Der 11. September und seine Folgen: Kann die amerikanische Außenpolitik mit dem Neorealismus erklärt werden?


Hausarbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der 11. September 2001
2.1. Die historischen Ereignisse
2.2. Der asymmetrische Angriff Neue Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

3. Die Neuordnung des internationalen Systems
3.1. Der Krieg gegen Afghanistan
3.2. Die Achse des Bösen und der Irakkrieg

4. Der Neorealismus
4.1. Die Theorie von Kenneth Waltz

5. US-Außenpolitik im Sinne des Neorealismus?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Der Gang der Geschichte entscheidet sich bisweilen an einem Tag oder auch nur innerhalb weniger Stunden. Die Geschicke der Welt nehmen nach einem solchen Tag einen anderen Verlauf.“[1]

Der 11. September ist zweifellos solch ein historischer Tag. Der Lauf der Geschichte wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts schlagartig in eine neue Richtung gelenkt. Er hat nicht nur Fragen von Krieg und Frieden, Sicherheit und nationale Stabilität auf das Parkett der politischen Debatten zurückgebracht, sondern auch das internationale System verändert. Dieses hatte nach dem 2. Weltkrieg und vor allem nach dem Ost-West-Konflikt liberale Werte verinnerlicht. Frieden und Demokratie waren die obersten Gebote der sich entwickelten Zusammenarbeit. Die historischen Erfahrungen sollten sich nicht wiederholen, was durch eine weltweite Verflechtung und Kooperation verwirklicht werden sollte. Auf wirtschaftlicher, politischer, militärischer und völkerrechtlicher Ebene wurden internationale Organisationen wie die NATO, die UNO, die WTO oder die EU gegründet, die durch Verträge und Kontrollen eine Plattform für Zusammenarbeit ermöglicht haben, auf der anderen Seite aber auch eine Souveränitäts- und Selbstbeschränkung für die Nationalstaaten bedeuten.

Fraglich ist, ob dieses System nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 so noch Bestand haben kann. Der Grund dafür ist die uneingeschränkte Macht, die die USA in diesem innehält. Das internationale Staatensystem hängt maßgeblich von der Politik dieser Hegemonie ab. Somit ist die reaktionäre Außenpolitik richtungsweisend für die zukünftige internationale Ordnung und daher auch zentrale Analysekategorie dieser Hausarbeit.

Die Theorien der internationalen Beziehungen setzten sich seit dem 1. Weltkrieg mit der Beschaffenheit des internationalen Systems auseinander und werden in ihrem Denken stark von historischen Ereignissen geprägt. Der Neorealismus als eine dieser Theorien wurde zwar bereits in den 70er Jahren entwickelt, hat jedoch trotz nicht endender Kritik an Aktualität nicht verloren. Der von dieser Theorie geprägte Begriff der Sicherheit stand selten so im Mittelpunkt wie nach dem 11. September.

Die Aufgabe dieser Hausarbeit soll es demnach sein, den 11. September 2001 auf seine historischen Ereignisse hin zu untersuchen, da dieser Tag den Startpunkt der folgenden Politik der USA bildet. Diese wird im dritten Teil vor allem auf die Sicherheits- und Außenpolitik hin analysiert mit dem Fokus auf den Afghanistan- und den Irakkrieg. Ziel ist es dabei herauszufinden, inwieweit sich das internationale System durch diese Politik gewandelt hat. Der vierte Teil befasst sich mit dem angesprochenen Neorealismus. Hierbei wird die Theorie von Kenneth Waltz betrachtet, da er als deren Begründer gilt. Ziel der Arbeit soll sein, die Frage zu beantworten, ob die Politik der USA im Sinne des Neorealismus geführt wurde.

2. Der 11. September 2001

2.1. Die historischen Ereignisse

Der 11. September 2001 hat die Welt verändert. Mit ihm begann ein neuer historischer Zeitabschnitt. Der Frieden, den der Westen nach Ende des Kalten Krieges genießen konnte, war nun vorbei. Der Konflikt zwischen islamischen Terroristen und der westlichen Gesellschaft hat mit den Anschlägen eine neue Dimension angenommen. Die letzte verbliebene Weltmacht wurde auf eine Art angegriffen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Fast 3000 Menschen starben an einem Tag binnen weniger Stunden.[2]

19 Terroristen des Netzwerkes Al-Qaida entführten am Morgen vier Passagierflugzeuge. Sie hatten das Ziel „aus den Verkehrsflugzeugen tödliche Lenkwaffen zu machen, welche die Zentralen der politischen und ökonomischen Macht der USA zerstören sollten.“[3]

Um 8:46 und 9:03 wurden zwei der Maschinen in die beiden Türme des World Trade Centers gelenkt, wo die mit Kerosin gefüllten Tanks explodierten. Gegen zehn bzw. halb elf stürzten beide Türme ein. Die dritte Maschine flogen die Terroristen ins Pentagon, die vierte stürzte auf einem Feld in Pennsylvania ab.[4]

Amerika war Opfer von islamischen Terroristen geworden, die ihren Hass auf den Westen zum Ausdruck brachten. Die USA hatten Kriege in Vietnam und Korea geführt und auch terroristische Anschläge gab es in den letzten Jahren, doch fanden diese weit ab des amerikanischen Bodens statt. „ Doch dann, am 11. September 2001, wurden binnen einer Stunde fast 3000 Menschen auf amerikanischem Boden getötet. Eine extreme Demonstration der Waffen der Schwachen. Sie erfüllte die Starken mit Angst.“[5]

Mit den Anschlägen wurde die einzige Weltmacht mit dem Status einer Hegemonie auf eigenem Territorium angegriffen. Die USA steht für Freiheit, Macht, Wohlstand und Kapital. Der Mythos des amerikanischen Traums, er gilt noch heute. New York bildet die Wirtschaftsmetropole der USA. Wie kaum eine zweite steht die Stadt für Fortschritt, Technik und Information. Die Börse boomte, Spekulationen nahmen ihren Lauf, der Kapitalismus hatte seinen Höhepunkt erreicht.[6] Die Anschläge trafen den Kern dieser Überlegenheit und Stärke. Das World Trade Center und das Pentagon waren Symbole für die militärische und wirtschaftliche Supermacht. Diesen Status hat die USA auch nach dem 11. September nicht verloren, denn die Terroristen hatten nicht die Mittel strategisch etwas auszurichten. Doch konnten sie eine enorme psychologische Wirkung erreichen. Das Sicherheitsgefühl war erschüttert und durch Angst und Unsicherheit ersetzt worden.

Die USA standen damit einer nie dagewesenen Situation gegenüber. Es gab keinen klassischen kriegerischen Angriff. Der Terrorismus bedeutete einen asymmetrischen Anschlag, der eine ganz neue Herausforderung bedeutete. „Der 11. September brachte etwas völlig Neues.“[7]

2.2. Der asymmetrische Angriff

Die neue Herausforderung des 21. Jahrhunderts

Das Neue an der Herausforderung ist nicht der Terrorismus an sich, denn dieser existiert bereits seit den 90er Jahren. Das Neue ist die Dimension, die dieser mit den Anschlägen am 11. September angenommen hat. Generell bedeutet Terrorismus eine Gewaltstrategie, zur Umsetzung politischer Ziele. Durch diesen ist die klassische Struktur eines Krieges aufgehoben, denn es herrscht ein asymmetrischer Konflikt, bei dem sich ein Staat und ein nicht-staatlicher Akteur gegenüberstehen. Die Terroristen versuchen daher mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, ein größtmögliches Ergebnis zu erzielen. Der psychologische Effekt ist dabei am wichtigsten, denn der Gegner soll geschockt und verängstigt aber auch zum Handeln gebracht werden. Durch eine Gegenreaktion versuchen die Terroristen in die Rolle des Angegriffenen zu schlüpfen, um den Gegner als aggressiv und bedrohlich aussehen zu lassen.

Mit Hilfe der Globalisierung waren die Terroristen in der Lage weltweite Netzwerke zu stricken und Mitglieder zu rekrutieren. Der Hass gegen die westliche Welt, gegen deren Dominanz und Einfluss konnte somit eine neue Dimension finden. Nie zuvor hatte ein Terroranschlag mehr Zerstörung und Tote verursacht. Ziel war somit nicht mehr nur eine größtmögliche Aufmerksamkeit, sondern auch eine größtmögliche Opferzahl.

Neu war außerdem zum einen die Instrumentalisierung der Medien, durch die die Anschläge in Echtzeit verfolgt werden konnten, zum anderen war die USA noch nie Schauplatz eines Terroranschlages geworden.[8]

Das Ziel einer Reaktion der USA war durch die Anschläge erreicht, denn Präsident George Bush machte bereits am selben Tag deutlich, dass er dem Terrorismus offensiv begegnen wolle. Fraglich war jedoch, wie solch eine offensive Reaktion gegen diese neue Dimension des Terrorismus aussehen sollte. Welche Mittel konnten dabei eingesetzt werden? Diplomatie, Sanktionen oder Krieg? Wer stellte dabei den Gegner und wo und wie konnten man sich ihm gegenüber stellen?[9]

3. Die Neuordnung des internationalen Systems

3.1. Der Krieg gegen Afghanistan

„The best – and, in some cases, the only – defense is a good offense. “[10]

Diese Worte des Verteidigungsministers Donald Rumsfelds wiesen den Weg, den die USA nach den Anschlägen gehen würden. Diplomatie und Sanktionen waren für die Bush-Regierung keine Optionen. Sie sah sich im Krieg gegen den Terrorismus, der die Sicherheits- und Außenpolitik der nächsten Jahre bestimmen sollte. Das Hauptaugenmerk lag dabei in dem Ziel, die Vormachtstellung der USA in der Welt sicherzustellen, mit Hilfe militärischer Stärke.[11]

Unmittelbar nach den Anschlägen wurde das Terrornetzwerk Al-Qaida und ihr Anführer Osama bin Laden für die Anschläge verantwortlich gemacht und zum Ziel der Bekämpfung ernannt. Nach Angaben George Bushs hielt sich die Al-Qaida Spitze in Afghanistan auf, wo auch die Hauptausbildung von Terroristen stattfand.[12] Der Gegner war somit identifiziert. Obwohl die Terroristen einen nicht-staatlichen Akteur darstellen, wurde ein Krieg gegen einen Staat, nämlich Afghanistan geführt. Die Bush-Regierung hob damit das Dilemma eines asymmetrischen Konflikts auf. Begründet wurde dies mit dem viel zitierten Satz: “Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Taten geplant haben und denen, die sie beherbergen.”[13] Dies war weder eine Ankündigung für einen Rachefeldzug noch für einen Vergeltungsschlag. Es war eine Kriegserklärung für alle Staaten, in denen Terroristen lebten und unterstützt wurden. Diese Mission alleine war für Bush eine politische Rechtfertigung für einen militärischen Angriff.

Dass die USA ihre eigene Linie im Kampf gegen den Terrorismus durchsetzen konnten, lag nicht zuletzt an der uneingeschränkten Unterstützung und Solidarität, die von allen Seiten herangetragen wurde. Nicht nur die Verbündeten der NATO, sondern auch die EU und schließlich auch der Senat und das Repräsentantenhaus gaben der Bush-Regierung die Ermächtigung nach eigenem Ermessen gegen die Täter des 11. Septembers vorzugehen.[14]

Ein Krieg gegen Afghanistan wurde somit völkerrechtlich legitimiert. Dieser begann am 7. Oktober 2001. Durch ein Bündnis mit der Nordallianz konnte bereits nach einem Monat die Hauptstadt Kabul eingenommen werden. Diese erste Phase endete mit der Ernennung Hamid Karzais zum neuen Präsidenten. Truppen aus NATO-Staaten wurden danach eingesetzt, um das Land zu stabilisieren.[15]

[...]


[1] Fischer, S.9

[2] Vgl. Der Spiegel, 49/2001, Protokoll des Irrsinns, S.116

[3] Fischer, S.15

[4] Vgl. Der Spiegel 36/2006, Der endlose Tag, S. 74

[5] Mann, S.65

[6] Vgl. Fischer, S.10

[7] Talbott/Chanda, S.9

[8] Vgl. http://www.bpb.de, Stand: 28.02.2010

[9] Vgl. Fischer, S.121

[10] Kahl, S.23

[11] Vgl. Ebd., S.23

[12] http://amerikadienst.usembassy.de, Rede vom 20.09.2010

[13] Woodward, S.45

[14] Vgl., de Ruiter, S.154

[15] Vgl., Mann, S. 163

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der 11. September und seine Folgen: Kann die amerikanische Außenpolitik mit dem Neorealismus erklärt werden?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Seminar für Internationale Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V167092
ISBN (eBook)
9783640835096
ISBN (Buch)
9783656057482
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
september, folgen, kann, außenpolitik, neorealismus
Arbeit zitieren
Kendra Schmidt (Autor), 2010, Der 11. September und seine Folgen: Kann die amerikanische Außenpolitik mit dem Neorealismus erklärt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167092

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