In einer komplex globalen Welt, in der Wettbewerbsdruck stetig wächst, nimmt die Bedeutung ökonomischer Ziele den ersten Platz der Tagesagenda ein. Transparenz bleibt eine verdeckte Karte des Unternehmens. Heutzutage handelt es sich weniger um einseitige Geschäfte, mehr um eine Wechselbeziehung zwischen Unternehmen und der Allgemeinheit. Angesichts dessen reicht eine alleinige Qualitätssicherung von Produkten mittlerweile nicht mehr aus. Erwartungen an ethische Tendenzen werden zunehmend in den Vordergrund gestellt. Das Bewusstsein für Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit steigt. Weiterhin wird eine Welle der Umstrukturierung von Unternehmen erwartet.
Alleine das Profitstreben wird die Unternehmensexistenz nicht fortwähren. Daher sind unternehmensethische Grundsätze eine Notwendigkeit. In ihr liegt der Schlüssel zu einer langanhaltenden Wirtschaftlichkeit und einer langfristigen Kundschaft. Mithilfe unternehmensethischer Werkzeuge wird nicht nur das Vertrauen der Abnehmer, Stakeholder oder der Mitarbeiter gewonnen, sondern auch die Basis für ein besseres Zusammenleben geschaffen. Dafür bedarf es gewissen Instrumenten und Selbstverpflichtungen, mit der Konfliktfelder verdrängt werden. Ferner liegt der Fokus auch auf große Sachverhalte, sogenannte ‚hot topics‘ wie der menschengemachte Klimawandel und Verunreinigung von Wasser.
In diesem Sinne wird folglich die Unternehmensethik mit ihren theoretischen Prämissen auf die praktische Basis versetzt und eingegrenzt. Diese Theorie umschließt außer der Grundlagenethik ebenso Ziele, Instrumente und Konfliktthemen der Unternehmensethik. Methodische Eingrenzung folgt mit dem Fallbeispiel anhand des Großkonzerns Nestlé. Das Unternehmen selbst sowie ihre ethischen Grundsätze werden analysiert, bewertet und in einen kritischen Kontext versetzt. Mithilfe der These „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral“ wird näher auf die zentrale Themenstellung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Grundlagen der Unternehmensethik
- 2.1 Begriffserklärung
- 2.1.1 Ethik, Ethos und Moral
- 2.1.2. Werte und Normen
- 2.1.3. Wirtschafts- und Unternehmensethik
- 2.2. Ethische Grundsätze
- 2.2.1 Entstehungsgeschichte der Ethik
- 2.2.2. Ethik als strategischer Erfolgsfaktor
- 2.3 Ziele und Relevanz der Unternehmensethik
- 2.4. Instrumente der Unternehmensethik
- 2.4.1. Corporate Identity (CI) und Integrity Code
- 2.4.2. Wertemanagement
- 2.4.3. Corporate Social Responsibility (CSR)
- 2.4.4. Stakeholder-Dialog
- 2.5. Beispielhafte Themen
- 2.5.1. Korruption
- 2.5.2. Preispolitik
- 2.5.3. Insidergeschäfte
- 2.1 Begriffserklärung
- 3 Nestlé: Unternehmensprofil
- 4 Analyse und Bewertung der Unternehmensethik bei Nestlé
- 4.1. Ethische Kontroversen
- 4.1.1. Umweltbelastung
- 4.1.2. Babynahrung-Skandal
- 4.1.3. Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit
- 4.2. Maßnahmen von Nestlé zur Verbesserung ihrer Unternehmensethik
- 4.2.1. Zielmanagement
- 4.2.2. Corporate Social Responsibility (CSR)
- 4.3. Kritische Reflexion: Widersprüche zwischen Realität und Erwartungen bei Nestlé
- 4.1. Ethische Kontroversen
- 5 Thesendiskussion: „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“
- 6 Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung der Unternehmensethik anhand theoretischer Prämissen auf eine praktische Basis zu übertragen und am Anwendungsbeispiel des Großkonzerns Nestlé zu verdeutlichen. Dabei werden die ethischen Grundsätze des Unternehmens analysiert, bewertet und in einen kritischen Kontext zur These „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral“ gesetzt.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte der Ethik und Unternehmensethik
- Ziele, Relevanz und Instrumente der Unternehmensethik
- Beispielhafte Konfliktthemen wie Korruption, Preispolitik und Insidergeschäfte
- Detaillierte Analyse und Bewertung der Unternehmensethik bei Nestlé
- Untersuchung von Nestlés Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmensethik
- Kritische Reflexion von Widersprüchen zwischen Nestlés ethischen Ansprüchen und der Realität
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffserklärung
Ethik stammt aus dem griechischen ‚ta ethika‘ und bezeichnet die Sittenlehre, während es in einigen Quellen als ‚Ethos‘ aus dem Altgriechischen definiert wird, was so viel wie Sitte, Brauch und Gewohnheit bedeutet. Angesichts dessen formuliert Ethik im weiten Sinne eine wissenschaftliche Disziplin (Sittenlehre) und im engeren Sinne die individuelle Haltung und Einstellung von Personen oder Gruppen (Ethos). Einerseits handelt es sich um kollektive Wertvorstellungen und andererseits um einzel- und gruppenspezifische Haltungen¹.
Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie, die sich mit dem menschlichen Handeln, ihren Handlungsgründen und dessen reflektierte Bewertung beschäftigt. Der Kern dieses philosophischen Denkens liegt im Grunde darin, inwiefern ein Handeln als gut klassifiziert wird und wie diese im Alltag ihren Gebrauch findet. Zuerst werden Wertevorstellung reflektiert, um schließlich begründbare Regeln abzuleiten. Der Mensch bezieht also eine moralische Haltung, indem er ethische Maßstäbe beansprucht und nach ihnen lebt.
Der Begriff Moral stammt aus dem lateinischen ‚mos‘, was ebenso Sitte und Brauch bedeutet. Anzumerken ist, dass Ethik und Moral im Kern ähnlich sind, in ihrer Bedeutung und den Gebräuchen jedoch eine gewisse Diskrepanz aufweisen. Der Unterschied liegt im Folgenden: Moral ist ein unbegründetes System von Normen, Werten, Kulturen und Verhaltensweisen, die unbewusst auf die Gesellschaft und das Zusammenleben übertragen werden. Das ‚Dürfen‘ und das ‚Nicht-Dürfen‘ entsteht daraus. Im Gegensatz dazu referiert Ethik auf die persönliche Haltung und die Handlung selbst. Daher „[ist Ethik] die theoretische Reflexion von Moral, die wieder auf die Praxis einwirkt.“². Somit herrscht bei allen drei Begriffen Wechselwirkung, die aufeinander wirken.
Der Mensch leitet aus der eigenen Wertvorstellung eine Norm ab, dessen Allgemeingültigkeit dem Individuum als solche und der Gesellschaft zugeschrieben werden kann. Normen (lat. ‚norma‘, Regel) sind konkrete Handlungsvorschriften der Gemeinschaft in bestimmten Situationen und können in Form von Gesetzen, Bräuchen und Richtlinien vorkommen. Daraus erschließen sich Sätze wie: „Du sollst nicht lügen.“. Werte jedoch dienen der allgemeinen Orientierung von Zielvorstellungen für das Handeln. Daraus ergeben sich Werte wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Verantwortung und Gesundheit, dessen Gewichtung individuell nach Präferenzen ist³.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die steigende Bedeutung der Unternehmensethik in einer komplexen Welt ein und betont, dass Profitstreben allein nicht ausreicht. Es skizziert die methodische Eingrenzung der Arbeit auf das Fallbeispiel Nestlé und die These „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral“.
2 Grundlagen der Unternehmensethik: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Ethik, Ethos, Moral, Werte und Normen und grenzt Wirtschafts- von Unternehmensethik ab. Es beleuchtet die Entstehungsgeschichte und die Relevanz von Ethik als strategischen Erfolgsfaktor sowie wichtige Instrumente und beispielhafte Konfliktthemen wie Korruption, Preispolitik und Insidergeschäfte.
3 Nestlé: Unternehmensprofil: Dieses Kapitel stellt Nestlé als weltgrößten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller vor, beleuchtet seine Geschichte, globale Präsenz, Finanzkennzahlen und die Unternehmensphilosophie.
4 Analyse und Bewertung der Unternehmensethik bei Nestlé: Das Kapitel analysiert verschiedene ethische Kontroversen von Nestlé, darunter Umweltbelastung, der Babynahrung-Skandal sowie Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit, und beleuchtet Nestlés Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmensethik. Es schließt mit einer kritischen Reflexion über die Widersprüche zwischen den ethischen Ansprüchen und der Unternehmensrealität.
5 Thesendiskussion: „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz der These im Kontext von Nestlés Handeln, indem es die Korrelation von unternehmensethischem Handeln und wirtschaftlichem Interesse beleuchtet. Es wird erörtert, inwiefern Nestlé zwischen wirtschaftlichem Überleben und moralischen Grundsätzen navigiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Unternehmensethik ein Gleichgewicht aus Moral und Wirtschaft erfordert, da wirtschaftliches Streben ohne moralische Grundsätze die Existenz gefährdet. Es wird betont, dass Nestlé weiterhin an Glaubwürdigkeit gewinnt, wenn es Strategien tatsächlich umsetzt und Transparenz fördert.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Ethik, Moral, Nestlé, Corporate Social Responsibility (CSR), Nachhaltigkeit, Korruption, Babynahrungsskandal, Arbeitsbedingungen, Umweltbelastung, Wertemanagement, Stakeholder-Dialog, Wirtschaftsrecht, Compliance, Creating Shared Value
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung der Unternehmensethik, indem sie deren theoretische Grundlagen beleuchtet und ihre praktische Anwendung kritisch am Beispiel des Großkonzerns Nestlé analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Begriffserklärung von Ethik und Moral, die Grundlagen und Instrumente der Unternehmensethik, beispielhafte Konfliktthemen sowie eine detaillierte Analyse und kritische Bewertung der Unternehmensethik bei Nestlé.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Unternehmensethik mit ihren theoretischen Prämissen auf eine praktische Basis zu übertragen, ethische Grundsätze von Nestlé zu analysieren und zu bewerten, sowie die zentrale Themenstellung mithilfe der These „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral“ zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine methodische Eingrenzung durch ein Fallbeispiel (Nestlé), um theoretische Prämissen der Unternehmensethik auf die praktische Basis zu versetzen und zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der Unternehmensethik, ein Unternehmensprofil von Nestlé, eine Analyse und Bewertung der Unternehmensethik bei Nestlé inklusive ethischer Kontroversen und Verbesserungsmaßnahmen, sowie eine Thesendiskussion zur Rolle von Moral und Wirtschaft bei Nestlé.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Unternehmensethik, Nestlé, Moral, Ethik, Corporate Social Responsibility (CSR), Nachhaltigkeit, Korruption, Babynahrungsskandal, Arbeitsbedingungen und Umweltbelastung charakterisieren die Arbeit.
Was besagt die These „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“ im Kontext dieser Arbeit?
Die These zieht Rückschlüsse auf die Korrelation von unternehmensethischem Handeln und wirtschaftlichem Interesse bei Nestlé und hinterfragt, ob die Wirtschaftlichkeit und Expansion Vorrang vor ethisch-moralischen Selbstansprüchen haben.
Welche ethischen Kontroversen werden im Zusammenhang mit Nestlé diskutiert?
Im Zusammenhang mit Nestlé werden ethische Kontroversen wie Umweltbelastung (Plastikverschmutzung), der Babynahrung-Skandal (Förderung von Milchpulver statt Muttermilch, Zuckerzusatz) und kritische Arbeitsbedingungen inklusive Kinderarbeit behandelt.
Wie versucht Nestlé, seine Unternehmensethik zu verbessern?
Nestlé versucht, seine Unternehmensethik durch Compliance-Systeme, höhere Recycling-Quoten, umweltfreundlichere Verpackungen, nachhaltige Ressourcenbeschaffung sowie Programme wie den „Nestlé-Cacao-Plan“ und Partnerschaften zur Förderung von Menschenrechten zu verbessern.
Welche Rolle spielen Corporate Social Responsibility (CSR) und Wertemanagement in der Unternehmensethik?
Corporate Social Responsibility (CSR) befasst sich mit der sozialen Verantwortung und Nachhaltigkeit eines Unternehmens, während Wertemanagement für die praktische Anwendung und Integration unternehmerischer Werte in den Alltag mittels Instrumenten wie Code of Conduct und Compliance sorgt.
- Citation du texte
- Melike Karatas (Auteur), 2025, Bedeutung der Unternehmensethik verdeutlicht am Anwendungsbeispiel Nestlé, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1670672