Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Frage, wie Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem verwirklicht werden kann und ob ein Reformbedarf insbesondere im Bereich der Hauptschulen besteht. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Bildung in Deutschland stark von sozialer Herkunft und strukturellen Gegebenheiten geprägt ist. Aufbauend auf der Gerechtigkeitstheorie von Ronald Dworkin wird untersucht, inwiefern Chancengleichheit und Ressourcengerechtigkeit innerhalb des bestehenden Systems realisierbar sind. Durch die Analyse historischer Entwicklungen, bildungspolitischer Rahmenbedingungen und internationaler Vergleichsstudien, insbesondere mit dem schwedischen Schulsystem, wird deutlich, dass die Hauptschule ein Symptom tieferliegender Ungleichheiten darstellt. Ziel der Arbeit ist es, Wege aufzuzeigen, wie Bildungsgerechtigkeit als gesellschaftliches Leitprinzip gestärkt und strukturelle Barrieren im Bildungswesen abgebaut werden können.
Die Bachelorarbeit untersucht den Reformbedarf des deutschen Bildungssystems am Beispiel der Hauptschule. Im Zentrum steht die Frage, wie nach Ronald Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit mehr Bildungsgerechtigkeit verwirklicht werden kann. Anhand historischer Entwicklungen, bildungspolitischer Analysen und internationaler Vergleiche – insbesondere mit dem schwedischen Schulsystem, zeigt die Arbeit, dass mangelnde Durchlässigkeit, soziale Selektivität und fehlende individuelle Förderung zentrale Ursachen für Bildungsungleichheit sind und grundlegende Reformen erfordern.
Inhaltsverzeichnis
- Abstract
- Einleitung
- 1. Das Bildungssystem in Deutschland
- 1.2 Die Stufen und die Organisation des derzeitigen Bildungswesen
- 1.3 Bildungsziele
- 2. Ausgewählte Theorien der Bildungsgerechtigkeit
- 2.1 Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit
- 2.2 Befähigungsansätze
- 3. Internationale Vergleiche
- 3.1 Überblick über Vergleichsstudien und Kernergebnisse
- 3.3 Das Schwedische Bildungssystem
- 4. Spezifika des Bildungssystem in Deutschland – am Beispiel der Hauptschule
- 4.1 Theorie und Legitimation der Hauptschule
- 4.2 Wirklichkeit der Hauptschulen
- 4.3 Die „attraktiven“ Hauptschulen
- 5. Alternative Schulformen und ihre Beurteilung
- 5.1 Gesamtschulen
- 5.1.1 integrierte Gesamtschule
- 5.1.2 kooperative Gesamtschule
- 5.2 Erweiterte Bildungsangebote
- 5.3 Vorschläge aus der Bildungsökonomik
- 5.1 Gesamtschulen
- 6. Zusammenfassung der Ergebnisse
- Abkürzungsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht den Reformbedarf im Bereich der Hauptschulen in Deutschland vor dem Hintergrund der Bildungsgerechtigkeit. Sie stellt die zentrale Forschungsfrage, ob nach der Theorie Ronald Dworkins mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem verwirklicht werden kann, insbesondere im Hinblick auf die Hauptschule als einen Schultyp mit spezifischen Herausforderungen.
- Analyse des deutschen Bildungssystems, seiner historischen Entwicklung und seiner aktuellen Struktur.
- Tiefe Auseinandersetzung mit Ronald Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit, einschließlich Wohlergehensgleichheit und Ressourcengleichheit.
- Vergleichende Betrachtung internationaler Bildungssysteme und die Rolle der PISA-Studien als Indikator für Reformbedarf.
- Spezifische Untersuchung der Hauptschule in Deutschland, ihrer Legitimation und der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
- Erörterung alternativer Schulformen wie Gesamtschulen und erweiterter Bildungsangebote.
- Entwicklung von Reformvorschlägen zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem.
Auszug aus dem Buch
2.1 Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit
Gerechtigkeit kann, wie schon oben erwähnt, unterschiedlich interpretiert werden. Ronald Dworkins Theorie zur Gerechtigkeit bezieht sich auf eine politische und ökonomische Ebene; dabei stehen die Wohlergehensgleichheit und die Ressourcengleichheit im Vordergrund (vgl. Dworkin 2000, S.82). Hierbei werden am Anfang seines Buches „Was ist Gleichheit“ die Zwei Theorien von Gleichheit, die er als Chancengleichheit sieht, definiert (vgl. Dworkin 2000, S.7-8).
Die erste Theorie Dworkins - die Wohlergehensgleichheit - sieht vor, dass Menschen erst dann gleich behandelt werden, wenn das Verteilungssystem die Ressourcen so verteilt, dass das Niveau des Wohlergehens jedes einzelnen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wird (vgl. Dworkin 2000, S.8).
Die zweite Theorie - unter dem Begriff „Ressourcengleichheit“ bekannt – beschreibt das gleiche Prinzip wie die der Theorie der Wohlergehensgleichheit, nur, dass dabei der Anteil an Ressourcen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wird (vgl. Dworkin 2000, S.8). Hierbei ist zu erwähnen das Dworkin seine Theorie selbst kritisiert: „Beide Theorien sind so, wie ich sie gerade dargestellt habe, sehr abstrakt, da, wie wir noch sehen werden, es viele Interpretationen davon gibt, was Wohlergehen bedeutet, und auch verschiedene Theorien darüber, was als Ressourcengleichheit gelten kann“ (Dworkin 2000, S.8)
Die Implikationen von den beiden Begriffen Wohlergehen und Ressourcen werden nun im folgenden Teil im Sinne Dworkins erläutert. Es wird darauf zu achten sein welche der Ansätze Dworkins bei der bevorstehenden Betrachtung des Bildungssystems zur Anwendung kommen können.
Wohlergehensgleichheit: Das Konzept der Wohlergehensgleichheit wird von Dworkin mit zwei verschiedenen Ansätzen angegangen: Erstens „die Erfolgstheorien des Wohlergehens; und zweitens - „die Bewusstseinstheorie“ (vgl. Dworkin 2000, S.14-16). Bei der ersten Gruppe, geht es um das Wohlergehen einer Person, das davon abhängt inwiefern die individuellen Präferenzen, Ziele und Ambitionen erreicht werden. Da aber jeder Mensch unterschiedliche Präferenzen hat, gibt es jeweils unterschiedliche Erfolgsgleichheiten. Präferenzen bezieht Dworkin auf die Verteilung von Gütern, Ressourcen und Chancen innerhalb der Gemeinschaft (vgl. Dworkin 2000, S.14ff).
Präferenzen unterteilt er in drei Versionen, nämlich in die politischen, die unpersönlichen und die persönlichen Präferenzen: Die erste wären die politischen Präferenzen, die eine Art von formalen politischen Theorien sind, welche vorsieht, dass die Güter nach Verdienst und Leistung verteilt werden sollen. Bei den unpersönlichen Präferenzen beziehen sich die persönlichen Situationen und Lage auf andere „Dinge“ (Dworkin 2000, S.15) als ihr eigenes Leben und deren andere. Hierzu erwähnt Dworkin eine Bespiel: „Einige Menschen interessieren sich ungemein für den Fortschritt der Wissenschaft, obwohl es nicht sie selbst sein werden [...], die diesen Fortschritt hervorbringen werden, während andere sich ebenso stark für den Erhalt gewisser Arten von Schönheit einsetzten, die sie selbst nie zu Gesicht bekommen werden“ (Dworkin 2000, S.15)
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Das Bildungssystem in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, die unterschiedlichen Stufen und die Bildungsziele des deutschen Schulsystems und hebt die föderalistische Prägung hervor.
Kapitel 2: Ausgewählte Theorien der Bildungsgerechtigkeit: Hier werden verschiedene Gerechtigkeitsformen vorgestellt, wobei ein besonderer Fokus auf Ronald Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit mit den Konzepten der Wohlergehensgleichheit und Ressourcengleichheit liegt.
Kapitel 3: Internationale Vergleiche: Das Kapitel untersucht die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien wie PISA und stellt das schwedische Bildungssystem als ein mögliches Vorbild für mehr Bildungsgerechtigkeit dar.
Kapitel 4: Spezifika des Bildungssystems in Deutschland – am Beispiel der Hauptschule: Es werden die Theorie, Legitimation und die Realität der Hauptschulen beleuchtet sowie das Konzept der „attraktiven“ Hauptschulen untersucht.
Kapitel 5: Alternative Schulformen und ihre Beurteilung: In diesem Kapitel werden die Konzepte von Gesamtschulen (integriert und kooperativ), erweiterte Bildungsangebote und Vorschläge aus der Bildungsökonomik als alternative Schulformen bewertet.
Kapitel 6: Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, bezieht sie auf Dworkins Theorie und formuliert umfassende Reformvorschläge für die Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem.
Schlüsselwörter
Bildungsgerechtigkeit, Bildungssystem, Hauptschulen, Reformbedarf, Deutschland, Ronald Dworkin, Chancengleichheit, Wohlergehensgleichheit, Ressourcengleichheit, PISA-Studie, Schwedisches Bildungssystem, Gesamtschulen, Bildungsökonomie, Schulreform, Bildungsziele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit im deutschen Bildungssystem, insbesondere dem Reformbedarf im Bereich der Hauptschulen. Es wird untersucht, inwiefern Chancengleichheit gemäß der Theorie Ronald Dworkins erreicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind das deutsche Bildungssystem und seine Geschichte, Theorien der Bildungsgerechtigkeit (insbesondere Dworkins Ansatz), internationale Vergleiche (z.B. PISA-Studien und das schwedische System) sowie die Analyse von Hauptschulen und alternativen Schulformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob nach der Theorie Ronald Dworkins mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem verwirklicht werden kann, insbesondere im Hinblick auf den Reformbedarf der Hauptschulen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Gerechtigkeitskonzepten, einer vergleichenden Studie verschiedener Bildungssysteme und einer Analyse bestehender Forschungsergebnisse und Berichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Struktur und Ziele des deutschen Bildungssystems, ausgewählte Theorien der Bildungsgerechtigkeit, internationale Bildungsvergleiche, die Spezifika der Hauptschule sowie alternative Schulformen und darauf aufbauende Reformvorschläge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildungsgerechtigkeit, Bildungssystem, Hauptschulen, Reformbedarf, Deutschland, Ronald Dworkin, Chancengleichheit, PISA-Studie, Schwedisches Bildungssystem, Gesamtschulen.
Inwiefern spielt Ronald Dworkins Theorie eine Rolle für die Bildungsgerechtigkeit im deutschen System?
Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit, insbesondere seine Konzepte der Wohlergehensgleichheit und Ressourcengleichheit, dienen als theoretischer Rahmen, um die Gerechtigkeit der Ressourcenverteilung und der individuellen Förderchancen im deutschen Bildungssystem zu bewerten.
Welche Rolle spielen die PISA-Studien für die Diskussion um Reformen im deutschen Bildungssystem?
Die PISA-Studien haben maßgeblich den "PISA-Schock" ausgelöst und offengelegt, dass das deutsche Bildungssystem Defizite in Bezug auf Chancengleichheit und die Leistungen von Schülern aus sozioökonomisch benachteiligten Schichten aufweist, was zu intensiven Reformdiskussionen führte.
Welche Merkmale des schwedischen Bildungssystems dienen als Vorbild für mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland?
Das schwedische Bildungssystem wird als Vorbild genannt, weil es ein flexibles, unselektives System ist, das Selektionsprozesse erst nach dem neunten Schuljahr stattfinden lässt und sich auf frühzeitige individuelle Fördermaßnahmen konzentriert, um Chancengleichheit zu garantieren.
Warum wird die Hauptschule im Kontext von Bildungsgerechtigkeit besonders kritisch betrachtet?
Die Hauptschule wird kritisch betrachtet, da sie historisch als „Schule des gesamten Volkes“ konzipiert, aber faktisch zu einer schichtenspezifischen „Sackgasse“ wurde, die Lerninhalte reduzierte und Schwierigkeiten hatte, höhere Bildungswege zu ebnen, was ihrer Attraktivität und Legitimation schadete.
- Citation du texte
- David Gomez Garcia (Auteur), 2012, Bildungsgerechtigkeit im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1670684