Der 11. September ist zweifellos ein historischer Tag. Der Lauf der Geschichte wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts schlagartig in eine neue Richtung gelenkt. Er hat nicht nur Fragen von Krieg und Frieden, Sicherheit und nationale Stabilität auf das Parkett der politischen Debatten zurückgebracht, sondern auch das internationale System verändert. Dieses hatte nach dem 2. Weltkrieg und vor allem nach dem Ost-West-Konflikt liberale Werte verinnerlicht. Frieden und Demokratie waren die obersten Gebote der sich entwickelten Zusammenarbeit. Die historischen Erfahrungen sollten sich nicht wiederholen, was durch eine weltweite Verflechtung und Kooperation verwirklicht werden sollte. Auf wirtschaftlicher, politischer, militärischer und völkerrechtlicher Ebene wurden internationale Organisationen wie die NATO, die UNO, die WTO oder die EU gegründet, die durch Verträge und Kontrollen eine Plattform für Zusammenarbeit ermöglicht haben, auf der anderen Seite aber auch eine Souveränitäts- und Selbstbeschränkung für die Nationalstaaten bedeuten.
Fraglich ist, ob dieses System nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 so noch Bestand haben kann. Der Grund dafür ist die uneingeschränkte Macht, die die USA in diesem innehält. Das internationale Staatensystem hängt maßgeblich von der Politik dieser Hegemonie ab. Somit ist die reaktionäre Außenpolitik richtungsweisend für die zukünftige internationale Ordnung und daher auch zentrale Analysekategorie dieser Hausarbeit.
Die Theorien der internationalen Beziehungen setzten sich seit dem 1. Weltkrieg mit der Beschaffenheit des internationalen Systems auseinander und werden in ihrem Denken stark von historischen Ereignissen geprägt. Der Neorealismus als eine dieser Theorien wurde zwar bereits in den 70er Jahren entwickelt, hat jedoch trotz nicht endender Kritik an Aktualität nicht verloren. Der von dieser Theorie geprägte Begriff der Sicherheit stand selten so im Mittelpunkt wie nach dem 11. September.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der 11. September 2001
2.1.Die historischen Ereignisse
2.2.Der asymmetrische Angriff
Neue Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
3. Die Neuordnung des internationalen Systems
3.1.Der Krieg gegen Afghanistan
3.2.Die Achse des Bösen und der Irakkrieg
4. Der Neorealismus
4.1.Die Theorie von Kenneth Waltz
5. US-Außenpolitik im Sinne des Neorealismus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die US-Außenpolitik nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 durch die neorealistische Theorie von Kenneth Waltz erklärt werden kann, mit besonderem Fokus auf den Afghanistan- und Irakkrieg.
- Analyse der historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001
- Untersuchung der sicherheitspolitischen Neuausrichtung der USA
- Darstellung der Kernelemente des Neorealismus nach Kenneth Waltz
- Kritische Überprüfung der US-Interventionen vor dem Hintergrund neorealistischer Annahmen
- Beurteilung der Rolle internationaler Organisationen und der US-Hegemonie
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Theorie von Kenneth Waltz
In den Internationalen Beziehungen wurden seit dem 1. Weltkrieg Theorien entwickelt, um das internationale System zu erklären und die Beziehungen der in ihm agierenden Akteure. Der Neorealismus ist eine dieser Theorien, der anders als der Idealismus ein realistisches Weltbild beinhaltet und gegensätzlich zum Liberalismus nicht die Gesellschaft als wichtigsten Akteur sieht, sondern die Staaten, die durch das internationale System beeinflusst werden.
Laut der Theorie des Neorealismus handeln Staaten rational und aus ihrem Eigeninteresse heraus. Geprägt wird dieses Handeln durch ein dominierendes Interesse an Sicherheit, einen Selbsterhaltungstrieb der Staaten und eine Verweigerung von Kooperation. Eine Weltregierung, also eine übergeordnete Instanz fehlt im internationalen System und somit auch allgemeingültige Regeln und Normen. Dieser Zustand bereitet den Staaten eine ständige Unsicherheit gegenüber anderen.
Begründet wurde der Neorealismus durch Kenneth Waltz mit seinem Werk „Theorie of International Politics“, das 1979 erschien. Die Theorie steht in der Tradition des klassischen Realismus begründet durch Hans Morgenthau. Entwickelt wurde dieser mit den Erfahrungen des 2. Weltkriegs. Diese realistische Weltbetrachtung ging von rational und egoistisch handelnden Staaten aus, deren Hauptziel es war, ihre Macht zu erhalten, erweitern oder zu demonstrieren. Krieg zu führen lag für Morgenthau in der Natur des Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der veränderten internationalen Sicherheitslage nach dem 11. September und Vorstellung der Forschungsfrage zur Anwendbarkeit des Neorealismus auf die US-Politik.
2. Der 11. September 2001: Schilderung der Ereignisse des Tages, der psychologischen Wirkung auf die USA und der Entstehung des asymmetrischen Konfliktbildes.
3. Die Neuordnung des internationalen Systems: Analyse der militärischen Reaktion der USA in Afghanistan und des anschließenden Irakkrieges im Kontext der "Grand Strategy" und des Präventivkrieg-Konzepts.
4. Der Neorealismus: Erläuterung der theoretischen Grundlagen des Neorealismus, insbesondere des Modells von Kenneth Waltz und dessen Fokus auf Anarchie, Sicherheit und Machtstreben.
5. US-Außenpolitik im Sinne des Neorealismus?: Synthese der vorangegangenen Kapitel zur Beantwortung der Frage, ob die US-Außenpolitik unter George Bush als neorealistisch eingestuft werden kann.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Kenneth Waltz, 11. September, US-Außenpolitik, Internationale Beziehungen, Sicherheit, Hegemonie, Anarchie, Afghanistan, Irakkrieg, Präventivkrieg, Terrorismus, Machtstreben, Bush-Doktrin, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die US-Außenpolitik und deren Einordnung in die neorealistische Theorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert den Terrorismus als sicherheitspolitische Herausforderung, die US-Interventionen in Afghanistan und dem Irak sowie die neorealistische Staatentheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Außenpolitik der USA nach dem 11. September 2001 im Sinne des Neorealismus nach Kenneth Waltz erklärt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der historische Ereignisse an den Kriterien der neorealistischen Theorie geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Ereignisse des 11. Septembers, die militärischen Reaktionen der USA, die Theorie des Neorealismus und eine vergleichende Analyse durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neorealismus, Sicherheit, Hegemonie, Anarchie und die US-amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik.
Warum wird der Irakkrieg als neorealistisch interpretiert?
Der Irakkrieg wird im Kontext des Machtstrebens und des Sicherheitsdilemmas interpretiert, wobei die USA versuchen, ihre Position als Hegemon zu sichern und Bedrohungen präventiv auszuschalten.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Vereinten Nationen?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die USA durch ihr eigenmächtiges Handeln im Irakkrieg die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit internationaler Organisationen wie der UNO untergraben haben.
- Citation du texte
- Kendra Schmidt (Auteur), 2010, Der 11. September und seine Folgen: Kann die amerikanische Außenpolitik mit dem Neorealismus erklärt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167092