in einer aufgemotzten Sprache spielt“ (Buhlmann/Fearns 2000, 324).

Demzufolge ist der Lerner in die Lage versetzt, eine breitzerstreute Grundlagenlexik des Bereiches Wirtschaft zu beherrschen. Grundlegend ist es relativ klar verstandlich, dass sich im Unterricht das Erlernen dieser Grundlexika mit den Fachtexten leichter gestalten lasst, als wenn zentral die Magazin- bzw. Zeitungstexte im Unterricht eingesetzt werden, da sie relativ unterschiedliche lexikalische Einheiten reprasentieren konnen (vgl. Buhlmann/Schaub/Schneider/Steglitz 1984, zit. in: ebd., 324).

Infolge dessen sollte man die fachbezogener, systematischer und qualitativ inhaltsorientierter Arbeit im Bereich Lexik fortgesetzt (vgl. Buhlmann/Fearns 2000, 324).

2.3 Zusammenfassung

Das Ziel dieses Kapitels ist es herauszufinden, was die Wissenschaftler unter den Begriffen Fachsprachen, Fachkommunikation und Fachtext definieren, und generell einen Einblick in diesen sehr komplexen Fachbereich zu schaffen. Die Fachsprachen selbst und auch die Fachsprache der Wirtschaft werden bis jetzt als „Terra incognita" in der Fachsprachenforschung bezeichnet; hinzu kommen verschiedene Grunde, seien es die neuen (zukunftigen) Facher bzw. Fachbereiche, wie es Lothar Hoffmann gemeint hat, oder verschiedene Meinungen der Wissenschaftler auf diesem Gebiet, die jedoch die Definitionen von Hoffmann akzeptiert haben (vgl. Gueye 2004, 33).

Demzufolge ergibt sich eine komplizierte Kette von Faktoren, die dazu beitragen, die Fachsprachen der Wirtschaft auch als einen „Komplex" zu sehen und zu akzeptieren, denn es „[...]kann von einer einheitlichen Fachsprache der„Wirtschaft“ uberhaupt nicht die Rede sein“ (vgl. Frenser 1991, 126, zit. nach: Gueye 2004, 22).

Genauso wird wissenschaftlich versucht, die Textsorten der Fachsprache Wirtschaft an eine Schichtung mit Hilfe von vorgeschlagenen Schemas anzupassen. Das ist sehr kompliziert, wegen der problematischen Abgrenzbarkeit der Schichten gegeneinander, wie bei Hoffmann, oder wegen der Konzentration der Schichtmodelle auf den Fachwortschatz, wie bei Mackensen/Ischreyt (vgl. Ohnacker 1992, 37).

In der Zukunft soll sich die Fachsprachenforschung auf diesem Gebiet noch mehr engagieren, damit man die Textsorten als didaktische Chance fur die Fachsprachen- Vermittlung ansehen und verwenden kann (vgl. Fearns 1996, 501f.). Dabei muss man bestimmte Adressatengruppe unterscheiden, an die diese Textsorten gerichtet sind, beispielsweise Studierende oder Absolventen von Hochschulen, die bereits einige Fachsprachenkenntnisse aus ihrem Studium haben. Bei der Planung und Erstellung des Lehrmaterials sollten die Textsorten so analysiert werden, dass sie sprachliche, landeskundliche und strategische Lernziele beinhalten (vgl. ebd., 502-503).

Dies kann allerdings nur dann gelingen, wenn die theoretischen Erkenntnisse der Fachsprachenforschung gewonnen sind und dies in Bezug auf Deutsch als Fachsprache eine didaktisch-praktische Anwendung findet. Daruber wird im folgenden Kapitel diskutiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Aspekte im fachkommunikativen Fremdsprachenunterricht
Untertitel
Ein studienvorbereitender Deutschkurs Wirtschaftsdeutsch
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
110
Katalognummer
V167059
ISBN (eBook)
9783668805408
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Interkulturelle Aspekte, Kulturelle Merkmale Verfahren, Fremdsprachendidaktik, Interkulturelle Kommunikation und Wirtschaftskommunikation, Analyse der interkulturellen Aspekte in Texten, Ergebnisse des Interviews am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Untersuchungsergebnisse der kulturellen Aspekte, Deutsch als Fremdsprache, Fachsprache, Schichtung der Fachsprachen, Wirtschaftssprache, Zur Situation des fachkommunikativen Unterrichts, Lernvoraussetzungen des Lerners im fachkommunikativen Unterricht, Kulturbegriff nach Claus Altmayer, Kultur und Wirtschaft nach Jürgen Bolten, Interkulturelle Missverständnisse und Metakommunikation, Interkulturelle Aspekte in den Wirtschaftstexten, Methoden der Kulturanalyse nach Bolten, Verfahren der kulturwissenschaftlichen Textanalyse nach Altmayer, Anforderungen an den Lehrer des fachkommunikativen Unterrichts, Interkulturelle Aspekte im fachkommunikativen Fremdsprachenunterricht, Studienvorbereitender Deutschkurs Wirtschaftsdeutsch
Arbeit zitieren
Anna Kersten (Autor), 2009, Interkulturelle Aspekte im fachkommunikativen Fremdsprachenunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167059

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